{"id":25541,"date":"2025-10-21T21:39:27","date_gmt":"2025-10-21T19:39:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25541"},"modified":"2025-10-21T21:39:27","modified_gmt":"2025-10-21T19:39:27","slug":"johannes-5-1-16-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-5-1-16-2\/","title":{"rendered":"Johannes 5, 1-16"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">| 19. Sonntag nach Trinitatis | 26. 10. 2025 | Johannes 5, 1-16 (Z\u00fcricher Bibel) | Menschen im Leiden begleiten! | Winfried Klotz |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">5 1 Danach war ein Fest der Juden, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem. 2,13!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">2 In Jerusalem beim Schaftor ist ein Teich mit f\u00fcnf Hallen, der auf Hebr\u00e4isch Betesda heisst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">3 In den Hallen lagen viele Kranke.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Verschiedene Handschriften erg\u00e4nzen den V.3 und f\u00fcgen V.4 ein: \u00ab3 In den Hallen lagen viele Kranke, die auf die Bewegung des Wassers warteten. 4 Denn ein Engel (des Herrn) stieg von Zeit zu Zeit in den Teich hinab und w\u00fchlte das Wasser auf. Wer nun als Erster hineinstieg nach dem Aufwallen des Wassers, wurde gesund, mit welcher Krankheit er auch behaftet war.\u00bb<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">4 [Siehe die Anmerkung zu Vers 3]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">5 Dort war auch ein Mensch, der seit achtunddrei\u00dfig Jahren an seiner Krankheit litt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">6 Als Jesus diesen liegen sieht und erkennt, dass er schon eine lange Zeit leidet, sagt er zu ihm: Willst du gesund werden?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">7 Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich, sobald das Wasser aufgew\u00fchlt wird, in den Teich tr\u00e4gt; und wenn ich versuche, selber hinzukommen, steigt ein anderer vor mir hinein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">8 Jesus sagt zu ihm: Steh auf, nimm deine Bahre und zeig, dass du gehen kannst! Mt 9,6<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">9 Und sogleich wurde der Mensch gesund, er nahm seine Bahre und konnte gehen. An jenem Tag aber war Sabbat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">10 Die Juden sagten nun zum Geheilten: Es ist Sabbat, es ist dir nicht erlaubt, deine Bahre zu tragen. Ex 20,8-11; Dtn 5,12-15 \u00b7 7,23!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">11 Er aber antwortete ihnen: Der mich gesund gemacht hat, hat zu mir gesagt: Nimm deine Bahre und zeig, dass du gehen kannst!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">12 Sie fragten ihn: Wer ist der Mensch, der zu dir gesagt hat: Nimm sie und zeig, dass du gehen kannst?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">13 Der Geheilte wusste aber nicht, wer es war, denn Jesus hatte sich zur\u00fcckgezogen, da an dem Ort ein Gedr\u00e4nge entstanden war.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">14 Sp\u00e4ter findet ihn Jesus im Tempel, und er sagt zu ihm: Du siehst, du bist gesund geworden. S\u00fcndige nicht mehr, damit dir nicht etwas Schlimmeres widerf\u00e4hrt!