{"id":25819,"date":"2025-12-29T13:00:28","date_gmt":"2025-12-29T12:00:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25819"},"modified":"2025-12-29T13:00:28","modified_gmt":"2025-12-29T12:00:28","slug":"joh-141-6-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/joh-141-6-2\/","title":{"rendered":"Joh 14,1\u20136"},"content":{"rendered":"<h3>Unser irdisches Leben darf verkn\u00fcpft sein mit der Zukunft bei Gott | Neujahr | 01.01.2026 | Joh 14,1\u20136 | Winfried Klotz<\/h3>\n<p>Silvester- Neujahr, Jahreswende; wir wissen, seit dem 21.12. werden die Tage wieder l\u00e4nger. Die Wintersonnenwende war nach dem, was das Internet sagt, f\u00fcr Deutschland genau am Sonntag, 21.12.2025 um 16.03 MEZ. Soweit die astronomischen Daten. Die Sonnenwenden bilden sich ab in der Natur, in den Jahreszeiten.<\/p>\n<p>Das neue Kirchenjahr hat schon am 1. Advent begonnen; es orientiert sich an der Heilsgeschichte, also daran, was Gott durch Jesus getan hat und was durch ihn uns und dieser Welt zugesagt ist.<\/p>\n<p>In all dem spiegelt sich, dass wir in die Zeit gestellt sind, in ein Werden und Vergehen, in einen Anfang und ein Ende. Klar ist dabei, der Termin der Jahreswende, Neujahr, ist eine menschliche Festlegung. Rosch Ha-Shana, das j\u00fcdische Neujahrsfest war schon am 23.09.2025; das chinesische Neujahrsfest wird am 17.02.2026 gefeiert.<\/p>\n<p>Kalender richten sich meist nach dem Lauf des Mondes, wobei es dann Ausgleichtage braucht, wenn die Monate und damit auch Neujahr nicht durch das Jahr wandern sollen, wie es im Islam ist.<\/p>\n<p>Weil wir in die Zeit gestellt sind, ist der Jahreswechsel Anlass, zur\u00fcck und nach vorne zu schauen. Dazu soll uns ein Wort der Hl. Schrift helfen.<\/p>\n<p>Ich lese den Predigttext aus Johannes 14,1\u20136:<\/p>\n<blockquote><p><em>1 Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! 2 Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; w\u00e4re es nicht so, h\u00e4tte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um euch eine St\u00e4tte zu bereiten? 3 Und wenn ich gegangen bin und euch eine St\u00e4tte bereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. 4 Und wohin ich gehe &#8211; ihr wisst den Weg. 5 Thomas sagt zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie k\u00f6nnen wir da den Weg kennen? 6 Jesus sagt zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, es sei denn durch mich. <\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>\u201eEuer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!\u201c Wir k\u00f6nnten verstehen: F\u00fcrchtet euch nicht vor dem, was im neuen Jahr auf euch zukommt! Aber das ist zu kurz gegriffen; denn Jesus redet davon, dass er weggeht \u2013 wir wissen, es geht um seinen Tod am Kreuz \u2013 und seine Gemeinde nun verlassen ist. Gerade in dieser Situation fordert er sie zum Glauben auf: Glaubet an Gott und glaubet an mich! Also bleibt im Vertrauen auf Gott fest, haltet daran fest, dass ER mich gesandt hat. In euren Augen ist es eine Katastrophe, was nun geschieht; aber Gott handelt dadurch zu eurem Heil. Gott bahnt euch durch mein Weggehen, durch meine Erh\u00f6hung ans Kreuz, den Weg zur Heimat bei ihm. \u201eIm Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; w\u00e4re es nicht so, h\u00e4tte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um euch eine St\u00e4tte zu bereiten?