{"id":25629,"date":"2025-11-20T07:53:13","date_gmt":"2025-11-20T06:53:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25629"},"modified":"2025-11-20T07:53:13","modified_gmt":"2025-11-20T06:53:13","slug":"liedpredigt-fuerchte-dich-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/liedpredigt-fuerchte-dich-nicht\/","title":{"rendered":"Liedpredigt: F\u00fcrchte dich nicht"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Predigt am Ewigkeitssonntag, 23. November 2025, in der Kirche St. Johannes in Goslar Ohlhof \u00fcber das Lied \u00a0\u201eF\u00fcrchte dich nicht\u201c von Fritz Baltruweit (1981) | Johannes L\u00e4hnemann<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Br\u00fcder!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie sind Sie hierher gekommen in diesen Gottesdienst? Totensonntag hei\u00dft er einerseits und ruft zum Gedenken an die Verstorbenen, die Menschen, die uns verlassen haben. Ewigkeitssonntag nennen wir ihn andererseits, der Sonntag, mit dem das Kirchenjahr abschlie\u00dft und an dem wir \u00fcber die Grenze unseres Lebens hinausschauen auf das, was Gott f\u00fcr uns nach diesem Leben bereith\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">An welche Menschen denken Sie im R\u00fcckblick? Da gab es gute, sanfte Abschiede, aber auch schwere nach Zeiten voller Angst und Schmerzen \u2013 Menschen, ohne die wir nun weiterleben m\u00fcssen. Jede und jeder von ihnen hat eine ganz eigene, unverwechselbare Lebensgeschichte, war eine ganz eigene Pers\u00f6nlichkeit mit ihren Begabungen, Liebensw\u00fcrdigkeiten und vielleicht auch Schw\u00e4chen. Ich denke an eine liebe Freundin, etwas \u00e4lter als ich, die \u00fcber Jahre hinweg im Posaunenchor neben mir Posaune geblasen hat. Immer wieder musste sie pausieren wegen ihrer fortschreitenden Krebskrankheit, Zeiten voller Verzagtheit und \u00c4ngste und doch auch wieder Hoffnung. Sie hat auch das Lied mit uns geblasen, das wir heute gesungen haben und auf dessen Botschaft wir h\u00f6ren wollen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eF\u00fcrchte dich nicht\u201c \u2013 dieses klangvolle, eindrucksvolle Lied. 6mal hei\u00dft es in ihm \u201eF\u00fcrchte dich nicht\u201c \u2013 zweimal in jeder Strophe!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie k\u00f6nnen wir das singen? Woher haben wir die Zuversicht, uns diese Worte sagen zu lassen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch \u00fcber unsere pers\u00f6nlichen \u00c4ngste hinaus kann uns Angst ergreifen angesichts des Weltgeschehens \u2013 der Kriege und Konflikte: im Heiligen Land, in der Ukraine, im S\u00fcdsudan, \u00fcberall mit unendlichem Leid, angestachelt von skrupellosen Gruppen und Machthabern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Menschen in Angst! Dabei kann es doch schon gen\u00fcgend Angst in unserer N\u00e4he und im eigenen Leben geben: der zunehmende Rechtsradikalismus, der zunehmende Antisemitismus, die zunehmende Phobie im Blick auf den Islam, aber auch die Fl\u00fcchtlingsnot, die Menschen, die in Deutschland Rettung und Hilfe suchen. \u00c4ngste gibt es auch bei uns selbst: die \u00c4ngste um Gesundheit, um Arbeit, um eine unversehrte Natur um uns herum. Angst kann uns l\u00e4hmen, kann uns den Atem nehmen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u201eF\u00fcrchte dich nicht\u201c Wie k\u00f6nnen wir das singen? Woher haben wir die Zuversicht, uns diese Worte sagen zu lassen? Welcher Eingebung ist Fritz Baltruweit gefolgt, als er diese Verse gedichtet, als er diese Melodie komponiert hat?