{"id":26103,"date":"2026-03-26T12:02:49","date_gmt":"2026-03-26T11:02:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26103"},"modified":"2026-03-26T14:22:37","modified_gmt":"2026-03-26T13:22:37","slug":"markus-141-2-3-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-141-2-3-9\/","title":{"rendered":"Markus 14,(1-2).3\u20139"},"content":{"rendered":"<h3>Smells like teen spirit \u2013 oder? | Palmsonntag |\u00a029.03.2026\u00a0|\u00a0Mk 14,(1-2).3\u20139| Udo Schmitt\u00a0|<\/h3>\n<p>Mit dem heutigen Tag beginnt die Karwoche, es ist der Anfang einer stillen Zeit \u2013 f\u00fcr uns. Die letzte Woche im Leben Jesu, an die wir uns erinnern, war ganz anders. Es war eine Woche voll von Spannungen, Widerspr\u00fcchen und schreiendem Unrecht. Erst schreit die Menge das Hosianna, das Jubelgeschrei zum Einzug, dann schreit sie: \u201eWeg mit ihm, kreuziget ihn!\u201c Erst Treuschw\u00fcre der J\u00fcnger beim letzten Abendmahl: \u201eNie wollen wir von deiner Seite weichen!\u201c \u2013 dann Verrat, Flucht, Verzweiflung und Verleugnung: \u201eJesus? Kenn ich nich! Nie geh\u00f6rt!\u201c Aber auch das: Erst die dunkele Stunde auf Golgatha \u2013 Schmerzen, Verlassenheit, der Tod, \u2013 dann das erste Licht am Ostermorgen, die \u00dcberraschung: \u201eEr lebt!\u201c<\/p>\n<p>Und das alles in nur einer Woche! Es ist eine ungeheuer dichte Zeit, in der so viel geschieht, dass man jeden einzelnen Tag bedenken und be-predigen m\u00f6chte. Luther sagt deshalb, dass diese Woche mindestens ebenso bedeutsam war wie die Sch\u00f6pfungswoche zu Beginn der Zeiten. Im heutigen Predigttext berichtet der Evangelist Markus vom Mittwoch dieser Woche, es waren noch zwei Tage bis zum Fest, schreibt er \u2013 nur noch zwei Tage. Und wir finden uns wieder inmitten von Feindschaft, Falschheit und Verrat.<\/p>\n<p>Die Feindschaft er\u00f6ffnet diesen Tag: die Amtsinhaber und W\u00fcrdentr\u00e4ger sind sich einig: \u201eJetzt reicht&#8217;s! Weg mit ihm\u201c. Verrat beschlie\u00dft den Tag: Ein J\u00fcnger, einer von den Zw\u00f6lfen, erkl\u00e4rt sich bereit, ihn den Feinden auszuliefern. Er tut es von sich aus, doch warum und wozu, das wird hier nicht gesagt. Dunkel sind die Beweggr\u00fcnde, dunkel die Aussichten. Das Dunkel breitet sich aus. Die Falle ist gestellt, der Lohn ist in Aussicht gestellt, das Ende ist in Sicht, die Schlinge zieht sich zu. Inmitten der sich verdichtenden Dunkelheit nun ein Lichtblick: die Begegnung zwischen Jesus und einer Frau.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Und als er in Betanien war im Hause Simons des Auss\u00e4tzigen und sa\u00df zu Tisch, <\/em><br \/>\n<em>da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unverf\u00e4lschtem und kostbarem Narden\u00f6l,<\/em><br \/>\n<em>und sie zerbrach das Glas und goss es auf sein Haupt. <\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Etwas \u00dcberraschendes, ja Erstaunliches geschieht. Als alter Orientale ist man ja so Einiges gewohnt, auch Dinge, die uns heute vielleicht fremd erscheinen. In hei\u00dfen und trockenen L\u00e4ndern geh\u00f6ren Salben und \u00d6le ganz nat\u00fcrlich zur K\u00f6rperpflege. Und es war im Rahmen der Gastfreundschaft durchaus \u00fcblich, einem Gast ein Fu\u00dfbad anzubieten, eventuell auch neue Kleider anzulegen, und auch einige Tropfen gut riechenden \u00d6ls aufs Haar zu tr\u00e4ufeln. So was kannte man damals und empfand es als normal \u2013 <em><u>vor<\/u><\/em> einem Gastmahl.