{"id":25918,"date":"2026-01-30T14:28:05","date_gmt":"2026-01-30T13:28:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25918"},"modified":"2026-01-30T14:28:05","modified_gmt":"2026-01-30T13:28:05","slug":"offenbarung-19-18-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/offenbarung-19-18-3\/","title":{"rendered":"Offenbarung 1,9-18"},"content":{"rendered":"<h3>Das Licht bleibt | Letzter Sonntag nach Epiphanias | 01. Februar \u00a02026 | Offb 1, 9-18 | Kira Busch-Wagner |<\/h3>\n<p>Bitte, lass doch das Licht an, fragen Kinder manchmal beim Zubettgehen. Wenigstens das Licht im Flur, im Bad, auf der Treppe. Es soll nicht ganz dunkel werden!<\/p>\n<p>Lass doch das Licht an, scheint jemand dem Kirchenjahr gesagt zu haben.<\/p>\n<p>Vor sechs, acht Wochen, gef\u00fchlt eine Ewigkeit her, da haben uns die Adventskerzen Woche um Woche mehr Licht, mehr Herrlichkeit, mehr Trost verhei\u00dfen.<\/p>\n<p>An Weihnachten hing am Altar das wei\u00dfe Parament \u2013 stellvertretend f\u00fcr das reine, umfassende, pure Licht in der Welt. \u201eLicht vom Licht\u201c haben wir im Bekenntnis gerufen.<\/p>\n<p>Dann kam Epiphanias, ErSCHEINungsfest. Und die Weisen aus dem Osten waren erfolgreich dem Licht des Sterns gefolgt.<\/p>\n<p>Und endg\u00fcltig zu Ende ist die Weihnachtszeit mit \u201eMariae Lichtmess\u201c als traditionell f\u00fcr katholische Gl\u00e4ubige am Tag der Darstellung des Herrn die Kerzen f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr gesegnet und geweiht wurden.<\/p>\n<p>Dabei erinnert der Volksmund dann auch: \u201eMaria Lichtmess, bei Tag zu Nacht (ich) ess\u201c; daran also, dass jetzt die Tage schon wieder sp\u00fcrbar l\u00e4nger werden.<\/p>\n<p>Lass doch das Licht brennen, scheint jemand dem Kirchenjahr gesagt zu haben. Und es l\u00e4sst das Licht brennen &#8211; bei immer neuen Gelegenheiten. Heute ist uns sogar ein biblischer Abschnitt aufgetragen zu bedenken, der in unendlich vielen Licht- und Glanzpunkten strahlt, es funkelt, reflektiert und gl\u00e4nzt nur so in den Versen 9-18 im 1. Kapitel der Offenbarung.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend gleichzeitig die Zeiten d\u00fcster sind. Heute bei uns. Damals zu Lebzeiten des Vision\u00e4rs der Offenbarung. Die Jesusleute haben nicht nur mit den Fragen zu k\u00e4mpfen, die alle im r\u00f6mischen Reich umtreiben. Zus\u00e4tzlich leiden viele von ihnen unter Diskriminierung, schlechter Nachrede, werden von Nachbarn oder von Staatsorganen bedr\u00e4ngt, ausgesp\u00e4ht, verleumdet, manchmal ausdr\u00fccklich verfolgt. Johannes, der Seher, der Prophet, der Apokalyptiker, ist m\u00f6glicherweise auf die Insel Patmos verbannt worden. Von ihm ist uns hinterblieben jenes wilde Buch, dass das letzte des Neuen Testaments geworden ist. Ein Buch wie eine Ausstellung riesiger Gem\u00e4lde, halb verst\u00e4ndlich, halb unverst\u00e4ndlich, auf alle F\u00e4lle ersch\u00fctternd und verwirrend, anklagend und tr\u00f6stlich. Ein Buch wie eine solche Ausstellung \u2013 oder wenigstens der Katalog davon.<\/p>\n<p>Lassen Sie uns also h\u00f6ren auf eine Passage aus dem 1. Kapitel.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>9\u00a0Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedr\u00e4ngnis und am Reich und an der Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos hei\u00dft, um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen.\u200210<\/em><em>\u00a0Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und h<\/em><em>\u00f6rte hinter mir eine gro<\/em><em>\u00dfe Stimme wie von einer Posaune,\u200211<\/em><em>\u00a0die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea.\u200212\u00a0Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete. Und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter\u200213<\/em><em>\u00a0und mitten unter den Leuchtern einen, der war einem Menschensohn gleich, der war angetan mit einem langen Gewand und geg<\/em><em>\u00fcrtet um die Brust mit einem goldenen G<\/em><em>\u00fcrtel.