{"id":25724,"date":"2025-12-18T13:02:36","date_gmt":"2025-12-18T12:02:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25724"},"modified":"2025-12-18T12:15:57","modified_gmt":"2025-12-18T11:15:57","slug":"25724-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/25724-2\/","title":{"rendered":"Hesekiel 37,24\u201328"},"content":{"rendered":"<h3>Zu sch\u00f6n, um wahr zu sein | Christvesper | 24.12.2025 | Hesekiel 37,24\u201328 | Christoph Kock<\/h3>\n<p><strong>I. Driving home for Christmas<\/strong><\/p>\n<p>Alle Jahre wieder. Ein Fest: drei Tage und Wege, die damit verbunden sind. Wann zu deinen Eltern und wann zu meinen? Oder feiern wir zu zweit? Mit Kindern f\u00e4llt die Entscheidung einfacher, am eigenen Ort zu feiern. Wenn genug Platz ist, machen sich Eltern auf den Weg, um das Fest mit ihren Enkelkindern zu verbringen. Rollen wechseln.<\/p>\n<p>Erinnerungen geh\u00f6ren dazu. Gewohnte Rituale. Der Duft, den das Tannengr\u00fcn verbreitet. Die Lieder. Das Festtagsmenu an den Feiertagen, der Geschmack der Pl\u00e4tzchen, die meist die Mutter gebacken hat. Wie lang als Kind sich die Zeit bis zur Bescherung gestreckt hat. Erinnerungen an die Menschen, die das Fest verbindet. Gerade, wenn man sie vermisst. Ver\u00e4nderungen haben es schwer. Denn Weihnachten f\u00fchlt sich an wie nach Hause kommen. Das Fest vermittelt das Gef\u00fchl, geborgen und gut aufgehoben zu sein. Oder zumindest ist das ein Anspruch, den viele mit dem Fest verbinden. Es ist in einer verunsicherten Gesellschaft selten geworden, in der der Zusammenhalt schwindet.<\/p>\n<p>Und in der Kirche? Es ist sch\u00f6n, auf alte Bekannte zu treffen: Einen strahlenden Weihnachtsbaum. \u201eStille Nacht\u201c und \u201eO du fr\u00f6hliche\u201c, die Geschichte von dem Kind in der Krippe. \u201eEs begab sich aber zu der Zeit \u2026\u201c.<\/p>\n<p>Und doch ist das Fest erst der Anfang. Mit dem Kind in der Krippe sind Worte verbunden, die \u00fcber Weihnachten hinausgehen. Sie erz\u00e4hlen sie dem, was vergangen ist, nehmen damit aber Zukunft in den Blick. Mit Worten, die zum Fest geh\u00f6ren und eine lange Tradition haben: Hirte, David, K\u00f6nig, Frieden. Sie sind zum Platzhalter geworden f\u00fcr Sehns\u00fcchte und f\u00fcr Bed\u00fcrfnisse, die vielerorts unterf\u00fcllbar sind.<\/p>\n<p>Wie die Vision von einem Land, in dem Menschen gut miteinander auskommen. Weil Krieg und Gewalt l\u00e4ngst vergessen sind. Tats\u00e4chlich alles gut ist, ganz und heil. Frieden sich \u00fcberall ausbreitet. Weil Gott zum Zug gekommen ist. Daran erinnert der Blick auf die Krippe, als Zeichen f\u00fcr eine himmlische Botschaft. Heiligabend wohnen wir in diesem Land zur Probe. Zumindest in Gedanken, gerade wenn die Realit\u00e4t eine andere Sprache spricht.<\/p>\n<p>H\u00f6ren wir auf eine Vision aus dem Buch des Propheten Ezechiel, aus dem 37. Kapitel:<\/p>\n<p><strong>II. Gott hat das Wort<\/strong><\/p>\n<p>24 Mein Knecht David wird ihr K\u00f6nig sein,<br \/>\nein einziger Hirte f\u00fcr das ganze Volk.<br \/>\nSie werden meine Gebote beachten<br \/>\nund meine Anordnungen bewahren und befolgen.<br \/>\n25 Sie werden in dem Land wohnen,<br \/>\ndas ich meinem Knecht Jakob gegeben habe.<br \/>\nDort haben schon ihre Vorfahren gewohnt.<br \/>\nJetzt werden sie, ihre Kinder und Enkel<br \/>\nf\u00fcr alle Zeit dort wohnen.<br \/>\nUnd mein Knecht David wird<br \/>\nf\u00fcr alle Zeit \u00fcber sie herrschen.<br \/>\n26 Dann schlie\u00dfe ich einen Bund des Friedens mit ihnen.<br \/>\nDieser Bund wird f\u00fcr alle Zeit gelten.