{"id":25990,"date":"2026-02-18T12:12:11","date_gmt":"2026-02-18T11:12:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25990"},"modified":"2026-02-18T12:12:11","modified_gmt":"2026-02-18T11:12:11","slug":"genesis-31-24-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/genesis-31-24-3\/","title":{"rendered":"Genesis 3,1\u201324"},"content":{"rendered":"<h3>Zweierlei Austausch zwischen Gott und Mensch | Invokavit | 22.02.2026 | Genesis 3,1\u201324 | Markus Kreis |<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zweierlei Austausch zwischen Gott und Mensch<\/strong><\/p>\n<p>Sie hat es gesagt! Sie hat es gesagt! Sie hat es gesagt! Die Sch\u00fcler der 11. Klasse feixen, knuffen sich in die Rippen, tuscheln aufgeregt. Die sexy Lehrerin f\u00fcr Erdkunde behandelt gerade Asien als Wirtschaftsraum. Dazu hat sie mit Hilfe eines Fachbegriffs ins Ged\u00e4chtnis gerufen, dass von Tibet aus einige der gr\u00f6\u00dften Fl\u00fcsse Asiens entweder ins chinesische Meer oder in den indischen Ozean entw\u00e4ssern.<\/p>\n<p>Unbedingt etwas anders verstehen wollen als gemeint! Das gelingt Menschen sogar bei Fachbegriffen. Zugegeben, das Beispiel eben ist sehr infantil. Andererseits: Wir Menschen sind doch zu jedem Alter Kinder der S\u00fcnde! Und laut Bibeltext hat beim Aufkommen der S\u00fcnde gerade das eine gro\u00dfe Rolle gespielt: Aus freien St\u00fccken etwas anders verstehen als gemeint.<\/p>\n<p>Ein Mensch \u2013 hie\u00df er Adam, hie\u00df sie Eva? &#8211; sinnierte da am Anfang in einem Garten. Folgen wir den Gedanken und Motiven:<\/p>\n<p>\u201eHat er das so gesagt? Oder hat er das nicht so gesagt? Das mit dem Essen der Frucht vom Baum der Erkenntnis. Und wenn ich das nicht mehr so genau wei\u00df, was hei\u00dft das dann? Soll ich die Bedeutung des fraglichen Satzes neu bedenken? Oder die Sache vergessen und einfach weiter machen wie bisher? K\u00f6nnte ich ja auch. Denn ich habe mich immer an das Verbot gehalten, weil ich Gott gut gesinnt war, ihm vertraut habe. Weil ich geglaubt habe, dass er mir gut will und mich weiter bringt im Leben. Alles lief von sich aus sehr gut. Aber wenn sich alles anders verh\u00e4lt? Vielleicht missg\u00f6nnt er mir, aus eigenen St\u00fccken zwischen Gut und B\u00f6se zu unterscheiden? Oder er hat damit oben und unten zementiert, die Rangfolge zwischen ihm als Herrscher und mir als sein Untertan? Was w\u00e4re, wenn ich es nun anders wollte? Und ja, ich will es anders. Ich will selber bestimmen statt mich bestimmen lassen. Statt eingegrenzt zu sein, will ich komplett offen sein und selber eingrenzen, was gut und b\u00f6se ist, was ich f\u00f6rdere und unterst\u00fctze und was ich verhindere und bek\u00e4mpfe!\u201c<\/p>\n<p>Und es geschah so. Und Gott der Sch\u00f6pfer erz\u00e4hlt, was er vom inneren Zwiegespr\u00e4ch des Menschen mitgekriegt hat. Und zwar, ohne dass der dabei mitgekriegt hat, dass er als Gott zugegen war:<\/p>\n<p>\u201eIch bin dann nicht mehr zu ihm durchgedrungen. Zuvor waren wir wie ein Herz und eine Seele. Tauschten uns aus wie mit einem Ohr und einer Stimme. Und auf einmal war es anders \u2013 als ob uns etwas trennen w\u00fcrde. Vorher waren wir eines Atems, jetzt war ich nur noch Luft f\u00fcr ihn. Statt ihn zu erreichen, fuhrwerkten seine Gedanken und Gef\u00fchle wie eine wilde Marionette der Ausburger Puppenkiste \u2013 nur dass ich alle andere als ein Drahtzieher bin. Ich konnte ganz nah an ihn ran und in ihn rein, und doch war etwas zwischen uns\u00a0 geraten. Wie eine Glaswand, die durchsichtig und grenzenlos flexibel ist, als ob ihr jegliche Masse fehlte. Der Mensch war mir verschlossen. \u201eWas ist da nur geschehen?