{"id":25791,"date":"2025-12-26T15:09:32","date_gmt":"2025-12-26T14:09:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25791"},"modified":"2025-12-26T15:09:32","modified_gmt":"2025-12-26T14:09:32","slug":"matthaeus-213-23-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-213-23-2\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 2,13-23"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Tiefgr\u00fcne F\u00e4den der Hoffnung <\/strong>|\u00a01. Sonntag nach Weihnachten | 28.12.2025 | Matth\u00e4us 2,13-23 | Anne-Marie Nybo Mehlsen |<\/h3>\n<p><strong>Tiefgr\u00fcne F\u00e4den der Hoffnung<\/strong><\/p>\n<p>Falls du heute in den Gottesdienst gekommen bist, um noch <em>post festum <\/em>von der Weihnachtsfreude zu sch\u00f6pfen, dann fasse Mut und halte durch! Wenn der Weihnachtschor verstummt ist und die Dunkelheit sich wieder \u00fcber Bethlehems Felder senkt, hat etwas Neues unter den Menschen begonnen, hier in unserer Geschichte. Diese Freude ist tief und unausl\u00f6schlich \u2013 auch f\u00fcr uns, die wir so viel sp\u00e4ter leben mitten in einer Welt, wo sich Grausamkeit und Kindermord wiederholt. M\u00f6ge Gott es bessern!<\/p>\n<p>Gottes Sohn kommt zur Welt ohne Sonderbehandlung. Die Fl\u00fcchtlingskinder unserer Welt und alle, die noch immer unter Krieg und Konflikt leiden, sind nicht ausgenommen, sondern einbezogen in dieser Erz\u00e4hlung.<\/p>\n<p>Herodes der Gro\u00dfe wurde auch Herodes der Blutige genannt. 33 Jahre lang war er K\u00f6nig der Juden, unter r\u00f6mischer Kaiserherrschaft. Legend\u00e4r war seine Machtgier und Grausamkeit. Seine Lieblingsfrau, Mariamme, lie\u00df er hinrichten wegen eines zweifelhaften Verdachts der Untreue. Dann einen Schwager. Dann die Schwiegermutter. Und zur Sicherheit auch die zwei S\u00f6hne, die er mit Mariamme bekommen hatte, sowie noch ein paar weitere S\u00f6hne.<\/p>\n<p>Der r\u00f6mische Kaiser Augustus soll gesagt haben, man sei lieber eines von Herodes&#8216; Schweinen einer seiner S\u00f6hne. Herodes ers\u00e4uft in Blutdurst und befiehlt die T\u00f6tung der Knaben unter zwei Jahren. Wie ein zweiter Moses wird das kleine Jesuskind vor dem wahnsinnigen Hass der K\u00f6nigsmacht gerettet. Er muss akkurat nach \u00c4gypten fliehen \u2013 das alte Land der Knechtschaft. Die Geschichte webt ihre seltsamen Muster in den gro\u00dfen unergr\u00fcndlichen Teppich, und das mit einem der hoffnungstiefgr\u00fcnen F\u00e4den mitten in all dem Blutroten.<\/p>\n<p>Gegen den Tod k\u00e4mpfen selbst grausame K\u00f6nige vergebens, und nach einer Zeit kann die Fl\u00fcchtlingsfamilie zur\u00fcckkehren. Archelaos ist jetzt der neue Herodes. Jesus ist bereits auf dem Weg zu seinem Schicksal.<\/p>\n<p>Wir sitzen an einem Weihnachtssonntag und winden uns in Qual \u00fcber das Sinnlose. Dieser Sonntag stellt uns auf den Pr\u00fcfstand, mitten in den Konflikt. Er verbietet es uns, mit Girlanden und Schmuck das reale Leben zu versch\u00f6nern. Es ist n\u00e4mlich nicht eine versch\u00f6nerte Fassung von uns oder ein besonders braves Kind, das Gott liebt. Er liebt uns, wie wir sind; und das mit einer liebenden Bereitschaft, alle Tage mit uns durchzugehen. In Jesus zeigt sich Gott als ein Gott, der bereit ist, seinen Platz unter den Erniedrigten, den Fliehenden und Vertriebenen zu finden.<\/p>\n<p>All das in uns, das nach Sinn schreit und nach Gottes Eingreifen in die Konflikte der Welt, steht in der heutigen Erz\u00e4hlung auf dem Spiel.