{"id":25799,"date":"2025-12-26T15:17:44","date_gmt":"2025-12-26T14:17:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25799"},"modified":"2025-12-26T15:17:44","modified_gmt":"2025-12-26T14:17:44","slug":"hiob-421-6-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/hiob-421-6-2\/","title":{"rendered":"Hiob 42,1-6"},"content":{"rendered":"<h3>Wer an Gott dran bleibt, wird auch im Scheitern bestehen | 1. Sonntag nach Weihnachten | 28.12.2025 | Hiob 42,1-6 | \u00a0Winfried Klotz |<\/h3>\n<blockquote><p>1 Da antwortete Ijob dem HERRN:<br \/>\n2 \u00bbIch wei\u00df jetzt, dass dir nichts unm\u00f6glich ist;<br \/>\ndenn alles, was du planst, f\u00fchrst du auch aus.<br \/>\n3 Du fragst, warum ich deinen Plan anzweifle<br \/>\nund rede ohne Wissen und Verstand.<br \/>\nIn meinem Unverstand hab ich geredet<br \/>\nvon Dingen, die mein Denken \u00fcbersteigen.<br \/>\n4 Du hast mich aufgefordert, zuzuh\u00f6ren<br \/>\nund dann auf deine Fragen zu erwidern.<br \/>\n5 Ich kannte dich ja nur vom H\u00f6rensagen;<br \/>\njetzt aber hat mein Auge dich geschaut.<br \/>\n6 Ich sch\u00e4me mich f\u00fcr alles, was ich sagte;<br \/>\nin Staub und Asche nehm ich es zur\u00fcck.\u00ab<\/p><\/blockquote>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>ein Abschnitt aus dem Hiobbuch, einer alttestamentlichen Dichtung, ist uns am Sonntag nach Weihnachten gegeben. Klingen diese Worte weihnachtlich? Das Buch Hiob insgesamt hat kaum weihnachtlichen Charakter, jedenfalls dann nicht, wenn man Weihnachten unter dem Gesichtspunkt eines fr\u00f6hlichen Festes anl\u00e4sslich der Geburt des Jesuskindes betrachtet. Ein gl\u00fcckliches Ereignis diese Geburt, voller Licht, voll himmlischem Glanz. Aber bei genauem Hinsehen offenbart sich die prek\u00e4re Lage des Kindes und seiner Familie. Dieses Kind wurde hineingeboren in Unsicherheit und Armut. Glanz und Lobgesang leuchten nur kurz auf, die ersten Besucher des Kindes in der Stallh\u00f6hle sind Hirten, unterste Schicht der damaligen Bev\u00f6lkerung. Trotzdem, mit Recht lesen wir die gute Nachricht von Jesus vom Ende, von Kreuz und Auferstehung her; f\u00fcr uns gilt: \u201eHeute ist euch der Retter geboren worden, in der Stadt Davids: Christus, der Herr!\u201c (Lk 2,11). Das aber ist Grund unserer Hoffnung, Jesus, unser Heiland und Herr, der Sohn des Vaters, der uns zu Kindern des Vaters macht. Durch IHN ist ein helles Licht in unser Leben gekommen! Das Licht des Friedens! Frieden meint zum einen das Geschenk der Vers\u00f6hnung durch Jesus mit Gott, aber auch Selbstannahme und gegenseitiges Annehmen. Deshalb: als Gemeinde Jesu sollen wir uns nicht gegenseitig auf Distanz be\u00e4ugen, dem oder der aus dem Weg gehen, weil wir nicht miteinander zurechtkommen, einander nicht annehmen k\u00f6nnen. Ich gebe zu, dass ich solche Tendenzen auch aus meinem Leben kenne; das mindeste, was wir da tun k\u00f6nnen, ist, f\u00fcreinander zu beten und dann lernen, einander zu ertragen. Das Licht des Friedens, das Gott uns durch Jesus schenkt, ist das Licht einer Ordnung des Friedens; er ist uns versprochen, wir aber leben auf ihn zu, solange wir in dieser Welt sind und mit unseren eigenen und den Macken anderer zurechtkommen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck zu Hiob; betrachten wir das uns gegebene Wort einmal genauer:<\/p>\n<p>Wer ist dieser Hiob? Geh\u00f6rt er zu den Menschen, die durch Leid zum Glauben kommen? Das gibt es durchaus. Ich erinnere mich noch an ein Gespr\u00e4ch mit einer \u00e4lteren Frau am Anfang meines Dienstes; sie war gel\u00e4hmt und erz\u00e4hlte mir: \u201aFr\u00fcher kannte ich nur die Arbeit, aber dann bin ich krank geworden und konnte nicht mehr arbeiten. Dadurch habe ich zum Glauben gefunden.