\u200214<\/em><em>\u00a0Sein Haupt aber und sein Haar war wei<\/em><em>\u00df wie wei<\/em><em>\u00dfe Wolle, wie Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme\u200215<\/em><em>\u00a0und seine F<\/em><em>\u00fc\u00dfe gleich Golderz, wie im Ofen durch Feuer geh<\/em><em>\u00e4rtet, und seine Stimme wie gro<\/em><em>\u00dfes Wasserrauschen;\u200216\u00a0und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht.\u200217<\/em><em>\u00a0Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen F<\/em><em>\u00fc\u00dfen wie tot; und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach: F<\/em><em>\u00fcrchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte\u200218<\/em><em>\u00a0und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schl<\/em><em>\u00fcssel des Todes und der H<\/em><em>\u00f6lle.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Der bedr\u00e4ngte, mitleidende Johannes, empf\u00e4nglich wie ein K\u00fcnstler f\u00fcr Stimmen, Visionen, innere Bilder, \u00e4u\u00dfere Erscheinungen, der erlebt sich vom Geist ergriffen, den hat es gepackt am Tag des Herrn. An einem Sonntag also, wenn die Jesus-Gemeinde der Auferweckung gedenkt und sie feiert.\u00a0 Er h\u00f6rt eine Stimme, die ihn beauftragt zu h\u00f6ren und festzuhalten und weiterzugeben an die sieben Gemeinden in Kleinasien, an seine Gemeinden. Er dreht sich um und will sehen, wer da mit ihm redet, wer ihn da anposaunt, eine Stimme, die man zwar nicht sieht, die aber offenbar strahlt und leuchtet wie ein metallisches Blasinstrument. Er dreht sich um und &#8211;<\/p>\n<p>es entfaltet sich ein ganzes Panoptikum des Lichts! Johannes sieht zwar tats\u00e4chlich etwas wie einen wie ein Menschen. Aber gl\u00e4nzend und strahlend, mit goldenem G\u00fcrtel oder einer Art goldenem Korsett oder Panzer, Augen wie Feuer, F\u00fc\u00dfe aus goldfarbenem Metall. Der steht auch noch zwischen sieben Leuchtern. Wie m\u00fcssen die sich vielfach spiegeln und reflektieren in G\u00fcrtel und Panzer, in den F\u00fc\u00dfen, den Augen. Und dann hat die Gestalt auch noch selbst sieben Sterne in der Hand. Ihr Angesicht leuchtet wie die Sonne, aus dem Mund f\u00e4hrt &#8211; zum Schwert geronnenes &#8211; scharfes Wort. Soll das Gott sein? Immerhin haben wir hier mal tats\u00e4chlich in der Bibel das Bild vom Mann mit wei\u00dfem Haar. Oder ist das doch der auferstandene Jesus, ein Menschenkind, einfach ein Mensch, allerdings der Beauftragte Gottes, so, wie im Danielbuch auch schon einmal ein Beauftragter Gottes \u201ewie ein Menschensohn\u201c erscheint?<\/p>\n<p>In dem Licht der Vision scheint alles zusammenzuflie\u00dfen, zusammenzustrahlen, zusammenzuleuchten.<\/p>\n<p>Und diese Gestalt spricht wahrhaftig und freundlich zu Johannes. Zu Johannes, den es l\u00e4ngst aus den Schuhen gehoben hat, der jetzt daliegt wie tot.<\/p>\n<p>Die Gestalt r\u00fchrt ihn an, freundlich, st\u00e4rkend, behutsam.<br \/>\nOffenbar beugt sich die Glanzgestalt sich hinunter.<br \/>\nZu Johannes, der da am Boden liegt.<br \/>\nK\u00fcmmert sich um Johannes. Neigt sich ihm zu.<br \/>\nSpricht ihn an.<\/p>\n<p>Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige.<br \/>\nIch war tot und siehe, ich bin lebendig.<br \/>\nIch habe die Schl\u00fcssel des Todes und der H\u00f6lle.<br \/>\nIch kann den Tod einsperren in seiner H\u00f6llenh\u00f6hle.<br \/>\nIch verf\u00fcge dar\u00fcber. Ich habe die Macht.<\/p>\n<p>Mit der Gestalt kann also schon der Auferstandene, der Christus gemeint sein. Der Auftr\u00e4ge des Vaters ausf\u00fchrt, ganz in dessen Sinne, ganz nach dessen Recht. So wie ein Prokurist eben handelt f\u00fcr seine Auftraggeber, f\u00fcr die Firma, f\u00fcr deren Anliegen und Ziele. Und vor Gericht dann egal w\u00e4re, wer die Unterschrift geleistet hat. Wichtig allein: wem das Recht gegeben ist, der oder die handelt &#8211; <em>end<\/em>-g\u00fcltig und fest beschlie\u00dfend. Unwiderruflich.