{"id":25981,"date":"2026-02-18T12:03:27","date_gmt":"2026-02-18T11:03:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25981"},"modified":"2026-02-17T18:55:43","modified_gmt":"2026-02-17T17:55:43","slug":"lukas-2224-32-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-2224-32-7\/","title":{"rendered":"Lukas 22,24\u201332"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Ich aber bin unter euch wie ein Diener<\/strong> | Invokavit | 22.02.2026 | Lukas 22,24\u201332 | Anne-Marie Nybo Mehlsen |<\/h3>\n<p><strong>Ich aber bin unter euch wie ein Diener&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Jesus unterbricht einen h\u00e4sslichen Streit dar\u00fcber, wer nun der Gr\u00f6sste, der Wichtigste sein soll. Vielleicht kommt Dir ein Streit unter Freunden oder in der Familie in den Sinn \u2013 ja, es \u00e4hnelt einem trivialen Erbschaftsstreit, der sich sogar \u00fcber dem Kopf des noch Lebenden hinweg abspielt.<\/p>\n<p>Die uralte Geschichte wiederholt sich von Macht, Neid, Eifersucht und dem Gedanken, dass nur einer der Gr\u00f6sste und der Einzige sein kann.<\/p>\n<p>Kain erschl\u00e4gt seinen Bruder in einer Mischung aus Begierde, der einzig Eine zu sein, und aus Furcht, nicht geliebt zu werden, so wie er ist. Das ist des Menschen Rezept f\u00fcr Verzweiflung. Kain wird versucht zu glauben, dass nur f\u00fcr einen Liebe genug da ist und dass sie nur dem gilt, der sich auf einer bestimmten Weise verh\u00e4lt \u2013 und das gerade so, wie es Kain nicht vermag. Kain kann nicht aufblicken, sondern nur hinab auf die Erde und hinein in sein eigenes Elend.<\/p>\n<p>Wer ist der Gr\u00f6sste? Wer ist der Beste? Wer soll bestimmen? Wirf einen Blick auf die Olympischen Winterspiele, den Eurovision Song Contest, die M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz, das Nobelfest. Wirf den Blick auf die zur Schau gestellten Statussymbole. Sieh die gew\u00f6hnlicheren Statusbeweise in den sozialen Medien, wo \u201eLikes&#8220; und \u201eLoves&#8220; die Rangordnung festlegen. Es geht um nicht viel anderes als darum, wer der Gr\u00f6sste ist, und die Gr\u00f6ssten posieren, w\u00e4hrend sie zu Tisch sitzen und im Blitzlicht um die Wette strahlen.<\/p>\n<p>Ich aber bin unter euch wie ein Diener \u2013 sagt Jesus und stellt unsere Vorstellungen, wer am besten dasteht, auf den Kopf. Da heisst es einfach: \u00c4rmel hochkrempeln und den J\u00fcngsten, Kleinsten, den Unbeachteten dienen. Wenn wir damit besch\u00e4ftigt sind, dort zu tragen und zu helfen, wo wirklich Dienst gebraucht wird, vergessen wir alles \u00fcber das Gr\u00f6sst- und Erstsein.<\/p>\n<p>Uns damit abzugeben, in \u201egr\u00f6sstem&#8220; und \u201emeistem&#8220; zu messen, dazu hat keiner von uns Zeit. Das Leben gibt sich selbst dort, wo wir die H\u00e4nde voll haben mit Dingen und Aufgaben, die weggegeben, ausgesch\u00fcttet werden sollen.<br \/>\nOhne Furcht, ohne Ausmessen, ohne Hintergedanken.