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unter dem Lied steht die Jahreszahl 1981. Ich habe mit Fritz Baltruweit dar\u00fcber telefoniert, der unsere neuere Kirchenmusik vielf\u00e4ltig inspiriert hat. Er erz\u00e4hlte mir, dass er das Lied f\u00fcr den Kirchentag 1981 in Hamburg gedichtet und in T\u00f6ne gesetzt hat. Der Kirchentag damals stand unter dem Motto \u201eF\u00fcrchte dich nicht\u201c, und das Motto war damals so aktuell, wie es das heute ist. Denn versetzen wir uns einmal in das Jahr 1981: Es herrschte noch der krasse Ost-West-Gegensatz. Es standen sich die Atombl\u00f6cke USA und Sowjetunion gegen\u00fcber. Die Option eines Atomkrieges war zwar l\u00e4ngst in Zweifel gezogen, aber noch keineswegs gebannt, und sie ist es ja leider auch heute noch nicht. An der deutsch-deutschen Grenze standen sich Deutsche hier und Deutsche dort bewaffnet gegen\u00fcber. \u201eF\u00fcrchte dich nicht\u201c: Das Lied verdr\u00e4ngt die d\u00fcsteren Realit\u00e4ten nicht, die uns umgeben. Es besch\u00f6nigt die Not nicht, die es auf der Welt gibt. Es leugnet nicht, dass uns \u00c4ngste gefangen nehmen k\u00f6nnen. Aber es setzt dem trotzdem das \u201eF\u00fcrchte dich nicht\u201c entgegen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir wollen einmal dem Lied folgen \u2013 diesen drei Strophen, von denen jede ihr eigenes Gewicht hat: 1) F\u00fcrchte dich nicht, gefangen in deiner Angst \u2026, 2) F\u00fcrchte dich nicht, getragen von seinem Wort \u2026, 3) F\u00fcrchte dich nicht, gesandt in den neuen Tag \u2026<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es stecken drei Aufrufe darin, und aus diesen drei Aufrufen gewinnen wir die Teile f\u00fcr diese Predigt:<\/p>\n<ol>\n<li style=\"font-weight: 400;\">Steht zu eurer Angst! 2. Lass euch tragen von Gottes Wort! 3. Geht mit Hoffnung in den neuen Tag hinein!<\/li>\n<li style=\"font-weight: 400;\"><strong> Steht zu eurer Angst<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><em>F\u00fcrchte dich nicht, <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>gefangen in deiner Angst, mit der du lebst. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>F\u00fcrchte dich nicht,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 gefangen in deiner Angst. Mit ihr lebst du.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn wir in der Bibel lesen, wenn wir sie ernst nehmen, dann wissen wir: Wir brauchen unser Leben nicht zu besch\u00f6nigen, wir brauchen unsere Angst nicht zu verdr\u00e4ngen, wir brauchen uns unserer Angst nicht zu sch\u00e4men.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Volk Israel, Gottes Volk, hat von Anfang an unter Anfeindungen gelebt, mit \u00c4ngsten vor \u00fcberm\u00e4chtigen Feinden. Die Geschichtserz\u00e4hlungen und gerade auch die Psalmen sind voll davon. Ja, das Leben Jesu selbst ist von Angsterfahrungen umgeben, und ich sehe ihn hier auch als ein Glied des Volkes Israel: beginnend mit der Erz\u00e4hlung von der Flucht nach \u00c4gypten, \u00fcber das Leben als ruheloser Wanderprediger, \u00fcber die Anfeindungen gegen seine Predigt und gegen sein helfendes Heilen bis hin zur Passion. Am deutlichsten schildert es uns die Geschichte von Jesus im Garten Gethsemane. Dort, vor seiner Gefangennahme, ist Jesus von Todesangst ergriffen, er f\u00e4llt auf sein Angesicht. Er wei\u00df, was ihm bevorsteht, und er fleht, dass der Kelch des Leidens an ihm vor\u00fcber gehen soll. Ganz allein gelassen ist er. Die J\u00fcnger, die er gebeten hat, mit ihm zu wachen, schlafen. Und dann wird Jesus von seinem J\u00fcnger Judas mit einem Kuss verraten; er wird wie ein Krimineller gefangen genommen, wird von einem feigen Richter verurteilt, wird von Kriegsknechten geschlagen und verh\u00f6hnt. Die J\u00fcnger sind geflohen, und Petrus verleugnet ihn. Und als er zwischen zwei Verbrechern gekreuzigt wird, schreit er seine Verzweiflung hinaus: \u201eMein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Weg Jesu zeigt uns: Wir d\u00fcrfen zu unserer Angst stehen. Wir haben ihn an der Seite, wenn Ungewissheit, Verzagtheit, Verzweiflung nach uns greifen. Jesus ist gerade in seiner Angreifbarkeit, in seiner Verletzlichkeit, in seiner Verlassenheit unser Bruder, unser Freund. Und er schiebt die Verletzten, die Schwachen, ja er schiebt auch Petrus, der ihn verleugnet, nicht beiseite. Und das hei\u00dft: Da, wo die, die Jesus nachfolgen, die Notleidenden, die Schwachen, die Ver\u00e4ngsteten \u00fcbersehen, da verraten sie Jesus Christus.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00dcber dem Weg Jesu aber steht am Anfang und am Ende das \u201eF\u00fcrchtet euch nicht!