{"id":25892,"date":"2026-01-21T10:27:22","date_gmt":"2026-01-21T09:27:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25892"},"modified":"2026-01-21T08:51:08","modified_gmt":"2026-01-21T07:51:08","slug":"apostelgeschichte-1021-35-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/apostelgeschichte-1021-35-3\/","title":{"rendered":"Apostelgeschichte 10,21-35"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Mit Gott Grenzen \u00fcberwinden | 3. Sonntag nach Epiphanias | 25. Januar 2026 | Apg 10,21-35 | Paul Wellauer |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>| Psalmgebet im Wechsel | <\/strong><strong>Psalm 41 I Gebet in Krankheit | Lutherbibel 2017<\/strong><strong>* <\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">1 Ein Psalm Davids, vorzusingen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">I\u00a0 2 Wohl dem, der sich des Schwachen annimmt! Den wird der HERR erretten zur b\u00f6sen Zeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">II 3 Der HERR wird ihn bewahren und beim Leben erhalten<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">und es ihm lassen wohlgehen auf Erden und ihn nicht preisgeben dem Willen seiner Feinde.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">I\u00a0 4 Der HERR wird ihn erquicken auf seinem Lager; du hilfst ihm auf von aller seiner Krankheit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">II 5 Ich sprach: HERR, sei mir gn\u00e4dig! Heile mich; denn ich habe an dir ges\u00fcndigt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">I\u00a0 6 Meine Feinde reden Arges wider mich: \u00bbWann wird er sterben und sein Name vergehen?\u00ab<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">II 7 Kommt einer, nach mir zu sehen, meint er\u2019s doch nicht von Herzen;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">er sammelt Bosheit, geht hinaus und tr\u00e4gt\u2019s weiter.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">I\u00a0 8 Alle, die mich hassen, fl\u00fcstern miteinander \u00fcber mich und denken sich B\u00f6ses gegen mich aus:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">II 9 \u00abUnheil ist \u00fcber ihn ausgegossen; wer so daliegt, steht nicht wieder auf.\u00bb<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">I\u00a0 10 Auch mein Freund, dem ich vertraute, der mein Brot ass, tritt mich mit F\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">II 11 Du aber, HERR, sei mir gn\u00e4dig und hilf mir auf, so will ich ihnen vergelten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">I\u00a0 12 Daran merke ich, dass du Gefallen an mir hast, dass mein Feind \u00fcber mich nicht frohlocken wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">II 13 Mich aber h\u00e4ltst du um meiner Fr\u00f6mmigkeit willen und stellst mich vor dein Angesicht ewiglich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">I 14 Gelobt sei der HERR, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">I+II Amen! Amen!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>| <\/strong><strong>Lesung <\/strong><strong>Predigttext | Apostelgeschichte 10,21-35 <\/strong><strong>| <\/strong><strong>Petrus und Kornelius<\/strong><strong>| \u00a9 Die <\/strong><strong>Z\u00fcrcher Bibel, 2007** <\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">21 Petrus ging hinunter und sagte zu ihnen: Seht, ich bin der, den ihr sucht. Aus welchem Grund seid ihr da? 22 Sie sagten zu ihm: Der Hauptmann Kornelius, ein gerechter und gottesf\u00fcrchtiger Mann, angesehen beim ganzen j\u00fcdischen Volk, hat von einem heiligen Engel die Weisung erhalten, dich in sein Haus kommen zu lassen und zu h\u00f6ren, was du zu sagen hast. 23 Er bat sie herein und nahm sie als G\u00e4ste auf. Am folgenden Tag brach er auf und zog mit ihnen; und einige von den Br\u00fcdern aus Joppe begleiteten ihn. 24 Am Tag darauf kam er nach C\u00e4sarea. Kornelius, der seine Verwandten und seine engsten Freunde zusammengerufen hatte, erwartete sie schon. 