{"id":25888,"date":"2026-01-21T10:25:41","date_gmt":"2026-01-21T09:25:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25888"},"modified":"2026-01-21T08:44:06","modified_gmt":"2026-01-21T07:44:06","slug":"apostelgeschichte-101-35","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/apostelgeschichte-101-35\/","title":{"rendered":"Apostelgeschichte 10,1\u201335"},"content":{"rendered":"<h3>3. Sonntag nach Epiphanias | 25.01.2026 | Apg 10,1\u201335* | Hansj\u00f6rg Biener |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Interkulturelle Begegnungen sind nicht so einfach, wie es Multikulti-Feste und -Umz\u00fcge verhei\u00dfen. Aber: Der Gemeinde Jesu sind sie von Anfang an aufgetragen. So jedenfalls die Bibel in unserem heutigen Predigttext. Er erz\u00e4hlt von der Begegnung zweier Menschen und Kulturen unter dem einen Gott. Dabei sto\u00dfen jahrhundertealte Gewohnheiten aufeinander: Auf der einen Seite Kornelius, r\u00f6mischer Hauptmann und \u201eGottesf\u00fcrchtiger\u201c [Anf\u00fchrungsstriche mitsprechen], auf der anderen Seite Petrus, geborener Jude und gewordener Christ. Der Jude und der R\u00f6mer h\u00e4tten weiter aneinander vorbeigelebt, h\u00e4tte Gott nicht das Wunder getan, dass sie als Christen zusammenfanden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lukas erz\u00e4hlt die Geschichte so ausf\u00fchrlich, dass ich aus Apostelgeschichte 10 nur einige Verse nehmen kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u00a0<\/strong><strong>Kornelius \u2013 r\u00f6mischer Hauptmann und Gottesf\u00fcrchtiger<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lernen wir zun\u00e4chst den R\u00f6mer kennen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eEs war ein Mann in C\u00e4sarea mit Namen Kornelius, ein Hauptmann der Abteilung, die die Italische genannt wurde. Der war fromm und gottesf\u00fcrchtig mit seinem ganzen Haus und gab dem Volk viele Almosen und betete immer zu Gott.\u201c (Apg. 10,1-2)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kornelius ist ein r\u00f6mischer Soldat. Aber er ist anders, als man Soldaten einer Besatzungsmacht \u00fcblicherweise erlebt: Er ist \u201efromm und gottesf\u00fcrchtig und freigiebig\u201c, so sehr, dass er den Respekt der Bev\u00f6lkerung gewinnt. [Mir fallen die US-amerikanischen Soldaten ein, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg hungernder Kinder erbarmten. Meine Mutter und mein Schwiegervater hatten aus der Besatzungszeit auch anderes zu erz\u00e4hlen, aber eben auch dieses.]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als \u201efromm und gottesf\u00fcrchtig\u201c wird Kornelius beschrieben. \u201eGottesf\u00fcrchtig\u201c ist ein Fachbegriff. Er bezeichnete Menschen, die dem Judentum nahestanden. Sie hatten gesehen, dass der unsichtbare Gott des Bilderverbots den G\u00f6ttern der Statuen und Haine \u00fcberlegen war. Sie hatten erkannt. dass seine \u201eEinweisung ins Leben\u201c eine bessere Lebensgrundlage war als die griechisch-r\u00f6mischen G\u00f6ttermythen, Opferrituale und Zukunftsorakel. Doch Gottesf\u00fcrchtige hatten den letzten Schritt nicht getan. Sie waren nicht offiziell zum Judentum \u00fcbergetreten. Der r\u00f6mische Centurio Kornelius ist einer von ihnen. Roms Soldaten kamen im Lauf ihres Lebens weit herum. Da wird Kornelius viele Kulte kennengelernt haben. Der Gott der Juden hat ihn festgehalten. Das war die erste Lektion, die Kornelius auf das Kommende vorbereitete. Lukas w\u00fcrde sagen, auf das vorbereitete, was Gott f\u00fcr ihn vorhatte. In einer Vision bekommt er den Hinweis auf den Apostel Petrus. Den soll er holen lassen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Petrus \u2013 Jude und Christ<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und damit sind wir bei der zweiten Hauptperson der Begebenheit, die uns lehrt, wie das Christentum kulturelle Grenzen \u00fcberschreitet, weil sein Gott das will. Petrus geh\u00f6rt zu den S\u00e4ulen der Urgemeinde von Jerusalem. Neben Paulus ist Petrus im Neuen Testament ein f\u00fchrender Mann in der fr\u00fchen Christengemeinde. Es gibt aber wichtige Unterschiede zwischen Petrus und Paulus. Anders als Paulus f\u00fchlt sich Petrus auch als Christ streng seiner j\u00fcdischen Herkunft verpflichtet. F\u00fcr Paulus sind z. B. die alttestamentlichen Speisegebote zweitrangig geworden. Petrus dagegen h\u00e4lt sich weiter an die Speise- und Reinheitsgebote, aber daran lernt Petrus seine erste Lektion.