\u201c Am Anfang h\u00f6ren es die Hirten, die am wenigsten damit gerechnet haben, dem Heiland der Welt zu begegnen. Und am Ostermorgen h\u00f6ren es die Frauen, die zum Grab geeilt sind, um den Leichnam Jesu zu salben, und erfahren, dass Jesus nicht im Tode geblieben ist. Der Weg Jesu, der Weg der J\u00fcnger, der Weg der Gemeinde, der Weg dieser Welt ist umklammert von der Gottesbotschaft, dass Angst und Furcht nicht das Letzte bleiben. Es ist die Botschaft, die schon aus dem Alten Testament heraus dem Volk, aber auch jedem Einzelnen von uns zugesagt wird: \u201eF\u00fcrchte dich nicht. Ich habe dich erl\u00f6st, Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein!\u201c (Jesaja 43,1) Vor Gott hat jeder von uns sein Angesicht, sein unverwechselbares Geschick, seinen Wert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und damit kommen wir zu dem Zweiten:<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li style=\"font-weight: 400;\"><strong> Lasst euch tragen von Gottes Wort!<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <em>F\u00fcrchte dich nicht,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 getragen von seinem Wort, von dem du lebst.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 F\u00fcrchte dich nicht,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 getragen von seinem Wort. Von ihm lebst du.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Worte der Bibel, Worte des Glaubens sind Worte, die tragen k\u00f6nnen. Wie oft habe ich den 23. Psalm gebetet, wenn ich vom Asthma geplagt wurde, das meine Kindheit \u00fcberschattete: \u201eUnd ob ich schon wanderte im finstern Tal, f\u00fcrchte ich kein Ungl\u00fcck. Denn du bist bei mir. Dein Stecken und Stab tr\u00f6sten mich.\u201c Dieser Vers, der die Mitte des Psalms bildet, begleitete mich, und ich habe ihn dann auch als Konfirmationsspruch gew\u00e4hlt. \u201eDer Herr ist g\u00fctig und eine Feste zur Zeit der Not und kennt die, die auf ihn trauen\u201c. Dieses Wort aus dem Propheten Nahum stand \u00fcber den 37 Jahren meiner ersten, gl\u00fccklichen Ehe \u2013 auch dann, als wir Abschied nehmen mussten. Ich k\u00f6nnte diese Reihe der Trost- und Lebensworte lange fortsetzen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das eigentliche Wort Gottes aber ist f\u00fcr unseren Glauben Jesus Christus selbst: \u201eIm Anfang war das Wort. Und das Wort war bei Gott. Und Gott war das Wort\u201c, so hei\u00dft es zu Beginn des Johannesevangeliums. Und wenig sp\u00e4ter hei\u00dft es: \u201eUnd das Wort wurde Mensch und wohnte unter uns. Und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingebornen Sohnes, vom Vater voller Gnade und Wahrheit\u201c. Das Wort \u201elogos\u201c, das hier in der griechischen Ursprache des Neuen Testaments steht, bedeutet viel mehr als nur das gesprochene Wort. Es schlie\u00dft die Kraft Gottes mit ein, mit der er die Welt schafft. Gottes eigentliches Wort aber ist seine Gegenwart in Jesus. In ihm ereignet sich f\u00fcr uns Gott, wird er ein Mensch aus Fleisch und Blut, kommt er an unsere Seite und ruft er uns zu sich: \u201eKommet her zu mir alle, die ihr m\u00fchselig und beladen seid. Ich will euch erquicken.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Weg Jesu als der Weg Gottes: seine Predigt, seine Liebe, sein Leiden \u2013 das ist das zentrale Wort, das uns in den Sch\u00f6nheiten unseres Lebens wie auch in allen Schwierigkeiten und \u00c4ngsten begleiten und tragen will. Seine Kraft aber gewinnt es dadurch, dass das Kreuz nicht das letzte ist, sondern dass ihm \u2013 v\u00f6llig unerwartet f\u00fcr Jesu J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger \u2013 der Ostermorgen folgt. Neues Leben aus dem Tode, neues Leben aus der Trostlosigkeit, neues Leben aus der Verzweiflung \u2013 die Evangelien k\u00f6nnen dies unerwartete Wunder nicht staunenswert genug schildern. Mit dem Ostermorgen zeigt sich der neue Tag, von dem die dritte Strophe unseres Liedes spricht:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <em>F\u00fcrchte dich nicht,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>gesandt in den neuen Tag, f\u00fcr den du lebst.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>F\u00fcrchte dich nicht, <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>gesandt in den neuen Tag. F\u00fcr ihn lebst du.