25 Als Petrus unter der T\u00fcr stand, ging ihm Kornelius entgegen und warf sich voller Ehrfurcht ihm zu F\u00fcssen. 26 Petrus aber richtete ihn auf und sagte: Steh auf! Auch ich bin ein Mensch. 27 Und im Gespr\u00e4ch mit ihm trat er ein und fand viele Leute versammelt. 28 Und er sagte zu ihnen: Ihr wisst, wie unstatthaft es f\u00fcr einen Juden ist, mit einem Fremden aus einem anderen Volk zu verkehren oder gar in sein Haus zu gehen. <strong>Mir aber hat Gott gezeigt, dass ich keinen Menschen gew\u00f6hnlich oder unrein nennen soll. <\/strong>29 Darum bin ich, ohne zu widersprechen, gekommen, als du nach mir schicktest. Ich w\u00fcrde nun gerne erfahren, aus welchem Grund ihr mich habt kommen lassen. 30 Da sprach Kornelius: Vor vier Tagen um die gleiche Zeit, zur neunten Stunde, war ich beim Gebet in meinem Haus; da stand auf einmal ein Mann vor mir in einem leuchtenden Gewand, 31 und er sprach: Kornelius, dein Gebet ist erh\u00f6rt und deiner Almosen ist gedacht worden vor Gott. 32 Schicke nun nach Joppe und lass den Simon rufen, der den Beinamen Petrus tr\u00e4gt; er ist zu Gast im Haus des Gerbers Simon am Meer. 33 Da habe ich unverz\u00fcglich nach dir gesandt, und es ist gut, dass du gekommen bist. Wir sind jetzt alle hier vor Gott versammelt, um all das zu h\u00f6ren, was dir vom Herrn aufgetragen ist. 34 Petrus tat seinen Mund auf und sprach: <strong>Jetzt erkenne ich wirklich, dass bei Gott kein Ansehen der Person ist, 35 sondern dass ihm aus jedem Volk willkommen ist, wer ihn f\u00fcrchtet und Gerechtigkeit \u00fcbt.<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Selig ist jeder Mensch, der Gottes Wort h\u00f6rt, in seinem Herzen bewahrt und danach lebt. Amen<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>| Predigt | <\/strong><strong>Mit Gott Grenzen \u00fcberwinden<\/strong><strong> |<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde, liebe christliche Geschwister<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ende Januar ist wohl ein g\u00fcnstiger Zeitpunkt, um die guten Vors\u00e4tze f\u00fcr das neue Jahr zu \u00fcberpr\u00fcfen: Jene von euch, die sich keine guten Vors\u00e4tze gesetzt haben, k\u00f6nnen jetzt gem\u00fctlich zur\u00fccklehnen und die n\u00e4chsten paar S\u00e4tze \u00fcberh\u00f6ren. Wer seine guten Vors\u00e4tze bisher vorbildlich befolgt hat, der kann sich gerne innerlich oder ganz praktisch auf die Schulter klopfen: Ich gratuliere von Herzen und w\u00fcnsche weiterhin viel Erfolg! Und wer jetzt ein Grummeln in der Magengegend sp\u00fcrt, weil es bisher noch nicht so richtig funktioniert hat mit dem Anpacken der Jahresziele: Nur Mut, es liegen noch \u00fcber elf Monate vor euch, um die Vors\u00e4tze anzupacken und umzusetzen!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich habe mir f\u00fcr dieses Jahr vorgenommen, Dinge, die ich erledigen soll, m\u00f6glichst rasch anzupacken und nicht zu lange aufzuschieben, weil dies sonst doppelt Energie frisst: Weniger Aufschieberitis, mit dem Fachbegriff Prokrastination, mehr gleich anpacken und sofort erledigen. In einigen Punkten ist mir dies bereits gut gelungen, andere Aufgaben stehen noch immer auf der to do-Liste.