{"id":26094,"date":"2026-03-23T12:12:27","date_gmt":"2026-03-23T11:12:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26094"},"modified":"2026-03-23T12:12:27","modified_gmt":"2026-03-23T11:12:27","slug":"jesaja-710-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-710-14\/","title":{"rendered":"Jesaja 7,10\u201314"},"content":{"rendered":"<h3>Eine Fiktion und ein Zeichen der Hoffnung | Mariae Verk\u00fcndigung | 25.03.2026 | Jes 7,10\u201314 | Rudolf Rengstorf |<\/h3>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>In jenen Tagen sprach der Herr zu Ahas \u2013 dem K\u00f6nig von Juda \u2013 und sagte: Erbitte dir ein Zeichen vom Herrn, deinem Gott,<br \/>\n<\/em><em>tief zur Unterwelt oder hoch nach oben hin!<br \/>\n<\/em><em>Ahas antwortete: Ich werde um nichts bitten und den Herrn nicht versuchen.<br \/>\n<\/em><em>Da sagte Jesaja: H\u00f6rt doch, Haus Davids!<br \/>\n<\/em><em>Gen\u00fcgt es euch nicht, Menschen zu erm\u00fcden,<br \/>\n<\/em><em>dass ihr auch noch meinen Gott erm\u00fcdet?<br \/>\n<\/em><em>Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben:<br \/>\n<\/em><em>Siehe, die Jungfrau hat empfangen,<br \/>\n<\/em><em>sie gebiert einen Sohn, den wird sie hei\u00dfen Immanuel.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Eine Fiktion und ein Zeichen der Hoffnung<\/strong><\/p>\n<p>Liebe Leserin, lieber Leser!<\/p>\n<p>Der Bibeltext f\u00fcr diesen Tag versetzt uns zur\u00fcck in das ausgehende achte Jahrhundert vor Christus. Er zeigt den K\u00f6nig Ahas von Juda, der sich in einer schier aussichtslosen Lage befindet. Die damalige Weltmacht Assyrien ist im Begriff ihre Herrschaft auf Pal\u00e4stina auszudehnen. Die K\u00f6nige der beiden Nachbarl\u00e4nder Judas setzen ihren Kollegen Ahas milit\u00e4risch unter Druck, sich ihrem Abwehrkampf gegen die Assyrer anzuschlie\u00dfen. Was soll er tun? Wie auch immer er sich entscheidet, eine Niederlage ist unumg\u00e4nglich. Da tritt ihm der Prophet Jesaja in den Weg: Verlass dich auf Gott, und sag, wie er dir seine Treue zeigen soll. Ahas weicht aus, will sich nicht festlegen. Da entgegnet Jesaja: Glaub nicht, dass Gott sich von dir hinhalten l\u00e4sst. Er selbst wird dir ein Zeichen geben: Eine junge Frau ist schwanger geworden. Ihr Kind wird sie \u201eImmanuel\u201c \u2013 auf deutsch: Gott mit uns! \u2013 nennen.<\/p>\n<p>Im urspr\u00fcnglichen hebr\u00e4ischen Text ist von einer Jungfrau keine Rede. Da steht Alma, und das ist eine junge Frau, die noch kein Kind geboren hat. Gemeint war vermutlich die Frau des K\u00f6nigs Ahas. Zur Jungfrau ist es erst gekommen, als die hebr\u00e4ische Bibel ins Griechische \u00fcbersetzt wurde. Da wurde aus der alma eine parthenon, eine Jungfrau. Die \u00dcbersetzer lebten im \u00e4gyptischen Einflussbereich, in dem es \u00fcblich war, die Pharaonen als S\u00f6hne einer Jungfrau anzusehen. Diese Ehre wollten die \u00dcbersetzer auch dem hei\u00df ersehnten Messias erweisen. Denn mit ihrer \u00dcbersetzung verschoben sie die Geburt in die Zukunft bis dahin, wenn tats\u00e4chlich eine Jungfrau in Israel ein Kind zur Welt bringen w\u00fcrde. Und die griechisch sprechenden und schreibenden Evangelisten kannten die hebr\u00e4ische Bibel nur in der griechischen \u00dcbersetzung.<\/p>\n<p>Bekannt geworden war Jesus von Nazareth ja wegen seiner aufsehenerregenden Worte und Taten. Die haben ihn in den Augen seiner Anh\u00e4ngerschaft ausgewiesen als den Mann, der uns Gott als liebevollen Vater nahegebracht und Menschen in aussichtloser Situation aufgerichtet und gerettet hat. Damit ist er seinem Namen Jesus \u2013 auf deutsch: Gott rettet \u2013 gerecht geworden und hat sich als den Messias erwiesen. \u00dcber seine Herkunft und Kindheit hat man sich erst sehr viel sp\u00e4ter Gedanken gemacht. Bei Paulus, der als erster \u00fcber Jesus geschrieben hat, erfahren wir nichts