{"id":26020,"date":"2026-03-04T12:02:29","date_gmt":"2026-03-04T11:02:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26020"},"modified":"2026-03-04T12:02:41","modified_gmt":"2026-03-04T11:02:41","slug":"lukas-957-62-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-957-62-5\/","title":{"rendered":"Lukas 9,57-62"},"content":{"rendered":"<h3>Mit offenen Augen den Weg gehen | Okuli | 08. M\u00e4rz 2026 | Lk 9,57-62 | Peter Schuchardt |<\/h3>\n<p><em>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des Hl. Geistes sei mit euch allen! Amen<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder,<\/p>\n<p>ich war letztes Jahr wandern in Norwegen. Es war eine herrliche Tour, die mich durch W\u00e4lder, ins Gebirge und \u00fcber Felder f\u00fchrte. Ich orientierte mich immer an den kleinen brauen Hinweisschildern. Wenn ich eines davon sah, dann wusste ich: Ich bin auf dem richtigen Weg. Ich wei\u00df noch, einmal war ein sehr hei\u00dfer Tag. Ich war in Gedanken versunken. Ich \u00fcbersah einen Wegweiser und verpasste so die richtige Abzweigung. Ich lief weiter, ohne es zu merken. Erst als ich immer weiter in den Wald kam und ein Weg nicht mehr zu erkennen war, wurde mir klar: Ich war falsch! So musste ich die ganze Strecke zur\u00fcckgehen. Es dauerte ziemlich lange, bis ich wieder auf dem richtigen Weg war. Aber seitdem passte ich immer auf, dass ich ja nicht noch einmal einen Wegweiser \u00fcbersah.<\/p>\n<p>Der heutige Sonntag tr\u00e4gt den Namen Okuli. <em>Meine Augen<\/em>, hei\u00dft das \u00fcbersetzt, und er bezieht sich auf einen Vers im Psalm 25, denn dort hei\u00dft es: <em>Meine Augen sehen stets auf den Herren!<\/em> Das will mir sagen: \u00a0Wenn du auf Gott guckst, auf ihn achtest, auf ihn h\u00f6rst, dann bleibst du auf dem guten Weg. Dann verirrst du dich nicht, so wie ich, als ich den Wegweiser \u00fcbersah und auf dem falschen Weg weitergelaufen bin.<\/p>\n<p>Der Sonntag heute stellt uns die Frage: Wo hast du deine Augen? Wo guckst du hin? Achtest du auf den Weg, auf die Hinweise, oder gehst du gedankenverloren deinen Weg durch die Zeit? Dann kann es gut sein, dass du dich irgendwann wunderst, wo du angekommen bist. Mancher von euch kann da sicher Geschichten erz\u00e4hlen, wie ihr abgekommen seid vom richtigen Weg. Das geht ganz schnell, das kann ich euch sagen!<\/p>\n<p>Unser Predigttext f\u00fcr heute erz\u00e4hlt von drei Begegnungen von Menschen, die Jesus auf seinem Weg treffen:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Unterwegs sagte jemand zu Jesus: \u00bbIch will dir folgen, wohin du auch gehst!\u00ab Jesus antwortete:\u00a0<\/em><em>\u00bbDie F\u00fcchse haben ihren Bau und die V\u00f6gel ihr Nest. Aber der Menschensohn hat keinen Ort, an dem er sich ausruhen kann.\u00ab Einen anderen forderte Jesus auf: \u00bbFolge mir!\u00ab Aber der sagte: \u00bbHerr, erlaube mir,\u00a0<\/em><em>zuerst noch einmal nach Hause zu gehen und meinen Vater zu begraben.\u00ab Aber Jesus antwortete:\u00a0<\/em><em>\u00bb\u00dcberlass es den Toten, ihre Toten zu begraben. Du aber geh los und verk\u00fcnde das Reich Gottes!\u00ab\u00a0<\/em><em>Wieder ein anderer sagte zu Jesus: \u00bbIch will dir folgen, Herr! Doch erlaube mir, zuerst von meiner Familie Abschied zu nehmen.\u00ab Aber Jesus antwortete: \u00bbWer die Hand an den Pflug legt und zur\u00fcckschaut,\u00a0<\/em><em>der eignet sich nicht f\u00fcr das Reich Gottes.\u00ab<\/em> (Lk 9, 57-62 Basisbibel)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Drei Begegnungen, liebe Schwestern und Br\u00fcder, die von der Sehnsucht erz\u00e4hlen: Ich m\u00f6chte mit dir gehen Jesus. Und eigentlich sollte Jesus sich doch freuen! <em>Super, dass du bei uns mitmachen willst. Ich freue mich, dass du nun zu uns geh\u00f6rst.