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Bericht von Petrus und Kornelius entdecke ich drei christliche Vors\u00e4tze, die ich uns heute hinter die Ohren oder besser ins Herz schreiben m\u00f6chte. Und nun sollten bitte auch wieder alle zuh\u00f6ren, auch jene, die sich f\u00fcr 2026 keine guten Vors\u00e4tze gesetzt haben.<\/p>\n<ol>\n<li style=\"font-weight: 400;\"><strong> Lass dich von Gott immer wieder \u00fcberraschen <\/strong><\/li>\n<li style=\"font-weight: 400;\"><strong> Wenn Gott zwei Menschen etwas aufzeigt, kann etwas Neues beginnen<\/strong><\/li>\n<li style=\"font-weight: 400;\"><strong> Gott hilft gerne beim Grenzen \u00fcberwinden<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>1. Lass dich von Gott immer wieder \u00fcberraschen <\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Petrus ist als gl\u00e4ubiger Jude aufgewachsen. F\u00fcr den j\u00fcdischen Glauben sind bis heute eine grosse Zahl von Reinheitsgeboten grundlegend. Von welchen Tieren man essen oder nicht essen darf, ist klar geregelt. Dadurch ist auch stark beeinflusst, mit welchen Menschen man Tischgemeinschaft pflegen kann oder eben nicht. Deshalb sagt Petrus auch ausdr\u00fccklich, als er ins Haus von Kornelius kommt: <em>\u00abIhr wisst, wie unstatthaft es f\u00fcr einen Juden ist, mit einem Fremden aus einem anderen Volk zu verkehren oder gar in sein Haus zu gehen.\u00bb <\/em>F\u00fcr j\u00fcdische Menschen gibt es viele unsichtbare Grenzen und Mauern zwischen ihnen und Menschen aus anderen Kulturen. Petrus \u00fcberschreitet und \u00fcberwindet diese Grenzen ganz bewusst und absichtlich, weil ihn Gott gleich mehrfach \u00fcberrascht hat. Petrus hat eine g\u00f6ttliche Vision: In einem Tuch sieht er verschiedenste Tiere vom Himmel herabkommen, die f\u00fcr ihn gem\u00e4ss der j\u00fcdischen Lehre unrein, nicht essbar waren. Drei Mal h\u00f6rt Petrus eine Stimme, die ihn auffordert, davon zu essen. Petrus wehrt sich zun\u00e4chst: <em>\u00abAuf keinen Fall, Herr! Noch nie habe ich etwas Gemeines oder Unreines gegessen.\u00bb<\/em>(Apostelgeschichte 10,14) Doch die himmlische Stimme versichert ihm dreimal: <strong><em>\u00abWas Gott f\u00fcr rein erkl\u00e4rt hat, das nenne du nicht unrein.\u00bb<\/em><\/strong><em> (Vers 15) <\/em>Diese Vision stellt sein Weltbild in Bezug auf Lebensmittel und Reinheit auf den Kopf. Doch er hat nicht lange Zeit, um dar\u00fcber nachzudenken. Denn es klopft an der T\u00fcre und Gesandte von Kornelius verlangen nach ihm. Noch bevor er seine Eindr\u00fccke richtig verarbeiten kann, erh\u00e4lt er gleich Gelegenheit, diese himmlischen Einsichten praktisch umzusetzen. Er wird eingeladen, im Haus des r\u00f6mischen Hauptmanns in C\u00e4sarea zu reden <em>\u00abwas er zu sagen hat.\u00bb<\/em> (Vers 22) Und auch f\u00fcr diese Begegnung erh\u00e4lt er von Gottes Geist eine Best\u00e4tigung: <em>\u00abDa sind drei M\u00e4nner, die dich suchen. Wohlan, steh auf, geh hinunter und zieh ohne Bedenken mit ihnen, denn ich habe sie gesandt.\u00bb <\/em>(Verse 19-20)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich gebe zu, ich hatte pers\u00f6nlich noch keine derart eindr\u00fccklichen g\u00f6ttlichen Visionen. Und ich nehme an, den meisten von euch, liebe Gemeinde, geht es \u00e4hnlich. Trotzdem behaupte ich: <strong>Gott kann dich und mich heute noch genauso \u00fcberraschen, wenn wir es zulassen und Augen, Ohren und das Herz daf\u00fcr offen haben.