{"id":25589,"date":"2025-11-06T08:03:42","date_gmt":"2025-11-06T07:03:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25589"},"modified":"2025-11-05T16:27:21","modified_gmt":"2025-11-05T15:27:21","slug":"johannes-446-53-2-koenige-51-5-9-15","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-446-53-2-koenige-51-5-9-15\/","title":{"rendered":"Johannes 4,46-53; 2. K\u00f6nige 5,1-5, 9-15"},"content":{"rendered":"<h3>Drittletzter So. d. Kirchenjahres | 09.11.2025 | Joh 4.46-53; 2. K\u00f6n 5.1-5; 9-15 | Anna Jensen |<\/h3>\n<p><strong>Glaube, Hoffnung und Liebe k\u00f6nnen uns verwandeln<\/strong><\/p>\n<p>Eltern werden bis ans Ende der Welt gehen f\u00fcr ihre Kinder. Dennoch gen\u00fcgt das nicht immer.<\/p>\n<p>\u201eWie hast du den Weg hierher finden k\u00f6nnen?\u201c \u2013 fragte der Tod in H.C. Andersens M\u00e4rchen \u201eGeschichte von einer Mutter\u201c. Die Geschichte von einer Mutter ist bestimmt nicht f\u00fcr Kinder, das ist ein unheimliches und ernstes M\u00e4rchen. Aber vielleicht deshalb soll man es seinen Kindern vorlesen. Kinder sollen darauf vorbereitet werden, dass es Trauer und Leid gibt, aber ihnen soll auch Hoffnung gegeben werden, dass es die Liebe gibt. In dem M\u00e4rchen finden wir eine \u00e4ngstliche Mutter, die am Bett ihres kranken Kindes wacht. In einer Nacht kommt der Tod zu Besuch, und w\u00e4hrend die ersch\u00f6pfte Mutter einen Augenblick schlummert, geht der Tod aus der T\u00fcr mit dem Kind im Arm. Die Mutter l\u00e4uft ihm nach hinaus in die kalte Nacht, aber wer kann den Tod einholen? Drei Mal auf ihrem Weg erh\u00e4lt sie Hilfe, sie bezahlt mit ihrer Zeit, ihrem Herzblut und ihren Augen, aber sie ist bereit, alles zu geben, um ihr Kind wiederzubekommen. Schlie\u00dflich kommt sie zum Gew\u00e4chshaus des Todes, wo alle Pflanzen schlagende Menschenherzen haben. Unter Millionen von Herzschl\u00e4gen erkennt sie die Pflanze ihres kleinen Kindes wieder und hat gerade die Pflanze in die Hand genommen, als der Tod ankommt. \u201eWie konntest du schneller ankommen als ich?\u201c fragt der Tod, und sie antwortet: \u201eIch bin eine Mutter!\u201c In H.C. Andersens M\u00e4rchen wird eine Mutter alles f\u00fcr ihr Kind tun, sie wird bis ans Ende der Welt gehen, sie wird ihr eigenes Leben hingeben, wenn nur ihr Kind leben darf.<\/p>\n<p>In Kana in Galil\u00e4a stand ein Vater vor Jesus. Er war den langen Weg gegangen von Kapernaum, um Jesus darum zu bitten, seinen kranken Jungen zu heilen. Der Vater des Jungen war k\u00f6niglicher Beamter. Er war reich, er h\u00e4tte seine Diener schicken k\u00f6nnen mit einem Ansuchen an Jesus, aber er entschied sich daf\u00fcr, selbst zu kommen. Vielleicht war sein Anliegen zu wichtig als dass er es wagte, dies anderen zu \u00fcberlassen, vielleicht war er an die Grenze gelangt, die alle Eltern f\u00fcrchten, dass unsere Kinder vor uns sterben und wir nichts dagegen tun k\u00f6nnen. Im Johannesevangelium wird hervorgehoben, dass es nicht ein Mann mit gew\u00f6hnlicher Arbeit war, der Jesus aufsuchte, sondern einer von hohem Rang. Er hatte Geld und h\u00e4tte die damaligen \u00c4rzte bezahlen k\u00f6nnen, um den Jungen zu heilen, aber das hatte keinen Erfolg. Nun setzte der k\u00f6nigliche Beamte seine W\u00fcrde aufs Spiel, denn man denke nur, wenn das nicht funktionierte und Jesus nur ein