<\/em> Aber das sagt Jesus nicht. Es sind drei Begegnungen, die in denen Jesus fragt: Hast du richtig hingeguckt? Hast du erkannt, mit wem du den Weg gehen willst, wem du nachfolgen willst? Jesus ist bekannt, sein Ruf verbreitet sich schnell. Menschen kommen von \u00fcberall her zu ihm<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>. Doch Er ist eben viel mehr, ja etwas ganz anderes als einer der zahlreichen Wunderheiler. Er ist kein Star, in dessen Glanz man sich sonnen kann. Er ist der Sohn Gottes. Und der Sohn Gottes geht nun seinen Weg zum Kreuz. Jesus erz\u00e4hlt seinen J\u00fcngern davon, dass er bald leiden und sterben wird<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. Denn, liebe Schwestern und Br\u00fcder, es ist ein besonderer Wegabschnitt, den Jesus eingeschlagen hat. Kurz vor diesen drei Begegnungen schreibt Lukas: \u00a0<em>Dann war es so weit: Die Tage kamen n\u00e4her, an denen Jesus die Welt verlassen und in den Himmel aufgenommen werden sollte. Jesus machte sich fest entschlossen auf den Weg nach Jerusalem<\/em>.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Es ist also nicht irgendein Weg, auf dem diese drei Menschen Jesus begegnen, es ist der Weg in das Leiden, in die Passion Jesu hinein. Wir sind ja nun in der Passionszeit. Sie f\u00fchrt uns das Leiden und Sterben Jesu besonders deutlich vor Augen.<\/p>\n<p>Lukas sagt uns in seinem Evangelium: Jesus wei\u00df, wo der Weg ihn hinf\u00fchren wird. Doch sehen das auch diese Menschen? Jesus wei\u00df: viele projizieren ihre Sehns\u00fcchte, ihre Tr\u00e4ume, all ihre W\u00fcnsche in ihn hinein. Er soll nun die Welt retten, er soll das B\u00f6se \u00fcberwinden. Mit ihm soll die neue Zeit beginnen<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>. Und das alles wird auch geschehen, doch dazu muss Jesus durch das Leiden hindurch. Das ist schwer zu begreifen. Sogar Petrus versteht das zu Anfang \u00fcberhaupt nicht<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>. Jesus will deutlich machen: \u00dcberleg dir gut, worauf du dich einl\u00e4sst. Dieser Weg ist kein Jubelweg, auch wenn Menschen uns zujubeln werden<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>. Dieser Weg f\u00fchrt in das Leiden und in den Tod hinein. Dieser Weg verlangt deine volle Konzentration und Aufmerksamkeit. Wenn du das alles wei\u00dft, dann kannst du mit mir gehen. Das klingt erst einmal hart und schroff, doch es ist f\u00fcr Lukas ganz wichtig. Diesen Weg mit Jesus zu gehen, das ist eine Entscheidung. Da hei\u00dft es Abschied zu nehmen von alten Verbindungen: Lass die Toten ihre Toten begraben, du aber \u00f6ffne deine Augen f\u00fcr das Leben, das mit dem Reich Gottes zu euch kommt. Denn da, wo das Reich Gottes verk\u00fcndigt wird, ist Leben. Lass die alten Vorstellungen, vom Denken, das nur zur\u00fcckguckt, hinter dir. Mach es wie der Bauer, der wei\u00df: Um das Feld gut vorzubereiten, muss ich beim Pfl\u00fcgen nach vorne gucken, nicht zur\u00fcck. Nur so wird die Spur, die der Pflug zieht, gerade und gut. Ihr merkt, liebe Schwestern und Br\u00fcder: Jesus will den Blick nach vorne lenken.<\/p>\n<p>Wir lesen nichts von den Antworten und Reaktionen dieser drei Menschen, die doch so gern mit Jesus gehen wollen. Und das macht Lukas ganz bewusst so. Er fragt damit uns: Was wirst du tun? H\u00f6rst du diese gute Nachricht? Siehst du, erkennst du das Neue, das mit Jesus in die Welt gekommen ist und das dein Leben pr\u00e4gen will? Das Leiden, die Unbehaustheit, das Schwere, das kommt nat\u00fcrlich auch im Leben von uns Christenmenschen vor. Doch wir sehen mit unseren Augen frohen Herzens in die Zukunft. Diese drei Fragen sind Wegzeichen Gottes au unserem Weg. Denn die Zukunft geh\u00f6rt Gott. Und das zeigt sich gerade am Kreuz, an dem Ort, wo Jesus wie ein Verbrecher hingerichtet wird. Die Menschen, die um das Kreuz herumstehen, sehen, wie Jesus am Kreuz stirbt. F\u00fcr sie ist er gescheitert. Einer der vielen Prediger, denen man eine Zeitlang folgt und die dann vergessen werden. Doch Gott wird diesen Weg, den Jesus geht, nicht im Tod enden lassen. Lukas schreibt von dem Leiden und Sterben Jesu. Er erz\u00e4hlt auch von der Auferstehung. Er erz\u00e4hlt von dem ungl\u00e4ubigen Staunen der J\u00fcnger, als die Frauen vom leeren Grab erz\u00e4hlen. \u201eDas ist doch unsinniges Geschw\u00e4tz, was ihr das sagt!