\u201c<\/p>\n<p>Was Jesus vermittelt durch den Evangelisten Johannes hier lehrt, stellt die Vorstellungen und Erwartungen der mit Jesus verbundenen auf den Kopf. Es ist eine Perspektive, die auch uns schwindeln l\u00e4sst; es ist \u00e4hnlich, wie wenn wir am steilen Abbruch eines hohen Berges stehen und \u00fcber ein weites, sch\u00f6nes Land schauen. Es scheint unerreichbar, aber der Bergf\u00fchrer sagt uns, da f\u00fchre ich euch hin, ich gehe euch voran den Weg durch den Abgrund. Dort findet ihr Heimat und es wird \u00fcberw\u00e4ltigend sch\u00f6n sein.<\/p>\n<p>\u201eUnd wenn ich gegangen bin und euch eine St\u00e4tte bereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.\u201c<\/p>\n<p>Meint Jesus: statt irdischem Heil himmlische Wohnungen? Da m\u00f6chten wir schon hin, aber noch nicht so schnell. Und eigentlich erwarten wir zur Jahreswende \u2013 Silvester-Neujahr \u2013 Ermutigung zu unseren kleinen Schritten durchs Leben auf manchmal ungebahnten Wegen. Die gro\u00dfe Perspektive macht uns schwindelig und unsicher.<\/p>\n<p>Aber brauchen wir nicht die gro\u00dfe Perspektive, um f\u00fcr unsere kleinen Schritte durchs Leben nicht Richtung und Ziel zu verlieren? Die gro\u00dfe Perspektive ist: wir sollen dort sein, wo Jesus ist! Missverstehen wir das nicht, als ginge es nur um eine Vorbereitung darauf, dass unser Leben begrenzt ist! Ja, wir leben in einem engen Zeithorizont; mit Psalm 90 gesprochen: \u201eUnser Leben w\u00e4hrt siebzig Jahre, und wenn es hoch kommt, achtzig Jahre\u201c (V. 10). Nein es geht um mehr als eine Vorbereitung aufs Sterben. Es geht um eine Ausrichtung f\u00fcr unser Leben im Heute, also 2026 und all die Jahre, die uns Gott noch schenken wird. Unsere Ausrichtung auf Gott beginnt dann, wenn wir uns ihm anvertrauen. Wenn wir die Botschaft des Weihnachtsevangeliums ernst nehmen: \u201eEuch \u2013 Dir \u2013 wurde heute der Retter geboren, der Gesalbte, der Herr\u201c (Lk. 2, 11). Eine kleine Geschichte macht mir deutlich, was es hei\u00dft, Jesus ist mein Retter:<\/p>\n<p><em>\u201aEin Mann wollte seinen Schatten loswerden. Aber vergebens. Was er auch anstellte, es gelang ihm nicht. Er lief vor dem Schatten davon, aber er konnte ihn nicht absch\u00fctteln. Er w\u00e4lzte sich auf dem Boden, der Schatten blieb. Er versuchte, \u00fcber seinen Schatten zu springen. Alles vergeblich. Da meinte ein weiser Mann, der von ihm h\u00f6rte: \u201eDas w\u00e4re doch ganz einfach gewesen, den Schatten loszuwerden!\u201d \u2013 \u201eWieso einfach?\u201d, fragten die Umstehenden neugierig. \u201eWas h\u00e4tte er denn machen sollen, um seinen Schatten loszuwerden?\u201d Der weise Mann gab zur Antwort: \u201eEr h\u00e4tte sich nur in den Schatten eines starken Baumes stellen m\u00fcssen. Da w\u00e4re sein Schatten aufgehoben!\u201d\u2018 <\/em>(Das gro\u00dfe Axel K\u00fchner Textarchiv-294)<\/p>\n<p>Jesus, erh\u00f6ht ans Kreuz; er geht diesen Weg nach Gottes Willen, damit uns der Weg zu Gott gebahnt ist. Sein Kreuz wird f\u00fcr uns zum Ort der Vers\u00f6hnung mit Gott; im Schatten des Kreuzes ist unsere Dunkelheit aufgehoben. Schuld, Not und Angst erdr\u00fccken uns nicht mehr, wir w\u00e4lzen sie ab auf Jesus. Der Apostel Paulus sagt: \u201eIhn \u2013 Jesus \u2013 hat Gott dazu bestellt, S\u00fchne zu schaffen \u2013 die durch den Glauben wirksam wird \u2013 durch die Hingabe seines Lebens\u201c (R\u00f6m 3,25). Im Schatten des Kreuzes Jesu zu leben ist unsere Rettung! Bei Jesus werden wir befreit zur Ehrlichkeit, zur Liebe, zur Freude, zum Mut, zur Hoffnung. Unser Leben gestaltet sich v\u00f6llig anders: wir lernen, nicht mehr \u00e4ngstlich und voller Sorgen um uns zu kreisen, sondern im Vertrauen auf Jesus voranzugehen.