<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als Petrus seine Vision hat, ist er gerade auf dem Dach des Hauses am Beten. Er hat sich an einem stillen Ort bewusst Zeit genommen, um mit Gott ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Beten heisst ja, mit Gott reden und auch auf ihn h\u00f6ren. Oder im Fall von Petrus kann es auch bedeuten: Etwas Unerwartetes sehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nimm diesen Gedanken doch mit in deine n\u00e4chsten Momente, in denen du vor Gott still wirst und betest: <strong>Guter Gott, was m\u00f6chtest du mir heute ganz besonders aufzeigen? Womit m\u00f6chtest du mich \u00fcberraschen, herausfordern, neue Einsichten schenken<\/strong><strong>?<\/strong> Es kann helfen, die Gedanken, die dann aufsteigen, zu notieren und in den kommenden Tagen nochmals im Gebet vor Gott zu bewegen. M\u00f6glicherweise sind es Menschen, die vor deinem inneren Auge erscheinen, denen du anrufen oder einen Besuch anbieten solltest. Vielleicht ist es ein biblischer Satz oder Bericht, der dich pl\u00f6tzlich neu anspricht. Oder deine Gedanken kreisen um einen Lebensbereich, von dem du sp\u00fcrst, dass Gott etwas damit vorhat. <strong>Lass dich \u00fcberraschen!<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch der Hauptmann Kornelius wurde \u00fcberrascht: Bei ihm war es ein Engel, der ihm erschien und ganz klare Anweisungen erteilte, so wie er als Hauptmann gewohnt ist, seinen Soldaten Befehle zu erteilen. Er solle Boten in die Stadt Joppe, heute Jaffa, senden, um dort nach einem Simon Petrus zu fragen. Und Kornelius zaudert nicht lange: Er schickt gleich drei Bedienstete los, um Simon Petrus abzuholen. Und Petrus l\u00e4sst sich rufen. Rund zwei Tage dauert die Reise von Joppe nach C\u00e4sarea. Ich stelle mir vor, Petrus hat sich w\u00e4hrend dieser zwei Tage viele Fragen gestellt: Was soll das alles? Wie kann ich diese Vision einordnen? Was hat Gott mit mir vor? Wer ist dieser Kornelius und was will er von mir?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>2. Wenn Gott zwei Menschen etwas aufzeigt, kann etwas Neues beginnen<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich weiss nicht, mit welchen Erwartungen Sie heute diesen Gottesdienst besuchen: Eine Stunde Ruhe und Besinnung erleben, sch\u00f6ne Lieder und Musik geniessen, ein Gedankenanstoss aus der Predigt mitnehmen oder Antworten auf aktuelle Lebensfragen erhalten? Aber ich kann mir vorstellen, dass sowohl Petrus als auch Kornelius und alle Personen rund um die beiden hohe Erwartungen hatten. Es d\u00fcrfte sich im Umfeld von Kornelius herumgesprochen haben, dass er eine Engelserscheinung hatte. Und die christlichen Br\u00fcder, die Petrus begleiten, haben bestimmt unterwegs \u00fcber die Vision diskutiert und diese spezielle Einladung ins Haus eines r\u00f6mischen Hauptmanns.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kornelius wirft sich Petrus voll Ehrfurcht zu F\u00fcssen. F\u00fcr ihn ist Petrus wohl wie der Engel ein Bote, ein Gesandter Gottes oder sogar ein Mensch mit g\u00f6ttlichen Eigenschaften. Doch Petrus stellt sofort klar: <em>\u00ab<\/em><em>Steh auf! Auch ich bin ein Mensch.\u00bb (Vers 26)<\/em> Und es scheint, dass die beiden noch auf der T\u00fcrschwelle mit einer lebendigen Diskussion beginnen. <em>\u00abUnd im Gespr\u00e4ch mit ihm trat er ein und fand viele Leute versammelt.\u00bb (Vers 27) \u2013 \u00abWes das Herz voll ist, des geht der Mund \u00fcber!\u00bb<\/em> (vgl. Matth\u00e4us 12,34; Lukas 6,45): Die beiden haben sich etwas zu erz\u00e4hlen. Zun\u00e4chst macht Petrus klar, dass es f\u00fcr ihn eine Grenz\u00fcberschreitung ist, ins Haus des r\u00f6mischen Hauptmanns einzutreten. Doch er erkl\u00e4rt auch gleich, weshalb er dies trotzdem wagt: <strong><em>\u00abMir aber hat Gott gezeigt, dass ich keinen Menschen gew\u00f6hnlich oder unrein nennen soll.