{"id":25834,"date":"2025-12-30T18:25:57","date_gmt":"2025-12-30T17:25:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25834"},"modified":"2025-12-30T18:25:57","modified_gmt":"2025-12-30T17:25:57","slug":"jesaja-611-3-10f","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-611-3-10f\/","title":{"rendered":"Jesaja 61,1-3.10f"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">S\u00e4ttigung der Hungrigen ist ein Menschenrecht | Predigt zu Jes. 61,1-3.10f | 4.1.2026 | Eberhard Busch<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Der Geist des Herrn liegt auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden frohe Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verk\u00fcndigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verk\u00fcndigen ein gn\u00e4diges Jahr des Herrn und einen Tag der Rache unseres Gottes, zu tr\u00f6sten alle Traurigen, zu schaffen Trauernden zu Zion, dass ihnen Schmuck statt Asche, Freuden\u00f6l statt Trauer. Sch\u00f6ne Kleider statt eines betr\u00fcbten Geistes gegeben werde, dass sie genannt werden \u201aB\u00e4ume der Gerechtigkeit\u2018, \u201aPflanzung des Herrn\u2018, ihm zu Preise.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">H\u00f6ren wir genau hin! Der Sprecher dieser Worte legt Wert darauf, dass er sie sagt in h\u00f6chstem Auftrag. Er hat sie nicht klug ausgedacht, hat auch nicht blo\u00df seine Meinung ge\u00e4u\u00dfert. Er richtet seine Botschaft aus wie ein Brieftr\u00e4ger, der nicht selber verfasst hat, was er \u00fcberbringt. F\u00fcr den Inhalt der Sendung steht ein Anderer grade. Der legt daf\u00fcr Seine Hand ins Feuer. Das macht mich nicht \u00fcberfl\u00fcssig. Er braucht mich als seinen Meldeg\u00e4nger.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und das ist es, was es zu melden gilt: \u201eEr hat mich gesandt, den <em>Elenden<\/em> frohe Botschaft zu bringen\u201c. Die frohe Botschaft, das Evangelium zielt genau in diese Richtung: nicht nach oben, wo alle hingucken, sondern nach unten. Hin zu denen, die miserabel dran sind, im heulenden Elend. Man vergisst allzu leicht die Vergessenen! Genau dorthin weist uns die frohe Botschaft. Wer etwas von dieser seiner Spitze abbricht, hat das Evangelium nicht verstanden. Wer sich dessen sch\u00e4mt, der sch\u00e4mt sich dessen, ein Christ zu sein. Dabei geht es nicht um blo\u00dfe Worte. Es geht um Heilung von einer ansteckenden b\u00f6sen Krankheit. Und zuweilen geht uns auf, dass auch Worte, am rechten Ort gesprochen, heilsam sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Er<\/em> hat mich gesandt, den Elenden frohe Botschaft zu bringen. Er. Der H\u00f6chste! Der Bote mag denken, was er will. Aber er hat nicht zu <em>reden<\/em>, was er will. Er hat zu reden im Auftrag Gottes. Doch Vorsicht! nicht jedem, der angeblich im Namen Gottes daherkommt, d\u00fcrfen wir Geh\u00f6r schenken. H\u00f6ren wir auf den, der ein Ohr hat f\u00fcr die, deren Stimme zu leise ist, um in dem allgemeinen Get\u00f6se geh\u00f6rt zu werden! Auf diesen Gott gilt es zu h\u00f6ren. Ihm gehen sie zu Herzen. Und da bleiben sie nicht liegen. Denn so verl\u00e4uft der Weg, den Gott selber gegangen ist, den er auch heute geht, wie es in der Bibel zu lesen ist : \u201eEr sch\u00e4mte sich nicht, <em>ihr<\/em> Gott zu hei\u00dfen\u201c (Hebr.11,16), derer, denen nichts \u00fcbrig bleibt, als sich an den zu halten, der <em>sie<\/em> h\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir haben vor acht Tagen Weihnachten gefeiert. Ist uns in der heil\u2019gen Zeit einmal das begegnet, was das hei\u00dft: an den Rand der Gesellschaft geraten zu sein? Denn das konnten wir von der Geburt Jesu h\u00f6ren: F\u00fcr die war \u201e<em>kein<\/em> Raum in der Herberge\u201c. Abgewiesen! Und die in der Nacht waren, ausgesto\u00dfen ins Nirgendwo, die stets als Letzte an die Reihe kamen, die vernahmen jetzt als Erste: \u201e<em>euch<\/em> ist heute der Heiland geboren\u201c. Und Maria, unverheiratet, mit einem Kind versehen, samt ihrem Mitl\u00e4ufer Josef, sie mussten fliehen in ein fremdes Land, vor der t\u00f6dlichen Gewalt. Waren sie gar <em>illegitime<\/em> Fl\u00fcchtlinge?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer sind solche Fl\u00fcchtlinge? Der Genfer Reformator Calvin weist in einer Predigt seine H\u00f6rer zurecht: \u201eIhr kennt keine Geschwister, au\u00dfer sie seien uns blutsverwandt\u201c. Au\u00dfer sie n\u00fctzen <em>uns<\/em>. Nicht die Anderen, die ihrerseits Hilfe brauchen! Dem setzt er entgegen: doch \u201ewir k\u00f6nnen es nicht schaffen, dass alle Menschen <em>nicht<\/em> unsere N\u00e4chsten sind.