<\/p>\n<p>Jetzt schon durch den Glauben mit Jesus verbunden ist das Ziel unseres Lebensweges bei Gott zu sein f\u00fcr immer. Jesus ist der Weg zu diesem Ziel. Darum geht es im 2. Teil unseres Predigtwortes:<\/p>\n<p>\u201eUnd wohin ich gehe \u2013 ihr wisst den Weg. Thomas sagt zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie k\u00f6nnen wir da den Weg kennen? Jesus sagt zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, es sei denn durch mich.\u201c (V. 4-6)<\/p>\n<p>Keine Antwort ohne Frage; aber ist die Frage hier nur ein Mittel, um die Antwort zu provozieren? Ist sie n\u00f6tig? Der Anfang des Predigtwortes zeigt, dass die J\u00fcngergemeinde verunsichert ist: \u201eEuer Herz erschrecke nicht!\u201c Jesus geht weg; wir, aber auch die damals vom Evangelisten angeredete Gemeinde, wissen, er muss am Kreuz sterben. Die Verunsicherung ist gro\u00df: die Gemeinde ist klein, der Druck und die Anfeindungen von au\u00dfen gro\u00df. Es geht ihnen wie Christen in Nordindien, die bedr\u00e4ngt, geschlagen, eingesperrt und deren Kirchen verbrannt werden.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> M\u00fcssen Christen sich nicht an die aktuellen gesellschaftlichen Normen und Erwartungen anpassen? Wie kann man so stur sein und aus Treue zu Jesus das Lebensgl\u00fcck aufs Spiel setzen? Erst recht, wenn Jesus weggeht, nicht mehr leiblich da ist? Der Weg in die Zukunft ist ungewiss.<\/p>\n<p>Geht es uns auch so? Vielen scheint nur der Tod gewiss, die Risiken des t\u00e4glichen Lebens verdr\u00e4ngen sie. Solange die Kasse stimmt, und ein wenig Lebensgl\u00fcck und Abwechslung gegeben sind. Aber es gibt Menschen, die schauen besonders an der Jahreswende sorgenvoll in die Zukunft. Unser Predigtwort aber m\u00f6chte uns den Blick daf\u00fcr \u00f6ffnen, dass durch Jesus unser irdisches Leben verkn\u00fcpft sein darf mit der Zukunft bei Gott. Nicht im landl\u00e4ufigen Sinne, dass unsere unsterbliche Seele zu Gott aufsteigt und also himmlisch weiterlebt, sondern in dem Sinne, dass das, was uns Menschen unm\u00f6glich ist, n\u00e4mlich ewige Gemeinschaft mit Gott, durch Jesus uns im Glauben geschenkt wird. Wir \u00fcberbr\u00fccken den Abgrund nicht, der uns von Gott trennt; wir waschen uns nicht rein von unseren Verfehlungen. Gott aber hat Jesus durch seinen Weg ans Kreuz zum Br\u00fcckenbauer gemacht; ER tr\u00e4gt unsere S\u00fcnde. Deshalb gilt das Wort Jesu: \u201eIch bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, es sei denn durch mich.\u201c<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Winfried Klotz, Pfr. i. R., Bad K\u00f6nig\/ Odenwald Email: <a href=\"mailto:Winfried.klotz@web.de\">Winfried.klotz@web.de<\/a><br \/>\nJg. 1952, verh. 3 Kinder, ein Enkelkind, Mitglied im Pfarrgebetsbund<br \/>\n<a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> siehe <a href=\"https:\/\/www.gossner-mission.de\/ueber-uns\/aktuelles\/meldung\/indien-christen-im-land-in-sorge-\">https:\/\/www.gossner-mission.de\/ueber-uns\/aktuelles\/meldung\/indien-christen-im-land-in-sorge-<\/a> Bericht nicht ganz aktuell, aber auch heute zutreffend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser irdisches Leben darf verkn\u00fcpft sein mit der Zukunft bei Gott | Neujahr | 01.01.2026 | Joh 14,1\u20136 | Winfried Klotz Silvester- Neujahr, Jahreswende; wir wissen, seit dem 21.12. werden die Tage wieder l\u00e4nger. Die Wintersonnenwende war nach dem, was das Internet sagt, f\u00fcr Deutschland genau am Sonntag, 21.12.2025 um 16.03 MEZ. 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