{"id":26088,"date":"2026-03-17T18:05:15","date_gmt":"2026-03-17T17:05:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26088"},"modified":"2026-03-17T18:05:15","modified_gmt":"2026-03-17T17:05:15","slug":"hebraeer-1312-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/hebraeer-1312-14\/","title":{"rendered":"Hebr\u00e4er 13,12-14"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Judika | 22.03.2026 | Hebr 13,12-14 | Hansj\u00f6rg Biener |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Predigttext<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">12 Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten drau\u00dfen vor dem Tor. 13 So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. 14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zuk\u00fcnftige suchen wir. (Hebr\u00e4erbrief 13,12-14)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Erweiteres Kyrie<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein Vers aus dem heutigen Predigttext ist in der Luther-Bibel fett gedruckt. Das bedeutet: Er ist ein Kernvers, den man sich besonders merken soll:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eWir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zuk\u00fcnftige suchen wir.\u201c (Hebr\u00e4er 13,14)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich habe mich gefragt: F\u00fcr wen ist das hilfreich? Wann ist das tr\u00f6stlich? Die Tradition hat bekanntlich folgenderma\u00dfen geantwortet: Beim Sterben gehen Christen in die himmlische Stadt. Im Lauf der Jahrhunderte ist der Lernvers, wei\u00df Gott, sicher viel gebraucht worden. Ob er immer tr\u00f6stlich war? Ich wei\u00df es nicht. Vielleicht deckte er die Not nur noch mehr auf. Denn nur die Sterbenden gingen vielleicht in eine ewige Stadt; die Lebenden hatten weiter mit den Herausforderungen des Lebens zu tun.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich habe diese Gedanken in ein erweitertes Kyrie eingebracht. Mir sind so viele Situationen eingefallen, wo dieser Vers etwas Wichtiges sagen k\u00f6nnte und viele trotzdem antworten w\u00fcrden: \u201eVertr\u00f6stung.\u201c Ich lade Sie ein, diese Beispiele zu h\u00f6ren, und \u00fcber das Leben mitzuseufzen. Wir bringen diese Situationen vor Gott mit den Worten \u201eHerr, erbarme dich.\u201c Und ich werde die biblische Erinnerung dazustellen. \u201eWir haben hier keine bleibende Stadt, die zuk\u00fcnftige suchen wir.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eAls das Kleine sich anmeldete, wussten wir: Unsere Wohnung ist zu klein. Also begannen wir \u00fcberall Zettel aufzuh\u00e4ngen. \u201aJunges Paar sucht bezahlbare Wohnung.\u2018 Aber in unserer Stadt ist das schwierig.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als Gemeinde sagen wir: \u201eHerr, erbarme dich.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und die Bibel erinnert uns: \u201eWir haben hier keine bleibende Stadt, die zuk\u00fcnftige suchen wir.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als das Semester nahte, wurde es hektisch. Immer noch keine WG am Uni-Ort, geschweige denn eine Wohnung. Am Ende wurde es ein Zimmer bei entfernten Bekannten der Eltern, von dem aus er weitersuchen sollte. So hatte er sich die neue Freiheit des Studentenlebens nicht vorgestellt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als Gemeinde sagen wir: \u201eHerr, erbarme dich.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und die Bibel erinnert uns: \u201eWir haben hier keine bleibende Stadt, die zuk\u00fcnftige suchen wir.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Kleinstadt war ihr immer zu klein gewesen. Jeder kannte jeden. Jeder wusste alles. Und jeder konnte \u00fcber sie mitquatschen. Und so war sie in die weite Welt gezogen. Gro\u00dfstadtluft hat sie frei gemacht. In Berlin. In Rom. In New York. Sie hatte Bekannte in aller Welt, vielleicht auch den einen oder anderen Freund. Am Ende aber war sie nirgendwo auf Dauer \u201eangekommen\u201c. \u201eWo geh\u00f6re ich eigentlich hin?\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als Gemeinde sagen wir: \u201eHerr, erbarme dich.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und die Bibel erinnert uns: \u201eWir haben hier keine bleibende Stadt, die zuk\u00fcnftige suchen wir.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eWissen Sie, Herr Pfarrer, wir haben das hier mit eigenen H\u00e4nden gebaut. Hier haben wir unsere Kinder erzogen. Hier habe ich meinen Mann gepflegt. Und jetzt ist das Haus so gro\u00df&#8230;\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als Gemeinde sagen wir: \u201eHerr, erbarme dich.