{"id":25858,"date":"2026-01-07T08:34:41","date_gmt":"2026-01-07T07:34:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25858"},"modified":"2026-01-07T08:34:41","modified_gmt":"2026-01-07T07:34:41","slug":"offenbarung-215-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/offenbarung-215-2\/","title":{"rendered":"Offenbarung 21,5"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Die neue Sch\u00f6pfung | Jahreslosung 2026 | 11.01.2026 | Offb 21,5 | Klaus Wollenweber |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u201eGott spricht: Siehe, ich mache alles neu!\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hurra! Ein neues Jahr! Eine neue Jahreslosung! Eine neue Chance f\u00fcr Ver\u00e4nderungen und Begegnungen. Neue M\u00f6glichkeiten im gew\u00f6hnlichen, oft langweiligen, immer gleichen Alltag! Wie herrlich! Alles wird neu gemacht. Das ist doch toll! Wie sch\u00f6n das Neue, wenn es gl\u00e4nzt und blinkt und noch unber\u00fchrt erscheint! Neues macht auf jeden Fall neugierig!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich denke: Die Worte \u201eneu\u201c und \u201ealles\u201c haben eine gewisse Ambivalenz in sich. Neues ist nicht immer gut und sch\u00f6n. Der Versuch, alles neu zu machen, endet doch h\u00e4ufig mit dem Ergebnis: wieder alles wie immer! Und was ist eigentlich mit dem Alten, an dem mein Herz h\u00e4ngt, wenn alles neu wird? Also lieber: Nein!? Nicht schon wieder alles neu! Ich habe mich gerade eingew\u00f6hnt und m\u00f6chte nicht schon wieder eine Ver\u00e4nderung. \u2013 So k\u00f6nnen nicht nur Worte einer geflohenen Ukrainerin oder eines Asylanten lauten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich war z.B. im Advent als Besucher in einem Gemeindegottesdienst. Die Vikarin hatte nur neue Adventslieder ausgesucht. Neue Melodien, neue Texte, f\u00fcr uns alle unbekannt. Beim anschlie\u00dfenden Kaffeetrinken erlebte ich eine ziemlich einheitliche Stimmung: zu ihr in den Gottesdienst gehe ich nicht mehr; kein einziges bekanntes Adventslied! Schade! Alles neu, nicht gut!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeindeglieder, ich stelle mir die Frage: Wo bleibt das Altbew\u00e4hrte, die gute alte Tradition, wenn alles neu wird? K\u00f6nnen wir einfach alles wegtun, loslassen? Da gibt es z.B. die \u00dcberlegungen, dass keine Zeitung mehr auf Papier gedruckt wird. Alles neu! Nur noch digital zu lesen! Und dazu brauche ich neues Einarbeiten, neues Denken, neues Lernen und Empfinden und ebenso einen neuen Umgang mit neuen Ger\u00e4ten. Alles neu? Schrecklich! Wir lieben es doch, wenn bekannte Dinge und Ereignisse gleichbleiben. Das schafft doch auch Sicherheit und Verl\u00e4sslichkeit!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nochmal ein anderes Beispiel: Da sind Konfirmanden und junge Erwachsene von der digitalen Welt begeistert. Endlich weg mit den alten Z\u00f6pfen. Ein Neuanfang mit Gottesdiensten. Klasse: Schlagzeug statt Orgel; rockige Musik, tanzende Bewegungen in der Kirche! Events als Gottesdienste! Supercool! Au\u00dferdem brauche ich keine B\u00fccher mehr; ich habe alles im Smartphone \u2013 auch die Bibel! Alles neu? Wunderbar! Junge Leute entdecken mit der neuen Technik einen neuen Lebensabschnitt, vielleicht sogar eine neue Liebe. Man freut sich auf jeden Fall.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In diese vielf\u00e4ltigen Stimmungen unserer Zeit hinein h\u00f6ren wir die Jahreslosung: \u201e<em>Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!\u201c <\/em>Die ambivalente Haltung zum \u201eNeuen\u201c bleibt. Denn \u201eNeues\u201c ist nicht immer gut und sch\u00f6n. Und die Frage bleibt auch: was ist mit dem Alten, an dem mein Herz h\u00e4ngt? Au\u00dferdem ist mit dem Wort \u201ealles\u201c ein enormer Anspruch erhoben, der uns mit Recht skeptisch werden l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der biblische Kern der Jahreslosung ist eine Vision, die schon f\u00fcr unser Leben jetzt Auswirkung hat: Sie will Hoffnung und Trost bewirken. Denn dahinter steckt das Bild von dem Kampf zwischen Gutem und B\u00f6sem und der Orientierungslosigkeit und der Verzagtheit des Menschen, das