{"id":25604,"date":"2025-11-11T15:40:56","date_gmt":"2025-11-11T14:40:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25604"},"modified":"2025-11-11T15:40:56","modified_gmt":"2025-11-11T14:40:56","slug":"matthaeus-1821-35-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-1821-35-3\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 18,21-35"},"content":{"rendered":"<h3>22. Sonntag nach Trinitatis | 16.11.2025 | Matth\u00e4us 18,21-35 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Rasmus N\u00f8jgaard |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Vergebung und Vers\u00f6hnung<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Petrus, der Grundfels der Kirche, fragt Jesus: Wie oft soll ich meinem Bruder vergeben? Jesus antwortet: Nicht sieben Mal sondern siebenundsiebzig Mal. So wie Gott jedem seiner Menschenkinder vergibt, sollen Gottes Kinder auch einander vergeben und sich miteinander vers\u00f6hnen. Das ist einfach und direkt, und kein Weg f\u00fchrt darum herum, wenn du im Glauben an Jesus Christus leben willst. Du sollst nicht an dem festhalten, was dir geh\u00f6rt, sondern deinen Schuldnern vergeben und dich mit der Welt vers\u00f6hnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es liegt im Zeitgeist, dass wir Westeurop\u00e4er mutlose Zweifler geworden sind, die ohnm\u00e4chtig dem Betrug der Welt gegen\u00fcberstehen. Wir h\u00f6ren nicht mehr den Ruf Jesu, der nicht zu unserem Selbstverst\u00e4ndnis passt. Lange wackelten wir und dachten, dass wir das Unsrige auf dem Trockenen haben. Wir glaubten, aber \u00fcbertrieben das nicht. In der Tat so wenig, dass der Glaube zu Kultur wurde. Wir nannten und Kulturchristen, um auf diese Weise am Glauben festzuhalten, ohne ihn zu bekennen. Die Kultur war nat\u00fcrlich gleichg\u00fcltig, denn es erfordert Glauben und Bekenntnis, glaubw\u00fcrdig zu sein, und der Zeitgeist war voll von ideologischem Aufbruch und Begeisterung f\u00fcr all die Intelligenz, die uns das Leben leichter und weniger beschwert machen konnte. Dazu bekannten wir uns. Auf diese Weise war es leicht und unbeschwert f\u00fcr uns, den Glauben fahren zu lassen und ihn durch wohlgemeinte Werte und Versprechen von Mitmenschlichkeit und b\u00fcrgerlichem Anstand zu ersetzen. Bis sich zeigte, dass Maschinen, multinationale Fonds und Oligarchen Korrektheit nicht als eine Tugend betrachten, sondern nur nach schnellen wissenschaftlichen Fortschritten streben, mehr Gewinn, mehr Wert. Der Wert und die W\u00fcrde des einzelnen Menschen verwandelten sich immer schneller zu etwas, was grundlegend nur l\u00e4stig ist. W\u00fcrde wurde durch Mehrwert ersetzt, die W\u00fcrde des Lebens durch das Recht auf Euthanasie, so dass niemand mehr der Entwicklung zur Last liegen musste und die Gemeinschaft anfing, sich in Anarchie aufzul\u00f6sen, denn da war kein Gott mehr, zu dem man sich verhielt. Denn die, die die Medien und am lautesten waren, konnten sich widerstandslos und gefahrlos K\u00f6nig, Papst oder Gott nennen. Jeder beanspruchte seine Wahrheit, und Wahrheit f\u00fcr dich, das war falsch f\u00fcr mich, wahr und falsch waren gleich viel wert oder nichts wert \u2013 es sei denn sie k\u00f6nnten Mehrwert und ein Gef\u00fchl des Stolzes schaffen.\u00a0 Da war keiner mehr, der zuh\u00f6rte, denn niemand konnte mehr anderes h\u00f6ren als den eigenen Versuch, die Welt anzurufen und sein angeborenes Recht einzufordern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es war eigentlich nicht so schwer zu durchschauen, wie das ausgehen w\u00fcrde, aber jeder war ja mit sich selsbt besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist wohl nicht schwer zu v erstehen, dass unser Herrgott seinen Sohn in einem so dem\u00fctigen und l\u00e4rmenden Ort wie Bethlehem zur Welt kommen lie\u00df. Ein Ort in der Welt, wo immer Heulen ist und Z\u00e4hneknirschen. Er konnte nicht aufrecht einen Thron besteigen, denn niemand wollte etwas wissen von einem K\u00f6nig, der sowieso mit der Zeit ausgewechselt wird, von seinem Sohn, seinem Vetter, seiner Ehefrau oder seinem Freund ermordet wird. Unser Herrgott musste die Welt \u00fcberraschen und in die Welt kommen in der \u00e4u\u00dfersten Not und Unsicherheit. Auf der Flucht im Exil begann sein Leben. Sohn einer unverheirateten, verletzbaren jungen Mutter. Nur so konnte er eine Stimme bekommen, die die die schonungslose Sprache des Zeitgeistes sprach, sondern in aller Demut das Reich Gottes mitten unter uns verk\u00fcndigte. Unverschleiert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott wurde Mensch um zu zeigen, dass der Mensch schon von Gott geschaffen war. In seiner Verletzlichkeit und Sterblichkeit, in seinem Schmerz und seiner Trauer, in seiner S\u00fcndigkeit und Ohnmacht war er schon das Menschenkind Gottes. So wie Christus, das gekreuzigte Kind Gottes. Nicht in der Kraft Jesu Christi, denn Jesus Christus ist