<\/p>\n<p>Aber, dass eine Frau hereinplatzt, als die Gesellschaft schon Platz genommen hat, und sie geht auf Jesus zu und zerbricht eine Flasche und gie\u00dft sie \u00fcber seinen Kopf, verreibt es vielleicht noch in sein Haar und massiert die Kopfhaut und die Schl\u00e4fen&#8230; Das geh\u00f6rt sich nicht. Und wer es sieht, der denkt bei sich: \u201eJa, was geht denn hier ab? Was nimmt die sich heraus und was kommt sie ihm so nah? Was fummelt die an ihm herum und was will sie \u00fcberhaupt von ihm?\u201c<\/p>\n<p>Die Runde war gest\u00f6rt \u2013 man reagiert verst\u00f6rt. Eben sa\u00df man noch so nett beisammen und hielt einen ordentlichen M\u00e4nnerschwatz \u2013 lecker Essen und auch ein guter Wein dazu \u2013 und alles war ganz locker und ungezwungen, da betritt dieses&#8230; dieses Weib den Raum und st\u00f6rt, sorgt f\u00fcr Aufregung, Unordnung, und zieht alle Aufmerksamkeit auf sich. Und dann dieser Geruch. Der ganze Raum ist voll davon. Es ist kein einfaches Salb\u00f6l, das diese Frau verwendet hat, keine Nivea oder so, und auch sonst nichts Handels\u00fcbliches, sondern echtes Narden\u00f6l. Eine Kostbarkeit! Indische Narde, gewonnen aus einer stark duftenden und sehr wertvollen Pflanze aus den Bergen des Himalajas. Allein der Transport nach Israel \u00fcber tausende Kilometer, m\u00fchsam mit Karawanen, muss ein Verm\u00f6gen gekostet haben. Echtes Narden\u00f6l war nahezu unbezahlbar, allein K\u00f6nigen und Kaisern vorbehalten, und nur die Reichsten der Reichen konnten sich so etwas leisten. Und diese Frau hat nicht nur ein paar Tropfen dieser Kostbarkeit genommen, sie hat gleich die ganze Flasche ausgeleert. Sie sollte sich sch\u00e4men.<\/p>\n<p>War es heilige Verschwendung? Oder roch das ganze vielleicht doch nach einem Skandal? Liebt sie ihn so sehr, dass sie das Wertvollste nahm, was sie kriegen konnte, um damit zu zeigen, wie sehr sie ihn liebt und verehrt? Nun ja \u2013 stimmt schon, Liebe fragt nicht nach den Kosten&#8230; Aber, bei aller Liebe, echtes Narden\u00f6l und dann auch noch eine ganze Flasche, ich bitte dich, da ist doch was faul. Das riecht nach mehr. Hier geht noch was ganz anderes ab. Das sagt mir meine Nase. Hat man nicht in alter Zeit so die K\u00f6nige geweiht?<\/p>\n<p>Samuel, der Prophet, ging mit seinem \u00d6lhorn zum Hirtenjungen David und salbte ihn zum K\u00f6nig. Und auch danach noch wurden K\u00f6nige durch das feierliche \u00dcbergie\u00dfen mit heiligem \u00d6l in ihr Amt eingef\u00fchrt. Zur Zeit Jesu wartete man sehns\u00fcchtig darauf, dass er endlich kommt, der verhei\u00dfene K\u00f6nig aus dem Haus Davids. Wenn sie von ihm sprachen, nannten sie ihn nicht Herrscher und auch nicht K\u00f6nig, sondern einfach nur &#8222;den Gesalbten&#8220;, was auf Hebr\u00e4isch &#8222;Messias&#8220; und auf Griechisch &#8222;Christus&#8220; hei\u00dft. Wenn wir also heute &#8222;Jesus Christus&#8220; sagen, ist das genau genommen kein Name, sondern ein Bekenntnis, das besagt: &#8222;Ich glaube, dass Jesus der Christus ist, der Gesalbte Gottes, er ist der verhei\u00dfene K\u00f6nig&#8220;.<\/p>\n<p>War es das, was die Frau sagen wollte? Jesus mein K\u00f6nig. Vielleicht meinte sie es ja auch nur so ganz privat, so nach dem Motto: &#8222;Du bist mein Prinz. F\u00fcr dich ist mir nichts zu kostbar. Du bist der K\u00f6nig meines Herzens.