{"id":25728,"date":"2025-12-18T13:03:32","date_gmt":"2025-12-18T12:03:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25728"},"modified":"2025-12-18T12:16:58","modified_gmt":"2025-12-18T11:16:58","slug":"25728-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/25728-2\/","title":{"rendered":"Hesekiel 37,24\u201328"},"content":{"rendered":"<h3><strong>W\u00fcnsche zu Weihnachten\u00a0<\/strong>|\u00a0<strong>Christvesper\u00a0<\/strong>| <strong>24.12.2025\u00a0<\/strong>| Hesekiel <strong>37,24-28\u00a0<\/strong>|\u00a0<strong>Nadja Papis<\/strong><\/h3>\n<p>Was w\u00fcnschst du dir eigentlich zu Weihnachten?<br \/>\nEine gute Stimmung<br \/>\nZeit mit der Familie<br \/>\nDie sch\u00f6nen Lieder<br \/>\nGeschenke<br \/>\nSentimentalit\u00e4t<br \/>\nUnd ein wenig Tiefsinn darf auch sein, aber nicht zu fordernd und auch nicht herausfordernd<br \/>\nein wenig N\u00e4chstenliebe<br \/>\nFrieden<\/p>\n<p>An Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu Christi.<br \/>\nDie Geburt des Erl\u00f6sers.<br \/>\nDes Messias.<br \/>\nDiese sch\u00f6ne Geschichte vom Stall, den Hirten und Engeln.<br \/>\nFriede auf Erden!<br \/>\nWunderbar\u2026<\/p>\n<p>Geht\u00b4s Euch gut? So mit dem feinen Weihnachtsessen im Bauch? Den lieben Menschen rund herum? Der wundersch\u00f6n geschm\u00fcckten Kirche? Den ergreifenden Weihnachtsliedern? Geht\u00b4s euch gut?<\/p>\n<p>Ja, uns geht\u00b4s gut \u2013 den meisten jedenfalls. Zufrieden k\u00f6nnen wir auch \u00fcber allf\u00e4llige Spannungen zwischen Menschen, das ganze schlechte Gewissen wegen dem \u00dcberfluss und den etwas st\u00f6renden Fokus auf Geschenke und Glitzer hinwegsehen. Das geh\u00f6rt dazu. Und auch das leise Gef\u00fchl von Stress, das mit den Feiertagen verbunden ist. Weihnachten ist sch\u00f6n! Weihnachten ist f\u00fcr viele neben dem Geburtstag der wichtigste Feiertag in der Familie. Und einfach sch\u00f6n. Bist du zufrieden?<\/p>\n<p>Was w\u00fcnschst du dir an Weihnachten?<br \/>\nGeht\u00b4s dir gut?<br \/>\nBist du zufrieden?<\/p>\n<p><em>Lesung des Predigttextes: EZ 37,24-28<\/em><\/p>\n<p>Jetzt habe ich Euch so sch\u00f6n eingelullt in diese friedliche, wunderbare Weihnachtsstimmung. Und nun wird\u00b4s theologisch, ja, schon fast hochtheologisch. Mein Kopf muss sich ziemlich anstrengen, um die Worte des Propheten Ezechiel zu erfassen. In diesem Predigttext kommt nicht mal der Stall vor oder die Hirten und Engel, ja, noch nicht mal Christus. Passt das \u00fcberhaupt hierhin?<\/p>\n<p>Nein, denn dieser Text stammt aus einer anderen Zeit, aus der Zeit, als das Volk Israel alles verloren hatte. Erobert wurde das Land durch die \u00dcbermacht Babylons. Die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung wurde deportiert ins Exil, in die Fremde. Die Heimat war zerst\u00f6rt. Und wohl auch der Stolz in der Volksseele. Vernichtend geschlagen, unterdr\u00fcckt, fremdbestimmt.<\/p>\n<p>Und jetzt? Sich an das Fremde anpassen oder dagegen k\u00e4mpfen? Aufgeben oder hoffen?<\/p>\n<p>Und falls hoffen, worauf genau?<\/p>\n<p>Der Prophet Ezechiel schildert in einer g\u00f6ttlichen Zusage die Wiederbelebung Israels. Der Bund zwischen dem G\u00f6ttlichen und seinem Volk besteht und wird erneuert werden. Es ist ein Friedensbund. Erkennbar wird Gott bei seinem Volk wohnen, es zahlreich machen und segnen.<\/p>\n<p>Di<em>e Nationen werden erkennen, dass Gott sein Volk heilig macht.<br \/>\n<\/em>Mitten im Elend erhalten die Menschen durch diese Zusage eine Perspektive und Hoffnung. Mitten in der Unfreiheit, mitten im Unfrieden, mitten im verletzten Stolz und der verletzten Seele.<\/p>\n<p>Zur Zeit von Christi Geburt waren die Menschen in Israel wieder unterdr\u00fcckt. Das R\u00f6mische Reich hatte das Land erobert und beherrscht es. Unfrei und auch im Unfrieden lebten die Menschen. Die einen passten sich an, die anderen erhoben sich gegen die fremde Herrschaft. Die Botschaft von der Wiederbelebung des Volkes, von der Gegenwart Gottes und seiner Zusagen f\u00fcr das Volk t\u00f6nte auch in diese Zeit.