nicht ein Mittel, das uns aus einer s\u00fcndigen Welt erl\u00f6sen soll, sondern Jesus Christus ist die Wirklichkeit, in der wir leben. Jede Taufe ist eine Neugeburt in seine Wirklichkeit. Er wurde nicht nur, sondern war von Anfang an. Der Plan Gottes konnte damit nicht darin bestehen, die Welt als eine erfindungsreiche Entwicklung von der Erl\u00f6sung aller, denn die Erl\u00f6sung war schon ein Teil der Wirklichkeit in der Welt. Der Plan Gottes konnte auch nicht darin bestehen, zwischen den Erl\u00f6sten und Verdammten zu trennen in Erl\u00f6sung und Verdammnis, denn Jesus Christus war als Wort der Sch\u00f6pfung schon in der Welt, nicht als Gericht, sondern als Gnade. Eine Gnade, die das gekreuzigte und s\u00fcndige Leben umfasst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Deshalb wurde Jesus Mensch, damit er die Ausgie\u00dfung des Geistes mitten unter uns sichtbar machen konnte. Jedes seiner Worte und jede seiner Taten handeln stets von einer konkreten Gegenwart in der Welt. Deshalb fragt Jesus nicht, ob du verpflichtet bist, eine Schuld zu erlassen, sondern er gebietet dir, all das zu vergeben, was dir geschuldet wird, nicht damit du deine W\u00fcrde bewahrst, sondern weil du immer schuldig bist, als ein Kind Gottes mit dem Willen zur Vers\u00f6hnung zu leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Erz\u00e4hlung Jesu ist unzweideutig. Ein Diener schuldet seinem Herren zehn tausend Talente, das entspricht einem gigantischen Milliardenverm\u00f6gen wie nur Musk, Arnault oder Bezos es besitzen, ein Talent entspricht dem durchschnittlichen Jahreslohn in 40 Jahren. Wie die Vergebung siebenundsiebzig Mal von den zehntausend Talenten dem kategorisch Unendlichen entspricht, gibt es keine Grenze daf\u00fcr, wie oft du erlassen und vergeben sollst. In den Geboten liegt ein Augen\u00f6ffner f\u00fcr die menschliche Schwachheit, unsere S\u00fcndigkeit, denn wir beugen, wenden und verdrehen die Gebote, damit sie etwas anderes bedeuten. Bei dieser Erkenntnis m\u00fcssen wir beginnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ob wir das nun so verstehen m\u00fcssen, dass das Gleichnis Jesus vom gnadenreichen Willen Gottes handelt, jedem zu vergeben und die Schuld zu erlassen, der zu ihm kommt, oder ob es von deiner oder meiner Vergebung handelt &#8211; ja, das kommt wohl auf dasselbe hinaus, wenn wir im Glauben durch die Taufe und das Abendmahl sagen, dass wir die Kindschaft in Christus Jesus empfangen, dem gekreuzigten Herrn. Mit ihm m\u00fcssen wir das Kreuz auf uns nehmen und gemeinsam die Freuden des Lebens feiern und die Leiden teilen. Die W\u00fcrde ist nicht etwas, was wir schaffen, sie ist schon da, und deshalb sollen wir auch dem N\u00e4chsten mit W\u00fcrde begegnen trotz Leiden und Verlust.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus redet uns nicht nach dem Munde im Evangelium dieses Sonntags, sondern er spricht zu unserem Glauben und Bekenntnis. Glauben wir nicht mehr, dass die Welt und die Menschen eine W\u00fcrde besitzen, die nicht von Menschen geschaffen ist, sondern von Gott? Dann haben wir die Kirche in Kultur verwandelt und ihre Botschaft in unser eignes Mittel. Dann ist das ungl\u00fccklicher Weise auch kein gekreuzigter Herr, der Gnade vor Recht ergehen l\u00e4sst, kein Herr, der seinem Diener das Undenkbare, das ansonsten Unvergebliche vergibt. Weil wir nicht l\u00e4nger Existenz und Wirklichkeit mit Gott selbst teilen wollen, sondern eigensinnig selbst die Religion so verwalten wollen, wie sie f\u00fcr ein modernes kultiviertes und frei auf sich selbst beruhendes Individuum passt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus Christus ist jedoch in die Welt gekommen, um uns zu rufen und uns einen Weg zu weisen, wo wir ihm folgen k\u00f6nnen und als seine Br\u00fcder und Schwestern einen Blick daf\u00fcr bekommen, dass die Welt schon ein gesegneter Ort ist mit Menschen, die trotz eines Lebens mit Kreuz und Tod schon das Kreuz Christi tragen und im Lichte der Auferstehung Christi gesegnet sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lasst uns deshalb auf das Evangelium antworten, indem wir unseren Glauben bekennen. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Rasmus N\u00f8jgaard<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00d8sterbrogade 59<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK-2100 K\u00f8benhavn \u00d8<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">EmaiI: rn(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>22. Sonntag nach Trinitatis | 16.11.2025 | Matth\u00e4us 18,21-35 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Rasmus N\u00f8jgaard | Vergebung und Vers\u00f6hnung Petrus, der Grundfels der Kirche, fragt Jesus: Wie oft soll ich meinem Bruder vergeben? Jesus antwortet: Nicht sieben Mal sondern siebenundsiebzig Mal. 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