&#8220; Allein das w\u00e4re schon ein wenig anr\u00fcchig und ein bisschen ein Skandal. Oder wollte sie vielleicht <em>noch <\/em>mehr? Wollte sie ihn etwa wirklich zum K\u00f6nig salben? Das w\u00e4re ein Skandal im Skandal. Wenn das ruchbar wird. Denn wer salbt eigentlich einen K\u00f6nig in Israel? Wer darf das \u00fcberhaupt? Ganz klar: Entweder ein Prophet oder ein Hohepriester, so oder so im Auftrag Gottes und in jedem Fall ein Gottes<em>mann<\/em> und keine Frau. Jesus von einer Frau zum K\u00f6nig gesalbt? \u2013 undenkbar! So undenkbar und gegen alle Regeln w\u00e4re das, dass es bis heute noch von den meisten Bibelforschern \u2013 \u00fcbrigens auch fast alle M\u00e4nner \u2013 entr\u00fcstet abgelehnt wird. Wo k\u00e4men wir da hin! Allein der Gedanke schon geh\u00f6rt zur\u00fcckgewiesen!<\/p>\n<p>Was immer sich die Frau auch gedacht haben mag, Jesus l\u00e4sst es geschehen.<\/p>\n<p>Er, der anderen so viel Gutes getan hat, kann auch selbst empfangen. Er weist sie nicht zur\u00fcck, sagt nicht: &#8222;Das w\u00e4re doch nicht n\u00f6tig gewesen&#8220;, sondern er l\u00e4sst sich mit der Liebe dieser Frau beschenken. Er sp\u00fcrt, dass Gott selbst ihm durch diese Frau Gutes tun will. Es ist f\u00fcr ihn ein letzter Lichtblick in der Dunkelheit der Leidenszeit. Ein Mensch, der ihm Gutes tut, nachdem andere bereits seinen Tod beschlossen haben; eine liebevolle Begegnung, die ihn st\u00e4rkt, kurz bevor sein Freund sich aufmacht, um ihn zu verraten. Es sind wertvolle Sekunden einer innigen Liebe zwischen Jesus und dieser Frau.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander:<br \/>\nWas soll diese Vergeudung des Salb\u00f6ls? Man h\u00e4tte dieses \u00d6l<br \/>\nf\u00fcr mehr als 300 Silbergroschen verkaufen k\u00f6nnen und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an<\/em><em>.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Es tut richtig weh mitanzusehen, wie die liebevolle Szene nun zerst\u00f6rt wird. Nur ein kurzer Augenblick der Entspannung ist es, der Jesus verg\u00f6nnt ist, schon stehen wieder die Kritiker auf dem Plan. Sie haben den Wert des \u00d6ls schnell hochgerechnet: mindestens 300 Denare k\u00f6nnte man auf dem Basar daf\u00fcr erzielen, eine Menge Geld, wenn man bedenkt, dass ein Tagel\u00f6hner nur einen Denar am Tag verdient und davon mit seiner ganzen Familie leben muss. Auch wir rechnen einmal schnell nach, was mag das heute wohl sein &#8211; 10.000 vielleicht 15.000 Euro? &#8211; und das ist noch vorsichtig gesch\u00e4tzt. Meine G\u00fcte: Was f\u00fcr ein Betrag! Was f\u00fcr ein Geld!<\/p>\n<p>Die umsitzenden M\u00e4nner fahren die Frau an, wollen sie zurechtweisen, zur\u00fcckweisen, vertreiben. &#8222;Was soll die Verschwendung?!&#8220;, herrschen sie sie an. Eigentlich br\u00e4uchten sie sich ja nicht den Kopf zu zerbrechen \u00fcber andrer Leute Sachen. Das Salb\u00f6l, es geh\u00f6rt ja wohl der Frau. Wenn sie es aussch\u00fctten will \u2013 bittesch\u00f6n \u2013 ihr Problem. Doch der Vorwurf richtet sich nur formal an die Frau, in Wirklichkeit gilt er Jesus: &#8222;Meister, du hast doch immer gesagt, wir sollen den Armen Gutes tun, und nun stimmst du solch einer Verschwendung zu? Wie kannst du nur!&#8220;<br \/>\nDie Kritiker haben von Jesus gelernt. Sie haben inzwischen so viel gelernt, dass sie sogar meinen, ihn, den gro\u00dfen Lehrer, schlagen zu k\u00f6nnen, mit eigenen Worten, mit eigenen Werten \u2013 mit der Keule der Moral und gespielter Entr\u00fcstung: &#8222;Meister, wie kannst du nur&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Der j\u00fcngst verstorbene J\u00fcrgen Habermas h\u00e4tte ihnen drei Fragen gestellt: Ist es wahr, was ihr sagt, ist es richtig und ist es wahrhaftig. Letzteres wohl nicht. Ihre Entr\u00fcstung mag vielleicht auch echt sein \u2013 doch ihre Worte sind es nicht. Unangenehm sind sie ber\u00fchrt, ja \u2013 aber nicht von der Verschwendung, sondern von der N\u00e4he, die auf einmal entstanden ist zwischen Jesus und dieser Frau. Es ist ihnen unangenehm, es ist ihnen peinlich, sie rutschen auf ihrem Sitzplatz hin und her, und sie wittern \u00e4ngstlich und aufgeregt den Skandal, der in der Luft liegt, schwer wie Parf\u00fcm. Doch sie wagen es nicht auszusprechen, was sie denken. Da gibt es Tabus \u2013 Dinge, die man nicht ansprechen darf, ja, nicht einmal andenken darf: \u201eJesus und diese Frau? Jesus von einer Frau gesalbt? Das kann, das darf nicht sein!