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und die Bibel erinnert uns: \u201eWir haben hier keine bleibende Stadt, die zuk\u00fcnftige suchen wir.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eHier bringt Ihr mich nur im Sarg hinaus\u201c, sagte er trotzig. Jahrzehntelang hatte er diese Wohnung bewohnt. Seine Frau hatte sie noch auf die Warteliste f\u00fcrs Seniorenheim setzen lassen. Aber irgendwie hatten sie den Absprung verpasst. Jetzt, wo der Pflegefall eingetreten war, war es schwierig.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als Gemeinde sagen wir: \u201eHerr, erbarme dich.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und die Bibel erinnert uns: \u201eWir haben hier keine bleibende Stadt, die zuk\u00fcnftige suchen wir.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Gnadenzuspruch<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nur einige Beispiele und nicht die krassesten. Es sind Beispiele f\u00fcr, wenn das Leben, sagen wir mal, in \u201enormalen Bahnen\u201c l\u00e4uft. Ich kann mir noch viele \u201enicht normale Bahnen\u201c des Lebens denken, wo man unfreiwillig Wohnungen, H\u00e4user und St\u00e4dte verl\u00e4sst. Krieg, Flucht und Vertreibung, D\u00fcrre und marodierende Banden, erzwungene Migration.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In diese Welt spricht die Bibel ganz n\u00fcchtern:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(1) Sei realistisch im Blick auf die Welt: \u201eWir haben hier keine bleibende Stadt.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(2) Aber bleibe f\u00fcr die Zukunft offen: \u201eDie zuk\u00fcnftige Stadt suchen wir.\u201c Es gibt eine Stadt, in der alles Leiden abf\u00e4llt, die Stadt Gottes, in die Du eines Tages umziehen kannst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und bis dahin sollten wir es mit einem Lied aus der katholischen Kirche halten:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eWir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">mit mancherlei Beschwerden der ewigen Heimat zu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Wege sind verlassen, und oft sind wir allein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In diesen grauen Gassen will niemand bei uns sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nur einer gibt Geleite, das ist der Herre Christ.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er wandert treu zur Seite, wenn alles uns vergisst.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(Georg Thurmair\/Adolf Lohmann 1935)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Predigt<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Einen Vers aus dem heutigen Predigttext<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">habe ich in diesem Gottesdienst\/ist in den Luther-Bibeln im Druck<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">schon hervorgehoben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eWir haben hier keine bleibende Stadt, die zuk\u00fcnftige suchen wir.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dieser Vers ist in der Luther-Bibel als Kernvers fett gedruckt. Das geht tats\u00e4chlich bis auf Martin Luther zur\u00fcck. Der Reformator wollte einen Grundbestand von Bibelversen und -geschichten in den K\u00f6pfen und Herzen der Menschen. Und er ging dabei das Risiko ein, dass manche Bibelverse ein Eigenleben bekamen. Ein Gegengewicht dazu kann die Auslegung sein, z. B. in der heutigen Predigt. Der Bibelvers ist eben keine allgemeing\u00fcltige religi\u00f6se Sentenz. Er gr\u00fcndet in dem, was Jesus getan und erm\u00f6glicht hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir werden im Folgenden \u00fcber St\u00e4dte nachdenken und \u00fcber uns in ihnen. Wir werden \u00fcber Jerusalem und Golgatha reden und \u00fcber Neu-Jerusalem, aber zuvor \u00fcber St\u00e4dte, die wir vielleicht besser kennen. Ich nenne ein paar Namen und bin sicher, Ihnen f\u00e4llt etwas dazu ein. Sie m\u00fcssen dazu nicht einmal dort gewesen sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>St\u00e4dte mit Klang im Namen<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich sage mal \u201e<strong>New York<\/strong>, <strong>Rio<\/strong>, <strong>Tokyo<\/strong>\u201c (Trio Rio 1986) und schon f\u00e4llt uns was ein. [Und weil ich hier mit Musiktiteln arbeite, sage ich mal: \u201ePodmoskownyje Wetschera \u2013 Moskauer N\u00e4chte\u201c (Wassili Solowjow-Sedoi\/Michail Matussowski 1956), die Erkennungsmelodie des Hauptsenders Majak. Wer in der Sowjetunion und Russland gelebt hat, wird Tr\u00e4nen in die Augen bekommen.]