{"id":25793,"date":"2025-12-26T15:13:33","date_gmt":"2025-12-26T14:13:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25793"},"modified":"2025-12-26T15:14:21","modified_gmt":"2025-12-26T14:14:21","slug":"hiob-421-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/hiob-421-6\/","title":{"rendered":"Hiob 42,1-6"},"content":{"rendered":"<h3>1. Sonntag nach Weihnacht | Hiob 42,1-6 | 28.12.25 | J.-Stephan Lorenz |<\/h3>\n<p><em>Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.<\/em><\/p>\n<p>Das Weihnachtsfest liegt hinter uns. Wobei ich hoffe, dass Ihr Fest nicht so chaotisch ablief, wie das von Lukas erz\u00e4hlte. Josef ist unf\u00e4hig eine Reise zu organisieren und ein Hotel zu buchen, dann bringt seine \u201aVerlobte\u2018 ein Kind zur Welt, das nicht von ihm ist, unter Umst\u00e4nden, wo auch damals jede Hebamme und jeder Kinderarzt entsetzt gewesen w\u00e4re; dazu kommen irgendwelche Typen mit ihren bl\u00f6kenden, stinkenden Viechern und erz\u00e4hlen was von Engeln und Visionen, zum Abschluss drei Weise oder Magier (also Spinner) die genau das mitbringen, was ein kleines Neugeborenes jetzt braucht: Drogen und R\u00e4ucherzeug. Am Ende fahndet\u00a0die Geheimpolizei des Herodes nach den dreien, um sie nach Gestapoart umzubringen. Sie m\u00fcssen nach \u00c4gypten fl\u00fcchten. Die ganze Geschichte steht unter keinem guten Stern.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele ist die Zeit nach dem Fest auch Anlass, zur\u00fcckzublicken auf das vergangene Jahr. Man zieht Bilanz: was war gut, was weniger, und blickt voraus auf das kommende. Wer klug ist, macht seine Pl\u00e4ne unter der \u201aconditio Jacubaea\u2018: <em>So\u00a0Gott will und wir leben, wollen wir dies und das tun<\/em><em>\u00a0<\/em>(Jakobus 4,15). Ein guter Vorsatz, trifft er sich doch Luthers Idee, unser ganzes Leben m\u00f6ge einer best\u00e4ndigen Pr\u00fcfung unterliegen, wie er in der ersten seiner 95 Thesen schreibt: <em>Da\u00a0unser Herr\u00a0und\u00a0Meister Jesus Christus spricht: \u00bbTut Bu\u00dfe\u00ab (Matth.4,17), hat er gemeint, dass das ganze Leben der Gl\u00e4ubigen Bu\u00dfe sei. <\/em>Busse eben recht verstanden als fortdauernde Qualit\u00e4tspr\u00fcfung der eigenen Lebensf\u00fchrung. Bei solcher Pr\u00fcfung muss jedoch der eine oder die andere feststellen, dass man das, was einem geschieht gar nicht in der Hand hat. Und macht die Erfahrung: das was passiert, ist nicht erkl\u00e4rbar. Ergibt keinen Sinn.<\/p>\n<p>Solch eine Erfahrung macht auch Hiob. Er verliert alles, Kinder, Besitz und Gesundheit. Am Ende hockt er als stinkender Kadaver in Staub und Asche. Das ganze Buch ist der Versuch \u201aErkl\u00e4rungen\u2018 zu finden. Seine Freunde meinen, da muss doch was sein, irgendein, vielleicht auch unbewusstes Fehlverhalten. Tun-Ergehen-Zusammenhang nennen das die Theologen. Wobei die Idee nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Wer viel trinkt, raucht, sich ungesund ern\u00e4hrt und keinen Sport treibt, sollte nach Meinung der \u00c4rzte nicht hoffen, gesund zu bleiben und sehr alt zu werden. So wie wir tun, ergeht es uns. Ganz zu schweigen vom Klimawandel, den wir Menschen tatkr\u00e4ftig vorantreiben. Wobei es zur Zeit noch die schw\u00e4cheren Nachbarn in