{"id":25750,"date":"2025-12-19T18:22:56","date_gmt":"2025-12-19T17:22:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25750"},"modified":"2025-12-19T18:22:56","modified_gmt":"2025-12-19T17:22:56","slug":"sacharja-214-17-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/sacharja-214-17-2\/","title":{"rendered":"Sacharja 2,14-17"},"content":{"rendered":"<p><strong>Weihnachten und die Wohnung Gottes | Christmette | 24.12.2025 | Sacharja 2,14-17 | Andreas Pawlas |<\/strong><\/p>\n<blockquote><p><em>Freue dich und sei fr\u00f6hlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr. Und es sollen zu der Zeit viele V\u00f6lker sich zum Herrn wenden und sollen mein Volk sein, und ich will bei dir wohnen. \u2013 Und du sollst erkennen, dass mich der Herr Zebaoth zu dir gesandt hat. \u2013 Und der Herr wird Juda in Besitz nehmen als sein Erbteil in dem heiligen Lande und wird Jerusalem wieder erw\u00e4hlen. Alles Fleisch sei stille vor dem Herrn; denn er hat sich aufgemacht von seiner heiligen St\u00e4tte! (Sacharja 2,14-17)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Uns freuen und fr\u00f6hlich sein, ja, das wollen wir am Heiligen Abend. Vielleicht reicht schon allein dieser <strong><em>eine<\/em><\/strong> Satz des Propheten, damit es unter uns tats\u00e4chlich <strong><em>Weihnachten<\/em><\/strong> werden kann! \u00dcbrigens: War es denn mit uns in Kinderzeiten nicht ganz \u00e4hnlich? Nat\u00fcrlich haben wir im Gottesdienst das Kind in der Krippe gesehen, auch Maria und Josef und Ochs und Esel und auch die Hirten. Ja, vielleicht haben wir uns sogar in der vollen Kirche etwas <strong><em>vorgedr\u00e4ngelt<\/em><\/strong>, um das alles auch wirklich mit eigenen Augen <strong><em>sehen<\/em><\/strong> zu k\u00f6nnen. Jedoch, haben wir denn dabei alles <strong><em>verstanden<\/em><\/strong> von dem Wunder, dass uns der Heiland der Welt geboren ist? Ja, nicht nur f\u00fcr Juda und Jerusalem, wie es beim Propheten anklingt, sondern wie er genauso verk\u00fcndet f\u00fcr <strong><em>alle V\u00f6lker <\/em><\/strong>und daher auch f\u00fcr <strong><em>uns<\/em><\/strong>! Hatten wir damals irgendetwas davon verstanden wie wohl dieses Kind in der Krippe diese Welt <strong><em>erl\u00f6sen<\/em><\/strong> k\u00f6nnen sollte? Und dennoch hat uns wunderlicherweise dieses Sich-freuen und Fr\u00f6hlich-sein erreicht, am Heiligen Abend. Und es wurde <strong><em>Weihnachten<\/em><\/strong> f\u00fcr uns.<\/p>\n<p>Darum: Wen es so ganz von selbst \u00fcberkommt, dieses vor Gott Sich freuen und fr\u00f6hlich sein, was sollte der <strong><em>mehr brauchen<\/em><\/strong> an diesem Heiligen Abend? Es reicht, die H\u00e4nde zu falten und sich zu freuen und fr\u00f6hlich zu sein. Ja, vielleicht sogar schlicht still zu sein. Denn in unserem Gotteswort f\u00fcr heute Abend, da hei\u00dft es doch auch am Ende: Alles Fleisch sei stille vor dem Herrn; denn er hat sich aufgemacht von seiner heiligen St\u00e4tte!