\u00bb<\/em><\/strong> (Vers 28b) Die Vision hat Petrus aufgezeigt, dass es keine Lebensmittel gibt, die ihn verunreinigen k\u00f6nnten. Er darf von allem essen. Und in der Begegnung mit Kornelius wird ihm klar: Dies gilt auch f\u00fcr Menschen. Gott hat alle Menschen geschaffen. Es steht uns nicht zu, die einen unrein und die anderen rein, die einen heilig und die anderen unheilig zu bezeichnen. Diese Einsicht von Petrus wird die christliche Gemeinde noch da und dort besch\u00e4ftigen: Es ist ihnen geistlich gesehen wohl schon klar, dass durch Jesus Christus vor Gott alle gleich sind, aber manchen w\u00e4re es lieber, die einen oder anderen w\u00e4ren noch etwas \u00abgleicher\u00bb. Petrus wird in seiner Meinung auch noch etwas hin- und hergerissen, aber in diesem Moment ist ihm sonnenklar: Gott spricht auch zu diesem r\u00f6mischen Hauptmann und seinem ganzen Familien- und Freundeskreis. Diese Begegnung ist ein Wendepunkt in der Verbreitung des Christentums: Bisher wurde vor allem j\u00fcdischen Menschen die Botschaft von Jesus Christus gepredigt und vorgelebt, hier \u00f6ffnet sich ganz grunds\u00e4tzlich die T\u00fcre zur nicht-j\u00fcdischen Welt. Auch Nicht-Juden sollen das Evangelium h\u00f6ren und erfahren. Petrus wird in seiner nachfolgenden Predigt darauf eingehen. <strong><em>\u00abJetzt erkenne ich wirklich, dass bei Gott kein Ansehen der Person ist, sondern dass ihm aus jedem Volk willkommen ist, wer ihn f\u00fcrchtet und Gerechtigkeit \u00fcbt.\u00bb<\/em><\/strong> (Verse 34-35) Und als Gottes Best\u00e4tigung dieser umfassenden Botschaft werden alle Zuh\u00f6renden von Gottes Heiligem Geist erf\u00fcllt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir k\u00f6nnen uns nun fragen, was zuerst da war, das Huhn oder das Ei: Der Wunsch und Auftrag von Kornelius, Simon Petrus aus Joppe nach C\u00e4sarea zu holen oder die Vision und Einsicht von Petrus, dass nichts unrein ist. Die Antwort ist in diesem Fall einfach: Gott hat an beiden und durch beide M\u00e4nner Wunderbares gewirkt. <strong>\u00abWenn Gott zwei Menschen etwas aufzeigt, kann etwas Neues beginnen\u00bb, <\/strong>habe ich diesen zweiten Teil meiner Predigt \u00fcberschrieben. H\u00e4tte nur einer von ihnen eine Engelserscheinung oder eine himmlische Vision gehabt, k\u00f6nnte das von der Umgebung als Hirngespinst abgetan werden. Doch dass sich die beiden himmlischen Impulse so entsprechen und erg\u00e4nzen: Das kann kaum ein Zufall sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Deshalb m\u00f6chte ich uns einen zweiten \u00abVorsatz\u00bb, eine weitere Herausforderung mitgeben: <strong>Wenn du am Beten und H\u00f6ren bist, frage dich auch, mit wem du Gedanken, Ideen und Visionen teilen kannst, die in dir aufsteigen<\/strong><strong>. <\/strong>Jesus hat seine J\u00fcnger zu zweit ausgesandt, das Evangelium in Wort und Tat weiterzugeben, und er spricht eine besondere Verheissung dar\u00fcber aus, wenn zwei Menschen <em>\u00ab\u00fcbereinkommen, um etwas zu bitten, dann wird es ihnen von meinem Vater im Himmel zuteil werden.\u00bb<\/em> (Matth\u00e4us 18,19)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nicht nur damals bei Kornelius und Petrus ist Neues gewachsen, weil zwei Menschen von Gott her einen \u00fcbereinstimmenden Auftrag erhalten und umgesetzt haben. Auch in unserer Gemeinde gibt es viele Beispiele von guten Initiativen, Angeboten und Gef\u00e4ssen, die zun\u00e4chst in den Herzen von einzelnen Personen wuchsen und dann eine Wirkung entfalten konnten, als zwei oder mehr Menschen sich zusammenschlossen, um die Idee mit Gottes Hilfe anzupacken und Gestalt gewinnen zu lassen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dazu