\u201c Sie sind es. <em>Alle<\/em> Menschen! Gemeint sind die, die Gott uns gerade heute nahe r\u00fcckt. Sie sind unterschiedslos unsere <em>Mit<\/em>menschen. Und so f\u00e4hrt Calvin fort \u2013 und er sagt es nicht blo\u00df den Damaligen: Gott \u201elegt sie uns vor die F\u00fc\u00dfe, so dass <em>wir<\/em> nicht au\u00dferhalb ihrer Armut stehen und <em>sie<\/em> nicht getrennt sind von unserem Reichtum\u201c. Ein fester Ring ist um uns beide gelegt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wohlverstanden, Gott liegt es keineswegs daran, dass die, die am Boden liegen, dort liegen bleiben. Er will, dass sie hoch kommen, auf eigenen F\u00fc\u00dfen stehen. Und er will das nicht nur. Er geht uns mit gutem Beispiel voran: \u201eEr richtet auf, die niedergeschlagen sind.\u201c (Ps 146,8). Niedergeschlagenheit ist nicht in seinem Sinn. Aufrichten ist angesagt. Die am Rand stehen, die stellt er in die Mitte. Die drau\u00dfen stehen, die l\u00e4sst er heimisch werden. <em>Darum<\/em> geht es ihm: \u201eden Gebundenen verk\u00fcnden, dass sie frei und unbeschwert sein sollen.\u201c Und das ist nicht blo\u00df eine einmalige Aktion. \u201eDas gn\u00e4dige Jahr des Herrn\u201c, wovon weiter die Rede ist, endet nicht an Silvester. Es ist auf Dauer angelegt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jahrhunderte sp\u00e4ter greift Jesus dies w\u00f6rtlich auf in einer Predigt in Nazareth (Lk 4,18f.): Was der Prophet einst gesagt hat, das ist l\u00e4ngst nicht veraltet; das ist jetzt erst recht brandaktuell. Und Er sagt das nicht blo\u00df. Er tut, was er kann, dass es gelingt, was er sagt. Dazu ist er heruntergekommen, um den aussichtslos im K\u00e4fig des Elends Gefangenen ihre Befreiung mitzuteilen: ihre frohe Entlassung aus einem drangsaliertem Leben. Herbei mit euch an die frische Luft! \u201eMutig. mutig, Schwestern, Br\u00fcder, \/ Gebt das bange Sorgen\u00a0 auf! \/ Morgen geht die Sonne wieder \/ freundlich an dem Himmel auf.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was soll mit den aus dem Elend Entlassenen geschehen? Psalm 22, Vers 26 gibt die hilfreiche Antwort: \u201eDie\u00a0 Elenden sollen essen, dass sie satt werden.\u201c Das t\u00f6nt sch\u00f6n materialistisch. Da werden nicht W\u00fcnsche ins Himmelblau geschrieben. Da wird der Himmel auf die Erde gestellt. Und keine Vertr\u00f6stung auf ein andermal gibt es. \u201eBrich dem Hungrigen dein Brot\u201c, heute! (Jes 58,7f) Und kein \u00dcbervorteilen der Einen auf Kosten der \u00dcbrigen.\u00a0 Es geht um eine befriedigende Erf\u00fcllung\u00a0 des Gebets: \u201eGib <em>uns<\/em> <em>unser<\/em> t\u00e4gliches Brot heute\u201c. Nicht eine milde Gabe wird erbeten, sondern ein Einstehen f\u00fcr <em>Gerechtigkeit<\/em>. Die S\u00e4ttigung der Hungrigen ist ein Menschenrecht. Der franz\u00f6sische Philosoph Denis Diderot hat dazu einen beachtenswerten Hinweis gegeben: \u201eEs w\u00e4re besser, an der Verh\u00fctung des Elends zu arbeiten, als Zufluchtspl\u00e4tze f\u00fcr die Elenden zu vermehren\u201c oder zu verweigern. Denken wir dem nach!\u00a0 Da gibt es f\u00fcr uns noch einiges zu tun.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Aber was ist mit denen, die das Elend verursachen? O, die sind im Himmel schlecht angeschrieben. Denn das ist keine Lappalie. Denen geb\u00fchrt eine gro\u00dfe Abreibung, am \u201eTag der Rache unsres Gottes\u201c, mit unsrem Text zu reden: am Tag des Widerspruchs, des Widerstands gegen die, die dieses Elend billigend in Kauf nehmen. Die werden sich t\u00fcchtig sch\u00e4men m\u00fcssen. Aber sehen wir genau hin: Nicht <em>wir<\/em> haben Rache zu \u00fcben. Das ist allein <em>Gott<\/em> vorhalten. Und das f\u00fchrt er so aus, dass wir uns wundern werden. Es wird eine Ma\u00dfnahme sein im Zusammenhang seiner Unternehmung, \u201ezu tr\u00f6sten alle Traurigen\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie es am Anfang der Predigt hie\u00df: das alles macht <em>uns<\/em> nicht \u00fcberfl\u00fcssig. Wir werden gebraucht. Inmitten von viel Ungerechtigkeit traut uns Gott zu, so etwas zu sein wie \u201eB\u00e4ume der Gerechtigkeit\u201c. Vielleicht vom Schicksal gekr\u00fcmmt und doch standhaft. Vom Winde zerzaust und doch ungebeugt. Sensibel und doch mutig.\u00a0 Schwach, aber wenn\u2019s drauf ankommt, stark.\u00a0 Das biblische Wort f\u00fcr Gerechtigkeit hei\u00dft: Gemeinschaftstreue. Im Einsatz f\u00fcr Gerechtigkeit k\u00e4mpft ja keiner f\u00fcr sich und f\u00fcr sich allein. Dabei steht jedem und jeder Gott treulich zur Seite. Und dabei sind seine Engel mit euch unterwegs.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>S\u00e4ttigung der Hungrigen ist ein Menschenrecht | Predigt zu Jes. 61,1-3.10f | 4.1.2026 | Eberhard Busch Der Geist des Herrn liegt auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat. 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