<\/p>\n<p>Ich war tot, siehe, ich bin lebendig. Schon immer. F\u00fcr immer.<br \/>\nVon Ewigkeit. Zu Ewigkeit. Umfassend.<br \/>\nIch habe die Schl\u00fcssel des Todes und der H\u00f6lle bei mir.<br \/>\nNicht, dass es Tod und H\u00f6lle nicht g\u00e4be.<br \/>\nAber in meiner Hand.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, ich kann mir nur zu gut vorstellen, wie die Erz\u00e4hlung von der Feuergestalt, von dieser g\u00f6ttlichen Erscheinungsgestalt verwirrt. So wie man manchmal durch eine Kunstausstellung geht und schaut und nicht alles versteht, man sich ganz erschlagen f\u00fchlt und \u00fcberw\u00e4ltigt und verwirrt ist und gar nicht wei\u00df, was man sagen soll.<\/p>\n<p>Johannes, wenn er eine Himmelsvision hat, w\u00fcrde sich von solchen Ausstellungsbesuchern nur zu gut verstanden f\u00fchlen. Wie sollte man angesichts Gottes, angesichts Gottes Beauftragten nicht \u00fcberw\u00e4ltigt sein, nicht verwirrt, nicht umgeworfen.<\/p>\n<p>Und gleichzeitig gibt es da die Worte und die Haltung, mit der sie gesprochen werden. Gar nicht umwerfend. Sondern zart ber\u00fchrend ist das. Zugewandt. Vorsichtig. Wohltuend.<\/p>\n<p>Du bist gemeint, sagt die Geste, die Haltung.<\/p>\n<p>Ich war tot. Ich bin lebendig. Bei mir liegt alle Macht \u00fcber den Tod. Ich habe Macht auch \u00fcber deinen Tod.<\/p>\n<p>Du kannst jetzt lachen. Ich habe deinen Tod einfach in die Tasche gesteckt.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, die Vision von Johannes ist kein Gottesbeweis. Das ist kein naturwissenschaftlicher Nachweis f\u00fcr g\u00f6ttliches Leben. Und keiner f\u00fcr Leben mit Gott, also Ewigkeit. Wir k\u00f6nnen nur h\u00f6ren. K\u00f6nnen uns entscheiden, ob wir Johannes vertrauen.<\/p>\n<p>Denn mit der Vision bekommt Johannes eine Botschaft. Und den Auftrag, die Botschaft weiterzutragen. An sieben St\u00e4dte. An die Sammlung aller, die zu den Jesusleuten geh\u00f6ren. Und die an so vielem leiden. An den Geh\u00e4ssigkeiten ihrer Umwelt. An den Grundfragen des dahingehenden Lebens. Wohin gehe ich? Woher komme ich? Was tue ich angesichts des Leides, das mich trifft? Wo ist Gott in dieser Welt? Was ist es mit unserem verg\u00e4nglichen Dasein? Ist nicht alles absurd?<\/p>\n<p>Johannes erz\u00e4hlt ihnen seine Bilder. Seine Vision. Am Tag des Herrn. Am Tag der Auferweckung Jesu. Von einer Gestalt, die auf ihn zugeht, als er am Boden liegt. Von einer Gestalt voller Leben. Und in und aus soviel Licht, das weithin reicht, das uns begleitet. Durchs Leben hindurch. Und selbst aus dem Tod heraus.<\/p>\n<p>Das Licht bleibt also. Niemand nimmt es weg. Niemand l\u00f6scht es aus. Am Ende wird alles gut. So habe ich es an einer Wand in einem meiner Altersheime gelesen. Und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.<\/p>\n<p><strong>Liedvorschl\u00e4ge:<br \/>\n<\/strong>442\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Steht auf ihr lieben Kinderlein<br \/>\n441\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Du h\u00f6chstes Licht, du ewger Schein<br \/>\n554\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Licht, das in die Welt gekommen<br \/>\n74\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Du Morgenstern, du Licht vom Licht<br \/>\n379 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Gott wohnt in einem Lichte<\/p>\n<hr \/>\n<p>verfasst von Kira Busch-Wagner<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Licht bleibt | Letzter Sonntag nach Epiphanias | 01. Februar \u00a02026 | Offb 1, 9-18 | Kira Busch-Wagner | Bitte, lass doch das Licht an, fragen Kinder manchmal beim Zubettgehen. Wenigstens das Licht im Flur, im Bad, auf der Treppe. Es soll nicht ganz dunkel werden! 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