kann der dritte Punkt meiner Predigt f\u00fcr die eine und den anderen sehr entscheidend sein:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>3. Gott hilft gerne beim Grenzen \u00fcberwinden<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Petrus hat \u00abnat\u00fcrlicherweise\u00bb keine Sehnsucht nach vertieftem Kontakt mit der r\u00f6mischen Obrigkeit: Schliesslich ist Jesus auf Befehl eines r\u00f6mischen Machthabers gekreuzigt worden. Das j\u00fcdische Volk wird von R\u00f6mern regiert und nicht selten drangsaliert. Da muss Gott schon m\u00e4chtig eingreifen und mitwirken, dass Petrus diese Grenzen von Argwohn, Misstrauen, Furcht und Hass \u00fcberwinden kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch umgekehrt ist es f\u00fcr einen r\u00f6mischen Hauptmann nicht das Naheliegendste, sich mit neuen religi\u00f6sen Bewegungen auseinanderzusetzen. Kornelius scheint eine Ehrfurcht f\u00fcr den j\u00fcdischen Glauben zu haben und achtet auch dessen ethischen Regeln hoch. Er ist bekannt und angesehen als Wohlt\u00e4ter und Freund der j\u00fcdischen Gemeinde. Von den klassischen j\u00fcdischen Gemeinden wird die neue Bewegung um Jesus Christus und seine J\u00fcnger jedoch als sektenhafte Gruppe wahrgenommen und verfolgt. So ist wohl auch bei Kornelius g\u00f6ttlicher Besuch n\u00f6tig, dass er auf die Idee kommt, den christlichen Prediger Petrus einzuladen. Mit Gottes Hilfe \u00fcberwindet Kornelius diese inneren und \u00e4usseren Grenzen und Bef\u00fcrchtungen. Beide Seiten werden in der Begegnung zwischen Kornelius und Petrus reich beschenkt \u2013 voneinander und von Gottes Geist und Botschaft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie lassen sich die damaligen Grenzen, H\u00fcrden und Misstrauenskl\u00fcfte mit der heutigen Zeit vergleichen? Welchen ethnischen oder religi\u00f6sen Personen oder Gruppen gehst du am liebsten aus dem Weg? Um welche Diskussionen machst du lieber einen grossen Bogen, als dich auf ein Gespr\u00e4ch oder gar einen Streit einzulassen? Mir fallen da spontan eine ganze Reihe von m\u00f6glichen Konstellationen ein: Wie leicht f\u00e4llt dir das Gespr\u00e4ch mit katholischen oder freikirchlichen Christinnen und Christen? Welche Begegnungen hattest du schon mit muslimischen Mitmenschen? Kannst du dir vorstellen, eine Taiz\u00e9feier zu besuchen oder einen Lobpreisgottesdienst, eine lateinische Messe oder einen Hardrock-Gottesdienst?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vielleicht gibt es aber auch Gr\u00e4ben und Grenzen in deinem famili\u00e4ren oder beruflichen Umfeld, die du mit Gottes Hilfe, Weisheit und Weitsicht \u00fcberwinden k\u00f6nntest? Oder k\u00f6nnte der Dialog zwischen den Generationen, der immer herausfordernder wird, weil sich bei den Jungen das Rad des technologischen Fortschritts immer schneller und globaler dreht, w\u00e4hrend sich bei den \u00c4lteren das Leben zusehends verlangsamt und die Kreise kleiner werden, ein Projekt f\u00fcr dich sein?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir werden das Lied miteinander singen <em>\u00abHerr, gib mir Mut zum Br\u00fccken bauen\u00bb<\/em>, in dem es so verheissungsvoll heisst: <em>\u00abGib mir den Mut zum ersten Schritt.\u00bb<\/em> Und weiter: <em>\u00abIch m\u00f6chte nicht zum Mond gelangen, jedoch zu meines Feindes T\u00fcr.