<\/p>\n<p><em>Die Nationen werden erkennen, dass ICH es bin, der Israel heilig macht!<br \/>\n<\/em>Der Bund, welcher bisher auf das Volk Israel beschr\u00e4nkt war, wird im Neuen Testament ausgeweitet auf die Christinnen und Christen (vgl. 1Kor 11,25). Die Perspektive gilt ihnen ebenso, diese Wiederbelebung, diese Verheissung.<\/p>\n<p>Und ich heute? Ich f\u00fchle mich frei. Abgesehen von einigen Zeitgeist-Zw\u00e4ngen habe ich so viele Rechte und Freiheiten wie kaum je Menschen in der Geschichte. Ich lebe hier in meinem Land in Frieden. Anderswo gibt es Krieg, das bin ich mir durchaus bewusst, aber mich betrifft das nur am Rande, in meinem Mitgef\u00fchl, nicht in meiner Existenz. Ich brauche keine Perspektive, ich habe ja meine eigenen. Ich weiss, was ich mit meinem Leben noch will und habe auch die Mittel, es anzugehen. Was also soll ich mit diesem alten Bund? Was kann der mir schon bieten?<\/p>\n<p>An Weihnachten bietet Gott sich uns an. Das ist sozusagen das g\u00f6ttliche Weihnachtsgeschenk: die Gegenwart Gottes. Mitten unter uns, in uns und um uns herum \u2013 f\u00fcr immer.<\/p>\n<p><em>Die Nationen erkennen, dass ICH es bin, der Israel heilig macht, wenn mein Heiligtum f\u00fcr immer in ihrer Mitte ist.<br \/>\n<\/em>Es ist das Angebot einer Beziehung. Ich werde bei euch sein, an euch festhalten, durch alles hindurch, sogar durch eure Untreue. Denn, ja, auch das kann ich aus der Geschichte des Volkes Israel lernen: Immer wieder wurde das Volk Gott untreu. Die menschliche Gabe an den Bund \u00fcberforderte und wurde vergessen, verdr\u00e4ngt, durchbrochen. Gott hat festgehalten am Bund. Und immer wieder Menschen geschickt, welche auf das Angebot des Bundes hingewiesen haben, ihn erf\u00fcllt haben. Die Knechte und Diener, wie es in unserer Stelle heisst. Der grosse und doch auch nicht perfekte K\u00f6nig David, Mose, Abraham, Jakob und dann vor allem Jesus Christus. Die herausragenden Figuren der Geschichte des Volkes mit Gott werden als Knechte bezeichnet, das fasziniert mich immer wieder neu. Knechte, die sich in den Dienst stellen, die vertrauen auf die g\u00f6ttliche Macht und hinweisen auf die Gegenwart dessen, der erl\u00f6st, wiederbelebt, aufrichtet: auf Gott.<\/p>\n<p>Weihnachten bietet viel an, vieles, was sehr wichtig und auch richtig ist f\u00fcr unser Leben: die Gemeinschaft mit anderen Menschen, die materielle und auch seelische Versorgung durch Geschenke, Essen und das Fest der Liebe, die Erinnerung an das Licht, welches mitten in die Dunkelheit scheint, und \u2013 die Zusage einer treuen und vertrauensw\u00fcrdigen Beziehung zum G\u00f6ttlichen, die Verheissung von Hoffnung trotz allem, die Verk\u00fcndigung einer Perspektive, selbst dann, wenn ich keine mehr habe.<\/p>\n<p>Es ist ein Angebot.<br \/>\nEs ist ein Geschenk.<br \/>\nSchau\u00b4s dir an und entscheide, ob du es annimmst.<br \/>\nAmen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Pfrn. Nadja Papis<br \/>\nLangnau am Albis\/Sihltal<br \/>\n<a href=\"mailto:nadja.papis@refsihltal.ch\">nadja.papis@refsihltal.ch<\/a><\/p>\n<p>Nadja Papis, geb. 1975, Pfarrerin in der ev.-reformierten Landeskirche des Kantons Z\u00fcrich\/Schweiz. Seit 2003 t\u00e4tig im Gemeindepfarramt der Kirchgemeinde Sihltal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00fcnsche zu Weihnachten\u00a0|\u00a0Christvesper\u00a0| 24.12.2025\u00a0| Hesekiel 37,24-28\u00a0|\u00a0Nadja Papis Was w\u00fcnschst du dir eigentlich zu Weihnachten? Eine gute Stimmung Zeit mit der Familie Die sch\u00f6nen Lieder Geschenke Sentimentalit\u00e4t Und ein wenig Tiefsinn darf auch sein, aber nicht zu fordernd und auch nicht herausfordernd ein wenig N\u00e4chstenliebe Frieden An Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu Christi. 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