<br \/>\nIm Alltag tun wir es ohne viel Gerede. Wir dienen: Wir holen und bringen, wir kochen, kaufen ein, trocknen ab, tr\u00f6sten, sammeln auf, ermutigen. Wir tun es f\u00fcr unsere Kinder, Freunde, Partner, Ehepartner, Eltern und Geschwister, Kollegen, Vorgesetzte und v\u00f6llig Fremde. Der echte Dienst ist niemals besonders wohl\u00fcberlegt, er ist oft spontan, wenngleich nicht ohne F\u00fcrsorge. Der echte Dienst geschieht, wenn wir wahrhaftig als Diener gerufen werden. Da kommen wir oft zu kurz, k\u00f6nnen nicht tun, was wir gerne wollten; aber sch\u00f6pfen aus unserem Besten.<br \/>\nTats\u00e4chlich ist das Schwerste im Leben \u00fcberhaupt, in der Ohnmacht zu stehen. An dem Ort, wo ich nichts tun kann. In Krankheit und Leiden, das sich nicht bek\u00e4mpfen l\u00e4sst; in Verlust und Trauer, die ihre Zeit haben m\u00fcssen; im Leben der Kinder und Freunde, wenn die Erfahrung ihnen das Herz schmerzt; in Verh\u00e4ltnissen, die sich nicht \u00e4ndern lassen.<\/p>\n<p>Es ist nicht ungew\u00f6hnlich, dass wir trotzdem versuchen, die Macht an uns zu reissen \u2013 auch dort. Wir versuchen nerv\u00f6s, uns durchzuhandeln, oder nehmen Schuld auf uns: \u201eWenn ich nur so und so getan h\u00e4tte, oder nicht so getan h\u00e4tte&#8230;&#8220;, sagen wir. Mit aller Macht versuchen wir, der Ohnmacht zu entgehen, denn sie ist schlimm.<\/p>\n<p>Gerade dort k\u00f6nnen wir lernen, uns als Diener einzufinden, und uns daneben zu setzen und zu schweigen, die Hand zu halten, die Wange zu streicheln, den schweren Weg mitzugehen. Der Diener ist gerufen und antwortet auf seinen Ruf.<\/p>\n<p>Das tut Jesus, und stellt Begriffe von Gr\u00f6sse und Ehre, Anf\u00fchrer, K\u00f6nig und Diener auf den Kopf. Jesus nimmt die Ohnmacht auf sich und geht an unserer Stelle. Sein Dienst ist offenbar.<\/p>\n<p>Jesus liess sich nicht versuchen, die Macht zu missbrauchen.<br \/>\nAls wahrer Diener nutzte er seine Macht, um uns einen Platz am Festtisch zu sichern, als Kinder des Hauses im Reich Gottes.<\/p>\n<p>In der \u00e4ussersten Ohnmacht wird klar, wer die Macht hat. Jesus bestand darauf, dass Gott sie hat. Am Kreuz ohne Handlungsm\u00f6glichkeit, ohne Macht im weltlichen Sinne, bestand Jesus auf Gottes Macht und gab sich hin.<\/p>\n<p>Die Hingabe, die Selbsthingabe \u2013 das ist die wahre Macht am rechten Ort.<\/p>\n<p>Gut so! Nun wissen wir, dass es einen gibt, der nicht versagt. Der unerm\u00fcdlich dient, pflegt, st\u00e4rkt, sammelt, f\u00fcr uns betet, mit uns geht, bedingungslos liebt und zum Leben aufrichtet. Mit Jesus als Meister ist die Fastenzeit eine gute \u00dcbungszeit: Ohne allzu viele Fragen, einfach einen Schritt vor den anderen, Tag f\u00fcr Tag auf diesem Pfad.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Anne-Marie Nybo Mehlsen, Maribo<br \/>\namnm(a)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich aber bin unter euch wie ein Diener | Invokavit | 22.02.2026 | Lukas 22,24\u201332 | Anne-Marie Nybo Mehlsen | Ich aber bin unter euch wie ein Diener&#8230; Jesus unterbricht einen h\u00e4sslichen Streit dar\u00fcber, wer nun der Gr\u00f6sste, der Wichtigste sein soll. 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