{"id":25633,"date":"2025-11-20T07:57:00","date_gmt":"2025-11-20T06:57:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25633"},"modified":"2025-11-20T07:57:14","modified_gmt":"2025-11-20T06:57:14","slug":"matthaeus-251-13-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-251-13-5\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 25,1-13"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Wann kommt dein Moment? | Ewigkeitssonntag | 23.11.2025 | Mt. 25,1-13| Sabine Handrick |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dann wird die gerechte Welt Gottes zu vergleichen sein<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">mit zehn jungen Frauen, die ihre Fackeln nahmen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">und sich aufmachten, dem Br\u00e4utigam entgegenzugehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcnf von ihnen waren gedankenlos und f\u00fcnf klug:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die sich keine Gedanken machten, nahmen ihre Fackeln mit, aber kein \u00d6l.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Klugen nahmen zu ihren Fackeln auch Kr\u00fcge voll \u00d6l mit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als nun der Br\u00e4utigam auf sich warten lie\u00df,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">wurden sie alle m\u00fcde und schliefen ein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Um Mitternacht dann lautes Rufen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDa! Der Br\u00e4utigam! Macht euch auf, geht ihm entgegen!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da wachten die jungen Frauen alle auf und machten ihre Fackeln zurecht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Gedankenlosen sagten zu den Klugen: \u201eGebt uns von eurem \u00d6l, sonst verl\u00f6schen unsere Fackeln!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eAuf keinen Fall,\u201c antworteten die Klugen, \u201ef\u00fcr uns und euch reicht es nicht. Geht doch zu den H\u00e4ndlern und kauft euer eigenes.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">W\u00e4hrend sie noch unterwegs waren um einzukaufen, kam der Br\u00e4utigam.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die vorbereitet waren, gingen mit ihm zum Hochzeitsfest hinein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die T\u00fcr wurde verschlossen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sp\u00e4ter kamen auch die \u00fcbrigen jungen Frauen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">und riefen: \u201eHerr, Herr, mach uns auf!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er antwortete aber: \u201eIm Ernst, das sage ich euch: Ich kenne euch nicht.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Also bleibt wach! Denn ihr kennt weder den Tag noch die Stunde.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde, liebe Trauernde heute am Ewigkeitssonntag!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mitunter werde ich als Spezialistin f\u00fcr Gottes Himmelreich angesehen. Wer k\u00f6nnte etwas sagen \u00fcber Leben und Tod und das Danach, wenn nicht eine Pfarrerin?! Es wird erwartet, dass eine Theologin Auskunft gibt \u00fcber das Leben nach dem Tod und die Auferstehung.\u00a0 Mein Gegen\u00fcber erhofft sich dann eine kluge Antwort oder eine tr\u00f6stliche oder eine bildhafte oder eine geistvolle\u2026<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In meinem Innern meldet sich in solchen Momenten manchmal ein stiller Seufzer: <em>Ach, was weiss denn ich?<\/em> Nicht immer f\u00e4llt es mir leicht zu antworten. Ich kann nur versuchen mit dem, was ich sage, den jeweils richtigen Ton zu treffen: \u00ab<em>Weint mit den Weinenden, freut euch mit den Fr\u00f6hlichen<\/em>.\u00bb (R\u00f6.12,15)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hilfreich sind die Bilder, die die Bibel anbietet\u2026<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">die Hoffnung auf einen neuen Himmel und die neue Erde, in denen Gottes Gerechtigkeit wohnt;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">oder das himmlische Jerusalem, die Stadt des Friedens, geschm\u00fcckt, wie eine strahlende junge Braut oder die H\u00fctte Gottes bei den Menschen, wo wir jener Kraft nahe sind, die uns ins Leben rief und uns tr\u00e4gt in Ewigkeit. Ich halte mich an die z\u00e4rtlichen Geste, dass Gott die Tr\u00e4nen abwischen wird und wir sein werden wie die Tr\u00e4umenden\u2026<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ehrlich gesagt, meine Lieben, wir wissen wenig bis nichts dar\u00fcber, wie es sein wird\u2026, wenn wir dieses Leben und diese Welt hinter uns gelassen haben. Aber wir haben Jesu Wort: \u00ab<em>Ich lebe und ihr sollt auch leben.<\/em>\u00bb (Joh.14,19)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eines Tages, wenn wir gestorben sein werden, wird unsere Welt untergegangen sein, wie mit jedem Menschen eine einzigartige, unwiederbringliche Welt untergegangen sein wird.