\u2018 Das gibt es also durchaus!<\/p>\n<p>Aber wie ist es bei Hiob, der von sich sagt: \u201eIch kannte dich ja nur vom H\u00f6rensagen; jetzt aber hat mein Auge dich geschaut.\u201c (V. 5). Hat er nicht an Gott geglaubt?<\/p>\n<p>In der Rahmenerz\u00e4hlung des Buches Hiob, Kapitel 1+2, die in Prosa gehalten ist, finden sich zwei herausragende Bekenntnisaussagen Hiobs:<\/p>\n<p>Kapitel 1, Vers 21 sagt Hiob, als er die Nachricht vom Tod seiner S\u00f6hne und T\u00f6chter erh\u00e4lt: \u201eNackt kam ich aus dem Scho\u00df der Mutter, nackt geh ich wieder von hier fort. Der HERR hat gegeben und der HERR hat genommen. Ich will ihn preisen, was immer er tut!\u201c<\/p>\n<p>Und im 2. Kapitel, jetzt geht es Hiob an die eigene Gesundheit, das eigene Leben, fordert ihn seine Frau auf: \u201e\u2018Willst du Gott jetzt immer noch die Treue halten? Verfluche ihn doch und stirb!\u2018 Aber Ijob antwortete: \u201aDu redest ohne Verstand wie eine, die Gott nicht ernst nimmt! Wenn Gott uns Gutes schickt, nehmen wir es gerne an. Warum sollen wir dann nicht auch das B\u00f6se aus seiner Hand annehmen?\u2018\u201c<\/p>\n<p>Ist das nicht ein Ma\u00df an Glaubensst\u00e4rke, das kaum jemand von uns vorweisen kann?! Und trotzdem sagt Hiob in unserem Predigtwort: \u201eIch kannte dich ja nur vom H\u00f6rensagen; jetzt aber hat mein Auge dich geschaut.\u201c Was hat sich ge\u00e4ndert bei Hiob in der Erkenntnis Gottes durch sein bitteres Schicksal?<\/p>\n<p>Noch ein Gedanke: M\u00fcssen wir nicht staunen dar\u00fcber, dass jemand durch Leid zum Glauben findet? Erleben wir nicht eher das Gegenteil: Leidende gehen den Weg, den Hiobs Frau vorschl\u00e4gt; sie wenden sich von Gott ab und behaupten: \u201aEs kann keinen Gott geben, wenn ich durch solches Leid gehen muss!\u2018 Hiob ist ein Vorzeigefrommer, der Gott nicht absagt, sondern vor ihm klagt, ihn auch anklagt. Seine Freunde, die ihn aufsuchen, um mit ihm zu trauern, versuchen ihm nachzuweisen, dass er an seinem Elend selbst schuld ist; sie gehen einen verbreiteten Weg der Erkl\u00e4rung von Leid; vom Ende her betrachtet befinden sie sich aber im Unrecht. Was hat sich durch das Ringen mit Gott im Leiden bei Hiob ge\u00e4ndert, so dass er jetzt von wirklicher Gotteserfahrung im Gegensatz zu einem Wissen um Gott aus der \u00dcberlieferung redet? Hat er die Erkl\u00e4rung f\u00fcr sein Leid bekommen, ist also die Frage, wie Gott gerecht sein kann, wenn er Leid zul\u00e4sst, die sogenannte \u201aTheodizee -Frage\u2018 gel\u00f6st?<\/p>\n<p>Keineswegs! Weder bei Hiob noch in der ganzen Bibel finden wir eine endg\u00fcltige, allgemeine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, warum Gott Leid zul\u00e4sst, warum in dieser Welt so viel Bosheit und Elend uns und alle Gesch\u00f6pfe trifft. In der Erz\u00e4hlung vom S\u00fcndenfall finden wir die Erkl\u00e4rung f\u00fcr das B\u00f6se auch nicht: der Versucher ist einfach da, warum, wieso, woher wird nicht gesagt. Aber vielleicht hat ja die Evolutionstheorie das Problem gel\u00f6st, indem sie behauptet: Leiden und Tod f\u00fchren zu einer nat\u00fcrlichen Auswahl, es \u00fcberleben die Fitteren, besser Angepassten; dadurch kommt es zur H\u00f6herentwicklung der Arten?! Tr\u00f6stet dieses \u201eNaturgesetz irgendjemand in seinem Leid? Verleiht es Widerstandskraft, um Schweres durchzustehen? Motiviert es zur Barmherzigkeit mit denen, die leiden m\u00fcssen? Keineswegs!