{"id":25695,"date":"2025-12-10T18:36:50","date_gmt":"2025-12-10T17:36:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25695"},"modified":"2025-12-10T18:36:50","modified_gmt":"2025-12-10T17:36:50","slug":"lukas-31-20-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-31-20-2\/","title":{"rendered":"Lukas 3,1-20"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Droh- und Frohbotschaft<\/strong><strong> | Dritter Advent | 14.12.2025 | Lukas 3,1-20 | Paul Wellauer |<\/strong><\/h3>\n<p><strong><br \/>\nLobgebet im Wechsel | <\/strong><strong>Magnificat | Lukas 1,46b-55 <\/strong><strong>| ERG 585 |\u00a9 Z\u00fcrcher Bibel 1996*<br \/>\n<\/strong>I\u00a0 \u00a0Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist jubelt \u00fcber Gott, meinen Retter,<br \/>\ndenn hingesehen hat er auf die Niedrigkeit seiner Magd.<br \/>\nII Siehe, von nun an werden mich seligpreisen alle Geschlechter,<br \/>\ndenn Grosses hat der M\u00e4chtige an mir getan.<br \/>\nI\u00a0 Und heilig ist sein Name, und seine Barmherzigkeit gilt von Geschlecht zu Geschlecht,<br \/>\ndenen, die ihn f\u00fcrchten.<br \/>\nII Gewaltiges hat er vollbracht mit seinem Arm, zerstreut hat er, die hochm\u00fctig sind in ihrem Herzen,<br \/>\nI\u00a0 \u00a0M\u00e4chtige hat er vom Thron gest\u00fcrzt und Niedrige erh\u00f6ht,<br \/>\nII Hungrige hat er ges\u00e4ttigt mit Gutem und Reiche leer ausgehen lassen.<br \/>\nI\u00a0 \u00a0Er hat sich Israels, seines Knechtes, angenommen, und seiner Barmherzigkeit gedacht,<br \/>\nII wie er es unseren V\u00e4tern versprochen hat, Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit.<br \/>\nI+II AMEN<\/p>\n<p><strong>Lesung <\/strong><strong>Predigttext: Lukas 3,1-20, d<\/strong><strong>as Auftreten des T\u00e4ufers <\/strong><strong>| \u00a9 Die <\/strong><strong>Z\u00fcrcher Bibel, 2007**<br \/>\n<\/strong>1 Im f\u00fcnfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius &#8211; als Pontius Pilatus Statthalter von Jud\u00e4a war und Herodes Tetrarch von Galil\u00e4a, sein Bruder Philippus Tetrarch von Itur\u00e4a und der Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene, 2 unter dem Hohen Priester Hannas und Kajafas &#8211; erging das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias, in der W\u00fcste. 3 Und er zog durch die ganze Gegend am Jordan und verk\u00fcndigte eine Taufe der Umkehr zur Vergebung der S\u00fcnden, 4 wie es geschrieben steht im Buch der Worte des Propheten Jesaja: Stimme eines Rufers in der W\u00fcste: Bereitet den Weg des Herrn, macht gerade seine Strassen. 5 Jede Schlucht soll aufgef\u00fcllt und jeder Berg und jeder H\u00fcgel soll eingeebnet werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben, zu ebenen Wegen werden. 6 Und schauen wird alles Fleisch Gottes Heil. 7 Und er sagte zu denen, die in Scharen hinauszogen, um sich von ihm taufen zu lassen: <strong>Schlangenbrut! Wer machte euch glauben, dass ihr dem kommenden Zorn entgehen werdet?<\/strong> 8 Bringt also Fr\u00fcchte, die der Umkehr entsprechen! Und fangt nicht an, euch zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. 9 Schon ist die Axt an die Wurzel der B\u00e4ume gelegt: Jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird gef\u00e4llt und ins Feuer geworfen. 10 Und die Leute fragten ihn: <strong>Was also sollen wir tun?<\/strong> 11 Er antwortete ihnen: Wer zwei Hemden hat, teile mit dem, der keines hat, und wer zu essen hat, tue desgleichen. 