{"id":25862,"date":"2026-01-07T08:38:45","date_gmt":"2026-01-07T07:38:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25862"},"modified":"2026-01-07T08:38:45","modified_gmt":"2026-01-07T07:38:45","slug":"matthaeus-313-17-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-313-17-9\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 3,13-17"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Gesandt, die Taufe einzu\u00fcben | 1. Sonntag nach Epiphanias | 11. Januar 2026 | Mt 3,13-17 | Kira Busch-Wagner |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">den Predigtabschnitt heute finden Sie am Ende des 3. Kapitels im Evangelium nach Matth\u00e4us, im Buch von der \u201eGeschichte des Messias Jesus\u201c. Was passierte bisher in diesen 3 Kapiteln? Matth\u00e4us kennt keine Krippe und keine Hirten. Aber ein Stammbaum verb\u00fcrgt uns die Verbundenheit Jesu mit seinem Volk. Josef erh\u00e4lt durch einen Engel die Kunde von der Schwangerschaft Marias. Und die Weisen, die heidnischen Sterndeuter aus dem Osten sind gekommen, dem K\u00f6nig ihre Geschenke zu bringen. Die Familie flieht nach \u00c4gypten, weil der K\u00f6nig Herodes sich auff\u00fchrt wie weiland der Pharao, und die j\u00fcdischen Kinder bedroht. Aus \u00c4gypten kehrt die Familie Jesu zur\u00fcck nach Galil\u00e4a.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Abschnitt f\u00fcr Abschnitt zeichnet Matth\u00e4us Jesus ein in die Geschichte Gottes mit seinem Volk, belegt mit biblischen Zitaten, und schreibt zugleich f\u00fcr eine Gemeinde und Gegenwart, die voller traumatisierender Gewalt und Schrecken ist. Zwar l\u00e4sst sich kein herodianischer Kindermord in Bethlehem belegen. Aber Bedrohungen gibt es genug f\u00fcr die Kinder Israel. Hinter Matth\u00e4us und seiner Gemeinde liegt der von den R\u00f6mern sogenannte J\u00fcdische Krieg, liegt die Zerst\u00f6rung des Landes, des Tempels und der ganzen Stadt Jerusalem. Was kann man den Menschen dann noch sagen, die jeglicher politischen Eigenverantwortung beraubt sind. Die nichts mehr zu gestalten haben in ihrer Umgebung? Die psychisch und physisch ums \u00dcberleben k\u00e4mpfen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da hinein l\u00e4sst Matth\u00e4us den Johannes verk\u00fcnden: \u201eDas Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Bereitet dem Herrn den Weg!\u201c Und den religi\u00f6sen Entscheidungstr\u00e4gern, egal aus welcher Richtung, bescheinigt Johannes: es gelten allein die guten Fr\u00fcchte des eigenen Handelns. Alles andere ist dem Untergang geweiht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In diese Szenerie tritt nun Jesus. Er kommt aus Galil\u00e4a an den Jordan. Er will sich von Jesus taufen zu lassen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bis dahin haben im Evangelium, wenn \u00fcberhaupt gehandelt wurde, andere ihre Entscheidungen getroffen und entsprechend gehandelt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Josef nahm Maria zu sich. Die Sterndeuter kommen nach Bethlehem. Josef nimmt seine Familie mit nach \u00c4gypten und entscheidet sich Jahre sp\u00e4ter f\u00fcr Galil\u00e4a. Johannes predigt und tauft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und nun kommt Jesus, sich taufen zu LASSEN. Den widerstrebenden Johannes best\u00e4rkt er: LASS es geschehen. Das ist Jesu erstes Wort im Evangelium. Und so WIRD Jesus getauft. Und er WIRD durch die Himmelsstimme gesandt, so wie der K\u00f6nig im Psalm in sein Amt gerufen wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">An zwei Zusammenh\u00e4nge muss ich dabei denken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zum ersten: tritt also Jesus hier schon ein in seine Passion? Tritt er also hier schon an die Seite derer, die kaum noch Wirkm\u00f6glichkeiten haben? Deren Leiden er w\u00fcrdigt und sie selbst auch zur W\u00fcrdigung aufruft: Ja, es ist schon eine eigene Entscheidung, bewusste Handeln, etwas an sich geschehen zu LASSEN!?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und dann: er reinigt nicht sich selbst, sondern l\u00e4sst sich hineinnehmen in die Menge derjenigen, die Gott den Weg bereiten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus l\u00e4sst sich hineinnehmen in die Taufe des Johannes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Johannes tauft, damit die Getauften dem kommenden Himmelreich Gottes mit ihrem Lebenswandel entsprechen. Damit sie sich und andere in ihrem Wirken einschwingen auf das Reich Gottes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als Johannes \u2013 nur ein Kapitel weiter &#8211; ermordet ist, greift Jesus dessen Rede vom nahen Himmelreich wortgleich und sofort wieder auf: Tut Bu\u00dfe, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wo der eine schweigt, ermordet, zum Schweigen gebracht wurde, macht der andere weiter. Die Ausrichtung auf Gottes Reich ist nicht unterzukriegen, wenn solche da sind wie Johannes und Jesus. Wenn es Martyrium, also