{"id":25874,"date":"2026-01-14T13:45:49","date_gmt":"2026-01-14T12:45:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25874"},"modified":"2026-01-14T13:45:49","modified_gmt":"2026-01-14T12:45:49","slug":"jeremia-141-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jeremia-141-10\/","title":{"rendered":"Jeremia 14,1\u201310"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Trotzdem! <\/strong> | 2. Sonntag nach Epiphanias | 18. Januar 2026 | <strong>Jer 14,1\u201310 <\/strong> | <strong>Eberhard Busch<\/strong> |<\/h3>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Das ist das Wort, das der Herr zu Jeremia sagte \u00fcber die gro\u00dfe D\u00fcrre: Juda liegt j\u00e4mmerlich da, seine St\u00e4dte sind verschmachtet. Sie sinken trauernd zu Boden und Jerusalems Wehklage steigt empor. sie sind traurig und betr\u00fcbt und verh\u00fcllen ihre H\u00e4upter Die Erde ist rissig, weil es nicht regnet auf ihr Land. \u2026 Selbst die Hirschk\u00fche, die auf dem Feld werfen, verlassen die Jungen, weil kein Gras w\u00e4chst. Die Wildesel stehen auf den kahlen H\u00f6hen und schnappen nach Luft, wie die Schakale; ihre Augen erl\u00f6schen, weil nichts Gr\u00fcnes w\u00e4chst. Ach, Herr, wenn unsere S\u00fcnden uns verklagen, so hilf doch um deines Namens willen. Denn unser Ungehorsam ist gar gro\u00df, womit wir gegen dich ges\u00fcndigt haben. \u2026 So spricht der HERR von diesem Volk: Sie laufen gern hin und her und schonen ihre F\u00fc\u00dfe nicht. Darum hat der HERR keinen Gefallen an ihnen und denkt nun an ihre Missetat und will ihre S\u00fcnde heimsuchen.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Mir steht ein altes Bild vor Augen. Es zeigt, wie Mose an einen Felsen klopft und wie dann daraus Wasser quillt. Das durstige Volk ist davor gelagert und erholt sich. Alles auf dem Hintergrund einer malerischen holl\u00e4ndischen Landschaft. So gem\u00fctlich m\u00f6chte man sich Gottes Helfen gern vorstellen. Aber das Bild erkl\u00e4rt nicht, warum der Ort Massa und Meriba genannt wird (4.Mose 20). Und da wird\u2019s nun ungem\u00fctlich. Denn diese Fremdworte bedeuten: Wir testen, ob wir uns auf Gott verlassen k\u00f6nnen? Oder sollen wir davon Abstand nehmen und suchen, ob ein anderer uns hilft? Da werden jetzt die Dinge auf den Kopf gestellt. So, dass der Mensch dar\u00fcber befindet, was Gott zu tun und zu lassen hat, statt dass er der Einladung Paul Gerhardts folgt: \u201eBefiehl du deine Wege, und was dein Herze kr\u00e4nkt, der aller treusten Pflege des, der Himmel lenkt.\u201c Eine Grundverkehrung wird sich sonst einschleichen.<\/p>\n<p>Der Prophet Jesaja redet drastisch davon, was passiert, wenn wir derart die Dinge auf den Kopf stellen. Da behandeln wir Gott so, wie ein Dompteur seinen B\u00e4r an der Nase herumf\u00fchrt. Das hat b\u00f6se Folgen. Dann f\u00e4llt alles und jedes, was wir tun, aus dem Rahmen von unsres Gottes Schaffen. Was gibt es denn abgesehen von dem, was Gott gut macht? Da herrscht ein w\u00fcstes \u201eDurcheinandertal\u201c, wie es der Dichter Friedrich D\u00fcrrenmatt ausgemalt hat. Er hat dabei wohl an den teuflischen Durcheinanderbringer gedacht. Selbst wenn wir uns damit abfinden, Gott sagt dazu rundum Nein \u2013 ein Nein, weil er zu all seinen Gesch\u00f6pfen vielmehr Ja sagt. Er begr\u00fc\u00dft alles, was lebt, mit Zartheit. Er ist kein Kaputtmacher.<\/p>\n<p>Aber beachten wir auch sein <em>Nein<\/em>! H\u00f6ren wir, was in Gottes Namen Jeremia \u2013 nicht nur in grauer Urzeit sagte, was er uns <em>heute<\/em> sagt! Denn was der Prophet einst sagte, klingt unheimlich aktuell, wie in einer Tagesschau gesprochen. Er sagt, was sich heute vor aller Augen zutr\u00e4gt. \u201eDie Erde ist rissig, weil es nicht regnet.\u201c \u201eDie Gro\u00dfen schicken ihre Diener nach Wasser, aber wenn sie zum Brunnen kommen, finden sie kein Wasser und bringen ihre Gef\u00e4\u00dfe leer zur\u00fcck.