{"id":25649,"date":"2025-11-25T08:03:46","date_gmt":"2025-11-25T07:03:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25649"},"modified":"2025-11-24T18:07:22","modified_gmt":"2025-11-24T17:07:22","slug":"roemer-138-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-138-12\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 13,8-12"},"content":{"rendered":"<h3>1. Advent | 30.11.2025 | R\u00f6mer 13,8-12 | Stephan Lorenz |<\/h3>\n<p><em>Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen<\/em><\/p>\n<p>Heute, am 1. Advent beginnt ein neues Kirchenjahr \u2013 mit einer Bu\u00df- und Fastenzeit. Die Farbe Lila des Antependiums macht\u2018s deutlich. Als Vorbereitung auf die gro\u00dfen Feste Ostern wie Weihnachten, ermuntert uns unsere Tradition zu solch einer Bu\u00df- und Fastenzeit. Fr\u00fcher passte das zum Lebensrhythmus einer b\u00e4uerlich gepr\u00e4gten Gesellschaft. Die Ernte war eingefahren, man musste haushalten, damit die Vorr\u00e4te bis zur n\u00e4chsten Ernte die Familien ern\u00e4hrten.<\/p>\n<p>Heute m\u00fcssen wir uns nicht zur\u00fcckhalten, es sei denn, wir geh\u00f6ren zu den vielen, die mit wenig Geld auskommen m\u00fcssen. In den Gesch\u00e4ften herrscht in unseren Breiten kein Mangel mehr. Die Regale sind immer voll. Kommerz pr\u00e4gt unsere Adventszeit schon weit vor ihrem Beginn. Weihnachtsm\u00e4rkte haben Konjunktur, Adventsfeiern in Betrieben und Gruppen. Kaufrausch f\u00fcr den H\u00f6hepunkt, das Weihnachtsfest. Was soll da eine Bu\u00df- und Fastenzeit? Wer will da den Spa\u00dfverderber geben, daf\u00fcr werben?<\/p>\n<p>Die UN-Klimakonferenz im brasilianischen Belem hat getagt. Ein wirklicher Fortschritt in Sachen Klimaschutz ist nicht zu sehen. Ganz deutlich ist: Die Klimaerw\u00e4rmung ist jetzt schon gef\u00e4hrlich und mitunter t\u00f6dlich. F\u00fcr Eisb\u00e4ren, Pflanzen, V\u00f6gel und Insekten sowieso, aber auch f\u00fcr tausende Menschen in Deutschland und auch in anderen L\u00e4ndern. Denken wir nur an die Taifune in den Philippinen. Im Sommer 2024 sind in Europa mehr als 62.700 Menschen an den\u00a0Folgen von Hitze gestorben. Damit war die Zahl der Toten laut einer Studie des Instituto de Salud Global Barcelona (ISGlobal) um fast ein Viertel h\u00f6her als im Sommer 2023. Italien und Spanien, aber auch Portugal waren besonders betroffen.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Der Iran erlebt seit zwei Jahren eine nie gekannte Trockenheit. Die Befunde sind mehr als &#8222;alarmierend&#8220;. Die Erderhitzung hat schon jetzt weitreichende Folgen f\u00fcr Umwelt, Gesellschaft und Gesundheit. Das Ziel der Pariser Konferenz, die Erderw\u00e4rmung auf h\u00f6chstens 1,5 Grad zu begrenzen &#8211; weit verfehlt!<\/p>\n<p>Ich finde: Damit wird eine Bu\u00df- und Fastenzeit, wie unsere Tradition sie vorschl\u00e4gt, wieder aktuell. Das moderne Wort Bu\u00dfe ist mit dem altdeutschen Wort ba\u00df, \u201ebesser\u201c verwandt. Es bedeutet urspr\u00fcnglich \u201eNutzen, Vorteil\u201c. Wer will heute noch ernsthaft leugnen, dass wir unseren Lebensstil \u00e4ndern m\u00fcssen, es besser machen sollten und k\u00f6nnen, damit er uns zum Vorteil und Nutzen gereicht? Wir k\u00f6nnen unsere Einstellung \u00e4ndern. Aber wie? Kann unsere Glaubenstradition einen Beitrag Ermutigung f\u00fcr eine Verhaltens\u00e4nderung sein?