dar\u00fcber. Und Markus, der das erste Evangelium geschrieben hat, beginnt auch erst mit dem erwachsenen Jesus, seiner Taufe durch Johannes den T\u00e4ufer. Erst Lukas und Matth\u00e4us haben von Jesu Geburt erz\u00e4hlt, und dabei haben sie sich strikt an das gehalten, was in ihrer Bibel \u00fcber den kommenden Messias gesagt worden war und was zu dem erwachsenen Jesus passte: Aus dem Hause Davids soll er stammen. Also wurde bei beiden ein Stammbaum entworfen, der \u00fcber David auf Jesu Vater Joseph zul\u00e4uft. Und Joseph musste nat\u00fcrlich mit Bethlehem, der Stadt Davids, in Verbindung gebracht und die Geburt des Jesus von Nazareth nach Bethlehem verlegt werden. Und da der Wanderprediger Jesus keinen festen Wohnort hatte, durfte auch schon f\u00fcr seine Geburt keine Herberge zur Verf\u00fcgung stehen. Und die ersten, die davon h\u00f6rten, mussten Leute gewesen sein, die typisch waren f\u00fcr die Gefolgschaft des Wanderpredigers, Leute, die am Rande der Gesellschaft standen wie die Hirten von Bethlehem. Und dann entdeckten Matth\u00e4us und Lukas die Stelle im 7. Kapitel des Jesajabuches, die dank der griechischen \u00dcbersetzer zu einer Verhei\u00dfung des Immanuel oder auch Jesus durch eine Jungfrau geworden war. So ist die Mutter Jesu zur Jungfrau geworden, und Joseph war trotz seines Stammbaumes seiner biologischen Vaterschaft beraubt.<\/p>\n<p>Die gesamte Geburtsgeschichte ist eine einzige Fiktion, die die Bedeutung Jesu und sein besonderes Gottesverh\u00e4ltnis von Anfang an hervorheben soll.<\/p>\n<p>Doch leider hat die Fiktion sich in der Marienverehrung und dem Kult um die unbefleckte Empf\u00e4ngnis verselbst\u00e4ndigt und ist weithin nicht nur im katholischen Raum in Konkurrenz getreten zu dem, um dessentwillen diese Geschichten erdacht wurden. Denn wenn Jesus wirklich Sohn einer Jungfrau war, der der Heilige Geist zur Schwangerschaft verholfen h\u00e4tte, dann h\u00e4tten wir es nicht mit einem Menschen wie du und ich, mit einem Menschenbruder, sondern mit einem Halbgott zu tun, mit dem wir letztlich nichts zu tun h\u00e4tten.<\/p>\n<p>In den Evangelien erscheint er bisweilen tats\u00e4chlich in \u00fcberirdischem Glanz. Doch das hat nichts mit seiner \u00fcbernat\u00fcrlichen Geburt zu tun, sondern das ist immer ein Vorschein des Auferstandenen, als den seine Gemeinde ihn ja tats\u00e4chlich erlebt hat.<\/p>\n<p>Was bleibt nach diesen Erkenntnissen vom Tag der Verk\u00fcndigung Marias? Die Jungfrau ist das Ergebnis einer gutgemeinten aber in ihren Konsequenzen fatalen Fiktion. Doch dass die junge Frau Maria mit ihrem Mann Joseph ihrem ersten Kind den Namen Jesus \u2013 gleichbedeutend mit Immanuel \u2013 gegeben haben, das ist in der Tat ein Zeichen der Hoffnung, das weit hinausgeht \u00fcber das Zeichen das vor Jahrhunderten dem K\u00f6nig Ahas gegeben wurde. In einer Zeit, in der das j\u00fcdische Volk unter\u00a0 der Herrschaft der R\u00f6mer litt und nicht weniger Juden sich f\u00fcr den gewaltsamen Widerstand entschieden, um ihr Volk zu retten, da setzen Maria und Joseph mit der Namensgebung ihres Kindes ganz darauf, dass Gott sein Volk retten wird. In dieser Hoffnung haben sie ihren Sohn auch herangezogen und dazu beigetragen, dass er sich selbst als Tr\u00e4ger dieser Hoffnung verstand und sich ihr mit Leib und Leben verschrieb. Da haben wir den beiden viel zu verdanken! Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>verfasst von Rudolf Rengstorf<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Fiktion und ein Zeichen der Hoffnung | Mariae Verk\u00fcndigung | 25.03.2026 | Jes 7,10\u201314 | Rudolf Rengstorf | In jenen Tagen sprach der Herr zu Ahas \u2013 dem K\u00f6nig von Juda \u2013 und sagte: Erbitte dir ein Zeichen vom Herrn, deinem Gott, tief zur Unterwelt oder hoch nach oben hin! 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