{"id":26123,"date":"2026-03-30T14:52:49","date_gmt":"2026-03-30T12:52:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26123"},"modified":"2026-03-30T14:52:49","modified_gmt":"2026-03-30T12:52:49","slug":"2-mose-121-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-mose-121-14\/","title":{"rendered":"2. Mose 12,1\u201314"},"content":{"rendered":"<h3>Die unaufgebbare Br\u00fccke zwischen Passah und Abendmahl | Gr\u00fcndonnerstag | 02.04.2026 | 2. Mose 12,1\u201314 | Rudolf Rengstorf |<\/h3>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>1 Der HERR aber sprach zu Mose und Aaron in \u00c4gyptenland:\u20022 Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein, und von ihm an sollt ihr die Monate des Jahres z\u00e4hlen.\u20023 Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm f\u00fcr ein Haus.\u20024 Wenn aber in einem Hause f\u00fcr ein Lamm zu wenige sind, so nehme er\u2019s mit seinem Nachbarn, der seinem Hause am n\u00e4chsten wohnt, bis es so viele sind, dass sie das Lamm aufessen k\u00f6nnen.\u20025 Ihr sollt aber ein solches Lamm nehmen, an dem kein Fehler ist, ein m\u00e4nnliches Tier, ein Jahr alt. Von den Schafen und Ziegen sollt ihr\u2019s nehmen\u20026 und sollt es verwahren bis zum vierzehnten Tag des Monats. Da soll es die ganze Versammlung der Gemeinde Israel schlachten gegen Abend.\u20027 Und sie sollen von seinem Blut nehmen und beide Pfosten an der T\u00fcr und den T\u00fcrsturz damit bestreichen an den H\u00e4usern, in denen sie\u2019s essen,\u20028 und sollen das Fleisch essen in derselben Nacht, am Feuer gebraten, und unges\u00e4uertes Brot dazu und sollen es mit bitteren Kr\u00e4utern essen.\u20029 Ihr sollt es weder roh essen noch mit Wasser gekocht, sondern am Feuer gebraten mit Kopf, Schenkeln und inneren Teilen.\u200210 Und ihr sollt nichts davon \u00fcbrig lassen bis zum Morgen; wenn aber etwas \u00fcbrig bleibt bis zum Morgen, sollt ihr\u2019s mit Feuer verbrennen.\u200211 So sollt ihr\u2019s aber essen: Um eure Lenden sollt ihr geg\u00fcrtet sein und eure Schuhe an euren F\u00fc\u00dfen haben und den Stab in der Hand und sollt es in Eile essen; es ist des HERRN Passa.\u200212 Denn ich will in derselben Nacht durch \u00c4gyptenland gehen und alle Erstgeburt schlagen in \u00c4gyptenland unter Mensch und Vieh und will Strafgericht halten \u00fcber alle G\u00f6tter der \u00c4gypter. Ich bin der HERR.\u200213 Dann aber soll das Blut euer Zeichen sein an den H\u00e4usern, in denen ihr seid: Wo ich das Blut sehe, will ich an euch vor\u00fcbergehen, und die Plage soll euch nicht widerfahren, die das Verderben bringt, wenn ich \u00c4gyptenland schlage.\u200214 Ihr sollt diesen Tag als Gedenktag haben und sollt ihn feiern als ein Fest f\u00fcr den HERRN, ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung.\u2002<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Leserin, lieber Leser!<\/p>\n<p>Die Passahgeschichte liegt ganz weit zur\u00fcck in den Anf\u00e4ngen des Volkes Israel. Damals als sie noch Sklaven in \u00c4gypten waren. Da erlebten sie eine Nacht, in der sie w\u00e4hrend einer gemeinsamen\u00a0 Mahlzeit in Hut und Mantel auf dem Sprung waren; eine Nacht, die sie nie wieder vergessen sollten.