{"id":25900,"date":"2026-01-23T08:35:45","date_gmt":"2026-01-23T07:35:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25900"},"modified":"2026-01-23T08:35:45","modified_gmt":"2026-01-23T07:35:45","slug":"roemer-116","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-116\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 1,16"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Die Angst, etwas zu verpassen \u2013 und die Freiheit, das eigene Leben zu leben | 3. Sonntag nach Epiphanias | 25. Januar 2026 | R\u00f6m 1,16 | Thomas Volk |<\/h3>\n<p><strong>1. Nicht mithalten m\u00fcssen<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">kennen Sie dieses leise Gef\u00fchl,<br \/>\ndass das Leben woanders gerade mehr stattfindet als hier?<br \/>\nDass andere etwas erleben, was man selbst verpasst?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Heute nennt man das \u201eFOMO\u201c \u2013 <em>Fear of Missing Out<\/em>.<br \/>\nDie Angst, etwas zu vers\u00e4umen.<br \/>\nNicht dabei zu sein.<br \/>\nNicht das Richtige gew\u00e4hlt zu haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Angst trifft nicht nur junge Menschen.<br \/>\nSie meldet sich auch mitten im Leben \u2013<br \/>\noder erst im R\u00fcckblick.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manche fragen sich:<br \/>\n<em>H\u00e4tte ich anders leben sollen?<\/em><br \/>\n<em>Bin ich zu lange geblieben \u2013 auf einer Stelle, in einer Beziehung, an einem Ort?<\/em><br \/>\n<em>War das schon alles?<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unsere Zeit macht diese Fragen lauter.<br \/>\nNoch nie hatten Menschen so viele M\u00f6glichkeiten.<br \/>\nUnd noch nie wurden wir so oft daran erinnert,<br \/>\nwas wir nicht haben, nicht erleben, nicht sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bilder von gl\u00fccklichen Momenten, von Reisen, Erfolgen, perfekten Leben \u2013<br \/>\nund daneben unser eigener Alltag.<br \/>\nGanz normal.<br \/>\nUnd manchmal schwer auszuhalten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich habe vergangene Woche gedacht:<br \/>\n\u201eAlle haben die tollsten Polarlichter gesehen und gepostet<br \/>\nund nur ich habe sie verpasst,<br \/>\nhabe fest geschlafen.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vielleicht sind Sie heute hier<br \/>\nund tragen genau diese Unruhe mit sich.<br \/>\nOder einfach die Frage:<br \/>\n<em>Ob mein Leben mich tr\u00e4gt \u2013 so wie es ist.<\/em><\/p>\n<p><strong>2. Eine Zusage, die tr\u00e4gt<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Bibel kennt das Wort FOMO nicht.<br \/>\nAber sie kennt eine Zusage,<br \/>\ndie Menschen innerlich aufrichtet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Apostel Paulus schreibt an die Gemeinde in Rom,<br \/>\ndie er noch nicht kennt:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u201eIch sch\u00e4me mich des Evangeliums nicht;<br \/>\ndenn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die glauben.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201ePaulus meint damit:<br \/>\nDas Entscheidende in unserem Leben h\u00e4ngt nicht daran,<br \/>\nwas wir aus uns machen \u2013<br \/>\nsondern daran, dass Gott sich mit seiner Kraft uns zuwendet.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nicht erst, wenn dein Leben gelungen ist.<br \/>\nNicht erst, wenn du alles richtig gemacht hast.<br \/>\nNicht erst, wenn du mithalten kannst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Du geh\u00f6rst zu Gott \u2013<br \/>\nmit deinem Weg,<br \/>\nmit deinen Entscheidungen,<br \/>\nmit dem, was geworden ist,<br \/>\nund mit dem, was vielleicht anders h\u00e4tte kommen sollen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder anders gesagt:<br \/>\n\u201eGott geht mit dir durch dein Leben.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Zusage tr\u00e4gt \u2013 gerade dann,<br \/>\nwenn wir uns ausgeschlossen f\u00fchlen.<br \/>\nWenn wir nicht dazugeh\u00f6ren.<br \/>\nWenn wir nicht eingeladen sind.<br \/>\nWenn wir nicht mithalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Evangelium sagt nicht:<br \/>\n<em>Du musst mehr aus deinem Leben machen.<\/em><br \/>\nEs sagt:<br \/>\n<strong>\u201eDein Leben steht unter Gottes Zuwendung.\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u00a03. <\/strong><strong>Zum eigenen Weg stehen d\u00fcrfen<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Paulus kann das sagen,<br \/>\nweil er gelernt hat,<br \/>\nzu seinem eigenen Leben zu stehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch zu dem Teil,<br \/>\nauf den er nicht stolz ist.<br \/>\nAuch zu den Wegen,<br \/>\ndie falsch waren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er verdr\u00e4ngt seine Geschichte nicht.<br \/>\nAber er l\u00e4sst sich auch nicht von ihr festlegen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er wei\u00df:<br \/>\nGott hat ihn nicht abgeschrieben.<br \/>\nUnd deshalb muss er sich nicht sch\u00e4men.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vielleicht liegt genau hier eine Befreiung f\u00fcr uns:<br \/>\nDass wir unser Leben nicht sch\u00f6nreden m\u00fcssen.<br \/>\nAber auch nicht st\u00e4ndig gegen es ank\u00e4mpfen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zu sagen:<br \/>\nDas ist mein Weg.