\u201c Und deshalb sagen sie es selbst, was sie lieber von Jesus geh\u00f6rt h\u00e4tten: &#8222;Nein, Frau, lass sein, das w\u00e4r doch nicht n\u00f6tig gewesen!&#8220; Man h\u00e4tte ja mit dem sch\u00f6nen Geld viel Gutes und N\u00fctzliches tun k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Stimmt. \u2013 Nimmt man nur die Worte, so stehen die Kritiker als die Sauberm\u00e4nner und als die moralisch Besseren da. Gegen ihre Argumente l\u00e4sst sich scheinbar nicht viel sagen, denn nat\u00fcrlich sollen wir uns um die Armen k\u00fcmmern, das hat Jesus mehr als einmal gesagt. Aber wenn sie jetzt die N\u00e4chstenliebe als argumentativen Hebel benutzen, dann geht es ihnen gar nicht um die Armen. Etwas ganz anderes st\u00f6rt sie und erregt sie.<\/p>\n<p>Was sie sagen ist richtig, aber sie \u2013 sie sind nicht aufrichtig. Und so tritt die Falschheit auf den Plan, angetan mit dem M\u00e4ntelchen des Rechthabens, sich selbst siegessicher best\u00e4rkend in der vermeintlichen \u00dcberlegenheit und tr\u00fcgerischen Gewissheit, nun christlicher sein zu k\u00f6nnen als Christus selbst. Zu der Feindschaft und dem Verrat kommt nun auch noch die Falschheit: &#8222;Ich sei, gew\u00e4hrt mir die Bitte, in eurem Bunde die Dritte&#8220; \u2013 was f\u00fcr ein Tag!<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Jesus aber sprach: Lasst sie in Frieden! Was betr\u00fcbt ihr sie? Sie hat ein gutes Werk<br \/>\nan mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, k\u00f6nnt ihr<br \/>\nihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. <\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Jesus verteidigt die Frau \u2013 er weist die Kritik zur\u00fcck in dreifacher Weise: Er widerlegt die Besserwisser zun\u00e4chst mit eigenen Argumenten: Wenn es euch wirklich um die Armen geht, dann seid unbesorgt. An Armen wird es nicht mangeln, zu keiner Zeit. Und wann immer es euch danach ist, k\u00f6nnt ihr ihnen helfen. Menschenliebe ist gut, ja. Nichts spricht dagegen den Armen zu helfen, jederzeit. Mich aber habt ihr nicht alle Zeit.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>&#8222;Und wenn ich alle meine Habe den Armen g\u00e4be und lie\u00dfe meinen Leib verbrennen,<\/em><br \/>\n<em>und h\u00e4tte die Liebe nicht, so w\u00e4re mir&#8217;s nichts n\u00fctze&#8220;, <\/em>schreibt Paulus.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Deshalb ist jetzt die Zeit zur Gottesliebe, es ist eine besondere Zeit, denn noch ist er da, Jesus, zwei Tage noch, und sein Tod ist schon beschlossene Sache; und ihm etwas Besonderes, etwas Gutes zu tun, auch das ist gut. Sie hat ein gutes Werk an Jesus getan. Jesus sagt es selbst:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt f\u00fcr mein Begr\u00e4bnis.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das ist die zweite Antwort. Was diese Frau an Jesus vollzogen hat, ja, das ist eine ganz besondere Handlung, und ja, es ist ein Zeichen, aber keine K\u00f6nigskr\u00f6nung, nicht die Einsetzung eines Herrschers im \u00fcblichen Sinne. Jesus deutet die Salbung als Hinweis auf sein Sterben. Einem Sterbenden zu helfen, einen Todgeweihten zu pflegen, den Leichnam eines Verstorbenen zu versorgen \u2013 auch das ist ein gutes Werk. Wer will das eine gute Werk, n\u00e4mlich die Versorgung der Armen, gegen das andere gute Werk, die Versorgung der Sterbenden, aufrechnen?