<br \/>\nIch gebe ihnen das Land<br \/>\nund sorge daf\u00fcr, dass sie sich vermehren.<br \/>\nF\u00fcr immer wird mein Heiligtum in ihrer Mitte sein.<br \/>\n27 Ich werde unter\/<strong>\u00fcber<\/strong> ihnen wohnen und ihr Gott sein.<br \/>\nUnd sie, sie werden mein Volk sein.<br \/>\n28 Mein Heiligtum wird f\u00fcr alle Zeit<br \/>\nmitten unter meinem Volk stehen.<br \/>\nSo werden die V\u00f6lker erkennen,<br \/>\ndass ich, der HERR, Israel heilig mache.<\/p>\n<p><strong>III. Alte Bekannte<\/strong><\/p>\n<p>Aus dem Mund des Propheten Ezechiel redet Gott. Wir h\u00f6ren Zukunftsmusik aus alter Zeit. Als Gottes Volk Israel einer fremden Gro\u00dfmacht unterworfen war. Dass es sinnlos ist, Krieg gegen die Babylonier zu f\u00fchren, hatte sich angek\u00fcndigt. Den Krieg trotzdem zu f\u00fchren hat dann zu einer verheerenden Niederlage gef\u00fchrt. Jetzt klingt an, was viel zu sch\u00f6n ist, um wahr zu sein.<\/p>\n<p>Ezechiel geh\u00f6rt zu den Kriegsgefangenen, die in die Hauptstadt der Sieger verschleppt worden sind. Nach der ersten Niederlage. In Babylon erreichte ihn nach einigen Jahren die Nachricht, dass die Heimat vollst\u00e4ndig besiegt worden ist. Kaum ein Stein auf dem anderen geblieben. Der Tempel in Schutt und Asche. Viele werden anschlie\u00dfend nach Babylon verbannt, m\u00fcssen f\u00fcr die Sieger arbeiten. In dieser Katastrophe k\u00fcndigt der Prophet seinen Leuten eine Zukunft in der alten Heimat an. In goldenen Farben malt er sie aus. Verewigt Gottes zuk\u00fcnftige Gegenwart mit Bildern aus der Vergangenheit. Ein Hirtenjunge wird zum K\u00f6nig. Der Tempel wird neu gebaut. Gott ist gegenw\u00e4rtig. Das Volk Israel mit Gott verbunden. Weil Gott es versprochen hat. Ein Ja, ohne jedes Aber. Ohne Bedingungen daran zu kn\u00fcpfen. Frieden, der so viel mehr bedeutet, als dass Krieg und Gewalt auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Der Prophet idealisiert die Geschichte seines Volkes. Sie wird zur \u201eguten alten Zeit\u201c, die sich in der Zukunft ausdehnen wird, \u201ef\u00fcr immer\u201c und \u201ef\u00fcr alle Zeit\u201c. Weil Gott mit ins Exil gekommen ist. Dadurch gewinnt ein Paradies Kontur. Mit Worten, die andere sp\u00e4ter mit Jesu Geburt verbinden werden:\u00a0 K\u00f6nig, Hirte, David, Frieden. In den Ohren seiner Leute im Exil sind es alte Bekannte, voller Sehnsucht nach dem, was verloren erscheint.<\/p>\n<p><strong>IV. Ankl\u00e4nge<\/strong><\/p>\n<p>Diese vertrauten Worte, die der Prophet verwendet, klingen in der Geschichte vom Kind in der Krippe wieder an. Hervorgeholt aus der Kiste biblischer Traditionen, mit eigenen Akzenten.<\/p>\n<p>Der Prophet Ezechiel proklamiert den \u201eKnecht David\u201c als K\u00f6nig, der an Gottes Auftrag gebunden ist und Gottes Willen umsetzt. Der Evangelist Lukas nimmt einen anderen Herrscher in den Blick und l\u00e4sst Kaiser Augustus eine Sch\u00e4tzung anordnen. Sie dient der steuerlichen Ausbeutung der r\u00f6mischen Provinzen und zwingt Tausende, sich auf einen beschwerlichen Weg zu machen, unter ihnen Josef mit der hochschwangeren Maria. So geht es zu in der Welt. Macht und Willk\u00fcr Hand in Hand. Autorit\u00e4re Herrscher bestimmen die Schlagzeilen und das Leben vieler Menschen.<\/p>\n<p>Der Prophet erinnert an David, der K\u00f6nig wird, aber Hirte bleiben soll. Lukas nimmt uns in seinem Evangelium mit auf ein Feld. Reale Hirten zeigen, was gute Hirten ausmacht. Sie h\u00fcten ihre Herde. Sie sind die ersten, die von der \u201egro\u00dfen Freude\u201c h\u00f6ren, \u201edie allem Volk widerfahren ist\u201c.