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und damit kommen wir zu unserem letzten Aufruf:<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li style=\"font-weight: 400;\"><strong> Geht mit Hoffnung in den neuen Tag hinein!<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dazu will uns dieser Vers ermutigen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich besitze ein Kunstwerk der M\u00fcnsteraner K\u00fcnstlerin Rika Unger (1917-2002), das die Ostererfahrung, die zu dieser Ermutigung f\u00fchrt, in ein Bild fasst und das ich Ihnen mitgebracht habe: Da ist in der Mitte das Osterlicht, das den Stein der Angst und Verzweiflung, der vor dem Grab Jesu gelegen hat, zerrei\u00dft. Im Hintergrund ist noch das Kreuz zu erkennen, das ganz von diesem Licht \u00fcberstrahlt wird. Und von diesem gro\u00dfen Licht gehen nun kleine Sonnen hinaus in das Geflecht menschlicher Existenz, in die dunklen N\u00e4chte und die Tage voller Sorgen, die uns so leicht gefangen nehmen wollen, und verleihen diesen Tagen Trost und Hoffnung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und sie schicken uns auf den Weg, von der Hoffnung aus, die unser Leben weit \u00fcbergreift, anderen Zeichen und Hilfen zu geben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kann das auch etwas bedeuten f\u00fcr die \u00c4ngste und die N\u00f6te, von denen wir umgeben sind, und f\u00fcr die Katastrophen und das Leiden in der Ferne, die uns so betroffen machen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kann es ein Licht geben in dieser Dunkelheit, die sich in der Ukraine, in Israel und Pal\u00e4stina und in vielen weiteren Konflikten weltweit ausgebreitet hat?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich beziehe regelm\u00e4\u00dfig Nachrichten aus den Konfliktgebieten von Menschenrechtsorganisationen, die gegen alle Schrecknisse Zeichen setzen gegen die Verzweiflung und Ausweglosigkeit. So fahren Mitglieder der israelischen Gruppe Rabbis for Human Rights, Rabbis f\u00fcr Menschenrechte, regelm\u00e4\u00dfig auf die Westbank, um den pal\u00e4stinensischen Bauern bei der Olivenernte zu helfen und sie vor aggressiven j\u00fcdischen Siedlern zu sch\u00fctzen. Sie suchen immer wieder Wege, um bei allen Schwierigkeiten Hilfsg\u00fcter in den Gaza-Streifen zu bringen, und sie h\u00f6ren nicht auf, gegen die Aggressivit\u00e4t der Netanjahu-Administration zu protestieren und zu demonstrieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich denke, wir k\u00f6nnen nur in Achtung staunen \u00fcber diese gro\u00dfe Solidarit\u00e4t, dieses sich nicht von Rachegel\u00fcsten \u00fcberw\u00e4ltigen lassen, dieses beharrlich an den Werten der Liebe und der Lebensachtung festhalten \u2013 ein Handeln, wie es ganz dem Weg Jesu entspricht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein anderes Beispiel aus dem Nahen Osten sind f\u00fcr mich die Schneller-Schulen in Amman\/Jordanien und in Khirbet Kanafar im Libanon. Da werden Kinder aus armen Familien, christliche und muslimische, im Geist der Liebe Christi und in Achtung voreinander erzogen und k\u00f6nnen eine Berufsausbildung erhalten. Die Erzieherinnen und Erzieher, die Lehrerinnen und Lehrer haben in diesen Monaten der Hausforderung zu begegnen, dass der Hass in der Umgebung nicht auf die Schule und die Schulkinder \u00fcbergreift. Viel miteinander reden, miteinander leben geh\u00f6rt zu dem Auftrag, die Hoffnung nicht zu verlieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eGesandt in den neuen Tag\u201c. Als Letztes m\u00f6chte ich von Hoffnung auf das endg\u00fcltige Leben sprechen, die mit dem Ostermorgen er\u00f6ffnet wurde und in die alle hinein geh\u00f6ren \u2013 die Lieben, die uns durch den Tod voraus gegangen sind, die Leidenden und Hungernden auf der Welt, die Opfer der Naturkatastrophen, die Kinder, die ausgebeutet werden\u00a0 und ebenso die in Diktaturen Unterdr\u00fcckten und Gefolterten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Martin Luther King hat es in einzigartiger Weise in Worte gefasst. Er sagt:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eKomme, was mag. Gott ist m\u00e4chtig!