{"id":26121,"date":"2026-03-30T14:50:40","date_gmt":"2026-03-30T12:50:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26121"},"modified":"2026-03-30T14:50:40","modified_gmt":"2026-03-30T12:50:40","slug":"johannes-131-15-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-131-15-5\/","title":{"rendered":"Johannes 13,1\u201315"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Ein Teil des Festes werden <\/strong>| Gr\u00fcndonnerstag | 02.04.2026 | Joh 13,1\u201315 | Lasse R\u00f8dsgaard Lauesen |<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein Teil des Festes werden<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr den Gast beginnt ein Fest bereits mit den Vorbereitungen. Es f\u00e4ngt an mit dem Duft von Parf\u00fcm und dem Festtagsanzug, der geb\u00fcgelt und zurechtgelegt wird. Man \u00fcberlegt, wie man zum Fest passt: Ist man nun zu viel oder zu wenig? Passt man zur Gesellschaft? Wie kommt man weder zu sp\u00e4t noch zu fr\u00fch?<\/p>\n<p>Gut angekommen muss man alle anderen begr\u00fcssen, einen Willkommensdrink trinken, und dann sucht man seinen Namen auf der Tischkarte und findet seinen Platz. Einladung, Festtagskleid, Geschenk, H\u00e4ndedruck f\u00fcr alle, den eigenen Platz finden \u2013 habe ich etwas vergessen? Das Geschenk \u2013 ja, das habe ich abgegeben. Hat man jedoch an alles gedacht und seinen Platz gefunden, geht es nur noch darum, ein Teil des Festes zu werden.<\/p>\n<p>Vor einigen Festen sass ich neben einer Tischdame, einer etwas \u00e4lteren Frau, die ihr Alter hinter kr\u00e4ftigen Farben und viel Gold verbarg. Ich hatte mir ein paar Gespr\u00e4chsthemen vorbereitet, doch sie ergriff das Wort, kaum dass ich ihr den Stuhl herausgezogen hatte: \u201eWenn Sie etwas wissen wollen, fragen Sie mich einfach&#8220;, sagte sie. Ich brauchte gar nicht zu fragen, denn es folgte eine durchaus unterhaltsame Erz\u00e4hlung \u00fcber all die frisch gewaschenen und wohlgeb\u00fcgelten Menschen, denen ich gerade die Hand gegeben hatte.<\/p>\n<p>Im L\u00e4rm des Festes\u00a0erz\u00e4hlte meine Tischdame von Feindschaften, Untreue, Scheidungen und kleinen Vergehen \u2013 alles Menschen, die auf den ersten Blick v\u00f6llig unverd\u00e4chtig gewirkt hatten. Aber mit ihrer Erz\u00e4hlung im Hinterkopf ergab die Sitzordnung pl\u00f6tzlich einen guten Sinn. Sie liess sich kaum von Tischreden unterbrechen, die den Gastgeber lobten. Sie kannte die Anekdoten jedenfalls besser als die Redner selbst.<\/p>\n<p>\u201eBordet fanger&#8220; \u2013 sagt man auf D\u00e4nisch [w\u00f6rtl. \u201eder Tisch f\u00e4ngt&#8220;, sinngem\u00e4ss im Kartenspiel \u201egespielt ist gespielt&#8220;, A.d.\u00dc.] \u2013 und ich war tats\u00e4chlich eingefangen, von meiner Tischdame und von Wahrheiten, auf die ich vielleicht lieber verzichtet h\u00e4tte. Der Gastgeber muss doch gewusst haben, wer sich hinter den wohlriechenden und frisch geb\u00fcgelten Menschen verbarg. Oder war es gerade deshalb, dass sie dabei sein sollten \u2013 weil sie ihr Leben im Alltag mit kleinen Zwistigkeiten und Scheidungen miteinander teilten?<\/p>\n<p>Nun machen wir den Schritt vom Tisch zum Evangelium. So sieht ein Fest heute aus, wo der Tisch uns fangen kann \u2013 aber auch zu Jesu Zeiten, wo der Tisch ihn zusammen mit den zw\u00f6lf J\u00fcngern fing, auch wenn sie damals zu Tisch lagen.<\/p>\n<p>Jesus ist der Gastgeber, der eine ganze Menge \u00fcber sie alle weiss. Er weiss, dass es das letzte Fest sein wird. Er weiss, dass Judas ihn verraten und Petrus ihn verleugnen wird. Er weiss, dass sie ihn oft missverstehen oder das Falsche tun. Dennoch sch\u00fcrzt er sein Gewand und beginnt, ihnen vor dem Mahl die F\u00fcsse zu waschen. Er macht sie zu einem Teil des Festes \u2013 trotz allem, was er \u00fcber sie weiss.