<sup>1<\/sup><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><sup>\u00a0<\/sup><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Angesichts des Schreckens, der uns bef\u00e4llt, wenn wir die Unvermeidlichkeit des Sterben M\u00fcssens erkennen, bleiben uns aber Glauben, Liebe, Hoffnung! Wie wollte man das denn sonst aushalten?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr mich pers\u00f6nlich sind es die biblischen Texte und die Poesie, aus denen ich Kraft ziehe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Blick auf meinen eigenen Tod sehe ich diesem Moment entgegen \u2013 mal zitternd und zagend \u2013 mal voller Zuversicht: Ich werde Gott schauen! Dann \u2013 wird klar werden, wie das Kommende sein wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Von Angesicht zu Angesicht werde ich erkennen und erkannt werden. (1. Kor.13,12)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vielleicht wird\u2019s total anders, als ich es mir vorstelle.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und der Frieden Gottes, der h\u00f6her ist alle Vernunft, wird mich umfangen\u2026 hoffentlich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch \u00fcber die Grenzen meiner jetzigen Vorstellungskraft komme ich nicht hinaus \u2013 bislang h\u00f6re ich nur ein paar T\u00f6ne jener Zukunftsmusik.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Tod markiert eine un\u00fcberwindliche Grenze f\u00fcr die Lebenden. Es gibt keinen Weg von hier nach dort.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde: Als Hinterbliebene, als Zur\u00fcckbleibende stehen wir gewissermassen vor der T\u00fcr, hinter der unsere Verstorbenen verschwunden sind. Der Tod hat uns die T\u00fcr vor der Nase zugeschlagen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir k\u00f6nnen noch so sehr klopfen und h\u00e4mmern, sie wird sich nicht \u00f6ffnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn ein Mensch, den wir geliebt haben, stirbt, wenn eine Angeh\u00f6rige, ein Herzensmensch nicht mehr da ist, ist das eine schwer zu akzeptierende Realit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Heute sind wir hier als Menschen versammelt, die \u00e4hnliche Erfahrungen teilen. Wir kennen die Leere und die qu\u00e4lende Stille, die kreisenden Gedanken und die Unruhe, die Sehnsucht und die Vergeblichkeit. Wir vermissen unsere Lieben schmerzlich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es gibt Tage, da \u00fcberflutet einen die Welle des Kummers:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie kommt einfach nicht zur\u00fcck. &#8211; Sein Bild zerfliesst vor meinen Augen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00ab<em>Wir k\u00f6nnen nicht halten, was uns nicht geh\u00f6rt<\/em>.\u00bb<sup>2<\/sup><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und dann dieser Bibeltext aus Mt.25\u2013 was sollen wir damit anfangen? Merkw\u00fcrdig und befremdlich wirkt die Geschichte, auch irgendwie unbarmherzig und hart: Wer m\u00f6chte so zur\u00fcckgewiesen werden? Ich kenne dich nicht!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Knall. T\u00fcr zu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie steht vor der Wohnungst\u00fcr, die Hand noch an der Klingel.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wieder und wieder hat sie auf den Knopf gedr\u00fcckt, ihre Hand kann es noch nicht begreifen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Heiss, brennend steigt Scham in ihr auf,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">fliesst durch ihre Adern und \u00fcberrollt sie, wie sie es vorher noch nie kannte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ihre Augen f\u00fcllen sich mit Tr\u00e4nen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das kann doch nicht sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich bin\u2019s.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mach auf. Bitte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich h\u00f6re doch, dass du da bist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Immer, wenn sie an diesen Tag zur\u00fcckdenkt, schiesst ihr die R\u00f6te ins Gesicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie weiss genau, wie sie durchs Treppenhaus hinunterstolperte und minutenlang wie erstarrt auf der Strasse stand.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In ihrem Innern tobten die Fragen: Was ist los? Was ist nur passiert? Sie wusste doch, dass ich sie besuchen komme. Warum macht sie nicht auf?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es brauchte Jahrzehnte bis die Freundinnen wieder miteinander reden konnten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jahre der Funkstille, des Besch\u00e4mt Seins, der Ungewissheit. Der Schmerz blieb.