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bei den Vorbereitungen f\u00fcr eine Mahlzeit hat Petrus eine Vision: Er<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201esah den Himmel aufgetan und etwas wie ein gro\u00dfes leinenes Tuch herabkommen, an vier Zipfeln niedergelassen auf die Erde. Darin waren allerlei vierf\u00fc\u00dfige und kriechende Tiere der Erde und V\u00f6gel des Himmels. Und es geschah eine Stimme zu ihm: Steh auf Petrus, schlachte und i\u00df.\u201c (Apg. 10,11-13)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Offenbar sind da auch Tiere dabei, die Petrus sonst nicht isst. Ich kann mir sein Entsetzen vorstellen, wenn ich vergleiche, ich m\u00fcsste Insekten essen. In vielen L\u00e4ndern der Welt geh\u00f6ren Insekten selbstverst\u00e4ndlich zum Speiseplan. In Europa ist das anders. In der EU ist der Verkauf von Insekten als Lebensmittel erst seit 2021 zugelassen. Bei Petrus geht es nicht nur um eine eklige Vorstellung, sondern sogar um den Bruch religi\u00f6ser Gebote:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201ePetrus aber sprach: o nein, Herr; denn ich habe noch nie etwas Verbotenes und Unreines gegessen. Und die Stimme sprach zum zweiten Mal zu ihm: Was Gott rein gemacht hat, das nenne du nicht verboten. Und das geschah dreimal; und alsbald wurde das Tuch wieder hinaufgenommen gen Himmel.\u201c (Apg. 10,14-16)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Verst\u00e4ndlicherweise ist Petrus \u201eirritiert\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Eine unerwartete Reise<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Noch w\u00e4hrend Petrus nachsinnt, beginnt die Aufl\u00f6sung des R\u00e4tsels. Die Boten des Kornelius sind da. Sie loben Kornelius in den h\u00f6chsten T\u00f6nen und bitten Petrus zu kommen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDer Hauptmann Kornelius, ein gerechter und gottesf\u00fcrchtiger Mann mit gutem Ruf bei dem ganzen Volk der Juden, hat einen Befehl empfangen von einem heiligen Engel, dass er dich sollte holen lassen in sein Haus und h\u00f6ren, was du zu sagen hast.\u201c (Apg. 10,22-23)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Petrus folgt der Einladung des r\u00f6mischen Hauptmanns. So k\u00f6nnen das Lernen im Kopf und das Lernen in der Tat zusammenkommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zwischen Joppe und Caesarea sind es 50 km. Ein langer Weg, viel Zeit zum Nachdenken. Z. B. \u00fcber Folgendes: Kornelius ist R\u00f6mer und Soldat. So fromm er auch sein mag, \u2013 er ist trotzdem Teil der Besatzungsmacht. Ein Teil der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung leistete passiven Widerstand. Man mied die R\u00f6mer, so gut es ging. Ein anderer, kleinerer Teil der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung war im milit\u00e4rischen Untergrund. Aber noch mehr. Nicht nur die Politik steht zwischen Petrus und Kornelius. Auch die Religion, die Juden den Umgang mit anderen als ihresgleichen unm\u00f6glich machte. Die Fremden waren unrein, unheilig, weil nicht zum Gott Israels geh\u00f6rend. Darum war jeder Jude, der mit R\u00f6mern Umgang hatte, eine Zeitlang unrein. Petrus, eben noch derselben Meinung, erwandert sich das, was er in der Vision im Bewusstsein erlernt hat. Petrus \u201ewei\u00df\u201c, dass Kornelius im j\u00fcdischen Sinn fromm ist. Gott hat Kornelius vorbereitet \u2013 rein gemacht bzw. f\u00fcr rein erkl\u00e4rt. Nun muss das \u201eWissen\u201c aus dem Kopf auch zur Anwendung kommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Menschliche und g\u00f6ttliche Erwartungen <\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eKornelius aber wartete auf sie und hatte seine Verwandten und n\u00e4chsten Freunde zusammengerufen. Und als Petrus hereinkam, ging ihm Kornelius entgegen und fiel ihm zu F\u00fc\u00dfen und betete ihn an.