{"id":25672,"date":"2025-12-04T10:51:26","date_gmt":"2025-12-04T09:51:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25672"},"modified":"2025-12-04T10:51:26","modified_gmt":"2025-12-04T09:51:26","slug":"matthaeus-251-13-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-251-13-8\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 25,1-13"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400;\">Predigt zum 2. Sonntag in Advent &#8211; 7. Dezember 2025<br \/>\nMatth\u00e4us 25,1-13<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">von Laura Lundager Jensen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Die klugen Jungfrauen<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In der Tat:\u00a0 ein h\u00f6chst unbegreifliches Evangelium, das wir heute h\u00f6ren. Ungerecht, unmenschlich, beinahe N\u00e4chsten-feindlich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zehn Jungfrauen sind gegangen, um den Br\u00e4utigam zu treffen. F\u00fcnf von ihnen sind klug und vern\u00fcnftig und haben vorsorglich \u00d6l f\u00fcr ihre Lampen dabei. Und sicher auch drei Liter Wasser, Konserven und Toilettenpapier f\u00fcr den Notfall.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber die anderen f\u00fcnf haben vergessen, nachzudenken. Sie haben vergessen, sich mit den Gaben der Geduld zu r\u00fcsten. Sie haben das \u00d6l und alles andere vergessen. Sie denken vielleicht eher an die Gegenwart als an die Zukunft \u2013 oder sie haben vielleicht gar nicht nachgedacht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als die Nachricht kommt, der Br\u00e4utigam sei unterwegs, m\u00fcssen sie einkaufen. Und sie sind noch dabei, als der Br\u00e4utigam ankommt und von den klugen f\u00fcnf begr\u00fcsst und zur Hochzeit begleitet wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und als die t\u00f6richten M\u00e4dchen zur\u00fcckkommen, ist die T\u00fcr und Riegel verschlossen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Den Erfolg hat in dieser Geschichte nicht der H\u00e4nsel {H.C. Andersens Geschicte ist gemeint}. Es sind die Br\u00fcder mit ihren Talenten und schlauen K\u00f6pfen, die die Prinzessin erringen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als christliche Parabel gibt dieses einen klaren Sinn. Denn wenn wir die Geschichte in eine Erz\u00e4hlung \u00fcber Jesus und seine Gemeinde \u201e\u00fcbersetzen\u201c, ergibt es eine recht eindeutige Botschaft, dass wir bereit sein m\u00fcssen. Denn wenn Jesus der Br\u00e4utigam ist und wir seine Gemeinde, dann ist die Botschaft klar . Keiner kennt die Stunde. Keiner weiss, ob wir genug \u00d6l haben, um zu leuchten, wenn die Tore des Himmelreichs aufgehen werden. Keiner weiss, wann die Wiederkunft unseres Herrn erwartet wird. Die Moral ist daher, dass wir bereit sein m\u00fcssen, st\u00e4ndig mit \u00d6l in den Lampen, damit wir zu den Klugen geh\u00f6ren, die ins Reich Gottes kommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auf dieser Weise ist die Botschaft ermutigend. Der Herr ist auf dem Weg zu seiner Gemeinde,\u00a0 zu uns. Aber gleichzeitig ist die Geschichte erschreckend, denn unsere Fehler und Vers\u00e4umnisse sind immer pr\u00e4sent. Wir riskiern nicht bereit zu sein, wenn der Br\u00e4utigam da ist. Die M\u00f6glichkeit liegt offen, dass wir den t\u00f6richten Jungfrauen \u00e4hneln und nicht den. Und dann wird es zu sp\u00e4t sein. Dann ist die T\u00fcr zugeschlagen, geschlossen und verriegelt. Und da hilft keine liebe Mutter und auch keine mitf\u00fchlende Freundinnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDas ist doch ungerecht\u201c, meinten meine Lehramtsstudierenden, als wir neulich \u00fcber dieses Gleichnis sprachen. Und ja, es ist bestimmt nicht nach unseren Ma\u00dfst\u00e4ben ungerecht. Und schon gar, wenn wir wissen, aus welch vielen Gr\u00fcnde wir momentan abwesend sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In einem schulischen Kontext, wo robuste und fragile Sch\u00fcler beisammen sind, ist es jedenfalls fatal. Sie k\u00f6nnen nicht in gleichem Masse bereit sein. Im Gegenteil muss man versuchen, jeden und jede auf eigene Bedingungen einzubeziehen und sicherzustellen, dass man genug \u00d6l mitbringt, um es falls n\u00f6tig extra einzuschenken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was aber mit denen um uns, die tats\u00e4chlich dahinter hinken und weder die Zeit noch den Tag oder das Leben \u00fcberblicken k\u00f6nnen. Haben sie bei Gott eine Chance?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was sollen wir also mit diesem Gleichnis? Sind die f\u00fcnf t\u00f6richten Jungfrauen wirklich so t\u00f6richt?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie sind wohl einfach wie die meisten und leben nicht augepr\u00e4gt nach Normen und Sitten. Zur Zeit Jesu war es Brauch, zu warten und seinem Br\u00e4utigam zu folgen, aber wenn der Br\u00e4utigam des Wartemns nicht wert ist, warum dann warten?