Bild von dem alten, t\u00f6dlichen Leben in der Welt mit Kriegen, Machtk\u00e4mpfen, Ungerechtigkeiten, Klimakatastrophen, Hungersn\u00f6ten, Hass und Feindseligkeiten. Gott schafft Neues, neues Leben im Miteinander, neuen Glauben, neue Orientierung, neues Vertrauen zum N\u00e4chsten, neue Einstellung zum andersdenkenden Mitmenschen. \u2013 Doch auch dabei, wenn ich dieses h\u00f6re und lese, bin ich nicht frei von einer gewissen skeptischen Verwunderung: Muss ich alles, was ich in meinem Glaubensleben gelernt habe, loslassen? Mir sind biblische Geschichten sehr vertraut, au\u00dferdem das gemeinsame Glaubensbekenntnis und das Vaterunser. Muss wirklich alles neu gemacht werden? Oder rechne ich schon geheim mit Ausnahmen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde, wie gehe ich, wie gehen Sie mit der biblischen Jahreslosung um? Freuen Sie sich oder schrecken Sie zur\u00fcck oder beides zugleich? Nun betone ich und halte als erstes Merkmal fest, dass G o t t spricht! Also keiner von uns. Wir sind nicht die Akteure des Machens! Dieses entlastet uns zun\u00e4chst. Wir k\u00f6nnen zwar Kirchengemeinden zusammenlegen, Strukturen ver\u00e4ndern und neue Gottesdienstformen kreieren und gestalten. Dann sind wir die Macher. Aber das ist etwas grunds\u00e4tzlich anderes als das, was die Jahreslosung uns mit Gottes Wort verhei\u00dft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In der Bibel steht dieser Satz am Ende des letzten biblischen Buches, im letzten Kapitel. Das Wort Gottes wirkt wie eine summarische Aussage, eine abschlie\u00dfende Zusammenfassung von all dem, was Gottes Geschichte mit Jesus Christus und uns Menschen offenbart hat. Gottes Geschichte mit uns ist keine Geschichte des Endes, keine Schlussgeschichte, sondern immer neu eine Geschichte des Anfangs.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott hat als Sch\u00f6pfer der Welt einen Bund mit seinen Gesch\u00f6pfen geschlossen, ist schlie\u00dflich selbst als Mensch geboren und gestorben. Inhalt der christlichen Botschaft ist: Gott begegnet als Mensch dem Menschen. Und das Neue, das er gemacht hat, beginnt mit der \u00dcberwindung des Todes durch Jesus Christus. Das ist etwas grunds\u00e4tzlich Neues: Jesu Tod ist das Ende der Macht des Todes, und sein Tod will uns die Angst vor dem eigenen Tod nehmen. Wir bezeichnen das versprochene neue Leben in der N\u00e4he Gottes mit dem Ausdruck \u201eAuferstehung\u201c. Wir k\u00f6nnen dieses Neue nur umschreiben; wir haben keine rechten Worte, um dieses Neue \u201calles\u201c zu definieren. Denn das neue Leben haben wir Menschen nicht gemacht, sondern allein der Sch\u00f6pfergott in seiner Barmherzigkeit und Liebe zu uns. Gott hat noch einmal Neues geschaffen und damit alles neu gemacht. Denn er m\u00f6chte nicht, dass unser Leben im Glauben mit dem Tod endet. Er m\u00f6chte, dass wir Vertrauen und Hoffnung haben, dass wir trotz des irdischen Todes in seiner N\u00e4he bleiben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In dem Wort \u201emachen\u201c steckt eine Dynamik des Werdens und Wachsens. Wenn wir etwas machen, dann sind wir noch mittendrin; wir sind noch nicht fertig; wir probieren, entwickeln, verwerfen, ver\u00e4ndern und vieles mehr. So hat Gott auch mit dem Ende der Macht des Todes Neues in Gang gesetzt, Neues gemacht, das sich im Werden befindet und noch nicht fertig zu Ende ist. Mit der Auferstehung Jesu hat Gott Neues gemacht, das weitergeht und Auswirkung hat. Das neue Geschehen hat eine Auswirkung auf uns glaubende Menschen. Denn uns ist ebenso verhei\u00dfen, in der N\u00e4he Gottes zu bleiben. Biblisch gesprochen hei\u00dft das Neue: \u201eleben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn; deshalb \u2013 wir leben oder sterben \u2013 wir geh\u00f6ren dem Herrn.\u201c Diese verhei\u00dfene Zugeh\u00f6rigkeit zum Sch\u00f6pfergott beinhaltet das, was Gott alles neu macht. Wir geh\u00f6ren nicht der alten Macht des Todes, sondern der neuen Zusage des Lebens. Das ist das Neue, das allein Gott macht. Und wir sind die Empf\u00e4nger, die sich dar\u00fcber freuen k\u00f6nnen; sich freuen auch mit den alten Worten des Vaterunsers und des Glaubensbekenntnisses.