\u00bb <\/em>Das Lied eignet sich ausgezeichnet, das Thema der Predigt musikalisch zu vertiefen und in den Alltag mitzunehmen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit guten Vors\u00e4tzen f\u00fcrs neue Jahr haben wir begonnen. Wir sind zwei Menschen begegnet, die im Gebet von Gott \u00fcberrascht wurden und wunderbare Impulse erhalten haben. Mit Gottes Hilfe, Weisheit und Weitsicht haben sie es gewagt, Grenzen zu \u00fcberwinden. Es ist zu einer erstaunlichen Begegnung gekommen, die Gott mit seinem Heiligen Geist erf\u00fcllt und gekr\u00f6nt hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich m\u00f6chte uns die Fragen mitgeben:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Womit m\u00f6chte mich Gott wohl \u00fcberraschen, wenn ich mich im Gebet erwartungsvoll an ihn wende? <\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Mit wem kann ich mich verbinden, damit aus Tr\u00e4umen und Ideen Realit\u00e4t, aus geistlichen Impulsen Lebensver\u00e4nderung wird? <\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Welche Grenzen und Gr\u00e4ben darf und soll ich mit Gottes Hilfe \u00fcberwinden? <\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott segne euch mit dem Mut zum ersten und zu vielen weiteren Schritten!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Liedvorschl\u00e4ge<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ERG 72 Laudate omnes gentes<br \/>\nERG 250 Singt dem Herrn, alle V\u00f6lker und Rassen<br \/>\nERG 700 Weit wie das Meer<br \/>\nERG 795 Sonne der Gerechtigkeit<br \/>\nERG 797 Wach auf, du Geist der ersten Zeugen<br \/>\nERG 798 So jemand spricht ich liebe Gott<br \/>\nERG 829 Herr, gib mir Mut zum Br\u00fccken bauen<br \/>\nERG 834 F\u00fcr die Heilung aller V\u00f6lker<br \/>\nRW 93 Lass die Worte, die ich sag<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">RW 94 Meine engen Grenzen<br \/>\nRW 101 Aufstehn, aufeinander zugehn<br \/>\nRW 102 Bis ans Ende der Welt<br \/>\nRW 103 Das w\u00fcnsch ich dir<br \/>\nRW 122 This little light of mine<br \/>\n<strong><br \/>\nLiteratur<br \/>\n<\/strong>*) Martin Luthers \u00dcbersetzung, revidiert 2017, \u00a9 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.<br \/>\n**) Die Z\u00fcrcher Bibel, Ausgabe 2007, \u00a9 Friedrich Reinhard Verlag Basel, &amp; Theologischer Verlag, Z\u00fcrich<br \/>\nERG = Gesangbuch Evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz, \u00a9 Friedrich Reinhard Verlag Basel, &amp; Theologischer Verlag, Z\u00fcrich 1998<br \/>\nRW = R\u00fcckenwind, Lieder f\u00fcr den Gottesdienst, Hrsg. Evang Landeskirche des Kantons Thurgau, Theologischer Verlag, Z\u00fcrich2017<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pfr. Paul Wellauer, Bischofszell, Schweiz | Mail: <a href=\"mailto:paul.wellauer@internetkirche.ch\">paul.wellauer@internetkirche.ch<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.internetkirche.ch\/\">www.internetkirche.ch<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.internetkirche.ch\/livestream\">www.internetkirche.ch\/livestream<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.evang-tg.ch\/\">www.evang-tg.ch<\/a> | @paulwellauerweber<br \/>\nGeb. 1967, Pfarrer und Mitglied im Kirchenrat der evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau, Schweiz. Seit 2009 in Bischofszell-Hauptwil, 1996-2009 in Z\u00fcrich-Altstetten, davor 1993-1996 Seelsorger und Projektleiter im Sozialwerk Pfarrer Sieber, Z\u00fcrich, <a href=\"http:\/\/www.swsieber.ch\/\">www.swsieber.ch<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Gott Grenzen \u00fcberwinden | 3. Sonntag nach Epiphanias | 25. Januar 2026 | Apg 10,21-35 | Paul Wellauer | | Psalmgebet im Wechsel | Psalm 41 I Gebet in Krankheit | Lutherbibel 2017* 1 Ein Psalm Davids, vorzusingen. I\u00a0 2 Wohl dem, der sich des Schwachen annimmt! 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