\u201c dachte ich. Liegt es daran, dass er sich etwas anderem ge\u00f6ffnet hat? So d\u00fcrfte es wohl gewesen sein. Der Mensch \u00f6ffnete sich und f\u00fchlte sich entsprechend. Allerdings gewahrte er in seiner neuen Offenheit, dass er angreifbar und verletzlich ist. Daf\u00fcr war er alles andere als offen, das wollte er f\u00fcr sich ausschlie\u00dfen. Und tat dann genau das, was er mir, Gott, angekreidet hatte. Er grenzte sich ein. Und legte fest, was bei einem Menschen b\u00f6se und verschlossen und verboten war. Oder gut und offen und erlaubt sein sollte. Er machte sich also ein eigenes Gewissen. Und so beherrschte er sich selbst, statt dass ich ihn bestimmte. Beim n\u00e4chsten Kontakt mit mir stellten sich ihm folglich sogleich Probleme und Fragen. Einerseits wollte er offen f\u00fcr mich sein, schlie\u00dflich hatte ich ihm das Leben geschenkt \u2013 und das war nur das erste in einer Masse unz\u00e4hlig guter Dinge. Zum anderen alarmierte ihn, dass er mir alles andere als gut gesonnen gewesen. Selber missg\u00fcnstig, hatte er mich der Missgunst und Vorherrschaft verd\u00e4chtigt. Das sprach ihm sein Gewissen auch aus. Zusammen mit dem Gef\u00fchl, verletzlich und angreifbar zu sein, sah er mit seinem Verdacht da einiges auf sich zukommen, im Sinne von \u201eGleiches mit Gleichem\u201c vergelten. Und suchte, der Strafe und Einschr\u00e4nkung aus dem Wege zu gehen. Doch meine Lebenskraft ist st\u00e4rker als jeder Versuch, ihr zu entkommen. Und so tauchte neben der Stimme seines schlechten Gewissens unausweichlich eine zweite Stimme auf \u2013 die meine. Da hilft kein sich taub stellen. Die dringt mit Sicherheit durch, das kann ich ihnen sagen. Ich frage ihn, was denn los ist. Und gebe gleich selbst die Antwort vor, damit er nur noch ja zu sagen braucht. Wie er es von Anfang an und bisher sowieso gegen\u00fcber mir gemacht hat: Ja und Amen sagen. Alles ohne Angst und Klage hinzunehmen, da alles wie von selbst lief. Er hatte bis dahin tats\u00e4chlich keinen einzigen Austausch von Wort und Tat zu beklagen. Ja und Amen! Dann also w\u00e4re der Apfel, dann w\u00e4re die Sache gegessen gewesen. Vergeben und vergessen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs kam aber ein Jein zur\u00fcck.\u201c Der Mensch rei\u00dft das Wort an sich und erz\u00e4hlt weiter. \u201eAls Gott mich eindringlich fragte, was denn los ist, und mich festnageln wollte, da habe ich dementiert. Und es stimmt ja eigentlich auch. Es war gar nicht meine Idee, der Apfelschmaus. In Wahrheit ist mein Mitmensch daran schuld gewesen.\u201c<\/p>\n<p>Da platzt Gott der Kragen und er f\u00e4hrt dazwischen. \u201eNach oben buckeln, nach unten treten. Ja, ja, und beim Mitmenschen nat\u00fcrlich das gleiche Spiel: Der dementiert auch. Zwei Strolche, die aufeinander zeigen. Kennt man ja zur Gen\u00fcge. Nach dem Motto: Jetzt kann er weder Dir noch mir was. Wie blind ist das denn!\u201c<\/p>\n<p>\u201eHey, h\u00f6r auf, mich zu unterbrechen, lass mich gef\u00e4lligst ausreden!\u201c, wehrt sich der Mensch. \u201eIch hatte vielleicht Angst, dass Du mir den Apfelschmaus vergelten und mich strafen w\u00fcrdest!