Afrika und Asien schlimmer trifft. Ein anderer Freund gibt den P\u00e4dagogen. Hiob solle aus seiner bedr\u00fcckenden Situation die richtigen Lehren ziehen. In Krankheit und Leid trete Gott mit Hiob in Verbindung, um ihn zu einer Verhaltens\u00e4nderung zu bringen, die noch Schlimmeres verhindere. Auch diese \u201aErkl\u00e4rung\u2018 wird heute noch vielfach in Anspruch genommen. Und zeigt ja bisweilen auch seine Wirkung. Hiob ist mit diesen \u201aErkl\u00e4rungen\u2018 nicht zufrieden: das, was ihm passiert, findet er nicht erkl\u00e4rbar. Ergibt keinen Sinn. Den klagt er Gott gegen\u00fcber ein. Die Antwort Gottes f\u00e4llt freilich anders aus als von Hiob erwartet. Gott erkl\u00e4rt sich nicht. Er stellt Hiob eine Reihe von eher rhetorischen Fragen, die Hiob alle mit \u201aNein\u2018 beantworten muss. Gott wolle Hiob durch die Gro\u00dfartigkeit seiner Sch\u00f6pfung zeigen: meine F\u00fcrsorge f\u00fcr meine Gesch\u00f6pfe \u00fcbersteigt alle menschliche Vorstellungskraft, so die Deutung vieler Ausleger. Darauf antwortet Hiob mit unserem heutigen Predigttext.<\/p>\n<blockquote><p><em>Jetzt wei\u00df ich, dass alles in deiner Macht steht und dir nichts zu schwer ist, was du vorhast. Du hast gefragt: \u201eWer ist es, der meinen Plan verdunkelt ohne Verstand?\u201c (38,2) Ich war\u2019s! Ich habe ohne Einsicht geredet, von wunderbaren Dingen, die ich nicht kannte. Du hast mich aufgefordert: \u201eH\u00f6r zu und lass mich reden! Ich will dich fragen, dann sollst du mich belehren!\u201c (40,7) Bis dahin kannte ich dich nur vom H\u00f6rensagen. Doch jetzt hat mein Auge dich wirklich gesehen. Darum bereue ich meine Worte und lasse mich tr\u00f6sten, so wie ich bin \u2013 Staub und Asche.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist seine \u201aBilanz\u2018 am Ende seiner Leidenszeit. Sein Trost in Staub und Asche. Dieser \u201aTrost\u2018 schiebt vor allen Dingen eines nicht weg, was die \u201aErkl\u00e4rungen\u2018 der Freunde vermeiden, ja verdr\u00e4ngen: Die Erfahrung unserer Ohnmacht gegen\u00fcber so manchem, was uns im Leben passiert. Sie bedeutet den Verlust der Kontrolle \u00fcber unser Leben, unseren K\u00f6rper, unseren Geist. Das l\u00f6st nach heutiger Ausfassung verschiedene Reaktionen aus:\u00a0<a href=\"https:\/\/de.in-mind.org\/glossary\/letter_a#Angst\">Angst<\/a>, Aggression, Trauer und\u00a0<a href=\"https:\/\/de.in-mind.org\/glossary\/letter_d#Depressivitt\">Depressivit\u00e4t<\/a>. Ohnmacht beeintr\u00e4chtigt gravierend unsere seelische und k\u00f6rperliche Gesundheit. Sich der eigenen Ohnmacht bewusstwerden, ist sicherlich ein erster Schritt, aber tr\u00f6stet er auch?<\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte doch sein, dass die chaotische Geburtsgeschichte des Lukas auch eine Antwort auf unsere Ohnmacht ist. Ich finde klassisch formuliert im sogenannten Philipperhymnus, den Paulus \u00fcberliefert.<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eDenn obwohl er in der Gestalt Gottes war, hielt er seine Gleichheit mit Gott nicht f\u00fcr etwas, dass er durch Gewalt in seinen Besitz bringen musste. Im Gegenteil, er ent\u00e4u\u00dferte sich selbst insofern, als er die Gestalt eines Sklaven annahm, indem er wurde, wie wir Menschen sind. Und als er als ein Mensch erschien, erniedrigte er sich noch mehr, indem er selbst dem Tod gehorsam war \u2013 den Tod am Pfahl, wie ein Verbrecher.