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Trauer, von der Menschen bei einem Kontaktabbruch befallen werden, l\u00e4sst sich vergleichen mit dem Verlust, den wir bei einem Todesfall erleiden. Eine Freundschaft zerbricht, Schweigen l\u00e4hmt. Die Traurigkeit vergeht nicht einfach, nur weil die Zeit verrinnt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auf den Ernstfall des Endes will Jesus seine J\u00fcnger\/innen vorbereiten. Wir lesen davon in den letzten Kapiteln des Matth\u00e4usevangeliums. Es ist die Rede vom Ende der Welt, von \u00fcberw\u00e4ltigenden Naturgewalten, bevor Gottes neue Welt kommt. Grosse Bilder werden gemalt, die existentielle Fragen ber\u00fchren. Da geht es um mehr als eine verlorene Freundschaft, n\u00e4mlich um Alles oder Nichts.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir sehen Jesus in der Rolle des Lehrenden, der mithilfe von Gleichnissen und Geschichten versucht, seine Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler wach zu r\u00fctteln. Seine Botschaft ist kompakt und meisterhaft erz\u00e4hlt: Werdet Euch bewusst, was wirklich wichtig ist im Leben und im Sterben!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Betrachten wir also diese Geschichte von den jungen Frauen beim Hochzeitsfest.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nur, machen wir nicht den Fehler, dem man eventuell erliegen k\u00f6nnte, den Br\u00e4utigam mit Jesus gleichzusetzen. Das w\u00e4re die falsche F\u00e4hrte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Schl\u00fcssel zum Verstehen finden wir am Anfang und Ende dieses Textes: \u201e<em>Dann wird die gerechte Welt Gottes zu vergleichen sein\u201c<\/em> bzw. \u201e<em>sie wird vergleichbar sein\u201c<\/em> \u2026<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da steht kein Gleichheitszeichen wie in einer mathematischen Gleichung. Das Folgende setzt nicht gleich, sondern vergleicht. Diese Unterscheidung ist wichtig. Vergleicht und zieht Eure Schl\u00fcsse \u2013 ist Jesu Absicht. Lest und h\u00f6rt! Werdet klug, gewinnt Erkenntnisse f\u00fcr euer eigenes Leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und nicht: Du wartest auf Jesus, wie jene auf den Br\u00e4utigam, der \u201eewig\u201c nicht kommt und dann bleibst du wegen Dummheit drau\u00dfen vor der T\u00fcr. &#8211; Nein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jesus irgendjemanden besch\u00e4men wollte, im Gegenteil.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da wir die Hochzeitsbr\u00e4uche jener Zeit nicht so genau vor Augen haben, will ich kurz darauf eingehen. Junge Frauen hatten bei solchen Festen eine spezielle Funktion. Ihnen fiel die Aufgabe zu, im Dunkeln f\u00fcr Beleuchtung zu sorgen, denn Stra\u00dfenlaternen gab es noch nicht. Da man bei diesen Anl\u00e4ssen nie genau wusste, wann der Br\u00e4utigam tats\u00e4chlich eintrifft, sollten die 12-15-j\u00e4hrigen M\u00e4dchen warten und seinen Weg beleuchten, falls er in der Nacht k\u00e4me.\u00a0 Diese Situation bildet den Hintergrund der Geschichte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr die jungen Frauen war eine Hochzeit auch eine gute Gelegenheit. Wer wei\u00df, vielleicht lie\u00dfe sich dort ein k\u00fcnftiger Ehemann finden? Das reicht, um Teenager f\u00fcr diesen Bereitschaftsdienst zu motivieren, die Aussicht auf eine gro\u00dfe Party.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch es dauert und dauert und nichts passiert. Alle 10 M\u00e4dchen werden m\u00fcde und schlafen ein, soweit so normal. Das wird auch gar nicht kritisiert, lediglich festgestellt. Niemand kann ununterbrochen wach und aufmerksam bleiben, wenn man eine gef\u00fchlte Ewigkeit warten muss.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als dann endlich der Ruf erschallt, \u201e<em>Da! Der Br\u00e4utigam! Macht euch auf, geht ihm entgegen!\u201c<\/em> ist der entscheidendeMoment gekommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jetzt sieht man, wer parat ist und wer nicht. Die einen m\u00fcssen feststellen, dass sie keine Vorr\u00e4te haben und ihre Rolle als wegweisende Fackeltr\u00e4gerinnen nicht mehr erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Die anderen sind vorbereitet und haben zus\u00e4tzliches \u00d6l mitgenommen. Sie k\u00f6nnen ihre Aufgabe wahrnehmen und dem Br\u00e4utigam den Weg erhellen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde \u2013 vergleichen wir diese Situation mit unserem Leben!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sind wir geistesgegenw\u00e4rtig und bereit, wenn wir gebraucht werden?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">K\u00f6nnen wir in den Dunkelheiten dieser Welt wenigstens ein kleines Licht anz\u00fcnden?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sind wir hilfreich und unterst\u00fctzend f\u00fcr unser Mitmenschen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Erf\u00fcllen wir die Aufgaben, vor die wir gestellt sind? Verhalten wir uns barmherzig und freundlich?