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">15 Der Mensch ging fort und berichtete den Juden, es sei Jesus, der ihn gesund gemacht habe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">16 Und darum verfolgten die Juden Jesus, weil er solches an einem Sabbat tat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was redet uns an aus diesem Abschnitt des Johannesevangeliums? Vielleicht zuerst die hoffnungslose Situation dieses Mannes, der seit vielen Jahren krank ist und dem die Hoffnung immer mehr schwindet. Ja, ich bin hier an einem Ort der Heilung verspricht, aber wenn das Wasser heilkr\u00e4ftig wird komme ich immer zu sp\u00e4t. \u00dcber Jahre chronisch krank und die M\u00f6glichkeit der Heilung, ob sie nun real oder nur vorgestellt ist, immer verpasst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Chronisch- dauerhaft krank, dieses Schicksal haben Menschen bis heute. Wir haben eine Vorstellung vom Leben, in der das nicht vorkommt. Leben muss doch rund und sch\u00f6n sein! Aber wie oft ist es eingeschr\u00e4nkt, wie oft kommt es nicht zur Bl\u00fcte und zum Frucht tragen. Wie oft st\u00f6hnen Menschen unter Lasten, die sie nicht ablegen k\u00f6nnen. \u201eWas lebt und webet auf der Erden, kann das Ungl\u00fcck nicht vermeiden\u201c; So hat Paul Gerhard gedichtet im Lied \u201eGib dich zufrieden und sei stille in dem Gottes deines Lebens!\u201c (EG 371, 13) Er kannte das Ungl\u00fcck; eigentlich h\u00e4tte man bei ihm, der so viel Schweres durchmachen musste, erwarten m\u00fcssen, dass er sich wie hinter eine Mauer zur\u00fcckzieht und mit einem Beter der Klagelieder schreibt: \u201eAus dem Frieden hast du mich versto\u00dfen, was Gl\u00fcck ist, habe ich vergessen!\u201c (Kgl. 3, 17) Es gibt viele Menschen, die so empfinden, wenn der Schleier der Depression sich \u00fcber sie legt. Kopf hoch, sagen dann manche, aber das verletzt eher die Seele als das es sie verbindet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">38 Jahre krank, am Teich Betesda liegend, vermutlich versorgt von Angeh\u00f6rigen oder auch durch Betteln, ohne hoffnungsvollen Blick in die Zukunft, was f\u00fcr ein Leben. Das ist doch ein sinnloses Leben!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir wissen nicht viel von diesem Menschen; der Evangelist erz\u00e4hlt nur davon, dass Jesus einen Besuch an diesem Ort des Leidens macht. Orte des Leidens besuchen ist auch unsere Aufgabe, auch wenn wir nicht in der Vollmacht Jesu handeln k\u00f6nnen. Aber nicht verlassen sein ist eine gro\u00dfe Sache; darin spiegelt sich auch, dass Gott uns nicht im Stich l\u00e4sst. Ob wir wie Jesus die Frage stellen k\u00f6nnen \u201eWillst du gesund werden?\u201c Ein chronisch Kranker k\u00f6nnte sie so verstehen, dass wir ihn nicht in seiner Krankheit ernst nehmen. Sinn macht die Frage nur, wenn sich jemand in seiner Krankheit eingerichtet hat und nicht bereit ist, eine neue Therapie zu probieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bei Jesu Frage \u201eWillst du gesund werden?\u201c wird das ganze Elend dieses Menschen sichtbar: Er hat niemanden, der ihm ins Wasser hilft, wenn es heilkr\u00e4ftig wird; er ist von Menschen und Gott verlassen. Aber gilt nicht auch f\u00fcr diesen Menschen das Wort aus Psalm 113: \u201eWer ist dem HERRN gleich, unserem Gott, der hoch droben thront, 6 der tief hinunterschaut auf Himmel und Erde! 7 Der aus dem Staub den Geringen aufrichtet, aus dem Kot den Armen erhebt.\u201c (V. 5-7) Solche S\u00e4tze spiegeln Erfahrung, aber Erfahrung ist kein Naturgesetz; sie ist aber Zeugnis daf\u00fcr, dass Gott kein stummer, eherner G\u00f6tze ist. Mit Gott ist zu rechnen und das umso mehr, als uns durch Jesus versprochen ist, dass er auf seine Kinder h\u00f6rt. Es kann sein, dass er uns wie ein Feind begegnet (1. Mose 32, 23 ff b- Jakobs Kampf am Jabbok) und wir mit ihm ringen m\u00fcssen; mit Gott ringen ist immer sinnvoll, denn irgendwann kommt der Punkt, an dem wir sagen k\u00f6nnen: \u201eIch lasse dich nicht, es sei denn, du segnest mich.