\u201c (Apg. 10,24b-25)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Welch verkehrte Welt. Nicht der unterworfene Jude unterwirft sich, sondern der Hauptmann der r\u00f6mischen Besatzungsmacht. Kornelius richtet gro\u00dfe Erwartungen auf den Apostel, die Petrus offenbar als \u00fcbermenschlich empfindet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201ePetrus aber richtete ihn auf und sprach: Steh auf, ich bin auch nur ein Mensch.\u201c (Apg. 10,26)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dabei ist Petrus selber noch am Lernen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eUnd er sprach zu ihnen: Ihr wi\u00dft, da\u00df es einem j\u00fcdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden umzugehen oder zu ihm zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt, da\u00df ich keinen Menschen meiden oder unrein nennen soll. Darum habe ich mich nicht geweigert zu kommen, als ich geholt wurde.\u201c (Apg. 10,28)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Keinen Menschen unrein nennen \u2013 das ist vielleicht ein bisschen mehr gesagt, als die Vision hergibt. Da ging es ja nicht um den N\u00e4hrwert von Tieren, die man bisher nicht essen durfte. Was Petrus aber gelernt hat: In besonderen Situationen kann es auch besondere Auftr\u00e4ge von Gott geben. Aus dem \u201eWas Gott rein gemacht\u201c der Vision ist jetzt \u201eWen Gott rein gemacht hat, den meide nicht.\u201c geworden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eNun erfahre ich in Wahrheit, da\u00df Gott die Person nicht ansieht; sondern in jedem Volk, wer ihn f\u00fcrchtet und recht tut, der ist ihm angenehm.\u201c (Apg. 10,34)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist eine bemerkenswerte Aussage, denn Kornelius ist weder richtiger Jude noch schon Christ. Er ist bisher \u201enur\u201c ein Gottesf\u00fcrchtiger. Das Minimum der g\u00f6ttlichen Forderung sind nach diesem Bibelvers also (1) der Glaube an den einen Gott und (2) eine fromme Lebensf\u00fchrung. Wir werden dem noch nachzudenken haben. Bleiben wir aber zun\u00e4chst bei der Apostelgeschichte, wo Gott Petrus und Kornelius zusammengef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Interkultureller Austausch unter dem Vorzeichen Gottes<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und so tauschen die beiden aus, was sie haben: Kornelius berichtet von der religi\u00f6sen Suche und der Vision, die er gehabt hat. Petrus erz\u00e4hlt von seiner Vision und seinem Glauben. Er erinnert an das Leben und Sterben Jesu:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eIhr wi\u00dft, was in ganz Jud\u00e4a geschehen ist, angefangen von Galil\u00e4a nach der Taufe, die Johannes predigte, wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit heiligem Geist und Kraft; der ist umhergezogen und hat Gutes getan und alle gesund gemacht. (&#8230;) Den haben sie an das Holz geh\u00e4ngt und get\u00f6tet. Den hat Gott auferweckt am dritten Tag und hat ihn erscheinen lassen. (&#8230;) Und er hat uns geboten, dem Volk zu predigen und zu bezeigen, da\u00df er von Gott bestimmt ist zum Richter der Lebenden und der Toten. Von diesem bezeugen alle Propheten, da\u00df durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der S\u00fcnden empfangen.