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn unsere Tage verdunkelt sind<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">und unsere N\u00e4chte finsterer als tausend Mittern\u00e4chte,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">so wollen wir stets daran denken,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">dass es in der Welt eine gro\u00dfe, segnende Kraft gibt,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">die Gott hei\u00dft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott kann Wege aus der Ausweglosigkeit weisen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er will das dunkle Gestern<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">in ein helles Morgen verwandeln &#8211;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">zuletzt in den leuchtenden Morgen der Ewigkeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Rika Unger: monoriss \u201eGro\u00dfes Licht und kleine Sonnen\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Prof. em. Dr. Johannes L\u00e4hnemann, Goslar, <a href=\"mailto:johannes.laehnemann@\">johannes.laehnemann@<\/a>gmail.com<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Johannes L\u00e4hnemann (geb. 1941) hatte von 1981-2007 den Lehrstuhl f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik und Didaktik des Ev. Religionsunterrichts an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg inne. Er lebt im Ruhestand in Goslar. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Interreligi\u00f6ser Dialog, Interreligi\u00f6ses Lernen, Religionen und Friedenserziehung. Er ist Mitglied der internationalen Kommission <em>Interreligious Education <\/em>der Bewegung <em>Religions for Peace <\/em>(RfP) und Leiter der Arbeitsgruppe Interreligi\u00f6se Bildung-Friedensp\u00e4dagogik bei <em>Religionen f\u00fcr den Frieden Deutschland.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Seine Autobiografie ist erschienen unter dem Titel \u201eLernen in der Begegnung. Ein Leben auf dem Weg zur Interreligiosit\u00e4t.\u201c G\u00f6ttingen (Vandenhoeck &amp; Ruprecht) 2017.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Predigt wird in der Kirche St. Johannes in dem Goslarer Stadtteil Ohlhof gehalten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liedempfehlungen: EG 597: Aus der Tiefe rufe ich zu dir; EG 595: F\u00fcrchte dich nicht; EG 65: Von guten M\u00e4chten treu und still umgeben; EG 171: Bewahre uns Gott, beh\u00fcte uns, Gott.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt am Ewigkeitssonntag, 23. November 2025, in der Kirche St. Johannes in Goslar Ohlhof \u00fcber das Lied \u00a0\u201eF\u00fcrchte dich nicht\u201c von Fritz Baltruweit (1981) | Johannes L\u00e4hnemann Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Br\u00fcder! Wie sind Sie hierher gekommen in diesen Gottesdienst? Totensonntag hei\u00dft er einerseits und ruft zum Gedenken an die Verstorbenen, die Menschen, die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":25624,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,157,114,597,225,349,1108,109,1116],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-25629","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelle","category-beitragende","category-deut","category-ewigkeits-totensonntag","category-johannes-laehnemann","category-kasus","category-liedpredigten","category-predigten","category-predigtformen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25629","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=25629"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25629\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25630,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25629\/revisions\/25630"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/25624"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25629"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=25629"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25629"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=25629"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=25629"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=25629"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=25629"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}