{"id":25557,"date":"2025-10-27T08:04:16","date_gmt":"2025-10-27T07:04:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25557"},"modified":"2025-10-27T08:22:13","modified_gmt":"2025-10-27T07:22:13","slug":"5-mose-64-9-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/5-mose-64-9-2\/","title":{"rendered":"5. Mose 6,4-9"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Der eine Einzigartige | Reformationstag | 31. 10. 2025 | 5. Mose 6,4-9 | Eberhard Busch |<\/strong><\/h3>\n<p><em>H\u00f6re, Israel, der Herr unser Gott, ist ein einziger Herr. Und du sollst den Herr, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen, vom ganzer Seele, von allem Verm\u00f6gen. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen, und sollst sie deinen Kindern einsch\u00e4rfen und sollst davon reden, wenn du in deinem Hause bist oder auf dem Wege gehst, wenn du dich niederlegst oder aufstehst.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/em><\/p>\n<p>\u201eH\u00f6re, Israel\u201c. In diesem Aufruf sind vor allen Anderen die Juden angesprochen: H\u00f6rt hin! Und in der Tat, sie h\u00f6ren. Diese Worte sind f\u00fcr sie, f\u00fcr Juden, ein Glaubensbekenntnis, in ihrer Sprache genannt: das \u201eSch\u2019ma Jisrael\u201c. Sie sind hier aufgefordert, Gott als den Einen anzuerkennen, neben dem es keinen Zweiten gibt. \u201eSoli Deo gloria\u201c, \u201e<em>allein<\/em> Gott die Ehre!\u201c, das ist auch bei Christen ein viel genannter Spruch. Und der besagt: Alle anderen M\u00e4chte, die man neben den Einen r\u00fcckt, sind <em>nicht <\/em>Gott, auch wenn Menschen sie f\u00fcr g\u00f6ttlich ausgeben. Nein dazu! Eine G\u00f6tterd\u00e4mmerung sondergleichen findet hier statt. Menschen m\u00f6gen den und jenen f\u00fcr gottgleich halten. Aber sie t\u00e4uschen sich..<\/p>\n<p>Nehmen wir es genau! Es handelt sich dabei um <em>verg\u00f6tzte<\/em> Gestalten. G\u00f6tzen sind angehimmelte, doch h\u00f6chst irdische Erscheinungen, wenn nicht gar teuflische M\u00e4chte und D\u00e4monen, die uns innerlich gefangen nehmen. Dem zu widerstehen, kann eines b\u00f6sen Tages brandgef\u00e4hrlich sein. \u201eDu, Gott, bist meine Zuversicht <em>alleine<\/em>, \/ sonst wei\u00df ich keine\u201c &#8211; ein Pfarrer, der in den braunen Zeiten auf seiner Kanzel diese Lied-Zeile zitierte, kam deshalb ins Gef\u00e4ngnis. Trotz der Gefahr band sich 1934 die deutsche evangelische Kirche in ihrem Glauben an das eine Wort dieses Einen.<\/p>\n<p>\u201e<em>H\u00f6re<\/em> Israel!\u201c Bei Manchen ist es jedoch so, dass sie am \u00dcbel der Schwerh\u00f6rigkeit kranken, ja, eine satte Mehrheit ist davon betroffen. Gott redet, aber sein Wort st\u00f6\u00dft auf taube Ohren. Es ist klar und deutlich, was er sagt; doch f\u00fcr sie ist es wie in den Wind gesprochen, und so marschieren Zahllose glatt in die falsche Richtung. Da ist es ein richtiges Wunder, wenn es dazu kommt, dass ein Mensch spricht: \u201eRede HERR, dein Knecht, deine Magd <em>h\u00f6rt<\/em>\u201c (vgl. 1.Sam 3,10). Und man sollte darum bitten: Gott, \u00f6ffne mein Ohr, ja \u201e\u00f6ffns meine Herzenst\u00fcr, zieh mein Herz durch dein Wort zu dir.\u201c<\/p>\n<p>Es mag sein, dass man ziemlich einsam darum bittet. Im Alten Testament steht die Geschichte, wie der Prophet Elia sogar ganz allein einer Flut von Gefolgsleuten solcher G\u00f6tzen gegen\u00fcber stand. G\u00f6tzen sind zu allem auch noch popul\u00e4re Figuren. Gott ist <em>Einer<\/em>. G\u00f6tzen gibt es wie Sand am Meer. Wer h\u00e4ngt denn nicht sein Herz an Dinge, an Leute, die ihm sein Ein und Alles sind; daf\u00fcr kann man sich regelrecht verk\u00e4mpfen. Die Konkurrenz von Elia und den vielen Andren endet nicht in einem Patt. Sie endet so, wie es in einem Lied hei\u00dft, das in unsrem Gesangbuch steht: \u201eDie falschen G\u00f6tzen macht zu Spott. \/ Der Herr ist Gott. Der Herr ist Gott. \/ Gebt unsrem Gott die Ehre.\u201c<\/p>\n<p>Wer ist denn der eine Einzige? Keine spr\u00f6de, sture Zahl 1! Das Sch\u2019ma Jisrael sagt uns doch auch, wir d\u00fcrften Gott \u201e<em>liebhaben<\/em> von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allem Verm\u00f6gen\u201c. Zur Liebe geh\u00f6ren Zwei. Wir lieben IHN, weil ER uns liebt. Mit ihm verbunden sein, das ist obendrein auch einfach sch\u00f6n, ist ein Vergn\u00fcgen, ist lustig. Es gab einen Liederdichter, dem genau das eingeleuchtet hat, Johannes Scheffler, genannt Angelus Silesius. Sein Lied steht auch im Evangelischen Gesangbuch; darin hei\u00dft es, wie in einem flammenden Liebeslied, nun an Gott gerichtet: \u201eIch will dich lieben, meine Krone, ich will dich lieben, meinen Gott. \/ Ich will dich lieben ohne Lohne \/ auch in der allergr\u00f6\u00dften Not. \/ Ich will dich lieben, sch\u00f6nstes Licht, \/ bis mir das Herze bricht.