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde, die Jahreslosung ist wie ein Anruf, wie ein Ausruf: \u201eSiehe!\u201c sagt Gott ganz pers\u00f6nlich zu Ihnen und mir und l\u00e4sst uns gemeinsam aufhorchen. Mach die Augen auf! D\u00e4mmer nicht einfach so durchs Leben! Sieh dich um! Straff den R\u00fccken! Sie und ich, wir sind aufgefordert, nicht nur das Neue, das mit Jesus angefangen hat, zu h\u00f6ren, sondern auch zu sehen. Halten wir also Tag f\u00fcr Tag die Augen offen: Wo sp\u00fcren wir echtes Leben im Miteinander, dankbares Leben, Freude, Zuversicht, Freiheit \u2013 alles trotz der anderen Realit\u00e4t in unserer Welt? Wo erleben wir, dass Verwandte, Freunde und Bekannte ohne Angst vor dem Tod den geschenkten heutigen Tag genie\u00dfen? Siehe! Keiner von uns m\u00f6chte langwierig und schmerzvoll sterben; vor dem Sterben haben wir Angst. Aber das Erleben im sehenden Glauben und Vertrauen an die \u00dcberwindung des Todes, \u2013 das ist das Neue, das will Gott ins uns bewirken. Oder sagen wir mit unserer Glaubenshoffnung offener: dieses Neue hat Gott mit Jesus Christus in uns bereits eingepflanzt, geschaffen, gemacht. Wir m\u00fcssen es sehen lernen: in der Beachtung, was in uns selbst vor sich geht, und in der Beachtung und Empathie auf unsere Begegnung und unser Leben mit anderen Menschen. Siehe! Das Neue ist schon von Gott gemacht!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Friede Gottes, welcher h\u00f6her ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liedvorschl\u00e4ge: EG Nr. 440 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 All Morgen ist ganz frisch und neu<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 EG Nr. 369\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wer nur den lieben Gott l\u00e4sst walten<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>F\u00fcrbittengebet<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott, du Sch\u00f6pfer aller Dinge, du kannst alles wenden. Du vermagst, Altes aufzubrechen und Neues zu schaffen \u2013 auch da, wo wir es nicht f\u00fcr m\u00f6glich halten. Wir sind dir dankbar und bitten f\u00fcr die, auf die niemand mehr schaut, auf die Ausgesto\u00dfenen und Entrechteten, die unter Gewalt leiden und k\u00f6rperlich und seelisch verwundet sind. Zeige du uns Wege, um diese Menschen in unsere Gemeinschaft wieder aufzunehmen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott des Lebens, wir bitten f\u00fcr die, die sich einsam und verlassen f\u00fchlen, die an einer Krankheit leiden, die ihnen den Lebensmut nimmt, und f\u00fcr die Traurigen, die f\u00fcr sich keine Zukunft mehr sehen. Zeige ihnen Wege aus ihrer Verzweiflung in eine neue Lebensm\u00f6glichkeit mit dir.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Herr, wir bitten f\u00fcr die, die immer meinen, sich \u00fcber andere heben zu m\u00fcssen, f\u00fcr die Machthaber und egozentrischen Menschen, und f\u00fcr die, die andere Menschen missachten oder sogar verachten und blo\u00dfstellen. Schenke ihnen Einsicht in das gemeinsame Leben und in die W\u00fcrde jedes einzelnen Menschen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott des Lebens, wir bitten f\u00fcr uns, die wir in diesem neuen Kalenderjahr deinen Geist und Beistand brauchen. Lass uns festhalten an dem Vertrauen, dass du mit deiner Liebe uns Menschen in der Welt verwandeln und mit deinem Geist unseren Blick erneuern kannst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In diesem Vertrauen sprechen wir gemeinsam mit den Worten, die Jesus mit seinen J\u00fcngern gebetet hat: Vater unser im Himmel, \u2026<\/p>\n<hr \/>\n<p>Klaus Wollenweber<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die neue Sch\u00f6pfung | Jahreslosung 2026 | 11.01.2026 | Offb 21,5 | Klaus Wollenweber | \u201eGott spricht: Siehe, ich mache alles neu!\u201c Liebe Gemeinde, Hurra! Ein neues Jahr! Eine neue Jahreslosung! Eine neue Chance f\u00fcr Ver\u00e4nderungen und Begegnungen. Neue M\u00f6glichkeiten im gew\u00f6hnlichen, oft langweiligen, immer gleichen Alltag! Wie herrlich! Alles wird neu gemacht. 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