Betr\u00fcger w\u00e4re? Wenn Eltern an der Grenze stehen, wo unsere Kinder zu sterben drohen, denken wir nicht mehr an W\u00fcrde, wir werden alles tun f\u00fcr unsere Kinder. So auch der k\u00f6nigliche Beamte, er beugte sich in den Staub vor diesem Prediger aus Nazareth, aber Jesus gab ihm eine k\u00fchle Antwort: \u201eWenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, glaubt ihr nicht\u201c. Damit lie\u00df sich der k\u00f6nigliche Beamte nicht abfertigen: \u201eHerr, komm mit dorthin, denn mein Kind stirbt\u201c. Und dann sprach Jesus die wunderbaren einfachen Worte: \u201eGehe hin, dein Sohn lebt\u201c.<\/p>\n<p>So einfach war das. Keine Beschw\u00f6rungen, kein Gebet oder eine Handauflegung, nein: \u201eGehe hin, dein Sohn lebt.\u201c Und der k\u00f6nigliche Beamte ging den langen Weg nach Hause und fand seinen Sohn lebend.<\/p>\n<p>So einfach, so schwer zu verstehen. F\u00fcr den Heerf\u00fchrer Naaman, von dem wir im Alten Testament h\u00f6ren, ist das <em>zu<\/em> einfach. Er war auss\u00e4tzig, eine furchtbare Krankheit, f\u00fcr die es zur Zeit Jesu keine Heilung gab. Erst bekam der K\u00f6rper gro\u00dfe Wunden, wurde aufgedunsen, und schlie\u00dflich f\u00fchrte die Krankheit zum Tode. Deshalb war es Ernst f\u00fcr Naaman, er hatte Angst und reiste den ganzen langen Weg zum Haus des Propheten Elisa, um geheilt zu werden.\u00a0 Der einzige Rat, den Elisa gab, war dieser: \u201eDu sollst sieben Mal im Jordan baden\u201c. Ganz ehrlich, wenn das so einfach war, h\u00e4tte Naaman dann nicht einfach in den Fl\u00fcssen seiner Heimatstadt Damaskus baden k\u00f6nnen? Warum sollte er die ganze Reise nach Galil\u00e4a machen? Er wurde sauer und wollte schon den Wagen wenden, als ihn seine Diener \u00fcberzeugten, dass er es versuchen sollte. Und es geschah, wie Elisa gesagt hatte. Naaman wurde rein und geheilt von seiner Krankheit.<\/p>\n<p>Naaman wurde zu seinem Heil zwei Mal geholfen. Erst von einem kleinen entf\u00fchrten M\u00e4dchen aus Israel, das ihm vorschlug, zu Elisa zu fahren. Das zweite Mal von seinen Knechten, die ihn dazu \u00fcberreden mussten, in dem Fluss zu baden. Der Rat des Elisa erschien Naaman zu einfach, aber es war nicht das heilige Wasser des Flusses, das ihn heilte. Viele Menschen haben im Jordan gebadet, ohne rein zu werden. Nein, es war Gott, der ihn rein machte, weil Gott es so wollte. Der k\u00f6nigliche Beamte wurde nicht gesund, weil Jesus \u00fcber eine besondere Zauberformel verf\u00fcgte, nein, er wurde gesund, weil es Gott wollte. So einfach ist es: Weil es Gott will.<\/p>\n<p>Als Eltern gehen wir viele Umwege f\u00fcr unsere Kinder. Oft wissen wir nicht, was das Richtige zu tun ist. Wir haben ein Grundvertrauen, dass es gut endet, aber der Glaube kann uns verlassen, und wer tritt dann f\u00fcr uns ein, wer kann an die Stelle der Tochter Israels und der Diener Naamans treten? Wer sind unsere Helfer?<\/p>\n<p>H.C. Andersens M\u00e4rchen \u201cDie Geschichte von einer Mutter\u201c endet <em>nicht<\/em> gut. Zwar k\u00e4mpft sich die Mutter durch die drei furchtbaren Pr\u00fcfungen hindurch, sie kommt bis zum Treibhaus des Todes, aber ihr Kind bekommt sie nicht zur\u00fcck. Mit der schlagenden Herzenspflanze in der Hand sieht sie ein, dass sie die Zukunft ihres Kindes nicht kennt. In ihrer Verzweiflung droht sie damit, eine andere Pflanze auszurei\u00dfen, das Leben f\u00fcr eine andere Mutter zu zerst\u00f6ren. Da erlaubt ihr der Tod, tief in seinen Brunnen zu schauen, wo sie das Leben der beiden Kinder sieht. Das eine Kind lebt in Gl\u00fcckseligkeit und wird zu einem Segen f\u00fcr die Welt, w\u00e4hrend das Leben des anderen Kindes Trauer, Not, Schrecken und Elend ist. \u201eWelches Kind ist mein Kind?