{"id":25571,"date":"2025-10-28T22:11:33","date_gmt":"2025-10-28T21:11:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25571"},"modified":"2025-10-28T22:11:33","modified_gmt":"2025-10-28T21:11:33","slug":"offenbarung-71-12-matthaeus-51-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/offenbarung-71-12-matthaeus-51-12\/","title":{"rendered":"Offenbarung 7,1-12; Matth\u00e4us 5,1-12"},"content":{"rendered":"<h3>20.Sonntag nach Trinitatis | 02.11.25 | Offenbarung 7,1-12; Matth\u00e4us 5,1-12 (d\u00e4nische Perikopenordnung)<a href=\"applewebdata:\/\/9FB11695-92A3-40C7-BDF9-8054239C1589#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1] | <\/a>Von Margrethe Dahlerup Koch<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Gott macht alles neu<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da sind so viele Namen f\u00fcr Allerheiligen. Nicht nur die Namen der 12 Stammv\u00e4ter, die wir gerade geh\u00f6rt haben in der ersten Lesung vom Altar \u2013 Juda, Ruben, Gad usw. Und auch nicht nur die Namen, die in diesem Gottesdienst noch verlesen werden \u2013 die Namen derer aus der Gemeinde, die seit dem letzten Allerheiligen verstorben sind. Aber auch die Namen der vielen anderen, die wir jeder f\u00fcr sich vermissen, an die wir uns erinnern und \u00fcber die wir uns freuen, dass wir sie in unserem Leben gehabt haben. Die uns das Radfahren beigebracht haben, starken K\u00e4se zu essen und in Br\u00fcchen zu rechnen. Die wir geliebt haben und mit denen wir alt geworden sind. Deren Eltern wir waren, deren Kinder und Freunde. Und die, die uns gelehrt haben aufzugehen und loszulassen. Die Schwierigen und anstrengenden, die uns lehrten, dass es Grenzen gibt f\u00fcr das, was ein Mensch k\u00f6nnen soll und ertragen kann. An die denken wir heute auch. An die, mit denen wir gestritten haben, und an die, denen wir nicht helfen konnten. Das geh\u00f6rt mit zu unserem Leben, und sie haben uns vielleicht das Wichtigste gelehrt. Dass da Kr\u00e4fte sind, die nur Gott hat und die nur Gott geben kann. Dass da Schleifen sind, die wir nicht fein s\u00e4uberlich binden k\u00f6nnen, und da sind ungel\u00f6ste Konflikte, die wir in die klugen und starken H\u00e4nde Gottes legen m\u00fcssen, denn wir weder konnten noch vermochten hier etwas ausrichten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0 Und so sitzen wir hier mit all den verschiedenen Namen, an die wir denken. So unterschiedliche Leben, und so verschiedene Tode. So verschiedene Erfahrungen und Erinnerungen. Wir sitzen jeweils mit den unsrigen. Aber wir sitzen <em>zusammen<\/em>. Nicht allein. Wir sitzen hier zusammen um zu gedenken und uns zu erinnern. Ja wir, aber vor allem um zu h\u00f6ren und zu singen und zu glauben, dass an uns gedacht ist. Von Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Allerheiligen leuchtet mitten im Dunkel des Novembers mit seiner Botschaft, dass wir in der Welt nie ohne Gott sind. An uns wird gedacht. Von Gott. Auch wenn sich der Missmut wie eine schwere, dunkle Hand \u00fcber alles legt. Auch wenn Leib und Seele beherrscht sind von der Furcht, wie man durch die Nacht und die Finsternis und den morgigen Tag kommt. Es ist nicht sicher, dass wir selbst erfahren haben oder glauben k\u00f6nnen, dass Gott in diesen Situationen gegenw\u00e4rtig ist. Deshalb m\u00fcssen wir auf andere h\u00f6ren, die uns das erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Wie dies z.B. der alte Johannes tut. Die gewaltigen Visionen, die wir in der Lesung vom Altar geh\u00f6rt haben, mit Engeln und wei\u00dfgekleideten Scharen \u2013 das ist nur ein kleiner Teil vom gro\u00dfen Traum und der Predigt des Johannes, die er einmal zwischen den Jahren 90 und 100 h\u00e4lt. Die Tradition erz\u00e4hlt, dass er sitzt, der uralte Mann, auf