\u201c (Apg. 10,37-43 in Auswahl)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist sicher nicht alles, was Petrus zu sagen hatte. Man darf davon ausgehen, dass in dieser Situation nicht nur gepredigt wird. Es wird sicher auch erkl\u00e4rt und nachgefragt, nachgefragt und erkl\u00e4rt. An einer Stelle muss es nach meinem Gef\u00fchl Kornelius ins Herz gestochen haben: \u201eDen haben sie get\u00f6tet.\u201c Das \u201esie\u201c waren r\u00f6mische Soldaten, und Kornelius ist r\u00f6mischer Soldat. Das \u201esie\u201c ist f\u00fcr Kornelius auch ein \u201ewir\u201c, selbst wenn er nicht dabei war. Und Kornelius wusste, welch grausame Strafe die Kreuzigung war. Ihr einziger Sinn bestand darin, einen Menschen grausam zu Tode zu bringen und alle, die das sahen, einzusch\u00fcchtern. Die Christen haben dem Kreuzestod Jesu eine andere Bedeutung abgerungen. Nicht einfach so, sondern bewegt durch die Botschaft der Auferstehung. Die Idee des Opfers war damals allgemein verst\u00e4ndlich. Weder Juden noch Heiden n\u00e4herten sich ihrem Gott ohne S\u00fcndenbewusstsein und ohne ein Opfer zur Bes\u00e4nftigung. In diesem Sinn verstanden die Christen Jesu Tod als das letzte Opfer, \u201eda\u00df alle, die daran glauben, Vergebung der S\u00fcnden empfangen\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Am Ende lassen sich Kornelius und sein ganzes Haus taufen. Sie waren \u201eGottesf\u00fcrchtige\u201c, doch den letzten Schritt zum Judentum konnten sie nicht tun. Durch die Taufe werden sie nun in ein erweitertes Gottesvolk eingegliedert. Es nahm seinen Anfang beim Judentum und den Judenchristen und hat sein Ende auch bei uns, den Heidenchristen. Die Wege des Kornelius und des Petrus haben sich damals wieder getrennt. Jeder musste sein Christentum an je seinem eigenen Ort bew\u00e4hren. Sie waren nicht gleichf\u00f6rmig geworden, wohl aber hatten sie gelernt, dass sie trotz verschiedener religi\u00f6ser und kultureller Herkunft unter einem Gott zusammengeh\u00f6rten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Lernherausforderungen f\u00fcr heute<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Christen, die uns diese Geschichte aus der fr\u00fchchristlichen Gemeinde \u00fcberliefert haben, muten uns dieselbe Lernaufgabe zu, wie sie Petrus erlebt hat. Lukas erinnert uns an etwas, was man in den K\u00f6pfen vielleicht schon begriffen hat:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eda\u00df Gott die Person nicht ansieht; sondern in jedem Volk, wer ihn f\u00fcrchtet und recht tut, der ist ihm angenehm.\u201c (Apg. 10,34)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und doch gibt es in unseren K\u00f6pfen und unserem Handeln manche Schranken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da Petrus seine Lektion zuerst an den Speisen lernte, will ich zuerst daran erinnern, dass unterschiedliche Essgewohnheiten trennen konnten und heute nicht mehr trennen. Denken wir zun\u00e4chst an Schimpfworte wie \u201eKrauts\u201c f\u00fcr die Deutschen und \u201eFroschfresser\u201c f\u00fcr Franzosen, den \u201eK\u00fcmmelt\u00fcrken\u201c oder \u201eSpaghettifresser\u201c. Heutzutage geh\u00f6ren Pizza und Spaghetti aglio olio, Gyros und D\u00f6ner zum Alltag. Und man geht zum Chinesen oder Thail\u00e4nder und wird auch noch die syrische und afghanische K\u00fcche kosten. So erfahren wir schon im Alltag, wie es nicht mehr darum geht, was jemand isst. Der n\u00e4chste Schritt: \u201eIn jedem Volk: wer Gott f\u00fcrchtet und recht tut, der ist ihm angenehm\u201c (Apg. 10,34) und sollte es auch uns sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Schranke der Verschiedenheit von Kulturen und Gewohnheiten ist am sichtbarsten bei der Begegnung unter V\u00f6lkern, aber auch sp\u00fcrbar, wenn man als \u201ePreu\u00dfe\u201c nach Bayern kommt, als \u201eOssi\u201c in den Westen oder umgekehrt, wenn man in Russland Deutscher war und nun in Deutschland \u201eRusse\u201c ist. Trotzdem ist es f\u00fcr eine Hochzeit heute nicht mehr so wichtig, ob jemand in Kiel oder M\u00fcnchen, Aachen oder Frankfurt (Oder) geboren ist und haben sich in Deutschland l\u00e4ngst