\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a>. Und er berichtet noch einmal von Menschen, die auf dem Weg sind, auf dem Weg nach Emmaus<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a>. Das sind zwei J\u00fcnger, die auch nicht nach vorne gucken, die von Trauer und Tod erf\u00fcllt sind. Sie blicken nur zur\u00fcck auf das Leben Jesu und verstehen es nicht. Warum musste Jesus sterben? Auf diesem Weg kommt Jesus zu ihnen. Doch sie erkennen ihn nicht. In der Bibel hei\u00dft es: Ihre Augen wurden von der Trauer gehalten. Jesus, der Auferstandene, legt ihnen dann die Schrift aus, er deutet sein Leben und Sterben mit den Worten der Bibel. So erreichen sie das Dorf Emmaus und laden Jesus zum Essen ein. Erst als Jesus das Abendmahl mit ihnen feiert und das Brot bricht, da erkennen sie ihn. Da gehen ihnen die Augen auf. Der Weg Jesu f\u00fchrt durch das Leiden hin zum Leben. Auch der Weg ans Kreuz ist ein Weg ins Leben. Und er will auch unser Leben durch das Leiden hindurchf\u00fchren. Denn der Weg Jesu ist der Weg, der in das Leben f\u00fchrt. Die ersten Christen haben das ganz tief begriffen. Sie nannten das, was sie von Jesus erz\u00e4hlten, und an die Menschen weitergaben, den \u201eneuen Weg\u201c<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a>. Ja, wir vertrauen auf Jesus, der von sich selber sagt: \u201eIch bin der Weg.\u201c<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Diesem Jesus folgen wir. Nach ihm, Christus, tragen wir als Christen und Christinnen seinen Namen. Wir verschlie\u00dfen nicht die Augen vor der Wirklichkeit, in der wir leben. Wir gehen mit offenen Augen durch diese Welt. In uns ist eine besondere Haltung zum Leben, zum Tod, zu dieser Welt. Denn wir wissen: Leiden und Tod geschehen, doch das ist nicht alles. Gott \u00f6ffnet uns die Augen f\u00fcr die Spuren seiner Liebe, die Wegzeichen, die uns zeigen: \u00fcberall w\u00e4chst schon jetzt das Leben. Und indem wir davon erz\u00e4hlen, legen wir eine Spur der Hoffnung in diese Welt. Und diese Hoffnung braucht sie gerade jetzt besonders. Lasst uns also zu Hoffnungsboten werden und getr\u00f6stet, fr\u00f6hlich und zuversichtlich von unserem Gott erz\u00e4hlen, der diese Welt mit allem in seinen guten H\u00e4nden h\u00e4lt. Amen<\/p>\n<p><strong>Liedvorschl\u00e4ge<\/strong><br \/>\nWir haben Gottes Spuren festgestellt, Durch Hohes und Tiefes 298<br \/>\nJesu, geh voran EG 391<br \/>\nIn dir ist Freude EG 398<br \/>\nKreuz, auf das ich schaue, Himmel, Erde, Luft und Meer (Beiheft der Nordkirche) 21<\/p>\n<hr \/>\n<p>Pastor Peter Schuchardt<br \/>\nBredstedt<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:peter.schuchardt@kirche-nf.de\">peter.schuchardt@kirche-nf.de<\/a><\/p>\n<p>Peter Schuchardt, geb. 1966, Pastor der Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), seit 1998 Pastor an der St. Nikolai Kirche in Bredstedt\/Nordfriesland (75%), seit 2001 zus\u00e4tzlich Klinikseelsorger an der DIAKO NF\/Riddorf (25%).<\/p>\n<p><strong>Fussnoten<br \/>\n<\/strong><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Lk 6,19<br \/>\n<a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Lk 9,22; 43b.44<br \/>\n<a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Lk 9, 51<br \/>\n<a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Lk 24,21<br \/>\n<a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Mt 16,22<br \/>\n<a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Lk 19,35-38<br \/>\n<a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Lk 24,11<br \/>\n<a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Lk 24,13-35<br \/>\n<a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Apg 9,2; 19,9.23; 22,4; 24,14<br \/>\n<a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Joh 14,6<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit offenen Augen den Weg gehen | Okuli | 08. 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