<\/p>\n<p>Das Fest, das Jesus und die J\u00fcnger feiern, ist das j\u00fcdische Passah \u2013 Pesach, was \u201eVor\u00fcbergehen&#8220; bedeutet. Der Todesengel zog an ihrer T\u00fcr vorbei, weil Blut an ihrem T\u00fcrpfosten war, w\u00e4hrend die Juden in ihren H\u00e4usern sassen.\u00a0Heute geht Gott nicht an unserer T\u00fcr vorbei, sondern l\u00e4dt uns ein zu einem Fest, bei dem wir ein Teil von ihm werden.<\/p>\n<p>Es ist eigentlich merkw\u00fcrdig, dass die J\u00fcnger all ihren Schmutz mit zum Mahl geschleppt hatten, ohne sich vorher zu waschen.\u00a0Und nun tut Jesus die schmutzige Arbeit f\u00fcr sie. Das bewegt auch Petrus, der verwundert ausruft: \u201eHerr, du w\u00e4schst mir die F\u00fcsse?&#8220; Vielleicht liegt es daran, dass wir uns nicht selbst reinigen k\u00f6nnen \u2013 weder Parf\u00fcm noch B\u00fcgeleisen k\u00f6nnen alle Geschichten ausl\u00f6schen.<\/p>\n<p>Jesus l\u00e4sst sich vom Tisch fangen und bleibt. Obwohl er alles weiss, dient er den Menschen, die ihn verleugnen und verraten werden, und w\u00e4scht ihre F\u00fcsse. Und stellst du die Frage: \u201eHerr, w\u00e4schst du mir die F\u00fcsse?&#8220; \u2013 dann lautet die Antwort: \u201eJa&#8220;. Du bekommst deinen Teil und wirst ein Teil des Festes. Denn wir k\u00f6nnen uns nicht selbst reinigen \u2013 es braucht etwas von aussen, um das Fest wieder in Gang zu bringen. Im Leben miteinander reinigen Worte wie \u201eEntschuldigung&#8220; oder \u201eVergib mir&#8220; das, was wir selbst nicht k\u00f6nnen, damit wir wieder am Fest teilnehmen k\u00f6nnen. In der Kirche bedeutet es, mit ungewaschenen F\u00fcssen zum Abendmahlstisch zu gehen und dennoch Anteil an der Vergebung zu empfangen.<\/p>\n<p>Deshalb ist heute Gr\u00fcndonnerstag [d\u00e4n. \u201eSk\u00e6rtorsdag&#8220;, d.h. \u201eReiner Donnerstag&#8220;, A.d.\u00dc.]\u00a0\u00a0\u2013 weil Jesus die Macht hat, uns von dem Schmutz rein zu waschen, den wir selbst nicht loswerden k\u00f6nnen. Das ist gelebte Liebe: den Menschen hinter all dem Schmutz zu lieben und an ihm festzuhalten trotz allem, was uns trennt. Er gibt uns ein Beispiel daf\u00fcr, wie wir das Fest wieder in Gang bringen k\u00f6nnen an dem Tag, da er nicht mehr da ist. Wenn wir an der Reihe sind, Gastgeber zu sein, sollen wir in seinem Namen den Schmutz der Welt abwaschen. Wie er sagt: \u201eIch habe euch ein Beispiel gegeben, damit ihr ebenso handelt, wie ich an euch gehandelt habe.&#8220;<\/p>\n<p>Wir sollen beim Fest miteinander am Tisch bleiben \u2013 auch trotz Verleugnung, Verrat und allem, was das Leben schwer machen kann. Das ist Vergebung, und so k\u00f6nnen wir das Fest wieder in Gang bringen. Es geht um uns. Wir werden gereinigt von allem, was wir selbst nicht loslassen k\u00f6nnen. Wenn wir vom Abendmahlstisch in unser eigenes Leben hinausgehen, bleibt die Einladung dieselbe: Du musst nicht perfekt sein, du musst nicht alles im Griff haben, du musst deine F\u00fcsse nicht vorher gewaschen haben. Jesus hat die Arbeit bereits getan. Er hat gereinigt, was wir selbst nicht loslassen konnten, und er zeigt uns, wie wir einander lieben k\u00f6nnen trotz allem. Nimm also seine Einladung an, nimm Platz am Tisch, steck die F\u00fcsse hin, nimm Anteil an der Liebe und werde ein Teil des Festes.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Lasse R\u00f8dsgaard Lauesen<br \/>\nPastor in Paarup, Odense<br \/>\nlrl@km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Teil des Festes werden | Gr\u00fcndonnerstag | 02.04.2026 | Joh 13,1\u201315 | Lasse R\u00f8dsgaard Lauesen | &nbsp; Ein Teil des Festes werden F\u00fcr den Gast beginnt ein Fest bereits mit den Vorbereitungen. 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