\u201c<\/p>\n<p>Zudem ist auch dies zu sagen: Der Eine ist vielseitig. Er schlie\u00dft Beliebigkeit aus, nicht Vielfalt. Der Eine ist reich, \u201eewigreich\u201c. Wenn uns das klar ist, dann ist uns auch klar, wie er sich von den vielen Anderen abhebt. Ein Prophet im Alten Testament hat dazu eine erhellende Erkl\u00e4rung geliefert. Nach ihm stellt sich Gott so uns Menschen vor: \u201eDer ich in der H\u00f6he wohne <em>und<\/em> bei denen, die niedergeschlagen sind, damit ich sie aufrichte\u201c (Jes 57,15). <em>Da<\/em> hat Gott seinen Wohnsitz: in einer f\u00fcr uns unerreichbaren H\u00f6he und zugleich ganz in unsere N\u00e4he, dort, wo er sich der hart Bedr\u00e4ngten annimmt und wo er <em>uns<\/em> damit sagt: \u201eLiebe deinen N\u00e4chsten\u201c. Wir wissen erst, wie Gott zu lieben ist, \u201evon ganzem Herzen\u201c, wenn wir unseren N\u00e4chsten lieben so wie sonst uns selbst. Es gilt, beides zusammen im Blick zu haben: \u201eAllein Gott in der H\u00f6h\u2018 sei Ehr\u2018 \/ <em>und<\/em> Dank f\u00fcr seine Gnade\u201c &#8211; n\u00e4mlich die er seinen armen Kreaturen erweist. Unser Gott hat beides untrennbar zusammen-geschmiedet: sich selbst und unsren Mitmenschen. Niemand unterstehe sich, das zu trennen, was Gott zusammengef\u00fcgt hat! Dies ist zuerst den Juden gesagt. Dies lassen wir Christen uns bitte von den Juden sagen.<\/p>\n<p>In der Zeit des Nationalsozialismus lebte in Wuppertal ein junger Mann, auf bestem Weg, Pfarrer zu werden, Helmut Hesse. Der war den da Herrschenden und sogar seiner evangelischen Kirche ein Dorn im Auge. So sehr, dass er deswegen ins KZ Dachau kam und dort ermordet wurde. Was hatte er angestellt? Dies, dass er wie wenig Andere \u00f6ffentlich darauf pochte: \u201eDie Christen k\u00f6nnen das Erbarmen, von dem sie selbst leben, nicht schlimmer verspotten, als wenn sie die Juden verspotten, weil diese von Gott verlassen seien.\u201c Kurz, weil Juden das Erbarmen Gottes gilt, darum gilt es auch den Christen.<\/p>\n<p>Auch uns, den Protestanten. Wir feiern heute das Reformationsfest. Was war die Reformation vor 500 Jahren? Eine Modernisierung des Christentums? Oder gar ein Hinterher-Hecheln hinter dem, was gerade up to date ist? Nein, das war sie nachweislich nicht. Und man sollte nicht so tun, als w\u00e4re es in ihr darum gegangen. Sondern sagen wir: die Reformation war eine R\u00fcckbesinnung auf das, was das Evangelium laut der Heiligen Schrift uns heute sagt. Es ging um ein Nachbuchstabieren dessen, was da zu h\u00f6ren ist. Ja. H\u00f6rt es auch ihr Evangelischen! Oder findet sich einer oder eine unter uns, die darin schon ausgelernt haben? Die dabei schon \u00fcbers Stottern hinausgekommen sind?: Soli Deo Gloria! Allein Gott die Ehre!<\/p>\n<p>Es gibt den Satz: Die Kirche der Reformation habe sich<em> immer wieder<\/em> zu reformieren; also, die erneuerte Kirche habe sich stets neu zu erneuern. Sie hat den Schatz ihrer Botschaft nicht in einem Bank-Safe gelagert, um ihn unber\u00fchrt etwa am Reformationstag dem Publikum vorzuf\u00fchren. Vielmehr hat sie zu jeder Zeit aufs Neue zu lernen, wie das Evangelium, die frohe Botschaft lautet. Oder wie es jemand formuliert hat: Sie hat immer wieder mit dem Anfang anzufangen. Das ist nie eine schon erledigte Aufgabe. Und was uns da gegeben wird, ist ein fl\u00fcssiges Kapital. Es ist uns gegeben zum Weitergeben an unsere Nachbarn, an unsere Nachfahren. Denn es darf auch bei uns nicht bis zum n\u00e4chsten Jahr auf die lange Bank geschoben werden. <em>Heute<\/em> gilt\u2018s: \u201eFrisch, Gesellen, seid zur Hand!\u201c (Friedrich Schiller)<\/p>\n<hr \/>\n<p>verfasst von: Eberhard Busch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der eine Einzigartige | Reformationstag | 31. 10. 2025 | 5. Mose 6,4-9 | Eberhard Busch | H\u00f6re, Israel, der Herr unser Gott, ist ein einziger Herr. Und du sollst den Herr, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen, vom ganzer Seele, von allem Verm\u00f6gen. 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