\u201c <\/em><em>(Phil 2,6-8, \u00dcbersetzung David H. Stern, Das j\u00fcdische Neue Testament) <\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Das k\u00f6nnte doch eine tr\u00f6stliche Antwort sein in Situationen, wenn wir merken: das, was uns passiert, ist nicht erkl\u00e4rbar. Ergibt keinen Sinn. Der sich selbst in Ohnmacht begebende, heruntergekommene Gott steht auf unserer Seite. Und dann k\u00f6nnten wir wom\u00f6glich die Erfahrung machen, die Nikolaus Herrman in seinem Weihnachtslied besungen hat.<\/p>\n<blockquote><p>Er kommt aus seines Vaters Schoss, Und wird ein Kindlein klein,<br \/>\nEr liegt dort elend, nackt und blo\u00df | : In einem Krippelein. : |<\/p>\n<p>Er \u00e4u\u00dfert sich all seiner Gewalt, wird niedrig und gering<br \/>\nund nimmt an sich eins Knechts Gestalt, | : Der Sch\u00f6pfer aller ding. : |<\/p>\n<p>Er wechselt mit uns wunderlich, Fleisch und Blut nimmt er an<br \/>\nund gibt uns in seins Vaters Reich | : die klare Gottheit dran. : |<\/p>\n<p>Er wird ein Knecht und ich ein Herr, das mag ein Wechsel sein,<br \/>\nWie k\u00f6nnt es doch sein freundlicher, | : Das herze Jesulein. : |<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Erz\u00e4hlung von Gottes Ohnmacht, seinem Bei-uns-Bleiben, wenn unser Leben jede Erkl\u00e4rung, jeden Sinn verliert, will uns st\u00e4rken und tr\u00f6sten in unseren Ohnmachtserfahrungen. Wir sind nicht allein. Wir m\u00f6gen uns ohnm\u00e4chtig f\u00fchlen, haben aber M\u00f6glichkeiten damit umzugehen: Er wird ein Knecht und ich ein Herr, das mag ein Wechsel sein. Wir werden wieder Herr im eigenen Haus. Daraus ergeben sich neue \u201aSpiel\u2018-R\u00e4ume. Und hoffentlich die Erfahrung Hiobs: <em>Bis dahin kannte ich dich nur vom H\u00f6rensagen. <\/em><em>Doch jetzt hat mein Auge dich wirklich gesehen.<\/em><\/p>\n<p>Was w\u00fcrde das f\u00fcr unsere Jahresbilanzen und W\u00fcnsche f\u00fcr das neue Jahr bedeuten? Das m\u00f6ge nun jede und jeder f\u00fcr sich selber herausfinden.<\/p>\n<p><em>Gottes Heiliger Geist befestige diese Worte in euren Herzen, damit ihr das nicht nur geh\u00f6rt, sondern auch im Alltag erfahrt, auf dass euer Glaube zunehme und ihr endlich selig werdet, durch Jesum Christum unseren Herrn. Amen<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><strong>Confiteor:<br \/>\n<\/strong><em>\u201eDas Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit.\u201c <\/em>so erz\u00e4hlt es das Johannesevangelium (1,14) F\u00fcr uns moderne Menschen schwer nachvollziehbar: Gott wird Mensch. Was soll das hei\u00dfen? F\u00fcr uns, f\u00fcr unsere Welt, f\u00fcr unser Handeln? Was w\u00fcrde sich ver\u00e4ndern, wenn wir es begreifen w\u00fcrden? Wir kommen hier zusammen, um Gottes Wort zu h\u00f6ren, uns in unserem Gottvertrauen zu st\u00e4rken, um die Herrlichkeit Gottes zu schauen. Wir bitten am Anfang: <em>Gott erbarm dich, unsere Sicht auf uns und die Welt ist voller Einschr\u00e4nkungen. Mach uns sehend f\u00fcr deine Herrlichkeit. Gib, dass wir mit unbeschwerten Herzen und fr\u00f6hlichen Lippen diesen Gottesdienst feiern, durch Christus unseren