<\/p>\n<p>Wir haben als Lesung einen Abschnitt aus dem Jeremiabuch (23) geh\u00f6rt. Jeremia redet von kommenden Tagen. Er weckt Sehns\u00fcchte, die tief in unserer Seele wohnen. Sehns\u00fcchte nach einem, der die Menschen wirklich gut regiert. Der alles mit Weisheit angeht, dem es gelingt, gerecht zu sein, der Sicherheit unseres Lebens garantiert. Wenn er kommt, gibt es kein Leid mehr. Durch ihn werden alle, die aus der Welt gefallen sind, wieder ein zu Hause finden. Solche Sehns\u00fcchte kennen wir. Ach, dass wir frei w\u00fcrden von allen Sorgen, Leiden und aller Todesgewalt. Die Realit\u00e4t unserer Tage zeichnet sich wie ein Kontrastprogramm.<\/p>\n<p>Kein Zweifel, Jeremia hat auf einen Gott gehofft, der alles \u00e4ndert, Ungerechtigkeiten richtet und T\u00e4ter bestraft. Jeremia hofft, dass die Menschen sich eines Besseren belehren lassen. Passiert ist das zu seiner Zeit nicht. So die Erfahrung des Jeremia \u2013 wie auch unsere eigene.<\/p>\n<p>Vielleicht warten viele von uns auch auf einen Heilsbringer. Das w\u00fcrde zu den Umfragen passen, die zeigen, dass zwar viele Deutsche eine \u00c4nderung des Lebensstils als zwingend ansehen, aber bitte, der Nachbar soll beginnen und sich zuerst \u00e4ndern! Wir haben uns angew\u00f6hnt, Forderungen an andere zu stellen. Aber: Delegation auf andere funktioniert nicht.<\/p>\n<p>Jetzt h\u00f6ren wir einen Abschnitt aus dem Brief des Paulus an die Christen in Rom. Vielleicht hilft der uns weiter:<\/p>\n<p><em>Abgesehen davon, dass ihr einander lieben sollt, bleibt keinem etwas schuldig! Wer den anderen liebt, hat das Gesetz erf\u00fcllt. Denn das Gesetz sagt: &#8222;Du sollst die Ehe nicht brechen, du sollst niemanden ermorden, du sollst nicht stehlen, du sollst der Begierde keinen Raum geben.&#8220; Diese und alle anderen Gebote sind in dem einen Satz zusammengefasst: &#8222;Liebe deinen N\u00e4chsten wie dich selbst!&#8220; Die Liebe tut dem N\u00e4chsten nichts B\u00f6ses an. Darum wird durch die Liebe das ganze Gesetz erf\u00fcllt. Achtet also auf die Gelegenheiten, die Gott euch gibt. Es ist h\u00f6chste Zeit, aus dem Schlaf aufzuwachen, denn jetzt ist unsere Rettung noch n\u00e4her als damals, als wir zum Glauben kamen. <\/em>(R\u00f6mer 13,8-12)<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick kein Text, der irgendetwas mit Advent oder Bu\u00df- und Fastenzeit zu tun hat. Beim zweiten Hinsehen aber doch \u2013 denke ich.<\/p>\n<p>Paulus stellt die Prophetie Jeremias nicht in Frage, das machen die ersten Kapitel des Briefes an die r\u00f6mischen Christen klar. Aber er meint, dass die Hoffnung auf einen Gott mit einer Mentalit\u00e4ts- und Verhaltens\u00e4nderung bei uns selbst einher gehen muss. Was nutzt ein ver\u00e4ndernder Gott, ein K\u00f6nig, der gerecht und weise regiert, wenn seine Menschen sich gegenteilig verhalten? Die Wirkung w\u00fcrde verpuffen.<\/p>\n<p>Deshalb schreibt er: <em>Abgesehen davon, dass ihr einander lieben sollt, bleibt keinem etwas schuldig!&#8230; Achtet also auf die Gelegenheiten, die Gott euch gibt. Es ist h\u00f6chste Zeit, aus dem Schlaf aufzuwachen.<\/em><\/p>\n<p><em>Achtet auf die Gelegenheiten, die Gott euch gibt. <\/em>Paulus ermutigt uns, Bu\u00dfe zu tun, also selbst danach zu suchen, wie wir es besser machen k\u00f6nnen, was unserem Vorteil und Nutzen dient: <em>Die Liebe tut dem N\u00e4chsten nichts B\u00f6ses an.