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Fr\u00fcher achtete man Autorit\u00e4ten und Traditionen. Aber das tun wohl heute die wenigsten. Und warum in einen Traum leen vom zuk\u00fcnftigen Gottesreich, wenn das gegenw\u00e4rtige Leben alles wert ist und die Sorgen von morgen auf morgen verschoben werden k\u00f6nnen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jeder wei\u00df, dass der Prinz auf dem wei\u00dfen Pferd sehr wohl nach ein paar Jahren ausgewechselt werden kann, wenn das Pferd lahmt und der abenteuerliche Glanz des Prinzen verblasst und der Alltag die Magie \u00fcberstrahlt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es geht heute nicht mehr darum, eine Wahrheit oder <em>die<\/em> Wahrheit zu suchen. Anstatt suchen wir eine Wahrheit, die f\u00fcr uns selber hier und jetzt als wahr erscheint. Wenn man unsicher ist, greift man nicht zur Bibel oder zur v\u00e4terlich \u00fcberlieferten Erziehung. Stattdessen geht man ins Netz und findet jene Person oder Influencer, die das beste Lebensangebot pr\u00e4sentiert. Und obwohl eine solche Wahrheit wohl nicht \u00fcber Jahrtausende Bestand haben wird, ist eine Laufzeit von einem Jahr wohl auch OK. Denn es werden neue Influencer mit neuen Angeboten f\u00fcr Wahrheiten kommen. Niemand erwartet, dass man das Gleiche sein ganzes Leben lang macht in der sich wandelnden Welt, in der wir leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was ist also mit dem Evangelium \u2013 ist es pass\u00e9, irrelevant und altmodisch? Vielleicht, aber vielleicht auch nicht. Denn die Sache ist wohl, dass egal wie sehr wir damit besch\u00e4ftigt sind, eigene Wahrheiten zu suchen \u2013 egal wie oft wir entdecken, dass wir falsch lagen und andere Wege gehen, bleibt die Hoffnung und die Erwartung, dass es die Wahrheit irgendwo gibt, gleich gro\u00df. Zur Zeit Jesu war die Erwartung, dass man so tat wie die klugen Jungfrauen. Heute haben wir gelernt, dass es nach jedem Scheitern eine neue Chance gibt. Aber die Suche nach Wahrheit geh\u00f6rt zum menschlichen Leben. Und zu leben ohne die Hoffnung, dass die Wahrheit existiert, ist wie im Leben tot zu sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir Menschen leben von der Hoffnung. Und das l\u00e4sst sich leicht beweisen, denn selbst der Erwachsene, der die Hoffnung verloren hat, wagt es nicht, einem Kind die Hoffnung und die Erwartung zu nehmen \u2013 das w\u00e4re ein Sakrileg. Es scheint, als ob es mehr Wahrheit in der Hoffnung und Erwartung des Kindes gibt als im Mutlosigkeit des Erwachsenen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gerade jetzt in der Adventszeit ist diese Erwartung am st\u00e4rksten, wo der dunkelste Monat des Jahres auf die Kraft des Lichts trifft. Die Welt ist in die Knie gezwungen &#8211; dass erleben wir. Gerade wenn er Himmel grau ist und die K\u00e4lte dr\u00fcckt, klingt das Evangelium um so intensiverUnd damit ist die Frage real, denn ist es \u00fcberhaupt m\u00f6glich, die \u00d6llampe der Hoffnung am Leben zu halten, oder wird die Flamme flackern und erl\u00f6schen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gerade jetzt ist Hoffnung so ungemein wichtig. Es w\u00e4re t\u00f6richt, sie loszulassen oder nicht zus\u00e4tzlich \u00d6l nachzugie\u00dfen. Und gerade darum ist das Evangelium so wichtig, weil es das Versprechen tr\u00e4gt, dass, selbst wenn wir den Halt verlieren, oder den Prinzen oder den Glauben an den Influencer, das Evangelium festh\u00e4lt und uns klug und weitsichtig macht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So ist Advent. Erwartung und Angst gehen Hand in Hand. Und sind wir stark genug, ausdauernd genug, geduldig genug, um dem Dunkel entgegenzutreten, das \u00fcberall vorhanden ist und sich ausbreitet, dann wird das Licht und damit das Reich der Hoffnung \u00fcber die M\u00e4chte der Dunkelheit siegen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Deshalb ist es so wichtig, den Weg der Adventszeit bis Weihnachten festzuhalten \u2013 denn in einer Zeit, in der aller Weltwahrheiten um Macht in der Welt k\u00e4mpfen, in einer Zeit, in der Tendenzen und Trends und Vorstellungen wechseln, ist es wichtig, einander zu versichern, dass die Macht, die Wahrheit, das Licht, das besteht und niemals ersetzt werden kann, die Macht der Liebe in der Welt ist \u2013 die Liebe, die der Herr uns gegeben hat und die den Menschen als Richtung im Leben dient. Wir sind bestimmt nicht gut darin, die Liebe zu ergreifen. Wir tun uns schwer, sie zu begreifen. In ihr aber ist das Reich Gottes verborgen, und es w\u00e4re t\u00f6richt, ihr den R\u00fccken zu kehren und die Tore vor unseren Augen zu schliessen zu lassen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Laura Lundager Jensen<br \/>\nEv. Pfarrer in Osted<br \/>\n<a href=\"mailto:Luje@kp.dk\">Luje(a)kp.dk<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zum 2. Sonntag in Advent &#8211; 7. Dezember 2025 Matth\u00e4us 25,1-13 von Laura Lundager Jensen Die klugen Jungfrauen In der Tat:\u00a0 ein h\u00f6chst unbegreifliches Evangelium, das wir heute h\u00f6ren. Ungerecht, unmenschlich, beinahe N\u00e4chsten-feindlich. Zehn Jungfrauen sind gegangen, um den Br\u00e4utigam zu treffen. 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