<br \/>\nMit Br\u00fcchen.<br \/>\nMit Umwegen.<br \/>\nUnd mit der Hoffnung,<br \/>\ndass Gott mitgeht.<\/p>\n<p><strong>4. In Bewegung kommen \u2013 ohne sich zu verlieren<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Paulus schreibt weiter,<br \/>\ndass das Evangelium eine Kraft Gottes ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine Kraft,<br \/>\ndie etwas in Bewegung bringt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nicht hektisch.<br \/>\nNicht fordernd.<br \/>\nNicht als st\u00e4ndiger Druck,<br \/>\nnoch mehr erleben zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sondern so,<br \/>\ndass ein Mensch seinem eigenen Leben<br \/>\nauf die Spur kommt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dazu geh\u00f6rt:<br \/>\nSich nicht st\u00e4ndig vergleichen zu m\u00fcssen.<br \/>\nNicht dauernd zu denken:<br \/>\n<em>Woanders w\u00e4re es besser.<\/em><br \/>\n<em>Andere haben es richtiger gemacht.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der christliche Glaube sagt<br \/>\nDu musst nicht jemand anderes werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Du darfst der Mensch werden,<br \/>\nden Gott sich mit deinem Leben gedacht hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und das ist ein Weg.<br \/>\nKein Wettlauf.<br \/>\nKein Wettbewerb.<br \/>\nKein Optimierungsprogramm.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir haben Zeit.<br \/>\nEin ganzes Leben lang.<\/p>\n<p><strong>5. Frieden schlie\u00dfen \u2013 ohne stehenzubleiben<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vielleicht gibt es irgendwo ein Leben,<br \/>\ndas auf den ersten Blick besser aussieht.<br \/>\nVielleicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber auch dort g\u00e4be es Vergleiche.<br \/>\nAuch dort g\u00e4be es Unruhe.<br \/>\nAuch dort g\u00e4be es das Gef\u00fchl:<br \/>\n<em>Reicht das jetzt?<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der christliche Glaube l\u00e4dt uns ein,<br \/>\nmit unserem Leben Frieden zu schlie\u00dfen \u2013<br \/>\nohne stehenzubleiben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zu sagen:<br \/>\nHier stehe ich.<br \/>\nHier lebe ich.<br \/>\nUnd hier ist Gott mir nahe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Am Ende eine alte Geschichte:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zwei M\u00f6nche lasen in einem Buch,<br \/>\nam Ende der Welt gebe es einen Ort,<br \/>\nan dem Himmel und Erde sich ber\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie machten sich auf den Weg<br \/>\nund wollten nicht umkehren,<br \/>\nbevor sie diesen Ort gefunden h\u00e4tten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie durchwanderten die Welt,<br \/>\nbestanden Gefahren,<br \/>\nertrugen Entbehrungen.<br \/>\nsahen die sch\u00f6nsten Polarlichter.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Schlie\u00dflich fanden sie, was sie suchten.<br \/>\nSie klopften an eine T\u00fcr.<br \/>\nUnd als sie eintraten,<br \/>\nstanden sie in ihrer eigenen Klosterzelle.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da verstanden sie:<br \/>\nDer Ort, an dem Himmel und Erde sich ber\u00fchren,<br \/>\nliegt auf dieser Erde \u2013<br \/>\nan dem Platz,<br \/>\nan den Gott uns gestellt hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn wer wei\u00df, dass Gott ihm hier begegnet,<br \/>\nmuss nicht mehr \u00fcberall sein,<br \/>\nmuss nicht alles sehen,<br \/>\nnicht alles erleben,<br \/>\nnicht \u00fcberall dabei sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Kraft Gottes ist die Freiheit,<br \/>\ndas eigene Leben leben zu d\u00fcrfen \u2013<br \/>\nohne Angst, es zu verpassen.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und der Friede Gottes,<br \/>\nder weiter reicht als alles, was wir verstehen,<br \/>\nbewahre unsere Herzen und Sinne<br \/>\nin Christus Jesus.<br \/>\nAmen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Thomas Volk, geb. 1962, Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern. Seit 2021 Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Kissingen mit dem Schwerpunkt \u201eKonfirmanden- und Jugendarbeit\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mail: thomas.volk@elkb.de<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Instagram: thomas.volk.15<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Facebook: Thomas Volk BK<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Liedvorschl\u00e4ge:<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">EG 268,1-3 (Strahlen brechen viele)<\/p>\n<p>Kyrie: KAA 083,1 (meine engen Grenzen)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Glorialied: KAA 085 (Laudate omnes Gentes)<\/p>\n<p>Vor der Predigt: KAA 079 (Ich glaube fest, dass alles anders wird)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nach der Predigt: KAA 030,1+4+6 (Alle meine Quellen entspringen in dir)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liedstrophe zum Ausgang: EG 570,1+2<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Angst, etwas zu verpassen \u2013 und die Freiheit, das eigene Leben zu leben | 3. 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