der Insel Patmos, vor der heutigen t\u00fcrkischen K\u00fcste. Dorthin ist er verwiesen aus Ephesus, zusammen mit allen anderen Christen aus dieser Stadt. Denn der Kaiser in Rom duldet die Christen nicht mehr. Er ist von Gr\u00f6\u00dfenwahnsinn befallen. Er will wie Gott angebetet und angeredet werden. Und das verweigern die Christen. Deshalb sind sie nun nach Patmos verwiesen \u2013 und damit zum Tode verurteilt. Denn auf Patmos befinden sich Arbeitslager von der Art, wie sie Diktatoren auch seitdem in der Geschichte gebraucht haben und noch immer gebrauchen. Arbeitslager, deren einziger Zweck darin besteht, dass sich die Leute zu Tode schuften sollen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Da sitzt Johannes nun zusammen mit all den anderen, die nur Aussicht auf Leiden und Tod haben. Und das Vergessen. Das Vergessen, das das Ziel des Kaisers mit all dem ist. Das Vergessen soll sowohl die Gefangenen als auch ihren Glauben auffressen. Und gerade hier \u2013 mit der Aussicht auf die Vernichtung \u2013 erblickt Johannes an einem Sonntag etwas anderes. Die Offenbarung des Johannes \u2013 seine gro\u00dfen Visionen. Die eigenartigen und wilden Visionen, deren innerster Sinn ist: \u201eGott erinnert sich\u201c. Das Projekt des Kaisers ist zum Tode verurteilt \u2013 nicht ihr seid es \u2013 predigt Johannes. Ihr seid nicht dem Vergessen anheimgegeben, sondern Gott, dem Gott, dem Johannes ganz am Ende seiner Vision sagen h\u00f6rt: \u201eSiehe, ich mache alles neu\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eAlles wird neu\u201c. Das ist es, was so schwierig ist und so schwer, wenn man einen Verlust erlitten hat. Das ist es ja, wor\u00fcber die Trauer weint: Dass nichts mehr ist, wie es einmal war, und dass es nie wieder so wird. Alles ist neu. Und was die Namen angeht: Selbst einen neuen Namen hat man bekommen. Man ist eine Witwe geworden, ein Witwer oder jemand von den Hinterbliebenen. Und der Namen, den man trug, bei dem nennt einen nun niemand mehr. Da ist niemand mehr, der einen Ehemann oder Ehefrau nennt, Kind, Mutter, Geliebte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0 Man hat neue wichtige Dokumente: Todesurkunde, Bescheinigung f\u00fcr das Grab. Man muss wohl zu einer Zeit ein neues T\u00fcrschild anschaffen. Oder man hat einen \u201eGenerationswechsel\u201c erlebt. Fr\u00fcher war man Kind eines Erwachsenen oder Kind von Geschwistern. Nun ist man zur \u00e4ltesten Generation der Familie geworden. Nichts ist mehr, wie es einmal war. Deshalb ist es bescheuert, den Leuten einzubilden, dass sie weiterkommen m\u00fcssen. Das sagt man ja, wenn man trauert: Man ist weitergekommen, man ist an eine ganz neue Stelle gekommen, wo man noch nicht gewesen ist. Es sind alle anderen, die nicht weitergekommen sind und die noch immer glauben, dass die Welt wie fr\u00fcher ist. Und es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn sie das eins\u00e4hen und respektierten, wie hart es sein kann, in all dem Neuen zu sein, und vielleicht zu wagen, stattdessen darauf einzugehen und bei dem Trauernden in dem Neuen zu sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das tut unser Herr. \u201eSiehe <em>ich<\/em> mache alles neu\u201c, sagt er in der gro\u00dfen Traumvision des Johannes. <em>Gott<\/em> macht alles neu. Das ist die Antwort von Allerheiligen an uns, wenn wir meinen, dass das Beste das ist, was wir verloren haben, dass Freuden etwas sind, was wir erlebt <em>haben<\/em>, und das das Leben das ist, was hinter uns liegt. Nein, verspricht uns Gott. Das Beste, die gr\u00f6\u00dfte Freude, die steht euch noch immer bevor.