<\/p>\n<p>Jedoch, mit dem Stille-sein ist da ja nicht so einfach. Denn wir wissen doch alle, wie es auf dieser Welt <strong><em>rumort<\/em><\/strong> und <strong><em>tobt<\/em><\/strong>, wie auch unter uns so viele leidend, krank, ersch\u00f6pft und verletzt sind. Ja, <strong><em>gerade<\/em><\/strong> zu Weihnachten, wo alle so gro\u00dfe <strong><em>Erwartungen<\/em><\/strong> haben, wo alle besonders aufmerksam und empfindsam sind, wo alle Entt\u00e4uschungen und Verletzungen <strong><em>doppelt schwer<\/em><\/strong> wiegen. Wie sollte man da einfach <strong><em>stille<\/em><\/strong> sein k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Aber es geht jetzt ja gerade nicht um ein <strong><em>simples<\/em><\/strong> Stille-sein. Vielmehr ruft uns doch der Prophet kaum Fassbares zu, kaum fassbare <strong><em>Gr\u00fcnde<\/em><\/strong> daf\u00fcr, innezuhalten und aufzumerken. Denn der Prophet ruft Dir und mir zu: Der Herr will <strong><em>zu Dir kommen<\/em><\/strong> und will <strong><em>bei dir wohnen<\/em><\/strong>.<\/p>\n<p><strong><em>Moment!<\/em><\/strong> Wie sollte das denn gehen? Bei <strong><em>mir wohnen<\/em><\/strong>? Bei <strong><em>mir<\/em><\/strong>? Nein, das <strong><em>geht<\/em><\/strong> doch garnicht. Dazu habe ich doch gar nicht gen\u00fcgend <strong><em>aufger\u00e4umt<\/em><\/strong>. \u00dcberhaupt bin ich doch dazu gar nicht eingerichtet. Allein, wo sollte er denn bei mir in all seiner Herrlichkeit <strong><em>Platz<\/em><\/strong> finden? Ausserdem wei\u00df ich doch gar nicht, <strong><em>wie<\/em><\/strong> ich ihn empfangen soll, wenn er sich tats\u00e4chlich aufmacht von seiner heiligen St\u00e4tte! Wie <strong><em>unbegreiflich<\/em><\/strong> ist das alles! Oder &#8211; oder verstehen wir da nur irgendetwas ganz <strong><em>falsch<\/em><\/strong>? Haben wir vielleicht nur ein ganz<strong><em> verkehrtes Bild<\/em><\/strong> von dem, um was es da eigentlich geht?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst: was w\u00e4re das f\u00fcr ein Gott, wenn der nicht wissen w\u00fcrde, wie leicht wir verwirrt werden k\u00f6nnen und was f\u00fcr falsche Bilder uns so manches Mal in den Kopf kommen?<\/p>\n<p>Aber eben genau <strong><em>deshalb<\/em><\/strong> platzt er ja <strong><em>nicht <\/em><\/strong>mit all seiner f\u00fcr uns Menschen unbegreiflichen Pracht und Unbegreiflichkeit, mit all seiner Herrlichkeit und Unendlichkeit in meine bescheidene und so begrenzte Behausung. Sondern die heutige weihnachtliche Botschaft: lautet doch ganz anders! Gott will zu Dir und mir kommen, bei Dir und mir wohnen und in Deiner und meiner Welt eingehen als <strong><em>kleines hilfloses Kind,<\/em><\/strong> als kleines hilfloses <strong><em>Kind in der Krippe<\/em><\/strong>.<\/p>\n<p>Ja, genau: magst Du Dir das einmal <strong><em>vorstellen<\/em><\/strong>? Und sei Dir sicher dabei: wenn Gott auf <strong><em>diese Weise<\/em><\/strong> zu Dir kommen will, dann musst Du nicht weglaufen oder die Decke \u00fcber den Kopf ziehen. Nein, sondern Du darfst ihm <strong><em>so<\/em><\/strong> begegnen, wie man einem geliebten Kind begegnet, wenn man es auf den Arm nimmt. Du darfst das <strong><em>f\u00fchlen<\/em><\/strong> und mit gro\u00dfen Augen <strong><em>schauen<\/em><\/strong> und <strong><em>staunen<\/em><\/strong> und Dein Herz <strong><em>weit<\/em><\/strong> werden lassen. Und wie traurig Du auch bist, und wie sehr Dein Herz auch schmerzt, es wird <strong><em>alles anders<\/em><\/strong>, wenn Du das g\u00f6ttliche Kind wirklich zu Dir kommen l\u00e4sst &#8211; in Dein Haus, in Deine Stube, in Dein Weihnachtszimmer, ja, auch unter Deine Bettdecke, unter der Du immer so geweint hast.