\u201c Kalahari ist die W\u00fcste im S\u00fcden Afrikas, das Wort hei\u00dft: der gro\u00dfe Durst! Doch Trockenheit ist l\u00e4ngst nicht nur ein Problem von fernen Regionen. Wasserknappheit ist eine \u201ebrutale Realit\u00e4t\u201c, in der alles und jedes zur W\u00fcste verdorrt. Die heutigen Sturzregeng\u00fcsse, die ganze Landstriche \u00fcberfluten, die steigenden Meeresfluten, die Fl\u00e4chenbr\u00e4nde sind eine Folge der Erderw\u00e4rmung. Stecken wir davor den Kopf in den Sand? Gro\u00dfe Gefahr droht. Auch f\u00fcr die Tier- und Pflanzenwelt. Wir sorgen f\u00fcr unsere Fortschritte, aber achten nicht auf die stumme Stimme vieler bedrohter Arten. Von deren Leben sind wir doch abh\u00e4ngig. Die seufzen. Die schmachten. Die Hirschk\u00fche, die Wildesel, die Schakale, \u201esie schnappen nach Luft\u201c. Sie sterben, \u201eweil nichts Gr\u00fcnes w\u00e4chst\u201c, sagt Jeremia. Ohne Wasser kein Leben. Die Erde d\u00fcrstet. Der Apostel Paulus spricht vom \u201e\u00e4ngstlichen Harren der Kreatur auf unsres Leibes Erl\u00f6sung\u201c (R\u00f6m 7.19).<\/p>\n<p>Wer ist schuld an dieser Situation? Im Jahr 1945, bald nach Ende des Krieges, in dem von <em>Deutschen<\/em> so schrecklich viele umgebracht wurden, ver\u00f6ffentlichte ein renommierter deutscher Theologe eine Schrift unter dem Titel: \u201eDie Schuld der <em>Anderen<\/em>\u201c. Ist das nicht typisch f\u00fcr die Art, in der unsereins mit der Schuld in unserem Leben umgeht? Wir schlagen lieber um uns, statt in uns zu gehen. Wir geben f\u00fcr die Frevel an Gottes guter Sch\u00f6pfung wem auch immer die Schuld, aber vers\u00e4umen es, an die eigene Brust zu schlagen. Wir benennen jede Menge schwarze Schafe und nehmen uns selber davon aus. Es ist in der Regel der oder die Andere, auf die unser anklagender Finger zeigt. So wird unsere Schuld weggewischt. Und so f\u00fchlen wir uns als gute Menschen.<\/p>\n<p>Aber achten wir jetzt darauf, dass Jeremia seine Worte richtet an Menschen in n\u00e4chster N\u00e4he, an Glieder in Gottes heiligem Volk, an Juda, an Jerusalem. Im 1. Petrusbrief (4.17) lesen wir: Gottes Gericht f\u00e4ngt im Hause Gottes an. Bei echter Bu\u00dfe blicken wir nicht aus dem Fenster. Die Maske unsrer Selbstrechtfertigung verschwindet. Da dreht sich der Finger der Anklage um 180 Grad und zeigt auf die eigene Brust. Wir hatten Zeit genug \u2013 und was sind wir alles schuldig geblieben! Wir stehen nicht <em>\u00fcber<\/em> den von uns Beklagten da drau\u00dfen, wir stehen <em>neben<\/em> ihnen. Wir k\u00f6nnen nicht von ihnen wegr\u00fccken. Wir k\u00f6nnen sie verstehen, wir sind ihnen nur zu \u00e4hnlich. Beten wir nicht: \u201eVergib <em>uns<\/em> <em>unsre<\/em> Schuld\u201c!? In der Schrift \u201eDie Schuld der Anderen\u201c will der Verfasser die Schuld auf <em>Andere<\/em> schieben. Im Unterschied dazu wird in der katholischen Messe seit alters gesprochen: \u201eIch bekenne <em>meine<\/em> Schuld, <em>meine<\/em> gro\u00dfe Schuld\u201c. Und manche zeigen dabei auf die eigene Brust. Da stellt sich die ernste Frage, die der Apostel Paulus so formuliert hat und die wir ihm nachsprechen d\u00fcrften: \u201eIch Elender \u2013 wer wird mich erl\u00f6sen?\u201c (R\u00f6m 7,24)<\/p>\n<p>Wird das etwa Gott an uns tun? Wie sollte er! Gott ist nicht bereit, gute Miene zu unserm b\u00f6sen Spiel zu machen. Gott l\u00e4sst uns das Verkehrte nicht durchgehen. Er widersteht dem. Er lehnt das strikt ab. Kein Wischiwaschi! Aber ist er denn nicht der liebe Gott? Er ist es. Aber es ist es anders, als man sich das vorstellt. Er setzt alles daran, dass die Dinge vom Kopf auf die F\u00fc\u00dfe gestellt werden.<\/p>\n<p>Er tut es so, dass er unsrer Verkehrtheit <em>trotzt<\/em>. Er liebt uns trotzig. Trotz dem, dass wir Menschen uns so daneben benehmen, trotz dem, dass Gott zu unsrem wirren Durcheinander Nein sagen muss, trotz dem stillt er uns Elenden den Durst, so wie es auf jenem alten Bild zu sehen ist. Trotz dem gilt es f\u00fcr uns, f\u00fcr unsere Nachbarn und f\u00fcr unsere Fremden, f\u00fcr die Klugen und die Toren, f\u00fcr unsere Kirchen und Parlamente, wie es Paul Gerhardt besungen hat: \u201eDer aber, der uns ewig liebt, macht gut, was wir verwirren, erfreut, wo wir uns selbst betr\u00fcbt, und f\u00fchrt uns, wo wir irren. Und dazu treibt ihn sein Gem\u00fct und die so reine Vaterg\u00fct, in der uns arme S\u00fcnder er tr\u00e4gt als seine Kinder.\u201c So h\u00e4lt er uns am Leben. Gott sei Dank.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p>verfasst von:<br \/>\nEberhard Busch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trotzdem! | 2. Sonntag nach Epiphanias | 18. Januar 2026 | Jer 14,1\u201310 | Eberhard Busch | Das ist das Wort, das der Herr zu Jeremia sagte \u00fcber die gro\u00dfe D\u00fcrre: Juda liegt j\u00e4mmerlich da, seine St\u00e4dte sind verschmachtet. 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