\u201c Schwere Lebenswege sind nicht selbstverst\u00e4ndlich gesegnete Wege; sie werden es aber da, wo wir im Vertrauen auf Jesus das abweisende Gesicht Gottes nicht als sein letztes Wort an uns nehmen. (Lk. 18, 1ff) Um auf solchen Wegen nicht zu scheitern braucht es die Gemeinde, Menschen, die uns an unseren Leidensorten aufsuchen, uns anh\u00f6ren, N\u00e4he schenken mit uns im Namen Jesu beten. Und es braucht Schulung f\u00fcr die, die helfen wollen, wie sie z. B. von Wycliff angeboten wird. (<a href=\"https:\/\/spracheundkultur.org\/kurse-uebersicht\/traumatisierte-menschen-begleiten-basiskurs\/\">https:\/\/spracheundkultur.org\/kurse-uebersicht\/traumatisierte-menschen-begleiten-basiskurs\/<\/a>)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Von wunderbarer Heilung durch das machtvolle Wort Jesu berichtet unser Abschnitt. \u201eSteh auf, nimm deine Bahre und zeig, dass du gehen kannst!\u201c sagt Jesus und es geschieht so. (V. 8) Der Mensch steht auf, geht los und tr\u00e4gt seine Bahre. Sein Leben ist g\u00e4nzlich ver\u00e4ndert und das durch einen ihm unbekannten Menschen. Was ihn jubeln l\u00e4sst erregt \u00c4rger: \u201eEs ist Sabbat, es ist dir nicht erlaubt, deine Bahre zu tragen.\u201c Das Prinzip \u201eHeiligung des Sabbat\u201c ist viel wichtiger als die Heilung eines chronisch Kranken. Menschen lieben Prinzipien, sie geben Sicherheit, das Leben wird durchschaubar. Aber Prinzipien haben eine negative Seite; sie machen manchmal lieblos und stur; im Extremfall k\u00f6nnen sie t\u00f6ten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Tempel trifft der Geheilte sp\u00e4ter Jesus. Das Gespr\u00e4ch zwischen Ihnen fasst Johannes zusammen in einem Satz: \u201eDu siehst, du bist gesund geworden. S\u00fcndige nicht mehr, damit dir nicht etwas Schlimmeres widerf\u00e4hrt!\u201c Das Wort \u00fcberrascht uns, war es eine g\u00f6ttliche Strafe, die der jetzt Geheilte in den 38 Jahren am Teich Betesda abb\u00fc\u00dfen musste? Ich sehe das nicht so; aber der R\u00fcckfall in alte Verhaltensmuster kann alles zerst\u00f6ren, was durch Hilfe von Gott und Menschen erreicht wurde.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unsere Geschichte endet nicht so, wie wir es uns w\u00fcnschen w\u00fcrden. Jesus hat die Welt nicht ein St\u00fcckchen besser gemacht, sondern ein Konflikt wird sichtbar. Der Geheilte berichtet, dass Jesus ihn gesund gemacht hat. \u201eDarum verfolgten die Juden Jesus, weil er solches an einem Sabbat tat.\u201c So endet unser Abschnitt. Jesus handelt so, wie der Vater handelt, hei\u00dft es sp\u00e4ter. (V. 19) Handeln wir mit ihm, Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Winfried Klotz, Jg. 1952, Pfr. i. R., Bad K\u00f6nig im Odenwald<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">verheiratet, 3 Kinder, 1 Enkelkind; theol. gepr\u00e4gt von Otto Michel und Hans Joachim Iwand; Mitglied im Pfarrgebetsbund<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">winfried.klotz@web.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>| 19. Sonntag nach Trinitatis | 26. 10. 2025 | Johannes 5, 1-16 (Z\u00fcricher Bibel) | Menschen im Leiden begleiten! | Winfried Klotz | 5 1 Danach war ein Fest der Juden, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem. 2,13! 2 In Jerusalem beim Schaftor ist ein Teich mit f\u00fcnf Hallen, der auf Hebr\u00e4isch Betesda heisst. 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