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vertiefen wir es:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Paris<\/strong> \u2013 Hauptstadt der franz\u00f6sischsprachigen Welt [Frankophonie]: Eiffelturm, Louvre, Seine-Ufer und Notre-Dame, \u201eOh, Champs-Elys\u00e9es\u201c (Joe Dassin 1969), Triumphbogen und so viel mehr. Und \u00fcberhaupt: \u201eParis \u2013 die Stadt der Liebe.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Rom<\/strong> \u2013 Zentrum der katholischen Christenheit \u2013 Kolosseum und Trevi-Brunnen, Petersdom und Pantheon, Spanische Treppe und dolce vita im Caf\u00e9. Und \u00fcberhaupt: \u201eRom \u2013 die ewige Stadt\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>New York<\/strong> \u2013 Hafen der Ankunft f\u00fcr Europas Auswanderer: Freiheitsstatue, Manhattan und seine Skyline, Broadway, Central Park. Und \u00fcberhaupt: \u201eNew York \u2013 die Stadt, die niemals schl\u00e4ft\u201c. Ich bin nicht Frank Sinatra, aber vielleicht h\u00f6ren Sie ihn mit: \u201eStart spreadin&#8216; the news \/ I&#8217;m leavin&#8216; today \/ I want to be a part of it \/ New York, New York\u201c und \u201eIf I can make it there, I&#8217;ll make it anywhere.\u201c Und eben auch \u201eI want to wake up in a city that never sleeps\u201c. (Frank Sinatra 1978) \u201eIch m\u00f6chte in einer Stadt aufwachen, die niemals schl\u00e4ft.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Berlin<\/strong> \u2013 deutsche Hauptstadt mit schwieriger Geschichte: Brandenburger Tor, Siegess\u00e4ule, Fernsehturm und Alexanderplatz. Und \u00fcberhaupt: \u201eBabylon Berlin\u201c in mehr als einer Hinsicht. Goldene Zwanziger und braune Drei\u00dfiger, Hitler-Hauptstadt und hippe Hauptstadt eines wiedervereinigten Deutschlands.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie haben es gemerkt: Ich nenne eine Stadt, und wir haben Bilder im Kopf, vielleicht auch Erinnerungen an historische Ereignisse. Es sind nicht immer glorreiche Momente. Es sind immer wieder auch tiefe Verletzungen. <strong>New York<\/strong> \u2013 Ground Zero, wo das World Trade Center stand, bis es 2001 durch zwei spektakul\u00e4re Flugzeugangriffe von al-Qaida-Terroristen gef\u00e4llt wurde. <strong>Berlin<\/strong> \u2013 Tr\u00fcmmerberg am Ende des von Hitler-Deutschlands ausgel\u00f6sten Weltkriegs, mit Leichengeruch schon weit vor den Stadtgrenzen, geteilte Stadt bis 1989 mit Mauer und Todeszone.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Alle diese St\u00e4dte haben ihre Geschichte, vor allem aber Geschichte<u>n<\/u>. Es geht um ein Flair, eine Aura, eine Atmosph\u00e4re, eine Vorstellung, die etwas erfasst, wenngleich nicht alles. Touristen werden eine Stadt stets anders erleben als die Einheimischen. An <strong>Paris<\/strong> interessieren eben nicht die Vorst\u00e4dte \/ banlieues, an <strong>Berlin<\/strong> nicht die Plattenbauten. Solcherma\u00dfen vorbereitet k\u00f6nnen wir die Stadt in den Blick nehmen, die der Predigttext im Blick hat: Jerusalem.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Jerusalem<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich fange wieder mit Assoziationen an wie bei den anderen St\u00e4dten:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Jerusalem<\/strong> \u2013 Mittelpunkt der j\u00fcdischen Welt, besungen in den Zionspsalmen, die Martin Luthers \u201eEin feste Burg ist unser Gott\u201c (vor 1529) inspiriert haben, mehrfach erobert und zerst\u00f6rt, Zankapfel zwischen den Religionen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zur Zeit Jesu stand der Tempel des Herodes noch. Er war der unbestrittene Mittelpunkt der Stadt und der j\u00fcdischen Welt. Dreimal im Jahr war er Ziel der Pilgerschaft von ganz Israel. Dann wuchs Jerusalem von vielleicht 100.000 auf mehrere 100.000 Menschen. D\u00f6rfler und Kleinst\u00e4dter aus allen Landesteilen m\u00fcssen tief beeindruckt gewesen sein. \u201eWer nie den Tempel von Herodes gesehen hat, hat nie im Leben ein pr\u00e4chtiges Bauwerk gesehen.\u201c So die j\u00fcdische \u00dcberlieferung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als der Predigttext entstanden ist, stand der Tempel nicht mehr. Er wurde im j\u00fcdischen Krieg zerst\u00f6rt, in dem die R\u00f6mer einen j\u00fcdischen Aufstand mit aller Macht niedergeschlagen haben. Nicht nur der Tempel wurde zerst\u00f6rt, auch Jerusalem als Ganzes. Die j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung wurde aus der Stadt verbannt. Wieder einmal \u201eRivers of Babylon\u201c (Boney M. 1978), inspiriert von Psalm 137, wo die Verbannten einer ersten Zerst\u00f6rung Jerusalems um die verlorene Heimat trauerten. In diesem Krieg ist \u00fcbrigens auch das Judenchristentum untergegangen, jener Teil Israels, der Jesus als Messias angenommen hatte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Christen allerdings hatten schon vorher \u00fcber Jerusalem zu trauern gehabt. In Jerusalem war ja Jesus zum Tod verurteilt und vor seinen Toren zu Tode gebracht worden. Und damit sind wir bei den beiden Versen vor unserem Lernvers und dem Ort, der die St\u00e4dtereihe durchbricht: Golgatha.