12 Es kamen aber auch Z\u00f6llner, um sich taufen zu lassen, und sagten zu ihm: <strong>Meister, was sollen wir tun?<\/strong> 13 Er sagte ihnen: Treibt nicht mehr ein, als euch vorgeschrieben ist! 14 Und es fragten ihn auch Soldaten: <strong>Was sollen wir denn tun?<\/strong> Und ihnen sagte er: Misshandelt niemanden, erpresst niemanden und begn\u00fcgt euch mit eurem Sold. 15 Da nun das Volk voller Erwartung war und alle sich \u00fcber Johannes Gedanken machten, ob er am Ende gar der Messias sei, 16 wandte sich Johannes an alle: <strong>Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber einer, der st\u00e4rker ist als ich; mir steht es nicht zu, ihm die Schuhriemen zu l\u00f6sen. Er wird euch mit heiligem Geist und mit Feuer taufen. <\/strong>17 In seiner Hand ist die Wurfschaufel; er wird seine Tenne s\u00e4ubern und den Weizen in seine Scheune einbringen, die Spreu aber wird er verbrennen in einem Feuer, das nie erlischt. 18 Mit diesen und andern Mahnungen verk\u00fcndigte er dem Volk das Evangelium.<br \/>\n<em>Selig ist jeder Mensch, der Gottes Wort h\u00f6rt, in seinem Herzen bewahrt und danach lebt. Amen<br \/>\n<\/em><strong><br \/>\nPredigt: <\/strong><strong>Droh- und Frohbotschaft<\/strong><br \/>\nLiebe Gemeinde, liebe Br\u00fcder und Schwestern durch die Liebe und Gnade Gottes<br \/>\n\u00abDroh- und Frohbotschaft\u00bb habe ich meine heutige Predigt zum 3. Advent \u00fcberschrieben: Der T\u00e4ufer Johannes predigt mit recht derben Worten und will mit seiner Drohbotschaft die Menschen seiner Zeit aufr\u00fctteln. Wie passt dieser Text zur wunderbaren Vorweihnachtszeit, die doch f\u00fcr Gottes Frohbotschaft leuchten will? Und wie ist es in unserem Alltag: \u00dcberwiegen da die Frohbotschaften oder werden sie von Drohbotschaften erdr\u00fcckt und \u00fcbert\u00f6nt?<\/p>\n<p>Wenden wir uns dem Bericht von Johannes dem T\u00e4ufer zu: Der Evangelist Lukas beschreibt am ausf\u00fchrlichsten die verwandtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse von Jesus. Elisabeth, die Mutter von Johannes dem T\u00e4ufer, ist gem\u00e4ss Lukas mit Maria, der Mutter von Jesus verwandt [vgl. Lukas 1,36]. Oft wird angenommen, dass sie Cousinen waren, doch der griechische Verwandtschaftsbegriff \u03c3\u03c5\u03b3\u03b3\u03b5\u03bd\u03af\u03c2 \/ syngenis kann auch Tante heissen oder eine andere verwandtschaftliche Beziehung beschreiben. Bei der Geburt von Johannes war Elisabeth eine alte Frau, Maria dagegen wohl eher sehr jung. Daher ist es auch gut denkbar, dass Elisabeth eine Tante Marias war und ihr in der unerwarteten Schwangerschaft mit Jesus zur m\u00fctterlichen Freundin wurde. Beide Geburten, die von Johannes und Jesus, werden vom Evangelisten Lukas als Wunder beschrieben: Johannes, da die Eltern Elisabeth und Zacharias schon sehr alt waren und Jesus, da Maria und Josef nicht verheiratet waren und nicht miteinander geschlafen hatten. Lukas berichtet von einer \u00abvorgeburtlichen Begegnung\u00bb der beiden verwandten \u00abWunderknaben\u00bb [Lukas 1,39-56], die bei beiden Frauen Jubel und Dankbarkeit gegen\u00fcber Gott ausl\u00f6ste: In Gebet und Musik wurden daraus das Ave Maria und das Magnificat. Beide \u00abWunderknaben\u00bb entwickelten sich zu Verk\u00fcndigern von Gottes Botschaft, allerdings mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Vereinfacht gesagt waren die Predigten von Johannes eher von \u00abDrohbotschaft\u00bb gepr\u00e4gt, w\u00e4hrend Jesus mehrheitlich \u00abFrohbotschaft\u00bb verk\u00fcndete. Beide haben ihre Berechtigung und ihre Wirkung, in gewisser Weise erg\u00e4nzen und bedingen sie sich gegenseitig.