Zeugnis, und Nachfolge gibt. Wenn die Ausrichtung auf Gottes Reich bleibt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zwischen dem Ruf des Johannes und dem Ruf Jesu zum Reich Gottes steht im Evangelium nicht nur die Geschichte der Taufe, sondern auch die Geschichte der Versuchung. Derselbe Geist, der \u00fcber Jesus in der Taufe kommt, ist auch der, der ihn in die W\u00fcste f\u00fchrt. Der ihn den Versuchungen, den Pr\u00fcfungen aussetzt. Doch Jesus l\u00e4sst sich weder zur wirtschaftlichen noch politischen Macht verf\u00fchren. Nicht dazu, Brot zu schaffen, nicht dazu, \u00fcber den Dingen zu schweben und auch nicht, Herrscher der Welt und ihrer Reiche zu werden. Er bleibt seiner Taufe treu. Er ist und bleibt Sohn Gottes, Kind Gottes, ausgerichtet auf Gottes Reich, nach Gottes Wohlgefallen. In der Bergpredigt wird Jesus f\u00fcr sich und andere entfalten, was dem Wort und Wohlgefallen Gottes entspricht: das Gebot Gottes zu erf\u00fcllen, Licht zu sein f\u00fcr die Welt, eine bessere Gerechtigkeit einzul\u00f6sen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Genau dazu \u2013 so baut es der Evangelist f\u00fcr seine Gemeinde auf \u2013 dazu ist Jesus berufen und gesalbt, getauft und mit Gottes Geist begabt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denen, die das Evangelium h\u00f6ren oder lesen, (vgl. Klaus Wengst, Mirjams Sohn-Gottes Gesalbter, S. 77), denen ruft Gott zu: Dies ist mein lieber Sohn. An dem habe ich Wohlgefallen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Heute lesen und h\u00f6ren <em>wir <\/em>das Evangelium, heute sind <em>wir<\/em> eingeladen, uns anzuschlie\u00dfen der Gemeinde des Matth\u00e4us, so wie sich \u2013 so hei\u00dft es ausdr\u00fccklich in der Schrift \u2013 an Israel viel fremdes Volk angeschlossen hat beim Auszug aus \u00c4gypten. Heute ruft Gott uns zu, auf den Sohn zu achten. Und darauf, an wem und an was Gott Wohlgefallen hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde, unsere Landeskirche (Baden) hat sich dazu entschieden, dort, wo sie tauft, vor allem vom Segen zu sprechen. Mit Taufe Segen Gottes zu spenden, Segen Gottes zuzusprechen. Das ist dann richtig, wenn wir beim Segen auch die Sendung mitdenken. Du bist getauft. Du bist gesegnet. So bist du gesandt, am Reich Gottes zu bauen. Licht zu sein f\u00fcr die im Dunkel. Hinzuwirken auf bessere Gerechtigkeit. Der Komparativ steht auch jenen offen, die ihrerseits fast nicht zu sagen haben, fast nichts bewirken k\u00f6nnen. Die keine Macht haben und gut nachvollziehen k\u00f6nnen, welch gro\u00dfe Versuchung drinsteckt, wenigstens einmal \u00fcber die Reiche der Welt zu verf\u00fcgen, einmal die Welt auf einen Schlag vom Hunger zu erl\u00f6sen, einmal auf Wolke 7 gehoben zu werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Evangelist gesteht solche Versuchung zu. Der Teufel darin und daran verschwindet, als Jesus dagegenh\u00e4lt: Gott ist anzuerkennen! Gott ist zu dienen! In Umkehr, in Nachfolge, in Gerechtigkeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie Weihnachten kommt auch der Sonntag mit der Taufe Jesu alle Jahre wieder. Gelegenheit, dass wir uns ein\u00fcben in unsere Taufe. Manchmal sind wir bei Taufen dabei, feiern Tauferinnerung. Katholiken betreten die Kirche, bekreuzigen sich mit dem Weihwasser. Immer wieder Gelegenheit zur Erinnerung. Gelegenheit, sich einzu\u00fcben in die Taufe. Einzuschwingen auf das nahe Himmelreich. Gott zu dienen, Jesus nachzufolgen, hinwirken auf bessere Gerechtigkeit. Immer neu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und der Friede Gottes, h\u00f6her als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liedvorschl\u00e4ge:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Halleluja nach EG 34<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">EG 450, 1-3 Morgenglanz der Ewigkeit<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">EG 442, 4+5 Gotts Wort, du bist der Morgenstern<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">EG 441, 1.4-6 Du h\u00f6chstes Licht<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">EG 262, 1.2.5.6. Sonne der Gerechtigkeit<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lasst uns den Weg der Gerechtigkeit gehn \u2026<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Epistel: (gek\u00fcrzt): R\u00f6m 12,1+2<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kira Busch-Wagner, Jg 1961, Pfarrerin in Karlsruhe, Schwerpunkte in \u00d6kumene, \u00d6ffentlichkeitsarbeit, Christlich-j\u00fcdisches Gespr\u00e4ch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gesandt, die Taufe einzu\u00fcben | 1. Sonntag nach Epiphanias | 11. Januar 2026 | Mt 3,13-17 | Kira Busch-Wagner | Liebe Gemeinde, den Predigtabschnitt heute finden Sie am Ende des 3. Kapitels im Evangelium nach Matth\u00e4us, im Buch von der \u201eGeschichte des Messias Jesus\u201c. Was passierte bisher in diesen 3 Kapiteln? 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