internationale Familien gebildet. So erfahren wir schon im Alltag, wie es nicht mehr darum geht, wo jemand herkommt. Der n\u00e4chste Schritt: \u201eIn jedem Volk: wer Gott f\u00fcrchtet und recht tut, der ist ihm angenehm\u201c (Apg. 10,34) und sollte es auch uns sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Beispiele f\u00fcr heute nicht mehr so verst\u00e4ndliche Grenzziehungen finden wir auch im eigenen christlichen Haus. Fr\u00fcher wurde der Unterschied zwischen Katholisch und Evangelisch hoch geh\u00e4ngt, und manches kann man auch begr\u00fcnden. Aber: So wie sich Essgewohnheiten angen\u00e4hert haben und Nordlichter und S\u00fcddeutsche, ist es auch mit den konfessionellen Unterschieden geworden. Sie sind manchmal sp\u00fcrbar, aber nicht mehr ganz so Menschen-trennend, wie noch zum Beispiel in der Nachkriegszeit. So haben wir auch kirchlich gelernt, dass es nicht darum geht, wie jemand die H\u00e4nde faltet, \u201esondern in jedem Volk: wer Gott f\u00fcrchtet und recht tut, der ist ihm angenehm\u201c (Apg. 10,34) und sollte es auch uns sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">[Ob man in dieser Logik auch eine interreligi\u00f6se \u00d6kumene von Christentum, Judentum und Islam denken soll, ist in den Kirchen umstritten. Man kann den zuletzt zitierten Bibelvers in diese Richtung auslegen. Andererseits l\u00e4uft die interreligi\u00f6se Begegnung im Predigttext auf die Taufe hinaus. Ich werde also nur Folgendes sagen: Ob Jude, Christ, Muslim oder Christ, Menschen, denen es wirklich um ein religi\u00f6ses Leben geht, werden stets um ihre Grenzen wissen und darin Bescheidenheit f\u00fcr den Umgang mit anderen Gl\u00e4ubigen lernen. \u201eFundamentalismus\u201c, der es immer noch besser wei\u00df, gedeiht nur bei Menschen, die sich an ihrer eigenen Fr\u00f6mmigkeit noch zu wenig abgearbeitet haben. Wer andere mit seinem Glauben das F\u00fcrchten lehrt, ist nicht nur bei Menschen unangenehm, sondern bei Gott auch. Unser Predigttext l\u00e4sst uns in andere Richtungen denken: \u201eIn jedem Volk: wer Gott f\u00fcrchtet und recht tut, der ist ihm angenehm\u201c (Apg. 10,34).]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Judenchrist Petrus \u00fcberschritt seine Grenzen und teilte von seinem Glauben; der Mann aus dem r\u00f6mischen Heidentum fand das Ziel seiner religi\u00f6sen Suche und trat \u00fcber zum Christentum. Viele Schranken, die Menschen trennen, sind weithin \u00e4hnlich wie in jener Geschichte; der Gott, der uns an die Hand nimmt und unsere pers\u00f6nlichen Schranken durchbricht, der ist freilich auch derselbe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dr. Hansj\u00f6rg Biener (*1961) ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und als Religionslehrer an der Wilhelm-L\u00f6he-Schule in N\u00fcrnberg t\u00e4tig. Au\u00dferdem ist er au\u00dferplanm\u00e4\u00dfiger Professor f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik und Didaktik des evangelischen Religionsunterrichts an der Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg. (Hansjoerg.Biener (at) fau.de)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Literaturschau<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Exegeten sind sich einig, dass das Kapitel wesentlich von Lukas gestaltet worden ist. Wie viel historische Erinnerung bzw. wie viel vorgegebenes Gut ist, ist dagegen umstritten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So konstatiert Weiser, Alfons: Die Apostelgeschichte. Kapitel 1-12, G\u00fctersloh: G\u00fctersloher Verlagshaus \/ W\u00fcrzburg: Echter, 1981 (\u00d6kumenischer Taschenbuch-Kommentar zum Neuen Testament, Band 5\/1), S. 253: \u201eEs gilt in der Forschung als allgemein anerkannt, da\u00df Lukas eine \u00e4ltere \u00dcberlieferung aufgenommen und bearbeitet hat. Umstritten sind indes der Umfang und die inhaltliche Akzentuierung der luk Bearbeitung.