<\/p>\n<p><strong>1) Drohbotschaft: \u00abSchlangenbrut! Wer machte euch glauben, dass ihr dem kommenden Zorn entgehen werdet?\u00bb (V7b)<br \/>\n<\/strong>Liebe Gemeinde, w\u00fcrde ich meine Predigten mit S\u00e4tzen wie diesem beginnen oder \u00e4hnliche Formulierungen verwenden, w\u00fcrde sich der eine oder die andere dies wohl nicht anh\u00f6ren und den Gottesdienst verlassen. W\u00fcrde ich dies regelm\u00e4ssig tun, k\u00f6nnte es gut sein, dass \u00fcber kurz oder lang die Boulevard-Presse \u00fcber mich berichten w\u00fcrde oder jemand den Kirchenrat informieren m\u00f6chte. Johannes verwendet recht drastische Begriffe, um seine Zuh\u00f6rer und Zuh\u00f6rerinnen wachzur\u00fctteln. Er sieht sich als Warner und Aufkl\u00e4rer, als F\u00fcrsprecher Gottes, als Prophet in einer tr\u00e4gen und oberfl\u00e4chlichen Welt. Heutige Warner\/-innen und Aufkl\u00e4rer\/-innen machen sich stark gegen die Gefahren des Klimawandels, k\u00e4mpfen f\u00fcr friedliche L\u00f6sungen in kriegerischen Konflikten oder gegen die Ungerechtigkeiten im Welthandel. Dies alles sind ehrenwerte und wichtige Themen, f\u00fcr die es sich zu k\u00e4mpfen lohnt. Auch heutige \u00abProphetinnen und Propheten\u00bb verwenden manchmal drastische Worte und Aktionen, um auf die Probleme und Gefahren hinzuweisen.<br \/>\nWo sieht Johannes die Gefahren seiner Zeit? Ich fasse seine Anliegen unter folgenden drei Punkten zusammen: <strong>A) Fehlende Vorbereitung, B) Falsche Sicherheit, C) Keine \u00abFr\u00fcchte der Umkehr\u00bb.<\/strong><\/p>\n<p><strong>A) Fehlende Vorbereitung:<br \/>\n<\/strong>Johannes erwartet, dass Gott in diese Welt hineinkommt. Er zitiert daf\u00fcr Verheissungen des Propheten Jesaja [40,3-5] <em>\u00abBereitet den Weg des Herrn, macht gerade seine Strassen. Jede Schlucht soll aufgef\u00fcllt und jeder Berg und jeder H\u00fcgel soll eingeebnet werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben, zu ebenen Wegen werden. Und schauen wird alles Fleisch Gottes Heil\u00bb.<\/em> Die Sehnsucht nach einem g\u00f6ttlichen Retter, dem Gesalbten Gottes, dem Messias, der \u00e4hnlich wie der gesalbte K\u00f6nig David rund 1&#8217;000 Jahre fr\u00fcher f\u00fcr Gottes Volk gesorgt hatte, sind im Volk sehr pr\u00e4sent. Doch Johannes findet, dass Gottes Volk daf\u00fcr nicht bereit ist: Die Menschen seiner Zeit sind sich zu wenig bewusst, dass Gottes Gesalbter neben Heil auch Urteil, neben Hoffnung auch Gerechtigkeit, neben Gnade auch Gericht mit sich bringt. Der Messias wird sich nach der Vorstellung von Johannes die Menschen genau anschauen: Einstellung, Verhalten und Taten werden Konsequenzen haben. Damit stellt er sich in die Reihe der alttestamentlichen Propheten, die dem Volk oft umfangreiche Gerichtsbotschaften mitzuteilen hatten, in denen sich die Hoffnungszeichen wie kleine Lichter in grosser Dunkelheit zeigen.<br \/>\nUnd was r\u00e4t Johannes den \u00abScharen, die zu ihm hinausziehen\u00bb? Er predigt Umkehr und tauft sie als Zeichen der Vergebung ihrer S\u00fcnden. F\u00fcr Umkehr steht das griechische Wort \u03bc\u03b5\u03c4\u03b1\u03bd\u03bf\u03af\u03b1 \/ Metanoia, das eigentlich Umdenken, sich Umbesinnen bedeutet. Die Zuh\u00f6rer\/-innen sollen ihre Gesinnung \u00e4ndern, sich vom B\u00f6sen ab- und Gott und dem Guten zuwenden.