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Begegnen wir einander mit N\u00e4chstenliebe? Suchen wir Frieden und Gerechtigkeit?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sind wir im Alltag als Christinn\/en erkennbar?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Achten wir auf die Geringsten und Schw\u00e4chsten neben uns?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201e<em>Ihr seid das Licht der Welt<\/em>.\u201c (Mt.5,16), spricht uns Jesus in der Bergpredigt zu. Werden wir diesem Anspruch gerecht? Lassen wir unser Licht tats\u00e4chlich leuchten? \u00a0Wer aufmerksam und selbstkritisch durchs Leben geht, steht immer wieder vor solchen und \u00e4hnlichen Fragen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein Blick auf den Kontext des 25. Kapitels im Mt.Ev. zeigt ausserdem, worauf dieses Kapitel hinauswill. Am Ende steht Jesu Rede vom Weltgericht. Dort nennt Jesus das entscheidende Kriterium: \u201e<em>Was ihr einem dieser meiner geringsten Br\u00fcder getan habt, das habt ihr mir getan.\u201c<\/em> (Mt. 25,40)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Geschichte von den 10 jungen Frauen ist in diesem Zusammenhang zu sehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es geht darum, den Herausforderungen des Lebens klug zu begegnen, Taten statt Worte sprechen zu lassen, wachsam zu sein statt gleichg\u00fcltig oder nachl\u00e4ssig.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Klugen, Achtsamen, Besonnenen, Weitblickenden, Vorrausschauenden sind bereit, als ihr Moment kommt. \u00a0Als es auf sie ankommt, sind sie (wieder) hellwach. Es ist der Augenblick, da genau sie gefragt sind, und niemand anders. Sie verpassen ihren Kairos nicht, den Moment der Entscheidung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen l\u00e4sst, muss mit negativen Folgen rechnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Genau das passiert den Dummen, T\u00f6richten, Gedankenlosen, Sorglosen, Achtlosen in Jesu Beispielgeschichte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie sind Menschen vergleichbar, die ihr Haus auf Sand bauen und damit ihre Existenz aufs Spiel setzen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer nicht bedenkt, welche Folgen ein Verhalten hat, wird letztlich zur Gefahr f\u00fcr sich und f\u00fcr andere.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ihre Bitte: \u201e<em>Ach, gebt uns einfach was ab von eurem \u00d6l<\/em>.\u201c k\u00f6nnen die Klugen nur ablehnen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das geht nicht, ihr k\u00f6nnt eure Verantwortung nicht auf uns abw\u00e4lzen. Wir k\u00f6nnen euch nicht eure Vers\u00e4umnisse abnehmen. Ihr tragt die Konsequenzen f\u00fcr euer Tun oder euer Unterlassen. &#8211;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Obwohl diese F\u00fcnf sofort loslaufen, um das vergessene \u00d6l zu besorgen, es wird nicht mehr reichen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Moment ist vorbei.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es gibt ein zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Meine Lieben, wie traurig w\u00e4re es doch, wenn erst am Grab eines Angeh\u00f6rigen Dankbarkeit sp\u00fcrbar w\u00fcrde.<sup>3<\/sup> Nutzen wir die Zeit, die uns gegeben ist, um einander zu sagen, wof\u00fcr wir froh und dankbar sind. Streicheln wir die Hand, die wir lieben. Kl\u00e4ren wir unsere Missverst\u00e4ndnisse und warten wir nicht 30 Jahren darauf, wie jene Freundinnen, von denen ich erz\u00e4hlte. Noch haben wir die Chance, einander um Verzeihung zu bitten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sch\u00f6ner als die Dichterin Rose Ausl\u00e4nder kann ich\u2018s nicht ausdr\u00fccken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie sagt in ihrem Gedicht <sup>4<\/sup> <em>\u201eNoch bist du da\u201c:<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Wirf deine Angst<br \/>\nin die Luft<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Bald<br \/>\nist deine Zeit um<br \/>\nbald<br \/>\nw\u00e4chst der Himmel<br \/>\nunter dem Gras<br \/>\nfallen deine Tr\u00e4ume<br \/>\nins Nirgends<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Noch<br \/>\nduftet die Nelke<br \/>\nsingt die Drossel<br \/>\nnoch darfst du lieben<br \/>\nWorte verschenken<br \/>\nnoch bist du da<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Sei was du bist<br \/>\nGib was du hast<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie wir mit unserer Lebenszeit umgehen, ob nachl\u00e4ssig und gedankenlos oder aufmerksam und bereit, das liegt an uns selbst. Ist uns bewusst, wie kurz das Leben ist und nutzen wir unsere Tage klug, wie Psalm 90,12 bittet? Ermessen wir den Wert unserer Tage, dass wir ein weises Herz f\u00fcreinander haben?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Reicht unser Vorrat an Gott-Vertrauen, wenn unsere Stunde kommt?