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Golgatha<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die wissenschaftliche Auslegung qu\u00e4lt sich mit dem Verst\u00e4ndnis, weil der Hebr\u00e4erbrief so viele verschiedene biblische Themen ineinander verschr\u00e4nkt. Assoziativ, wie wir vorhin die vielen Ideen zu den mythischen St\u00e4dten unserer Zeit gesammelt haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">12 Jesus hat, damit er das Volk heilige durch sein Blut, gelitten drau\u00dfen vor dem Tor.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">13 So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vier Themen werden hier nur angetippt und sind deshalb f\u00fcr uns erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eHeiligung durch Blut\u201c, \u201edrau\u00dfen vor dem Tor\u201c, drau\u00dfen vor dem Lager und \u201eseine Schmach\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Blut, das wissen wir, ist ein besonderer Saft. Im Blut ist das Leben, sagten die Alten, und daran ist jedenfalls das richtig, dass wir innerlich und \u00e4u\u00dferlich verbluten k\u00f6nnen. Im Blut ist das Leben, sagten die Alten, und deshalb n\u00e4herte man sich einer Gottheit fr\u00fcher niemals ohne ein Opfer. Nur so wurden die Menschen gottesdienstf\u00e4hig. Wir heute k\u00f6nnen das kaum noch verstehen, denn f\u00fcr die Christenheit ist Jesus das letzte und ultimative Opfer gewesen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eVor dem Tor\u201c ist sicherlich w\u00f6rtlich zu verstehen. Golgatha, der Ort von Jesu Kreuzigung, war nicht innerhalb der Stadtmauern Jerusalems. Wo genau, wissen wir nicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bei vor dem Tor denkt der Autor des Hebr\u00e4erbriefs automatisch an eine Vorausschattung in der Heiligen Schrift Israels. Jom Kippur. Zum Ritual des Gro\u00dfen Vers\u00f6hnungstags geh\u00f6rten zun\u00e4chst Opfer, wo das Blut zur Heiligung des ausf\u00fchrenden Priesters und des Heiligtums verwendet wurde. Dann gab es aber noch ein weiteres Tier, den seit Luther so genannten \u201eS\u00fcndenbock\u201c. Ihm wurde symbolisch die ganze Schuld Israels aufgeladen und dann wurde er \u201eau\u00dferhalb des Lagers\u201c sprichw\u00f6rtlich \u201ein die W\u00fcste geschickt\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zuletzt noch \u201eSchmach\u201c: Das bezieht sich auf den Tod Jesu am Kreuz. Jesu Tod hatte nichts Romantisches und nichts Heldenhaftes. \u201eVerflucht ist, wer am Holze h\u00e4ngt\u201c (Gal. 3,13 mit Bezug auf Dtn. 21,23) Das war die allgemeine \u00dcberzeugung. Wer also sollte noch zu so jemandem halten. Die ersten J\u00fcnger haben das damals erst einmal auch nicht gekonnt. Erst nach der Auferstehung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich fasse die Erkl\u00e4rungen zusammen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eWir haben hier keine bleibende Stadt, die zuk\u00fcnftige suchen wir.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">weil uns ein Umzug in eine neue Stadt verhei\u00dfen ist. Noch ist das in der Bibel andernorts so genannte \u201ehimmlische Jerusalem\u201c nicht da, doch ist es f\u00fcr uns bestimmt. Und dass es so ist, hat seine Begr\u00fcndung in Jesu stellvertretendem Sterben am Kreuz. F\u00fcr den Hebr\u00e4erbrief ist der Glaube daran die selbstverst\u00e4ndliche Eingangsbedingung f\u00fcr Neu-Jerusalem und ein christliches Leben die selbstverst\u00e4ndliche Folge.