\u201c fragt sie, aber der Tod antwortet: \u201eBeides ist Gottes Wille\u201c. Da rang die Mutter ihre H\u00e4nde, fiel auf die Knie und bat Gott: \u201eH\u00f6r nicht auf mich, wenn ich gegen deinen Willen bete, der der beste ist! H\u00f6r nicht auf mich! Rette das unschuldige Kind. Bewahre es vor Elend, trage es in dein Reich\u201c.<\/p>\n<p>Der Glaube verwandelt uns. Wir sind nur kurzsichtige Menschen, die nicht immer wissen, worum wir bitten. Wir bitten f\u00fcr das Leben unserer Lieben und f\u00fcr unser eigenes Leben, so wie es Jesus am Gr\u00fcndonnerstag im Garten Gethsemane tat. Er hatte nicht den Wunsch zu sterben, schloss aber dennoch sein Gebet: \u201eEs geschehe nicht mein Wille, sondern dein Wille, Gott\u201c. Glaube ist das Vertrauen, dass es gut ausgeht. Als Jesus sein Leben in die H\u00e4nde Gottes legte, wurde unser Leben verwandelt. Jesus ging in die Finsternis des Todes, aber Gott war st\u00e4rker als der Tod. Jesus brach die Macht des Todes, als er Ostermorgen auferstand.<\/p>\n<p>Glaube ist das Vertrauen darauf, dass es gut ausgeht, dass, was auch kommen mag, unser Leben in Gottes H\u00e4nden ist. Seine Liebe kann uns tragen und uns neues Leben bei ihm geben. Wenn wir all das aufgeben, was uns geh\u00f6rt, unsere W\u00fcrde, unseren Glauben, unsere Zweifel, unsere W\u00fcrde, so wie es Naaman und der k\u00f6nigliche Beamte taten, werden wir freigestellt. Wir werden frei, erl\u00f6st, wenn wir glauben, dass Gott den Tod f\u00fcr uns besiegt. Der Glaube an Gott gibt uns einen \u00dcberschuss, dass wir unser Leben in Liebe zueinander leben k\u00f6nnen. Es ist nicht sicher, dass dies jeden Tag gelingt, wir wollen gern die behalten, die wir lieben, wir k\u00e4mpfen f\u00fcr das, was nach unserer Meinung uns geh\u00f6rt, aber wir haben einen Helfer, der uns wie die entf\u00fchrte Tochter Israels eine Richtung geben kann. Mit der Hilfe des Heiligen Geistes und der Kraft der Liebe Gottes k\u00f6nnen wir all das Unsrige loslassen in der Nacht, wenn die K\u00e4lte kommt. Der Glaube kann uns verwandeln, nicht indem wir das bekommen, was wir erbitten, sondern indem wir von innen verwandelt werden, so dass wir den Willen und die Gnade Gottes in unserem Leben sehen. Mit dem glauben daran, dass es gut endet, dass Gott unser lieber Vater ist, k\u00f6nnen wir Frieden und Hoffnung auch in den finstersten Zeiten finden. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Pastorin Anna Jensen<br \/>\nDK-5230 Odense M<br \/>\nE-mail: ansj(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drittletzter So. d. Kirchenjahres | 09.11.2025 | Joh 4.46-53; 2. K\u00f6n 5.1-5; 9-15 | Anna Jensen | Glaube, Hoffnung und Liebe k\u00f6nnen uns verwandeln Eltern werden bis ans Ende der Welt gehen f\u00fcr ihre Kinder. Dennoch gen\u00fcgt das nicht immer. \u201eWie hast du den Weg hierher finden k\u00f6nnen?\u201c \u2013 fragte der Tod in H.C. 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