<\/p>\n<p>Welchen Weg weist uns das Hiobbuch?<\/p>\n<p>Erstens: Leiden hat einen Ziel und Endpunkt, oft schon in dieser Zeit, manchmal erst in der Ewigkeit. Im Buch Hiob reagiert Gott auf Hiobs Klagen und Anklagen. Es ist das einhellige Zeugnis der Bibel: Gott h\u00f6rt Gebet, Gott achtet auf das Schreien der Elenden, Gott ist kein Weltgesetz, sondern lebendiges, pers\u00f6nliches Gegen\u00fcber. Gott setzt den Endpunkt des Leidens.<\/p>\n<p>Zweitens: Leidenswege sind oft lang, es kommt darauf an, sie geduldig auszuhalten. Nur selten l\u00e4sst sich Not schnell absch\u00fctteln. Eine Arbeitsstelle, an der man gemobbt wird, kann man wechseln. Aber es kann durchaus sein, dass auch an der neuen Stelle \u00c4hnliches begegnet. Ich denke an die Worte des Apostels Paulus im R\u00f6merbrief, Kap. 5:<\/p>\n<p>\u201eWir r\u00fchmen uns sogar der Leiden, die wir f\u00fcr Christus auf uns nehmen m\u00fcssen. Denn wir wissen: Durch Leiden lernen wir Geduld, 4 durch Geduld kommt es zur Bew\u00e4hrung, durch Bew\u00e4hrung festigt sich die Hoffnung. 5 Unsere Hoffnung aber wird uns nicht entt\u00e4uschen. Denn dass Gott uns liebt, ist uns unumst\u00f6\u00dflich gewiss. Seine Liebe ist ja in unsere Herzen ausgegossen durch den Heiligen Geist, den er uns geschenkt hat\u201c (V. 3b-5).<\/p>\n<p>Der Trost des Geistes Jesu wird uns auch dann geschenkt, wenn unsere Not in der Natur von Menschen und Welt liegt.<\/p>\n<p>Drittens: Wer seinen notvollen Weg zu Gott gewandt geht, erf\u00e4hrt Gottes N\u00e4he und Gegenwart. Klagelieder 3, 57: \u201eAls ich zu dir schrie, bist du gekommen und hast zu mir gesagt: \u201ahab keine Angst!\u2018\u201c \u00c4hnlich Psalm 138: \u201eWenn ich mitten durch Gefahren gehen muss, erh\u00e4ltst du mich am Leben. Du nimmst mich in Schutz vor der Wut meiner Feinde, deine m\u00e4chtige Hand wird mir helfen (V. 7). Ich sage das im Wissen, dass Gott auch unerkl\u00e4rlich schweigen kann; das Leid in tiefe Verzweiflung f\u00fchren kann; dass Not und Bedr\u00e4ngnis keinen guten Ausgang nehmen kann in dieser verg\u00e4nglichen Welt &#8211; schauen wir auf die, die gestorben sind wegen ihres Glaubens an Jesus. Trotzdem gilt Klagelieder 3: \u201eAls ich zu dir schrie, bist du gekommen und hast zu mir gesagt: \u201ahab keine Angst!\u2018<\/p>\n<p>Damit n\u00e4heren wir uns dem Geheimnis Hiobs; was ist der Unterschied zwischen fr\u00fcher und jetzt: \u201eIch kannte dich ja nur vom H\u00f6rensagen; jetzt aber hat mein Auge dich geschaut.\u201c Hiob hat in der Auseinandersetzung mit seinen Freunden und mit Gott seinen Gott neu erfahren. Er hat ihn als lebendig erfahren. Er hat im Ringen mit Gott seine Gr\u00f6\u00dfe, die alles Begreifen \u00fcbersteigt, erfahren. Und er hat Gottes Zugewandtheit erfahren. Dieser sein Gott reagiert auf das Schreien eines kleinen Menschleins mit sehr begrenzter Sicht und kurzer Lebenszeit. Der unfassbare Gott ist Hiob zum Gegen\u00fcber geworden. Da hat sich ereignet, was der erste Sch\u00f6pfungsbericht mit dem Satz andeutet: Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, also als sein Gegen\u00fcber, als ein Wesen, zu dem Gott redet und das Gott antwortet. \u201eIch kannte dich ja nur vom H\u00f6rensagen; jetzt aber hat mein Auge dich geschaut.\u201c Gottesf\u00fcrchtiges Leben aus der \u00dcberlieferung der Christenheit, aus Bibel, Gesangbuch, Katechismus, das ist etwas Bedeutsames; aber dieses Leben aus der \u00dcberlieferung braucht Verlebendigung, braucht die Pr\u00fcfung auf seine Echtheit. Das aber geschieht im Leiden, es geschieht, wenn die Not des Lebens in dieser Welt mich ergreift. In dieser Pr\u00fcfung gibt es ein Bestehen und ein Scheitern. Wer an Gott dran bleibt, wird auch im Scheitern bestehen.