Bruder. Amen. <\/em>Und wir erhalten zur Antwort, die sich durch diesen ganzen Gottesdienst best\u00e4tigen m\u00f6ge: <em>Gott erbarmt sich. Unsere Wahrnehmungseinschr\u00e4nkungen sind uns vergeben. Gott steht auf unserer Seite. Alle, die darauf vertrauen, sind Gottes Kinder und sein Heiliger Geist wird bei ihnen sein. Wer glaubt, wird selig. Das verleihe Gott und allen. Amen<\/em><\/p>\n<p><strong>Kollektengebet<br \/>\n<\/strong>Gott tr\u00f6ste uns, schau auf unsere Sorgen und Bef\u00fcrchtungen, sei uns gn\u00e4dig und erh\u00f6re unser Gebet. Mach uns sehend, damit wir dich erkennen, wo du uns begegnest, auf dass wir dich preisen k\u00f6nnen wie der alte Simeon, der in dem Jesuskind den kommenden Messias, den Heiland der Menschen sehen kann. Wir bitten das im Namen Jesu Christi, der mit Dir in der Einheit des Heiligen Geistes uns Kraft gibt heute und alle Tage, die wir erleben d\u00fcrfen. Amen<\/p>\n<p><strong>F\u00fcrbitte<br \/>\n<\/strong>P: Gott,\u00a0Quelle unserer Liebe, Ursprung unseres Lebens, Ziel unserer Tage. Das vergangene Jahr mit dem, was gelungen ist und dem, was misslungen ist geben wir in deine H\u00e4nde. Das neue Jahr nehmen wir aus deinen H\u00e4nden. Gib uns deinem Geist, damit deine Liebe durch uns f\u00fcr alle sichtbar wird.<\/p>\n<p>A: Gott, Quelle unserer Liebe, mach uns stark auch im n\u00e4chsten Jahr Werke der Barmherzigkeit zu tun, Kranke und Gefangene zu besuchen, Hungernden Nahrung zu geben, M\u00fcden und Trauernden beizustehen, Gefl\u00fcchtete aufzunehmen. Wir rufen: Kyrie elesion<\/p>\n<p>B: Gott, Ursprung unseres Lebens, gibt uns Kraft, Opfern von Krieg und Gewalt beizustehen in der Ukraine, in Israel, Gaza und \u00fcberall, wo Menschen sich bekriegen. Wir werden das Schicksal von Verschleppten und Gefolterten nicht ignorieren. Wir werden Widerstand leisten gegen ungerechte Machthaber und Kriegstreiber. Wir rufen: Kyrie elesion<\/p>\n<p>C: Gott, Ziel unserer Tage, lass uns deine Wahrheit finden. Du gibst uns Zeit, dein Wort zu verstehen, es zu begreifen und zu leben. Dann k\u00f6nnen wir uns einsetzen f\u00fcr deine Sch\u00f6pfung, aussterbende Arten und bedrohte Landschaften, die Zukunft unserer Kinder und Enkel. Wir rufen: Kyrie elesion<\/p>\n<p>P: Gott, Zukunft unseres Lebens, deine Liebe gibt ewiges Leben schon jetzt. Sie m\u00f6ge durch uns Erf\u00fcllung finden, Das bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn und unseren Bruder. Amen. Laudate omnes gentes<\/p>\n<p><strong>Lieder:<br \/>\n<\/strong>Lied EG 25 Vom Himmel kam der Engel Schar<br \/>\nLied EG 39 Kommt und lasst uns Christum ehren<br \/>\nLied EG 35 Nun singet und seid froh<br \/>\nLied EG 27 Lobt Gott ihr Christen<br \/>\nLied 34 Freut euch ihr Christen alle<br \/>\nLied EG 36 Fr\u00f6hlich soll mein Herze springen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Pastor J.-Stephan Lorenz<br \/>\nStephan.lorenz@evlka.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Sonntag nach Weihnacht | Hiob 42,1-6 | 28.12.25 | J.-Stephan Lorenz | Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen. Das Weihnachtsfest liegt hinter uns. Wobei ich hoffe, dass Ihr Fest nicht so chaotisch ablief, wie das von Lukas erz\u00e4hlte. 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