<\/p>\n<p><strong>B) Falsche Sicherheit:<br \/>\n<\/strong>\u00abWir haben Abraham zum Vater\u00bb, k\u00f6nnten sich die von Johannes Gemassregelten verteidigen. \u00abWir geh\u00f6ren zum auserw\u00e4hlten Volk Gottes, auf uns liegt Gottes Segen und Verheissung\u00bb. Doch Johannes geisselt diese aus seiner Sicht falsche Sicherheit: Gott ist nicht auf sein Volk angewiesen, er kann sich ein neues erw\u00e4hlen. Wenn es sein muss, kann er sich \u00abaus Steinen Kinder erwecken\u00bb. Umgekehrt ist aber sein Volk auf IHN angewiesen. Und Johannes spricht eine massive Drohung aus: Die Axt, um die fruchtlosen B\u00e4ume umzuschlagen, liegt bereit! Das ist weit mehr als ein erhobener Zeigefinger oder eine geballte Faust: Johannes zeichnet radikale Konsequenzen auf, wenn sich Gottes Volk nicht zur Besinnung rufen l\u00e4sst. Fruchtlose B\u00e4ume landen im Feuer!<br \/>\nErstaunlicherweise wenden sich die Menschen nicht von Johannes ab, sondern sie h\u00f6ren ihm geduldig zu und m\u00f6chten klare Anweisungen: <strong>\u00abWas sollen wir tun?\u00bb<\/strong> Drei unterschiedliche Personengruppen stellen Johannes diese Frage: <strong>\u00abWas sollen wir tun?\u00bb<\/strong>. Das \u00abeinfache Volk\u00bb, die Leute, dann die Z\u00f6llner und schliesslich die Soldaten wollen wissen, was sie tun sollen. Allen dreien gibt Johannes recht \u00e4hnliche und doch spezifische Antworten. Sie sollen\u2026<\/p>\n<p><strong>C) \u00abFr\u00fcchte der Umkehr\u00bb<br \/>\n<\/strong>wachsen lassen. Vereinfacht gesagt sollen sie Gerechtigkeit und N\u00e4chstenliebe leben, grossz\u00fcgig, fair und bescheiden sein. Wer gen\u00fcgend Kleidung und Nahrung hat, ist angehalten, diese mit seinen Mitmenschen zu teilen. Z\u00f6llner und Soldaten sollen sich an die geltenden Regeln halten und ihre Macht nicht ausnutzen. Auf den ersten Blick sind diese Anweisungen nicht \u00fcbermenschlich und sehr einleuchtend. Weshalb poltert und droht denn Johannes so lautstark und drastisch? Seine Forderungen sind nicht neu und die Nachl\u00e4ssigkeit bei Volk und Verantwortungstr\u00e4gern, diese Regeln zu befolgen, ist wohl auch nicht neu.<br \/>\nDen Unterschied macht wohl, wie Lukas kurz und n\u00fcchtern schreibt: \u00ab\u2026da <strong>erging das Wort Gottes an Johannes<\/strong>\u00bb (Vers 2). Johannes muss wohl deutlich gesp\u00fcrt und von Gott den klaren Auftrag erhalten haben: Da bahnt sich etwas fundamental Neues an, ein Umbruch und Aufbruch mitten in Gottes Volk. Eine Botschaft, f\u00fcr welche der \u00abWeg bereitet und die Strassen begradigt\u00bb werden sollen. \u00abJede Schlucht soll aufgef\u00fcllt und jeder Berg und jeder H\u00fcgel soll eingeebnet werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben, zu ebenen Wegen werden\u00bb (Verse 4-5).<br \/>\nUnd um dieser wichtigen Botschaft Geh\u00f6r zu verschaffen, greift Johannes zu Kraftausdr\u00fccken, zu Axt und Feuer, zur Schlangenbrut und zum Zorn Gottes. Er predigt Drohbotschaft, um die Menschen wachzur\u00fctteln. Einige lassen sich wecken, gehen in sich, tun Busse und lassen sich taufen.<br \/>\nWir k\u00f6nnen uns allerdings fragen: Hat sich Johannes\u2019 Botschaft bewahrheitet, hatte er recht mit seiner Warnung?