<\/p>\n<p>Und Du musst auch nicht gleich etwas sagen. Du darfst das alles an Dir geschehen lassen. Du wirst dann erfahren wie das ist, wenn alles hinter Dich tritt, wenn Gottes N\u00e4he Dich anr\u00fchrt. <strong><em>Ja, so<\/em><\/strong> will Gott bei Dir wohnen, sodass Du gar nicht mehr anders kannst, als ihn zu loben und zu preisen und erf\u00fcllt und dankbar zu sein. \u2014 <strong><em>Und mehr<\/em><\/strong> ist eigentlich zu dem Wunder der Heiligen Nacht nicht zu sagen. Und <strong><em>so<\/em><\/strong> sollte es auch <strong><em>sein<\/em><\/strong>.<\/p>\n<p>Und <strong><em>dennoch<\/em><\/strong>, <strong><em>dennoch<\/em><\/strong> meldet sich jetzt unser kritischer Verstand, pocht an die T\u00fcr unserer Gedankengeb\u00e4ude und fragt doch zurecht, wie das wohl <strong><em>gehen<\/em><\/strong> w\u00fcrde, dass ein kleines hilfloses Kind die Welt <strong><em>erl\u00f6sen<\/em><\/strong> k\u00f6nnen sollte. Ja, was sollte denn wohl ein kleines Kind in der Krippe <strong><em>tun<\/em><\/strong> k\u00f6nnen, um in dieser brutalen und zerst\u00f6rten Welt Rettung zu schaffen?<\/p>\n<p>Und <strong><em>was<\/em><\/strong> <strong><em>hat<\/em><\/strong> denn auch bisher dieses kleine Kind, das noch nicht einmal in Jerusalem geboren ist, sondern im jud\u00e4ischen Bethlehem, bewirken k\u00f6nnen, um die Welt zu retten? Die Welt tobt doch nach wie vor! Die M\u00e4chtigen halten die V\u00f6lker nieder. Die Reichen ersticken die Armen mit ihrem Geiz. Es wird gelogen und betrogen. Es wird gelitten, geweint und gestorben. Man ist entt\u00e4uscht und vergr\u00e4bt sich vor Gram. Was kann darum an dieser Welt \u00fcberhaupt noch gerettet werden?<\/p>\n<p>Aber wie w\u00e4re das wohl, wenn Du jetzt innehalten k\u00f6nntest, wenn Du jetzt offen daf\u00fcr w\u00e4rest, dass Dich das kleine Christus-Kind jetzt fragt: Mein Lieber, meine Liebe, wohin schaust Du denn in Deinem Leben? Nur immer weit weg auf die vielen St\u00fcrme der Welt? Nur auf das, was Dich verletzen und krankmachen will? Warum schaust Du nicht auf das, was Dein Gott Dir zugesagt hat? Warum h\u00f6rst Du nicht auf sein Versprechen, dass er Dich f\u00fchren und halten und bis in Ewigkeit vollenden will? Nein, Du sollst Dich doch nicht t\u00e4uschen lassen durch die Gewalt der M\u00e4chtigen und das Geld der Reichen. Das alles bewegt nur das Verg\u00e4ngliche auf dieser Welt, so sehr es sich auch aufbl\u00e4ht. Sondern Du darfst Dich verlassen auf das g\u00f6ttliche Lenken und F\u00fcgen, Tr\u00f6sten und St\u00e4rken. Denn das will als Kind in der Krippe offenbar werden, und \u00fcber das Verg\u00e4ngliche hinausgehen und das Unverg\u00e4ngliche bewegen.<\/p>\n<p>Was w\u00e4ren <strong><em>das<\/em><\/strong> f\u00fcr Worte f\u00fcr Dich und mich?! Oder sind sie etwa f\u00fcr Dich zu weit weg und zu fremd? Aber wie kann das sein? Denn will nicht genau dieses Unverg\u00e4ngliche bereits hindurchschimmern, wenn sich unter uns ein kleines Kind blind darauf verl\u00e4sst, dass Mutter und Vater ihm Gutes tun? Und genau <strong><em>so<\/em><\/strong> will doch Dein Gott bei Dir wohnen. So will Dein Gott bei allen Menschen wohnen und sie mit seinem Frieden erf\u00fcllen. Jetzt und ewig. Und wie sollte da noch Platz f\u00fcr irgendetwas Schlimmes sein?