<\/p>\n<p>Wir schreien danach, dass die reine G\u00fcte zur Welt geboren wird, damit Gottes Wille unter den Menschen geschieht und alles wird wieder gut wird. In der Weihnachtsnacht wurde die reine G\u00fcte geboren\u00a0 \u2013 aber was geschah? Die Welt nahm sie nicht auf. Bei Herodes gab es kein Platz f\u00fcr ein K\u00f6nigskind und gar nicht f\u00fcr ein K\u00f6nigskind mit Machtanspruch. Wie sich sp\u00e4ter zeigte war auch in den Herzen der Menschen keinen Platz. \u201eEr kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf.&#8220; Die reine G\u00fcte endete am Kreuz, Jesu Schrei wurde eins mit dem Schrei von Rama \u2013 ein Schrei zu Gott.<\/p>\n<p>Erst da entstand Hoffnung f\u00fcr die Menschen. Erst da gibt es Trost f\u00fcr die Untr\u00f6stlichen, und erst da gibt es Hoffnung f\u00fcr uns , hier mitten in unseren eigenen und den Konflikten der Welt.<\/p>\n<p>Ohne Weihnachtsschmuck, ohne Verstellung ist Gott selbst zu uns gekommen. In dem, was wir geh\u00f6rt haben; dem, was wir mit unseren Augen gesehen haben; dem, was wir betrachteten und unsere H\u00e4nde ber\u00fchrten, hat Gott selbst Platz gefunden.<\/p>\n<p>Deshalb beginnt die neue Geschichte in der \u00e4u\u00dfersten Armut, in einem fremden Stall und muss in Not und Flucht fortgesetzt werden. Er ent\u00e4usserte sich, damit kein Menschliches \u00fcbersehen oder vergessen wird, und damit wir in der Gewissheit leben k\u00f6nnen, dass ihm nichts fremd oder vergebens ist. Jede Liebkosung, die wir geben, jedes kleine St\u00fcck des Mosaiks der Liebe, zu dem wir beizutragen verm\u00f6gen, ist f\u00fcr Gott den Schmerz und die M\u00fche wert \u2013 selbst die am Kreuz.<\/p>\n<p>Die zerrissene Geschichte, der Schrei der Ungl\u00fccklichen: der Herr der Geschichte \u00fcberh\u00f6rt und vergisst sie nie. Erst deshalb gibt es Trost f\u00fcr die Untr\u00f6stlichen. Gott zeigt sich als ein Gott, der die gebrochene Erz\u00e4hlung ernst nimmt und nicht einfach korrigieren oder ausl\u00f6schen will; Gott zeigt sich als ein Gott, der st\u00e4rker ist als Tod und Mord und Grausamkeit. Nichts wird verworfen als verloren oder verschwendet. Es wird in der Vollendung gesammelt. Dies erz\u00e4hlt uns diese gebrochene Geschichte.<\/p>\n<p>Das ist alles Rohmaterial f\u00fcr die Vollendung einst \u2013 wie die wunderbare Brechungen des Sonnenlichts in tausend Farben durch die Mosaikscheibe, die sich zu einem neuen wunderbaren Bild sammeln.<\/p>\n<p>Wagen wir es, die H\u00e4nde auszustrecken und eine Liebe so bedingungslos, furchtlos und selbstlos zu empfangen? Wagen wir es zu vertrauen, dass diese Liebe uns gilt, wie wir sind? \u2013 und dass sie uns deshalb in ihr eigenes Bild verwandelt? Zuversicht und Vertrauen in diese Liebe zu haben, ist l\u00e4ngst nicht dasselbe, wie sich mit verschr\u00e4nkten Armen hinzusetzen und darauf zu warten, dass Gott f\u00fcr uns aufr\u00e4umt. Das Vertrauen in diese Liebe ver\u00e4ndert uns, ihr Licht f\u00e4llt durch uns und unsere kleinen Fragmente der Liebe. M\u00f6ge es geschehen!<br \/>\nAmen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Anne-Marie Nybo Mehlsen<br \/>\nPastorin in Maribo<br \/>\namnm(a)km.dk<\/p>\n<p>\u00dcbers. Jan Asmussen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tiefgr\u00fcne F\u00e4den der Hoffnung |\u00a01. Sonntag nach Weihnachten | 28.12.2025 | Matth\u00e4us 2,13-23 | Anne-Marie Nybo Mehlsen | Tiefgr\u00fcne F\u00e4den der Hoffnung Falls du heute in den Gottesdienst gekommen bist, um noch post festum von der Weihnachtsfreude zu sch\u00f6pfen, dann fasse Mut und halte durch! 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