<br \/>\nJohannes k\u00fcndigt Einen an, der weit m\u00e4chtiger ist als er, der nicht mit Wasser, <strong>sondern \u00abmit Heiligem Geist und Feuer taufen\u00bb<\/strong> \u00abIn seiner Hand ist die Wurfschaufel; er wird seine Tenne s\u00e4ubern und den Weizen in seine Scheune einbringen, die Spreu aber wird er verbrennen in einem Feuer, das nie erlischt\u00bb (Verse 16-17).<br \/>\nInwiefern hat Jesus diese Vorank\u00fcndigungen erf\u00fcllt \u2013 und weshalb nicht in allen Punkten?<\/p>\n<p><strong>2. Frohbotschaft:<br \/>\n<\/strong>Liebe Gemeinde, sie w\u00fcrden mir wohl beistimmen, dass die Botschaft von Jesus verglichen mit der Predigt von Johannes mehrheitlich eine <strong>\u00abFrohbotschaft\u00bb<\/strong> ist. Sein Reden und Wirken sind gepr\u00e4gt von Liebe und Gnade, von Barmherzigkeit und Mitgef\u00fchl. Er wendet sich sogenannt Randst\u00e4ndigen zu und f\u00fchrt sie zur\u00fcck in die Mitte der Gemeinschaft. Menschen in Not und Krankheit heilt er an Leib, Seele und Geist. Statt Gericht und Strafe schenkt er den Menschen Vergebung und Erneuerung. Er schliesst Leprakranke in seine Arme, genauso wie Kinder und sp\u00e4tere Verr\u00e4ter wie Petrus und Judas. Die Strassen vor ihm wurden nicht begradigt: Er gelangt auch auf \u00abkrummen Wegen\u00bb zu den Menschen und begegnet ihnen mitten in ihrem irdischen Alltag. F\u00fcr ihn wurden keine T\u00e4ler aufgef\u00fcllt und keine Berge geschleift. Auf einem einfachen Esel reitet er kurz vor seiner Kreuzigung in Jerusalem ein.<br \/>\nDas Gericht, das Johannes dem Volk androht, vollstreckt Jesus nicht, sondern er erduldet es an seinem eigenen Leib und Leben: Verleumdung, Verrat und Folter, ein grausamer Tod am Kreuz. Der \u00abZorn Gottes\u00bb wird von Jesus ans Kreuz getragen und \u00fcberwunden. Jesus ist es, der f\u00fcr uns \u00abdurchs Feuer\u00bb geht. Seine Auferstehung am Ostermorgen macht deutlich, dass diese \u00abTaufe mit Feuer\u00bb nicht das Ende ist, sondern ein hoffnungsvoller Neuanfang.<br \/>\nDen Beginn dieser lebendigen Frohbotschaft feiern wir bald an Weihnachten: Gott wendet sich den Menschen zu, wird selbst ein Mensch, verletzlich, klein, als Jesuskind in der Krippe.<br \/>\nAls Erwachsener wird Jesus auch da und dort drohen und wettern: Insbesondere gegen\u00fcber Menschen, die selbstgerecht und unbelehrbar sind oder aus dem Tempel Gottes eine \u00abR\u00e4uberh\u00f6hle\u00bb gemacht haben. Und Jesus l\u00e4sst uns die Wahl zwischen \u00abFrohbotschaft\u00bb und den Konsequenzen, wenn wir diese nicht beherzigen.<br \/>\n<strong>\u00abWas sollen wir tun?\u00bb <\/strong>wird Johannes drei Mal gefragt. Ich m\u00f6chte uns diese dreimalige Frage f\u00fcr die verbleibende Advents- und Weihnachtszeit mitgeben.<\/p>\n<p><strong>A) Was sollen wir tun, wenn Menschen uns mit \u00abDrohbotschaft\u00bb bedr\u00e4ngen ver\u00e4ngstigen?<\/strong><br \/>\nIntuitiv weichen wir einen Schritt zur\u00fcck, wenn wir etwas Bedrohliches erleben. Das gibt uns Raum und Zeit, um uns zu sammeln und zu kl\u00e4ren, was zu tun ist. Einen Schritt zur\u00fccktreten ist wohl auch weise, wenn wir mit Drohbotschaften konfrontiert werden: Wo ist eine Not und Bedrohung echt und ernst zu nehmen? Wo wird \u00fcbertrieben und vom \u00abwahren Problem\u00bb abgelenkt? Was k\u00f6nnen wir gemeinsam anpacken, um das Bedrohliche einzud\u00e4mmen oder zu \u00fcberwinden?