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kurz nur Mussner, Franz: Apostelgeschichte, W\u00fcrzburg: Echter, 1984 (Die neue Echter Bibel: Kommentar zum Neuen Testament, Band 5), S. 62: \u201eLk fand wohl zudem in seinem Traditionsmaterial auch eine Erz\u00e4hlung \u00fcber die Bekehrung eines heidnischen Hauptmanns Kornelius in C\u00e4sarea durch Petrus auf g\u00f6ttlichen Antrieb hin.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eOptimistischer\u201c im Urteil Roloff, J\u00fcrgen: Die Apostelgeschichte, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2. Auflage 1988 (Das Neue Testament Deutsch, Band 5), S. 165-166: \u201eDie Erz\u00e4hlung war urspr\u00fcnglich eine judenchristliche Missionslegende, die anhand einer fundamentalen Erfahrung des Petrus f\u00fcr eine Mission an den \u201aGottesf\u00fcrchtigen\u2018 und ihre volle Integration in die Gemeinde ohne Beschneidung eintrat. Anscheinend war beides im Entstehungsmilieu der Erz\u00e4hlung noch kontrovers. Ein streng nomistisch-judenchristlicher Standpunkt soll hier unter Verweis auf Petrus und die ihm von Gott aufgen\u00f6tigte Einsicht aufgebrochen werden zugunsten eines Kirchenverst\u00e4ndnisses, das die Grenze des Heils nicht mit der Grenze des beschnittenen, gesetzestreuen Israel in eins setzt. Wenn so die Autorit\u00e4t des Petrus zur Legitimation dieses innerhalb des pal\u00e4stinischen Judenchristentums umstrittenen Standpunkts herangezogen wurde, mu\u00df dies aber einen konkreten geschichtlichen Hintergrund gehabt haben. So d\u00fcrften zumindest die Grundz\u00fcge der Erz\u00e4hlung historisch sein: Petrus wird auf einer seiner Reisen, die der Mission unter Israel dienten, tats\u00e4chlich eine Begegnung mit einem Gottesf\u00fcrchtigen gehabt haben, die zu dessen Taufe f\u00fchrte, und er wird sich zur Rechtfertigung dieses Schrittes tats\u00e4chlich auf die Vision V. 9-16 berufen haben. Gerade sie d\u00fcrfte zum festen Grundbestand der Erz\u00e4hlung geh\u00f6ren; alle Versuche, sie als urspr\u00fcnglich eigenst\u00e4ndiges Traditionsst\u00fcck zu erkl\u00e4ren, blieben letztlich ohne \u00dcberzeugungskraft. Auch die Lokalisierung des Vorgangs in C\u00e4sarea d\u00fcrfte historisch zuverl\u00e4ssig sein.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aus Haacker, Klaus: Die Apostelgeschichte (Theologischer Kommentar zum Neuen Testament, Band 5), Stuttgart: Kohlhammer, 2019, noch zwei Erl\u00e4uterungen:<\/p>\n<ol>\n<li style=\"font-weight: 400;\">185-186: \u201eDer Rang eines Centurio war der h\u00f6chste, den man als blo\u00dfer Berufssoldat erreichen konnte; denn der n\u00e4chsth\u00f6here Rang des Milit\u00e4rtribuns war schon eine Stufe in einer politischen Laufbahn. Es gab zwei \u201aitalische\u2018 Kohorten, deren Mitglieder aus Freigelassenen rekrutiert waren. In Kommentaren wird oft darauf hingewiesen, dass die Anwesenheit einer dieser beiden Kohorten in Jud\u00e4a f\u00fcr die hier in Frage kommende Zeit weder literarisch noch durch Inschriften best\u00e4tigt wird. Angesichts der geringen Anzahl \u00fcberhaupt erhaltener Erw\u00e4hnungen dieser beiden Kohorten ist das jedoch kein Argument gegen die Zuverl\u00e4ssigkeit der vorliegenden Angabe.\u201c<\/li>\n<li style=\"font-weight: 400;\">187: \u201eKornelius hat sich also Merkmale j\u00fcdischer Fr\u00f6mmigkeit zu eigen gemacht, ohne zum Judentum \u00fcberzutreten. Letzteres h\u00e4tte seine Entlassung zur Folge gehabt, weil Juden mit R\u00fccksicht auf ihre Religion (Sabbatheiligung, Speisegebote usw.) f\u00fcr den r\u00f6mischen Milit\u00e4rdienst ungeeignet waren.\u201c<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Sonntag nach Epiphanias | 25.01.2026 | Apg 10,1\u201335* | Hansj\u00f6rg Biener | Interkulturelle Begegnungen sind nicht so einfach, wie es Multikulti-Feste und -Umz\u00fcge verhei\u00dfen. Aber: Der Gemeinde Jesu sind sie von Anfang an aufgetragen. So jedenfalls die Bibel in unserem heutigen Predigttext. 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