\u201c<\/p>\n<p>Die Regeln wieder missachtend sp\u00f6ttelt Gott: \u201eDiese Sorge hast Du gegen\u00fcber dem Mitmenschen weniger geteilt. Wenn Du an dessen Rache gedacht h\u00e4ttest, h\u00e4ttest Du ihn kaum so offen beschuldigt. Ziemlich unklug meiner Lieber. Der ist wie Du, untersch\u00e4tz den mal nicht, der will sich auch beweisen. Und vergisst dann jedem Gewissen zum Trotz, dass er auch Gegenstand von Vergeltung werden kann. Wolltest Du Deine neue Vormacht bewahren? Lieber den Mitmenschen unterdr\u00fccken?\u201c<\/p>\n<p>\u201eOkay! Stop mal!\u201c wirft der Mensch ein. \u201eIch r\u00e4ume ein: Dass Du mit diesem meinem Wunsch Deine gute Macht in Frage gestellt siehst, das wird mir jetzt klar. Du sollst Gott und Deinen N\u00e4chsten lieben wie Dich selbst! Mein eigenes Gewissen hat mich leider nur an Missgunst und Vergeltung denken lassen. Sonst h\u00e4tte ich Ja und Amen gesagt wie bisher. Und alles furchtlos hingenommen, weil ich tats\u00e4chlich wie fr\u00fcher nur Zuspruch erwartet h\u00e4tte. Stattdessen f\u00fchrte ich mich auf, als suchte ich etwas Dunkles zu umgehen. Als \u00e4ngstigte ich mich vor einem b\u00f6sen Gespr\u00e4ch mit Dir, einer Anklage oder einem Ereignis, mit dem Du mir Deine Grenzen aufzeigst.\u201c<\/p>\n<p>Gott st\u00f6hnt innerlich leise auf. Er hat es so satt. Er leidet unter Misstrauen und Missgunst, die in den Menschen herrscht. Ihm gegen\u00fcber und untereinander. Und deswegen sagt er im Stillen zu sich: \u201eDiesem meinen Leiden wirke ich mit Leidenschaft entgegen. Ich grenze Missgunst und Misstrauen der Menschen mir gegen\u00fcber ein. Ich nehme ihnen Misstrauen und fl\u00f6\u00dfe Vertrauen in mein Wohlwollen ein. Und zwar einmal so, dass sie einen neuen Status bekommen: Aus von mir umfassend Bestimmten erh\u00f6he und erm\u00e4chtige ich sie zu eigenen Bestimmern. Sie schaffen und arbeiten von nun an nach ihrem Gutd\u00fcnken biologisch und technisch an der Welt, sie zeugen und geb\u00e4ren, sie entdecken und erfinden, erst im Ackerbau, dann im Bau der St\u00e4dte. Schlie\u00dflich in Maschinenbau und Universit\u00e4t. Die Offenheit begrenzt allein dadurch, dass ihre Kraft sich ersch\u00f6pft und trotz Ruhezeit langsam schwindet bis in den Tod. Und indem sie wissen, dass sie einander verletzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ja, mehr noch: Ich, Gott, ich lebe mein Leiden mit einer Leidenschaft aus, die sich sogar gegen mich richtet. Ich setze mich ihrer Missgunst aus, auf dass die Menschen ganz sicher sind ob meiner G\u00fcte und Bereitschaft zu vergeben. Daf\u00fcr zahle ich jeden Preis. Und lasse mich von ihnen zu einer Zeit verletzen und um die Ecke bringen. Nur damit sie sich im Blick auf mich als Gewinner und Macher sehen und sp\u00fcren k\u00f6nnen. Doppelte Gewinner und Macher sollen sie werden in ihrem Spiel. Einmal Macher und Gewinner \u00fcber mich, den ewigen Gott, in ihrem b\u00f6sen Spiel, all ihrer Begrenztheit zum Trotz. Und zugleich Macher und Gewinner im Guten, weil ich ihren Sieg \u00fcberlebe und ihnen vergebe. Amen.\u201c<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>1\u00a0Und die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte, und sprach zu der Frau: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen B\u00e4umen im Garten?\u20022\u00a0Da sprach die Frau zu der Schlange: Wir essen von den Fr\u00fcchten der B\u00e4ume im Garten;\u20023\u00a0aber von den Fr\u00fcchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, r\u00fchret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet!\u20024\u00a0Da sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben,\u20025\u00a0sondern Gott wei\u00df: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und b\u00f6se ist.\u20026\u00a0Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen w\u00e4re und dass er eine Lust f\u00fcr die Augen w\u00e4re und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von seiner Frucht und a\u00df und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er a\u00df.\u20027\u00a0Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenbl\u00e4tter zusammen und machten sich Schurze.\u20028\u00a0Und sie h\u00f6rten Gott den HERRN, wie er im Garten ging, als der Tag k\u00fchl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN zwischen den B\u00e4umen im Garten.\u20029\u00a0Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du?\u200210\u00a0Und er sprach: Ich h\u00f6rte dich im Garten und f\u00fcrchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich.\u200211\u00a0Und er sprach: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot, du solltest nicht davon essen?\u200212\u00a0Da sprach Adam: Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum und ich a\u00df.\u200213\u00a0Da sprach Gott der HERR zur Frau: Warum hast du das getan? Die Frau sprach: Die Schlange betrog mich, sodass ich a\u00df.\u200214\u00a0Da sprach Gott der HERR zu der Schlange: Weil du das getan hast, seist du verflucht vor allem Vieh und allen Tieren auf dem Felde. Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Staub fressen dein Leben lang.\u200215\u00a0Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.\u200216\u00a0Und zur Frau sprach er: Ich will dir viel M\u00fchsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter M\u00fchen sollst du Kinder geb\u00e4ren. Und dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein.\u200217\u00a0Und zum Mann sprach er: Weil du gehorcht hast der Stimme deiner Frau und gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen \u2013, verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit M\u00fchsal sollst du dich von ihm n\u00e4hren dein Leben lang.\u200218\u00a0Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen.\u200219\u00a0Im Schwei\u00dfe deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde wirst, davon du genommen bist. Denn Staub bist du und zum Staub kehrst du zur\u00fcck.\u200220\u00a0Und Adam nannte seine Frau Eva; denn sie wurde die Mutter aller, die da leben.\u200221\u00a0Und Gott der HERR machte Adam und seiner Frau R\u00f6cke von Fellen und zog sie ihnen an.\u200222\u00a0Und Gott der HERR sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und wei\u00df, was gut und b\u00f6se ist. Nun aber, dass er nur nicht ausstrecke seine Hand und nehme auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich!\u200223\u00a0Da wies ihn Gott der HERR aus dem Garten Eden, dass er die Erde bebaute, von der er genommen war.\u200224\u00a0Und er trieb den Menschen hinaus und lie\u00df lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<hr \/>\n<p>Markus Kreis OStR<br \/>\nHirschkopfstra\u00dfe 9<br \/>\nD-69469 Weinheim<br \/>\nmarkus_kreis@web.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zweierlei Austausch zwischen Gott und Mensch | Invokavit | 22.02.2026 | Genesis 3,1\u201324 | Markus Kreis | &nbsp; Zweierlei Austausch zwischen Gott und Mensch Sie hat es gesagt! Sie hat es gesagt! Sie hat es gesagt! Die Sch\u00fcler der 11. Klasse feixen, knuffen sich in die Rippen, tuscheln aufgeregt. 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