<\/p>\n<p><strong>B) \u00abWas sollen wir tun?\u00bb &#8211; Wie kann ich der \u00abDrohbotschaft\u00bb eine Frohbotschaft entgegenstellen?<br \/>\n<\/strong>Johannes r\u00e4t seinen Zuh\u00f6rer\/-innen, grossz\u00fcgig, gerecht und hilfsbereit zu sein. Das ist auf jeden Fall ein guter Anfang. Das wertvollste, das wir teilen k\u00f6nnen, ist unsere Zeit, gerade in der Vorweihnachtszeit. \u00abBedrohliche Menschen\u00bb k\u00f6nnen ganz ruhig und harmlos werden, wenn man ihnen vertrauensvoll und geduldig zuh\u00f6rt. Und ein kleiner Liebesdienst kann verh\u00e4rtete Herzen auftauen.<\/p>\n<p><strong>C) \u00abWas sollen wir tun, was willst du tun, um Gottes frohe Botschaft den Menschen nahezubringen?\u00bb<\/strong><br \/>\nGute Ideen und sachdienliche Hinweise k\u00f6nnen gerne beim anschliessenden Kirchenkaffee ausgetauscht werden!<br \/>\nAmen.<\/p>\n<p><strong>Liedvorschl\u00e4ge<\/strong><\/p>\n<p>ERG 361 Oh Heiland, reiss die Himmel auf<br \/>\nERG 363 Macht hoch die T\u00fcr<br \/>\nERG 793 Herz und Herz vereint zusammen<br \/>\nERG 795 Sonne der Gerechtigkeit<br \/>\nERG 798 So jemand spricht ich liebe Gott<br \/>\nERG 813 Ubi caritas et amor<\/p>\n<p>ERG 838 Suchet zuerst Gottes Reich in dieser Welt<br \/>\nRW 51 Da ber\u00fchren sich Himmel und Erde<br \/>\nRW 73 Ins Wasser f\u00e4llt ein Stein<br \/>\nRW 80 Selig seid ihr<br \/>\nRW 93 Lass die Worte, die ich sag<br \/>\nRW 121 Aufstehn, aufeinander zugehn<br \/>\nRW 122 This little light of mine<\/p>\n<hr \/>\n<p>Pfr. Paul Wellauer, Bischofszell, Schweiz | Mail: <a href=\"mailto:paul.wellauer@internetkirche.ch\">paul.wellauer@internetkirche.ch<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.internetkirche.ch\">www.internetkirche.ch<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.internetkirche.ch\/livestream\">www.internetkirche.ch\/livestream<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.evang-tg.ch\">www.evang-tg.ch<\/a><br \/>\nGeb. 1967, Pfarrer und Mitglied im Kirchenrat der evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau, Schweiz. Seit 2009 in Bischofszell-Hauptwil, 1996-2009 in Z\u00fcrich-Altstetten, davor 1993-1996 Seelsorger und Projektleiter in der Stiftung Sozialwerke Pfr. Ernst Sieber, Z\u00fcrich<br \/>\n<strong><br \/>\nLiteratur<br \/>\n<\/strong>*) Die Z\u00fcrcher Bibel, Die Evangelien nach Matth\u00e4us, Markus, Lukas, Johannes; Die Psalmen, Fassung 1996, \u00a9 Genossenschaft Verlag der Z\u00fcrcher Bibel<br \/>\n**) Die Z\u00fcrcher Bibel, Ausgabe 2007, \u00a9 Friedrich Reinhard Verlag Basel, &amp; Theologischer Verlag, Z\u00fcrich<br \/>\nERG = Gesangbuch Evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz, \u00a9 Friedrich Reinhard Verlag Basel, &amp; Theologischer Verlag, Z\u00fcrich 1998<br \/>\nRW = R\u00fcckenwind, Lieder f\u00fcr den Gottesdienst, Hrsg. Evang Landeskirche des Kantons Thurgau, Theologischer Verlag, Z\u00fcrich 2017<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Droh- und Frohbotschaft | Dritter Advent | 14.12.2025 | Lukas 3,1-20 | Paul Wellauer | Lobgebet im Wechsel | Magnificat | Lukas 1,46b-55 | ERG 585 |\u00a9 Z\u00fcrcher Bibel 1996* I\u00a0 \u00a0Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist jubelt \u00fcber Gott, meinen Retter, denn hingesehen hat er auf die Niedrigkeit seiner Magd. 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