{"id":25845,"date":"2026-01-04T17:56:24","date_gmt":"2026-01-04T16:56:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25845"},"modified":"2026-01-04T17:56:24","modified_gmt":"2026-01-04T16:56:24","slug":"epheser-31-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-31-7\/","title":{"rendered":"Epheser 3,1\u20137"},"content":{"rendered":"<h3>Epiphanias | 06.01.2026 | Eph 3,1<strong>\u20137<\/strong> | <strong>Nadja Papis<\/strong> |<\/h3>\n<p>Weisst du schon\u2026?<br \/>\nHast du geh\u00f6rt?<br \/>\nJa, wer eingeweiht ist, geh\u00f6rt dazu. Wer ein wenig mehr weiss, f\u00fchlt sich involviert und wichtig. Beachtet.<br \/>\nDarum werden Geheimnisse rasend schnell zu Dorfger\u00fcchten. Ich sag\u00b4s niemandem weiter \u2013 nur dir. Behalt\u00b4s f\u00fcr dich! Es wissen\u00b4s noch nicht alle, es ist vertraulich.<br \/>\nEine Kirchgemeinde ist da keine Ausnahme, im Gegenteil, mir scheint, manchmal gehen wir mit Vertraulichem allzu locker um, weil wir einander ja vertrauen. Und alle einen Sinn f\u00fcr Gemeinschaft haben. Niemand soll nichtwissend sein, denn alle geh\u00f6ren dazu.<\/p>\n<p>Oder rede ich, um mich selber wichtig zu machen? Um zu zeigen, dass ich wer bin?<br \/>\nOder um mich mit anderen zu verb\u00fcnden? F\u00fcr oder gegen etwas?<br \/>\nUm dabei zu sein?<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich finde ich Ger\u00fcchte und Getratsche nichts Schlimmes. Vieles l\u00e4sst sich so nicht nur schnell verbreiten, sondern auch schnell verarbeiten. Und der vermeintlich schlimme Sturm geht harmlos vorbei. Ich rede auch gern und tausche mich sehr gern aus, das ist f\u00fcr mich Gemeinschaftsbildend und wichtige Beziehungsarbeit.<\/p>\n<p>Als Amtsperson kenne ich mich aber mit der Notwendigkeit und dem Bed\u00fcrfnis nach Vertraulichkeit aus. Meine Arbeit untersteht dem Berufs- und Amtsgeheimnis und das ist mir nicht nur wichtig, sondern es ist auch recht so. Menschen, die sich mir in der Seelsorge anvertrauen, sind gesch\u00fctzt. Vieles kann nur deshalb \u00fcberhaupt einmal ausgesprochen werden, manchmal auch nur angedeutet, vorsichtig, immer mehr angeschaut werden. Interessanterweise f\u00e4llt mir das Amtsgeheimnis nie schwer, obwohl ich mich gerne mit anderen austausche. Ich sp\u00fcre die Grenze klar. Und ich habe mit der Supervision ein Gef\u00e4ss, um f\u00fcr mich Belastendes aussprechen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Weisst du\u00b4s schon? Hast du\u00b4s schon geh\u00f6rt?<br \/>\nIn unserem Predigttext verr\u00e4t Paulus ein Geheimnis \u2013 eines, das er durch eine Offenbarung in einer Christuserscheinung erhalten hat. Er verr\u00e4t es einfach \u2013 scheinbar allen. L\u00e4sst es in einem Brief an die Gemeinde von Ephesos aufschreiben, im Wissen, dass seine Briefe auch an andere Orte weitergegeben wurden.<br \/>\nZur Zeit des Urchristentums gab es viele Geheimkulte. Nur den Eingeweihten war bekannt, um was es ging, was Rettung und Heil verschafft. Das Aufnahmeprozedere war streng. Da geh\u00f6rte nicht einfach jeder und jede dazu.<br \/>\nMich erinnert dieser Abschnitt aus dem Epheserbrief ein wenig daran. Paulus offenbart, was ihm durch die Christuserscheinung verheissen wurde f\u00fcr alle, die zum Christentum geh\u00f6ren. Sie werden dadurch hineingenommen in eine Gemeinschaft, die mehr weiss als andere. Ihnen wurde durch den Apostel eine Offenbarung von Gott vermittelt.<\/p>\n<p>Und was ist es denn, dieses offenbarte Geheimnis? Dass alle Menschen, egal von welchem Volk sie sind, durch die Taufe Christen und Christinnen werden k\u00f6nnen.