<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt,<br \/>\nda wird man auch das sagen zu ihrem Ged\u00e4chtnis, was sie jetzt getan hat.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Ihre Liebe wird nicht vergessen werden. Das ist die dritte Antwort. Gute Werke haben keinen Namen, hat Luther einmal gesagt. Und tats\u00e4chlich, wir wissen von dieser Frau so gut wie nichts, wir kennen noch nicht einmal ihren Namen. Doch das eine wissen wir, sie hat sich zu Jesus bekannt, sie hat ihre Liebe vor aller Welt gezeigt.<\/p>\n<p>Und ihre Liebe wird nicht vergessen werden. Gott sieht die Liebe, die wir einander erweisen. Keine Tr\u00e4ne f\u00e4llt umsonst, kein gutes Werk bleibt unbemerkt und ihm verborgen. Kein Tropfen \u00d6l, der in Liebe ausgesch\u00fcttet wird, ist verschwendet und verloren. Jeder einzelne Tropfen f\u00e4llt genau auf die Stelle, auf die er fallen soll, so wie eine Kirschbl\u00fcte f\u00e4llt und eine Schneeflocke sanft vom Himmel sinkt, als trage sie in sich schon das Wissen darum, dass sie vergehen muss, und doch f\u00e4llt sie nicht vergebens.<\/p>\n<p>Wenn ich etwas Gutes tue, aus Liebe, dann geschieht es nicht vergebens. Ganz egal, ob ich es fast unbemerkt tue wie die arme Witwe, die ihr Scherflein gibt, und keiner kriegt es mit, oder ob ich es vor allen anderen tue wie diese Frau hier, die Jesus salbt, zur Erregung des \u00f6ffentlichen \u00c4rgernisses, so dass sie sie beschimpfen als St\u00f6renfriedin und Verschwenderin, ganz egal, was sie sagen \u2013 lass sie reden! Dem Reinen ist alles rein und dem Schwein ist alles schwein. Wirklich wichtig ist nur das eine: Gott sieht es, bemerkt es und wei\u00df es zu sch\u00e4tzen. Und wo das Evangelium, die frohe Kunde von der Liebe Gottes, gepredigt wird, da wird es nicht vergessen, was aus Liebe getan wird.<\/p>\n<p>Denn auch Gott hat sich verschwendet in seiner Liebe an uns. Er schickte seinen einzigen Sohn zu uns, er war unter uns, er war uns ausgeliefert, er war mitten unter uns und zugleich inmitten von Feindschaft, Falschheit und Verrat. Sein Blut wurde vergossen, doch es war keine Verschwendung und es geschah nicht vergebens. Es zeigt uns nur, wie gro\u00df seine Liebe zu uns ist, eine Liebe die gr\u00f6\u00dfer ist als alles, was wir bewirken k\u00f6nnen durch unser Tun und Lassen. Diese Liebe ist gr\u00f6\u00dfer als der Tod.<\/p>\n<p><strong>Liedvorschl\u00e4ge<\/strong>:<br \/>\nEG 11 Wie soll ich dich empfangen<br \/>\nEG 98 Korn, das in die Erde<br \/>\nEG.E 3 Wir gehen hinauf nach Jerusalem<br \/>\nEG 558 Nun ziehen wir die Stra\u00dfe<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Udo Schmitt, geb. 1968, Pfarrer der Evangelischen Kirche im Rheinland, von 2005-2017 am Niederrhein, seit 2017 im Bergischen Land.<br \/>\n<\/strong><strong>Dorfstr. 19 \u2013 42489 W\u00fclfrath (D\u00fcssel)<br \/>\n<\/strong><strong>udo.schmitt@ekir.de<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Smells like teen spirit \u2013 oder? | Palmsonntag |\u00a029.03.2026\u00a0|\u00a0Mk 14,(1-2).3\u20139| Udo Schmitt\u00a0| Mit dem heutigen Tag beginnt die Karwoche, es ist der Anfang einer stillen Zeit \u2013 f\u00fcr uns. Die letzte Woche im Leben Jesu, an die wir uns erinnern, war ganz anders. Es war eine Woche voll von Spannungen, Widerspr\u00fcchen und schreiendem Unrecht. 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