<\/em> Hei\u00dft auch: nicht passiv auf jemanden warten, der es schon richten wird oder die Aufgabe an den Nachbarn abschieben. Wir selbst werden t\u00e4tig! Einen Lebensstil suchen, der anderen Menschen nichts wegnimmt und unseren Begierden weniger Raum gibt. Was kann ich besser machen? \u201eMa\u00dfvolle Selbstkultur anstelle des ma\u00dflosen Selbstkultes\u201c.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Schwer genug, wie wir alle wissen. Alte, liebgewonnene Gewohnheiten und Haltungen aufgeben ist eine ziemlich schwere Aufgabe. Paulus wei\u00df das. <em>Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.<\/em> So dr\u00fcckt er unseren Konflikt aus. Am Anfang des Briefes schreibt er, warum es uns trotzdem gelingen kann: <em>\u201eDenn im Evangelium zeigt Gott uns seine Gerechtigkeit, eine Gerechtigkeit, die aus dem Vertrauen auf Gott kommt und zum Glauben hinf\u00fchrt, wie es in der Schrift steht: &#8222;Der Gerechte wird leben, weil er glaubt.&#8220;<\/em> (1,17)<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Das k\u00f6nnte es doch sein: Im Vertrauen auf Gott, der uns in unseren Bem\u00fchungen, Bu\u00dfe zu tun, es besser zu machen, ermutigt und entgegenkommt, werden wir leben. Tatkr\u00e4ftig liebend einander unterst\u00fctzen. Gott selbst kommt uns zu Hilfe, wird Mensch, erlebt unsere Konflikte, erkennt unsere \u00c4ngste, unsere Lethargie \u2013 und wird uns Kraft geben, da, wo wir verantwortlich sind, es immer besser machen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Paulus endet seinen Brief mit Worten, die auch mir aus dem Herzen sprechen:<\/p>\n<p><em>\u00dc<\/em><em>ber euch kann ich mich nur freuen, denn jeder wei\u00df, dass ihr auf Gottes Wort h\u00f6rt. Doch ich m\u00f6chte euch auch weise zum Guten und unbeeinflusst vom B\u00f6sen wissen. Es wird nicht mehr lange dauern, bis der Gott des Friedens den Satan unter euren F\u00fc\u00dfen zermalmt hat. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch!<\/em> (16,19ff)<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche Ihnen eine sch\u00f6ne, bu\u00dffertige Adventszeit!<\/p>\n<p><em>Gottes Heiliger Geist befestige diese Worte in euren Herzen, damit ihr das nicht nur geh\u00f6rt habt, sondern auch im Alltag leben k\u00f6nnt, auf dass euer Glaube und Vertrauen in Gott zunehme und ihr selig werdet, durch Jesum Christum unseren Herrn. Amen<\/em><\/p>\n<p><strong>Confiteor:<br \/>\n<\/strong>Im Psalm 50 hei\u00dft es: <em>Unser Gott kommt und schweigt nicht. <\/em>Wir h\u00f6ren das. Nur, allzu oft ist unsere Erfahrung: Gott schweigt. Schweigt zu unseren Tr\u00e4nen, unserer Angst. Wie oft fragen wir, wo bist DU, Gott? So nehmen wir unser Leben in die eigene Hand. Wir kommen wir hier zusammen, um ermutigende Worte zu h\u00f6ren. Unterscheiden zu lernen zwischen dem, was wir tun k\u00f6nnen und dem, was in Gottes Hand alleine liegt. Wir bitten: <em>Gott, erbarm dich, vergib unser Misstrauen; leite uns zu einem guten Leben. Lass uns diesen Gottesdienst mit einem unbeschwerten Herzen und fr\u00f6hlichen Lippen feiern durch Christum, den Messias. <\/em>Und wir erhalten als Antwort: <em>Gott erbarmt sich, Jesus Christus kommt, um unser Vertrauen zu werben. Wer vertrauen kann, ist Gottes Kind. Sein Geist wird ihn leiten. Und er wird selig werden. Das verleihe Gott uns allen. Amen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Kollektengebet<br \/>\n<\/strong>Gott, tr\u00f6ste uns in unseren \u00c4ngsten und Sorgen, sei uns gn\u00e4dig, erh\u00f6re unser Gebet. Wir warten auf dein Kommen. Du kennst unsere Situation, unser Leiden, unsere Sorgen, unsere Fragen und Antworten. Wir sehnen uns nach Frieden, Gesundheit, Geborgenheit, danach, dass DU uns anschaust. Wann wirst du kommen, um uns zu erneuern? Wann wirst Du das Schreien der Verzweifelten h\u00f6ren? Du allein kannst unserer Sehnsucht helfen, wir hoffen auf Dich und dein Kommen. Das beten wir im Namen deines Sohnes Jesus Christus, der mit Dir und dem Heiligen Geist uns Kraft gibt, heute und morgen. Amen.