<\/p>\n<p>Ich kehre zur\u00fcck zum Anfang der Predigt: Hiob und die Weihnachtsgeschichte passen nicht recht zueinander. Es geht in der Weihnachtsgeschichte doch um den, den Gott als Heiland gesandt hat. Es geht um den, durch den Gott unsere Herzen f\u00fcr sich gewinnt, weil er durch Jesus uns die F\u00fclle seiner Gnade schenkt. Es geht um den, der stellvertretend f\u00fcr uns leidet und stirbt; dessen Kreuz aufgerichtet ist, damit alle, die vertrauend auf das Kreuz schauen, Hilfe erfahren. \u201eEr wird sein Volk retten von ihren S\u00fcnden\u201c, sagt das Matth\u00e4usevangelium im 1. Kapitel. Diese Verhei\u00dfung hat Kreise gezogen, bis zu uns. Rettung von S\u00fcnden ist im Ergebnis auch \u00dcberwindung des Leidenszustandes unserer Welt. Im Ende geht es um einen neuen Himmel und eine neue Erde. Ich wei\u00df, dass uns das zu gro\u00df ist; wir k\u00f6nnen es nicht wirklich verstehen. Aber seht, liebe Schwestern und Br\u00fcder, wo die Verfehlung des Guten durch Vergebung \u00fcberwunden ist, da ist auch ein St\u00fcck Leiden an sich selbst und dieser Welt \u00fcberwunden. Und &#8211; Gott hat Jesus gesandt, damit Zeichen seines Reiches unter uns geschehen, durch uns in seiner Kraft. Wir w\u00fcnschen uns, dass die Zeichen des Reiches Gottes unter uns geschehen auf den H\u00f6henwegen eines unangefochtenen Glaubens. Sie geschehen aber meist da, wo wir in Anfechtung und Not, in Leid und Tr\u00fcbsal Jesus folgen. Die Kraft Jesu erweist sich in unserer Schwachheit und da, wo unsere Wege zu Ende sind. Und wir durch ein Zerbrechen hindurch gehen und nicht dem Eigenwillen folgen in der Weise: Ich habe ein Recht auf Gl\u00fcck und ein bequemes christliches Leben.<\/p>\n<p>Wir h\u00f6ren aus Regionen, in denen die Kirche Jesu w\u00e4chst und oft auch verfolgt wird von erstaunlichen Wundern und fragen dann, Warum geschieht das nicht auch bei uns? Wir sollten stattdessen fragen: Wo haben wir uns als Christen zu bequem in dieser Welt eingerichtet? Wo sind wir zu angepasst? Wo haben wir die Stimme Jesu \u00fcberh\u00f6rt, der uns beauftragen wollte? Wo folgen wir unserem Eigenwillen und nicht dem Trost und der Mahnung seines Hl. Geistes? Ich wei\u00df, diese Fragen sind schwierig; sie k\u00f6nnen uns in Schwermut st\u00fcrzen. Aber ich stelle sie nicht, um uns fertigzumachen, sondern um uns Mut zu machen zu einer selbstkritischen Bestandsaufnahme. Unser Glaubensschiff soll nicht im Hafen festliegen, sondern mutig Fluss und Meer befahren. Es braucht Zeiten der Ruhe im Hafen, der Ausr\u00fcstung und Erneuerung; aber ein Schiff ist gebaut zum Befahren des Wassers und ein Christ ist erm\u00e4chtigt, Jesus in dieser Welt zu repr\u00e4sentieren. Auf dem Wasser, manchmal von den Wellen hin- und hergeworfen, schauen wir Jesus in seiner alles \u00fcberwindenden Macht. Dann werden wir mit Hiob ausrufen: Nun hat mein Auge Dich gesehen! Und unsere Herzen werden eine neue Bekehrung erleben durch Ihn, unseren Herrn Jesus. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Winfried Klotz, Pfr. i. R., Bad K\u00f6nig\/ Odenwald Email: <a href=\"mailto:Winfried.klotz@web.de\">Winfried.klotz@web.de<\/a><br \/>\nJg. 1952, verh. 3 Kinder, ein Enkelkind, Mitglied im Pfarrgebetsbund<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer an Gott dran bleibt, wird auch im Scheitern bestehen | 1. 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