<\/p>\n<p>Ja, wirklich, was w\u00fcrde das mit uns <strong><em>machen<\/em><\/strong>, wenn wir solche weihnachtlichen Worte h\u00f6ren d\u00fcrften? M\u00fcsste dann nicht wirklich alle unsere Not zum Ende kommen und weihnachtlicher Friede unter uns und in alle Welt einziehen? M\u00fcsste dann nicht wirklich aller Kampf um den eigenen Platz im Leben \u00fcberfl\u00fcssig werden, weil wir unseren Platz schon haben jetzt und ewig? M\u00fcsste dann nicht wirklich alle Lebens- und Verlustangst \u00fcberwunden sein, weil unser Gott uns gefunden hat? Und warum sollte man dann etwa noch stehlen und betr\u00fcgen, um sich zu bereichern, wenn man f\u00fchlen kann, wie reich man in Gottes N\u00e4he ist? Und warum sollte der K\u00e4mpfer dann noch k\u00e4mpfen, um fremde L\u00e4nder zu erobern, wenn er f\u00fchlen kann, dass er in Gottes N\u00e4he bereits alles hat? Warum auch sollte man noch andere klein machen und sich vordr\u00e4ngeln wollen, um bewundert zu werden, wenn man f\u00fchlen kann, wie Gottes Liebe einen mehr als genug erf\u00fcllt und froh macht?<\/p>\n<p>Also was f\u00fcr ein folgenreicher weihnachtlicher Besuch, der Erf\u00fcllung und Frieden bringen will! Was f\u00fcr ein folgenreicher weihnachtlicher Besuch, der auch gern den N\u00e4chsten in diesen Frieden einschlie\u00dfen will! Und ist es nicht so, dass gegenw\u00e4rtig selbst \u00fcber jedem Weihnachtsmarkt irgendwie eine Ahnung von diesem weihnachtlichen Frieden schwebt?<\/p>\n<p>Allerdings wissen wir auch, wie leicht manche diese Erfahrung als sch\u00f6nes Gerede abtun. Aber wie sollte man derart dem Weihnachtsgeschehen ausweichen k\u00f6nnen, wenn man darauf schaut, wie hoch der Preis ist, den unser Gott als weihnachtliches Kind in der Krippe f\u00fcr einen jeden von uns zahlt? Denn es ist doch genau dieses kleine Kind, welches bei uns wohnen will, das dann an das Kreuz zu Golgatha gehen wird, um sein Leben zu geben, damit unser Leben gerettet wird. Es wird <strong><em>sterben<\/em><\/strong>, damit <strong><em>wir leben<\/em><\/strong>. Es wird damit alle unseren weltverhafteten Lebens- und Gedankenwege, N\u00f6te und Verwirrungen aufreissen und abtun, damit wir \u00f6sterlich daraus auferstehen k\u00f6nnen in Gottes ganz andere Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Ja, das alles will wirklich an uns <strong><em>geschehen<\/em><\/strong>, wenn wir uns endlich trauen, Gott bei uns <strong><em>wohnen<\/em><\/strong> zu lassen. Ja, das alles will an uns <strong><em>geschehen<\/em><\/strong>, wenn wir es endlich bei uns selbst in unseren Herzen Weihnachten werden lassen wollen. Ja, das alles will an uns <strong><em>geschehen<\/em><\/strong>, wenn wir es endlich zulassen, dass uns zu Weihnachten Gottes ganz andere Wirklichkeit <strong><em>so<\/em><\/strong> \u00fcberw\u00e4ltigen will, dass wir nur noch <strong><em>staunen<\/em><\/strong> und <strong><em>froh<\/em><\/strong> und <strong><em>dankbar<\/em><\/strong> sein k\u00f6nnen. Halleluja. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor i. R. Prof. Dr. Andreas Pawlas<br \/>\n<\/strong>Eichenweg 24<br \/>\n25365 Kl. O\ufb00enseth-Sparrieshoop<br \/>\nAndreas.Pawlas@web.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weihnachten und die Wohnung Gottes | Christmette | 24.12.2025 | Sacharja 2,14-17 | Andreas Pawlas | Freue dich und sei fr\u00f6hlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr. 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