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcrbitte<br \/>\n<\/strong>P: Gott, wir warten auf das Kommen Jesu, den vom Leben gebeugten, der dein Reich kommen sieht, deinen Messias. H\u00f6re unsere Bitten und Sorgen, St\u00e4rke uns im Glauben, auf dass wir angemessen und bu\u00dffertig handeln.<\/p>\n<p>A: Gott, wir warten auf das Kommen Jesu, den vom Leben gebeugten Messias, der dein Reich kommen sieht. Wir sorgen uns um unsere Zukunft. Lass uns handeln, damit unser Planet bewohnbar bleibt. Wir haben nur diese eine Erde, die auch die Zukunft unserer Kinder und Enkel sein soll. Wir bitten um deine Ermutigung und Kraft unseren Lebensstil zu \u00e4ndern. Wir rufen: Kyrie eleison<\/p>\n<p>B: Gott, wir warten auf Jesus, den wartenden und gebeugten Christus. Wir sorgen uns um den Frieden in Israel, Gaza, der Ukraine und dem Sudan. Schon wieder oder noch immer schlachten sich Menschen ab. Verachten einander. Bedrohen einander. Vertreiben einander. Wir bitten um Mut, den Frieden zu suchen. Wir rufen: Kyrie eleison<\/p>\n<p>C: Gott, wir warten auf Jesus, den wartenden und gebeugten Christus. Wir sorgen uns um die Kranken, die, die einsam sind, die um Atem ringen, unheilbar krank sind. Gib uns Kraft und Ausdauer, den Kranken und allen, die um unsere Hilfe bitten, beizustehen. Wir rufen: Kyrie eleison<\/p>\n<p>P: Gott, wir warten auf Jesus, den wartenden und gebeugten Christus. Wir fragen nach deinem Wort, das \u00fcber unser irdisches Leben hinausweist und uns zum ewigen Leben leitet. Wir hoffen an jedem neuen Tag auf dich. Amen. Laudate omnes gentes<\/p>\n<p><strong>Lieder:<br \/>\n<\/strong>EG 1 Macht hoch die T\u00fcr<br \/>\nEG 7 O Heiland rei\u00df die Himmel auf<br \/>\nEG 11 Wie soll ich dich empfangen<br \/>\nEG 13 Tochter Zion<br \/>\nEG 4 Nun kommt der Heiden Heiland<br \/>\nEG 3 Gott Sch\u00f6pfer aller Stern<\/p>\n<hr \/>\n<p>Pastor i.R. Stephan Lorenz<br \/>\n8400-575 Carvoeiro<br \/>\nMob 960 187 731<br \/>\nstephan.lorenz@evlka.de<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Fussnoten:<br \/>\n<\/strong><\/span><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Quelle: Die Zeit, 22. September 2025.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Es passt eigentlich nie, Wilhelm Schmid, In: Kursbuch 242 Dezember 2025.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Meine eigene \u00dcbersetzung w\u00fcrde lauten: Im Evangelium zeigt Gott uns, wie Leben richtig geht, richtiges Leben, das aus dem Vertrauen auf Gott kommt und zum Glauben f\u00fchrt, wie in der Schrift steht: Der Gerechte wird leben, weil er vertraut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Advent | 30.11.2025 | R\u00f6mer 13,8-12 | Stephan Lorenz | Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen Heute, am 1. Advent beginnt ein neues Kirchenjahr \u2013 mit einer Bu\u00df- und Fastenzeit. Die Farbe Lila des Antependiums macht\u2018s deutlich. 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