<br \/>\nNa gut, das ist f\u00fcr uns ja kein grosses Geheimnis mehr. Es ist selbstverst\u00e4ndlich, oder? Und heute leben wir in einer Zeit, wo wir in der Kirche sowieso alle nehmen, die auch nur im entferntesten Mitglieder sein wollen. Bei uns k\u00f6nnen alle mitmachen, wir sind sogar sehr froh, wenn es noch ein paar mehr h\u00e4tte, die bei der Kirche dabei sein wollen. Zu Pr\u00fcfen, ob sie glauben und was, f\u00e4llt uns dabei nicht ein. Oder von ihnen einen aktiven Beitrag zur Kirchgemeinde verlangen zu wollen. Als ich einmal jemanden Ungetauftes in die Kirche aufnehmen sollte, der keine Taufe w\u00fcnschte, meinte unser Kirchenjurist ganz trocken: Weisst du, bei uns muss jemand nur Steuern zahlen, um Mitglied zu sein. Die Taufe geh\u00f6rt nicht zu den Voraussetzungen der Mitgliedschaft. Ich habe leer geschluckt, das kann ich Ihnen sagen. Und mich dann gef\u00fcgt, wenn auch widerwillig. Es gibt heute keine Aufnahmebedingung mehr ausser dem eigenen Willen dazuzugeh\u00f6ren. Und auch bestehende Mitglieder werden kaum angesprochen, ausser sie finden von selbst den Weg an eine Veranstaltung oder in einen Gottesdienst.<\/p>\n<p>Bei uns k\u00f6nnen also alle mitmachen \u2013 solange sie zahlen. Damit w\u00e4re Paulus sicher nie einverstanden gewesen, aber er hat die T\u00fcr zu dieser Offenheit aufgestossen. So wurde im Urchristentum lange dar\u00fcber diskutiert, ob nur j\u00fcdische Menschen Christinnen werden k\u00f6nnen, ob nichtj\u00fcdische Menschen, die Christen geworden sind, die j\u00fcdischen Gesetze einhalten m\u00fcssen, oder ob die Heilsverheissung auf die sogenannten Heiden, also Andersgl\u00e4ubige ausgedehnt werden kann. Paulus hat dieser Diskussion ein Ende gemacht und sich in der urchristlichen Diskussion durchgesetzt \u2013 durch die Offenbarung, die er in seiner vision\u00e4ren Erscheinung Christi bekommen hat. Christus erschien ihm und beauftragte ihn mit der Mission der nichtj\u00fcdischen Menschen. Damals ein klares Argument, heute na ja. Wir leben in einer Zeit, die Offenbarungen und vor allem auch Erscheinungen gegen\u00fcber sehr kritisch ist. Ich pers\u00f6nlich w\u00fcsste gar nicht, wie damit umgehen. Die \u00d6ffnung jedoch f\u00fcr alle Menschen, die entspricht unserem Zeitgeist und meiner \u00dcberzeugung.<\/p>\n<p>Wer geh\u00f6rt dazu? Alle! Das scheint mir heutzutage ein wichtiges Credo, nicht nur in der Kirche. Schon bei den Kindern unternehmen wir ganz viel, um alle zu integrieren. Nur ja keine Aussenseiter und Ausgeschlossene mehr! Unsere sozialen Lernprozesse zielen auf Gleichheit und Gleichwertigkeit. Zum Gl\u00fcck! Und doch scheitern wir immer wieder daran. Gleichwertigkeit schafft noch keine Einheit, noch kein Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl. Manchmal scheint es mir sogar, dass eher die Abgrenzung gegen andere das bewerkstelligt. Eine gemeinsame Identit\u00e4t wird stark im Kampf gegen die andern. Ich habe es in Fusionsprozessen innerhalb der Kirche erlebt: Auch vorher zerstrittene und gespaltene Kirchgemeinden fanden in dem Moment zu einer enorm starken gemeinsamen Identit\u00e4t, wo eine andere Kirchgemeinde per Fusion dazukam. Das \u00abIhr und wir\u00bb, welches vorher innerhalb der Kirchgemeinde geherrscht hatte, stand nun f\u00fcr die eigene und die fremde Gemeinde. Ich habe das oft staunend beobachtet und mich gewundert. Und dann begonnen, mit all meiner Kraft am Gemeinsamen zu arbeiten, Vertrauen zu schaffen und Menschen zusammenzubringen.<\/p>\n<p>Wer geh\u00f6rt dazu? Ist keine alte Frage, sie stellt sich jedem Menschen immer wieder. Geh\u00f6re ich dazu? Will ich dazu geh\u00f6ren? Wie erreiche ich wirkliche Zugeh\u00f6rigkeit?<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Pfrn. Nadja Papis<br \/>\nLangnau am Albis\/Sihltal<br \/>\n<a href=\"mailto:nadja.papis@refsihltal.ch\">nadja.papis@refsihltal.ch<\/a><\/p>\n<p>Nadja Papis, geb. 1975, Pfarrerin in der ev.-reformierten Landeskirche des Kantons Z\u00fcrich\/Schweiz. Seit 2003 t\u00e4tig im Gemeindepfarramt der Kirchgemeinde Sihltal und seit 2010 Ausbildungspfarrerin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Epiphanias | 06.01.2026 | Eph 3,1\u20137 | Nadja Papis | Weisst du schon\u2026? Hast du geh\u00f6rt? Ja, wer eingeweiht ist, geh\u00f6rt dazu. Wer ein wenig mehr weiss, f\u00fchlt sich involviert und wichtig. Beachtet. Darum werden Geheimnisse rasend schnell zu Dorfger\u00fcchten. Ich sag\u00b4s niemandem weiter \u2013 nur dir. Behalt\u00b4s f\u00fcr dich! 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