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Gott ist es, der alles neu macht. Den Trost, die Freude, die neue Sicht und die neuen Aufgaben sollen wir nicht selbst aus der Erde stampfen und herbeizwingen. Wir d\u00fcrfen traurig sein \u2013 auch l\u00e4nger und anders als andere das vielleicht angebracht finden. Wir k\u00f6nnen der Trauer Raum geben im Leben in der Gewissheit, dass Gott es gewiss ertragen wird, all das zu h\u00f6ren, das andere leidhaben oder wor\u00fcber sie erschrecken, wenn sie es h\u00f6ren. Wir k\u00f6nnen trauern in der Gewissheit, dass Gott jede Tr\u00e4ne trocknen wird, wenn wir die Zeit geweint haben, die geweint werden muss. Und wir k\u00f6nnen trauern in der Gewissheit, dass der Platz, den die Trauer eingenommen hat, einmal von der Freude \u00fcbernommen wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das war die Hoffnung, die Johannes auf Patmos f\u00fcr die zu Tode verurteilten verk\u00fcndigte. Und das ist dieselbe trotzige Hoffnung, die uns dazu veranlasst, Kerzen und Blumen auf die Gr\u00e4ber zu stellen mitten im Dunkel und der K\u00e4lte des Novembers.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0 Vor 50 Jahren fand man in Vedb\u00e6k hier in D\u00e4nemark einiger Gr\u00e4ber aus der J\u00e4gersteinzeit bzw. Altsteinzeit. In einem der Gr\u00e4ber fand man eine junge Frau, die mit ihrem kleinem zu fr\u00fch geborenem Kind begraben wurde. Das Kind wurde auf einen Schwanenfl\u00fcgel begraben. Vor 7000 Jahren hat man f\u00fcr ein kleines totes Kind gesorgt. Man hat f\u00fcr den kleinen Jungen gesorgt, wie es aussieht. Kann man den Schwanenfl\u00fcgel deuten als ein Zeugnis daf\u00fcr, dass man auch f\u00fcr seine Toten hoffte? Die Hoffnung, dass sie im Ged\u00e4chtnis blieben, die Hoffnung, dass es die Lebenden waren, die f\u00fcr eine Zeit die Hinterbliebenen waren, w\u00e4hrend die toten auf dem Weg in ein neues Dasein waren? Auf dem Schwanenfl\u00fcgel der Hoffnung?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Wir wissen nicht, was sie damals vor 7000 Jahren gedacht haben. Aber wir wissen, dass 5000 Jahre nachdem der kleine Junge auf den Schwanenfl\u00fcgel gelegt wurde, ein kleiner Junge in Bethlehem geboren wurde, der sein ganzes Leben darauf verwandte zu sagen und zu zeigen, dass die Hoffnung darauf wahr ist, dass Gott an jeden Menschen denkt. Er, Jesus, lebte sein ganzes Leben mit der Hoffnung. Und er gab das hoffnungsvolle Leben weiter und gab es fort, bis da nichts mehr zu geben war und er starb. Aber sein Leben verschwand nicht. Er stand auf von den Toten. Und nun ist sein Leben, das hoffnungsvolle Leben, das der Tod nicht umbringen konnte, nun ist dieses Leben hier bei uns, f\u00fcr die es gegeben wurde.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0 Deshalb k\u00f6nnen wir hier sitzen, jeder mit unseren neuen und alten Namen, mit all unseren Erfahrungen und Gedanken. Und wir sitzen hier <em>zusammen<\/em>. Wir singen und h\u00f6ren und glauben zusammen, dass Gott an uns denkt, zu uns kommt und zu allen unseren Toten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Um alles neu zu machen und voll von Freude. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pr\u00f6pstin\u00a0 Margrethe Dahlerup Koch<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK 6950 Ringk\u00f8bing<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: mdk(at)km.dk<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/9FB11695-92A3-40C7-BDF9-8054239C1589#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> In D\u00e4nemark wird dieser Sonntag als Totensonntag (Allerheiligen) begangen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>20.Sonntag nach Trinitatis | 02.11.25 | Offenbarung 7,1-12; Matth\u00e4us 5,1-12 (d\u00e4nische Perikopenordnung)[1] | Von Margrethe Dahlerup Koch Gott macht alles neu Da sind so viele Namen f\u00fcr Allerheiligen. 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