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus r\u00e4t: <em>Also bleibt wach! Denn ihr kennt weder den Tag noch die Stunde<\/em>. Amen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Frieden Gottes, der h\u00f6her ist als unsere Vernunft,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pfarrerin Sabine Handrick<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"mailto:pfarramt@refdue.ch\">pfarramt@refdue.ch<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Anmerkungen:<br \/>\n<sup>1 <\/sup>Jacques Derrida: \u201eUnd, so werde ich sagen, ohne es mir mit einer \u00dcbertreibung leicht zu machen, die ganze Welt des anderen. Die Welt nach dem Ende der Welt. Denn der Tod ist, jedes Mal, und jedesmal einzigartig, jedesmal unwiederbringlich, jedesmal unendlich, nichts weniger als ein Ende der Welt. Nicht nur ein Ende unter anderen, das Ende einer Person oder einer Sache in der Welt, das Ende eines Lebens oder eines Lebewesens. Der Tod bereitet nicht nur jemandem in der Welt ein Ende, auch nicht nur einer Welt unter anderen; vielmehr zeigt er jedesmal, der Rechenkunst zum Trotz, das absolute Ende jener einen und selben Welt, desjenigen, was ein jeder wie eine einzige und selbe Welt er\u00f6ffnet; er zeigt das Ende der einzigartigen Welt, das Ende der Gesamtheit dessen, was der Ursprung der Welt f\u00fcr ein solches einzigartiges Lebewesen ist (sei es nun ein Mensch oder nicht) oder als solcher erscheinen kann.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jacques Derrida, Hans-Georg Gadamer, Der ununterbrochene Dialog, Frankfurt am Main 2004, S.15<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><sup>2<\/sup> <a href=\"https:\/\/www.popinstitut-nordkirche.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Du-bettest-die-Toten_Text.pdf\">https:\/\/www.popinstitut-nordkirche.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Du-bettest-die-Toten_Text.pdf<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><sup>3<\/sup> Immer am Grabe<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">wird die Erinnerung wach<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">stellt sich ein<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">verlegen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ein Zeichen der Dankbarkeit<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">wagt das Gef\u00fchl sich<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">endlich hervor<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Immer am Grabe<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">kommen sie<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">die ungesagten Worte<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">die Tr\u00e4nen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">kommt sie, die Liebe<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">zu sp\u00e4t<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lothar Zenetti<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><sup>4<\/sup> <a href=\"https:\/\/www.deutschelyrik.de\/noch-bist-du-da.html\">https:\/\/www.deutschelyrik.de\/noch-bist-du-da.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wann kommt dein Moment? | Ewigkeitssonntag | 23.11.2025 | Mt. 25,1-13| Sabine Handrick | Dann wird die gerechte Welt Gottes zu vergleichen sein mit zehn jungen Frauen, die ihre Fackeln nahmen und sich aufmachten, dem Br\u00e4utigam entgegenzugehen. F\u00fcnf von ihnen waren gedankenlos und f\u00fcnf klug: Die sich keine Gedanken machten, nahmen ihre Fackeln mit, aber [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":25624,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[36,1,157,853,114,597,118,349,3,109,294],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-25633","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-matthaeus","category-aktuelle","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-ewigkeits-totensonntag","category-kapitel-25-chapter-25","category-kasus","category-nt","category-predigten","category-sabine-handrick"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25633","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=25633"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25633\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25635,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25633\/revisions\/25635"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/25624"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25633"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=25633"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25633"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=25633"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=25633"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=25633"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=25633"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}