<\/p>\n<p>Der Prophet stellt sich vor, wie Gott \u00fcber seinem Volk wohnt. In der Weihnachtsgeschichte ist Maria und Josef das Wohnen verwehrt. Zusammen mit Tausenden sind sie auf kaiserlichen Befehl unterwegs, den Gefahren der Stra\u00dfe ausgeliefert. Und in Bethlehem gibt es kein Bett f\u00fcr den S\u00e4ugling. Das Kind verbringt seine ersten Tage in einem Futtertrog, \u201edenn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.\u201c In ungastlicher Umgebung wird wundersamerweise eine Krippe zum Zeichen dessen, was Gott verspricht.<\/p>\n<p>Was der Prophet einem ganzen Volk in Aussicht stellt, hat Auswirkungen auf alle anderen V\u00f6lker: Sie werden erkennen, dass der Gott Israels heilig ist. Wer von Jesus erz\u00e4hlt, wird diesen Gedanken aufgreifen. Weil Jesus die T\u00fcr zum Gott Israels f\u00fcr alle anderen V\u00f6lker \u00f6ffnen wird.<\/p>\n<p><strong>V. Zukunftsmusik<\/strong><\/p>\n<p>Die Vision des Propheten Ezechiel geht mit der R\u00fcckkehr der Kriegsgefangenen nicht in Erf\u00fcllung. Ebenso wenig geht sie mit Jesu Geburt in Erf\u00fcllung. Nach wie vor ist die Wirklichkeit ern\u00fcchternd. Frieden auf Erden, von der IGS Domviertel in diesem Jahr mit der Stahltanne auf dem Gro\u00dfen Markt als Kinderwunsch inszeniert, bleibt ein Wunsch. Ein Pr\u00e4sident, der auf Gewalt setzt, bekommt einen Friedenspreis. Der Krieg in der Ukraine geht bald ins 5. Jahr. Die Wehrpflicht r\u00fcckt wieder in Reichweite. Das Gesch\u00e4ft mit Waffen verzeichnet gro\u00dfe Wachstumsraten. Das Verbindende droht in unserer Gesellschaft verloren zu gehen. Und doch. Der Prophet Ezechiel und die Weihnachtsgeschichte erinnern je auf ihre Weise daran, dass das weder zwangsl\u00e4ufig noch selbstverst\u00e4ndlich ist. Der Prophet hat erfahren, dass Gott \u00fcber ihm und seinen Leuten erstaunlicherweise in der Fremde wohnt. Lukas erz\u00e4hlt von Weihachten so, als ob Gott vor\u00fcbergehend sogar \u00fcber einem Futtertrog in einer \u00fcberf\u00fcllten Herberge zu Hause ist. Hirte, David, K\u00f6nig, Frieden. Alte Worte, die zugleich anklingen lassen, dass die Zukunft anders aussehen kann. Stell dir nur vor, wie das w\u00e4re: Heilung statt Zerst\u00f6rung. Gerechtigkeit statt Willk\u00fcr. Wohlergehen f\u00fcr alle, voll und ganz. Macht wird zum Wohl der Menschen ausge\u00fcbt. In dem Land, in dem sie gut miteinander auskommen. Das Grenzen hinter sich l\u00e4sst. Weil Gott im Spiel ist. Wer auf die Krippe schaut und von solcher Zukunft tr\u00e4umt, holt sie in die Gegenwart. Wohnt in diesem Land zur Probe. Was f\u00fcr eine Hoffnung in unbehausten Zeiten. Vielleicht f\u00fchlt sich Weihnachten deshalb an wie nach Hause kommen. Weil du bei Gott willkommen bist, egal woher du kommst.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Pfarrer Dr. Christoph Kock<br \/>\nWesel<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:christoph.kock@ekir.de\">christoph.kock@ekir.de<\/a><\/p>\n<p>Dr. Christoph Kock, geb. 1967, Pfarrer der Evangelischen Kirche im Rheinland. Seit 2007 Pfarrer an der Friedenskirche in der Evangelischen Kirchengemeinde Wesel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu sch\u00f6n, um wahr zu sein | Christvesper | 24.12.2025 | Hesekiel 37,24\u201328 | Christoph Kock I. Driving home for Christmas Alle Jahre wieder. Ein Fest: drei Tage und Wege, die damit verbunden sind. Wann zu deinen Eltern und wann zu meinen? Oder feiern wir zu zweit? 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