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Neu-Jerusalem &#8211; Gottes Stadt<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit dem Predigttext k\u00f6nnte man sagen: Drau\u00dfen vor dem Tor entsteht ein neuer Stadtteil, wo die Christen wohnen. Nicht in der alten Nachbarschaft und den alten Strukturen von oben und unten, von Klatsch und Tratsch, nicht in der gewohnten Welt, gewiss mit den Erinnerungen und den Verletzungen des Alten, wohl aber mit einer Verhei\u00dfung des dauerhaft Neuen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Um Neu-Jerusalem noch ein bisschen zu beschreiben, komme noch einmal auf unsere St\u00e4dte. Bei vielen Gro\u00dfst\u00e4dten haben wir, Achtung Fachbegriff, \u201eGro\u00dfwohnsiedlungen\u201c. Heute haben sie keinen guten Ruf mehr. Aber: Die [N\u00fcrnberg-]Langwassers und [Berlin-]Marzahns, die [Bremen-]Vahrs und [M\u00fcnchen-]Hasenbergls der Republik linderten die Wohnungsnot und modernisierten das Wohnen ungemein. Dort zu leben, war in deren Anfangszeit ultramodern und attraktiv. Aufzug, Bad in der Wohnung, ergonomisch geplante K\u00fcchen. Heute gelten die Trabantenst\u00e4dte als Problemzonen. Aber wer k\u00f6nnte behaupten, dass \u201ewir\u201c heute die Wohnungsnot im Griff h\u00e4tten und die Innenst\u00e4dte besser dran w\u00e4ren als die Hochhausviertel. \u201eWei\u00dfe Riesen\u201c [Duisburg] werden gesprengt, zu Recht, weil sie nach 50 Jahren abgewohnt sind. Doch wo kommen heutzutage die unter, die kein Einkommen haben, das Wohnen in der Stadt und gar den Zweitwohnsitz im Gr\u00fcnen erm\u00f6glicht? Jetzt mache ich den Lernvers des Predigttextes mal doch zur religi\u00f6sen Sentenz: Solange Menschen in dieser Welt Wohnraum und Unterkunft suchen m\u00fcssen, soll niemand die Christen verachten, dass sie dieses irdische Suchen im Himmel enden lassen wollen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nachdem ich am Anfang immer wieder einmal Lieder anklingen lie\u00df, schlie\u00dfe ich mit zwei Versen aus einem Kirchenlied aus der Bl\u00fctezeit evangelischer Liederdichtung. \u201eJerusalem, du hochgebaute Stadt\u201c (Johann Matth\u00e4us Meyfart\/Melchior Franck 1626). Es ist alte Sprache, zugegeben, aber ein anr\u00fchrendes Christentum.<\/p>\n<ol>\n<li style=\"font-weight: 400;\">Jerusalem, du hochgebaute Stadt,<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">wollt Gott, ich w\u00e4r in dir!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mein sehnend Herz so gro\u00df Verlangen hat<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">und ist nicht mehr bei mir.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Weit \u00fcber Berg und Tale,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">weit \u00fcber Flur und Feld<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">schwingt es sich \u00fcber alle<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">und eilt aus dieser Welt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Propheten gro\u00df und Patriarchen hoch,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">auch Christen insgemein,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">alle, die einst trugen des Kreuzes Joch<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">und der Tyrannen Pein,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">schau ich in Ehren schweben,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">in Freiheit \u00fcberall,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">mit Klarheit hell umgeben,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">mit sonnenlichtem Strahl.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dr. Hansj\u00f6rg Biener<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Judika | 22.03.2026 | Hebr 13,12-14 | Hansj\u00f6rg Biener | Predigttext 12 Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten drau\u00dfen vor dem Tor. 13 So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. 14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":26086,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[59,1,727,157,853,114,271,695,268,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-26088","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-hebraeer","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-hansjoerg-biener","category-judika","category-kapitel-13-chapter-13","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26088","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26088"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26088\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":26089,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26088\/revisions\/26089"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/26086"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26088"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26088"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26088"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=26088"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=26088"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=26088"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=26088"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}