\u00a0 Mehrfach hatte ihr von Gott beauftragter Anf\u00fchrer Mose den Pharao aufgefordert, die Israeliten freizulassen. Trotz angedrohter Strafen hatte der sich geweigert. In dieser Nacht aber war die Strafe so furchtbar, dass die Israeliten sich auf die Flucht in die W\u00fcste in Richtung gelobtes Land machen konnten. In jedem \u00e4gyptischen Haus starb das \u00e4lteste Kind wie auch das \u00e4lteste St\u00fcck Vieh. An den H\u00fctten der Israeliten aber war der Schrecken vor\u00fcbergegangen, weil diese die Pfosten ihrer T\u00fcren mit dem Blut eines Lammes bestrichen hatten. Diese Nacht der Verschonung, die sie in die Freiheit f\u00fchrte, hat J\u00fcdinnen und Juden \u00fcber mehr als drei Jahrtausende begleitet. In jedem Jahr wird sie \u00fcberall, wo J\u00fcdinnen und Juden leben, als ihr h\u00f6chstes Fest gefeiert.<\/p>\n<p>Und jedes Mal wird die Geschichte so erz\u00e4hlt, wie wir sie an diesem Gr\u00fcndonnerstag lesen oder h\u00f6ren. Das ausgiebige Festmahl inszeniert die Nacht der Verschonung und alle Speisen und Getr\u00e4nke symbolisieren das, was Israel damals in \u00c4gypten erlebte. Aufgeschrieben wurde die Erz\u00e4hlung von der Passahnacht in einer Zeit, die an die verzweifelte Lage in \u00c4gypten erinnerte. Das Volk hatte seine Freiheit wieder verloren. Aus dem gelobten Land war es vertrieben, der Tempel und ganz Jerusalem lagen in Tr\u00fcmmern. Die Babylonier hatten dem Staat Juda ein Ende gemacht, und die f\u00fchrende Schicht des Volkes hatten sie mit nach Babylon verschleppt, um ein Wiederaufleben eines J\u00fcdischen Staates zu verhindern. Sie waren wieder wie damals in \u00c4gypten zu Sklaven geworden, zu Menschen zweiter Klasse, f\u00fcr deren Sprache und Gebr\u00e4uche man nichts als Verachtung hatte. Der Gott, auf den sie vertraut hatten \u2013 f\u00fcr die Babylonier war er in der Versenkung verschwunden. Allgegenw\u00e4rtig aber waren die G\u00f6tter Babylons, denen man die Entstehung der Welt und das immer wieder von Neuem erwachende Leben in der Natur mit gro\u00dfen Festen verdankte. Die j\u00fcdischen Gemeinden in Babylonien aber widerstanden der Versuchung, sich anzupassen und den Glauben an einen offenbar nicht pr\u00e4senten und ohnm\u00e4chtigen Gott aufzugeben. Sie blieben dabei, Jahr f\u00fcr Jahr Passah zu feiern und die Erinnerung an den Gott, der sie in die Freiheit gef\u00fchrt und sich mit ihnen verb\u00fcndet hatte, lebendig zu halten. Zwei Generationen lang mussten J\u00fcdinnen und Juden in Babylonien ausharren, bevor der Perserk\u00f6nig Kyros ihnen die R\u00fcckkehr in ihre Heimat und den Wiederaufbau des Tempels gestattete. Dass es sie noch gab und ihre Religion sich sogar in Form von vielen Schriften verfestigt hatte, ist ganz entscheidend darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass sie an Passah festgehalten hatten.<\/p>\n<p>Sie hielten auch daran fest, als sie von den R\u00f6mern von Neuem aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Und auch dann, als sie in den L\u00e4ndern, in denen sie Zuflucht gesucht hatten, etwa in Deutschland, in immer erneuten Pogromen verfolgt wurden. Ja selbst w\u00e4hrend der Shoa bis in die Konzentrationslager hinein mit dem endg\u00fcltigen Aus vor Augen war diese Nacht die Quelle einer Hoffnung gegen jeden Augenschein, eines Glaubens in erlebter Gottesferne und einer Liebe zum Leben und zum N\u00e4chsten inmitten von Hass und grenzenloser Unmenschlichkeit.<\/p>\n<p>Ich erz\u00e4hle das alles, obwohl das ja nicht unsere Geschichte ist und wir uns nur sch\u00e4men k\u00f6nnen f\u00fcr das, was unsere V\u00e4ter zur Unheilsgeschichte Israels beigetragen haben. Dennoch sind wir angesprochen durch das Passahfest, weil der Gr\u00fcndonnerstag mit seiner Geschichte von der Einsetzung des Abendmahls hier seine Wurzeln hat. War es doch die Passahnacht, als Jesus seine letzte Mahlzeit mit seinen J\u00fcngern feierte. Wie schon so oft f\u00fcr sein Volk waren Unheil und Gottesferne f\u00fcr ihn unausweichlich geworden. Jedenfalls, solange er sich nicht davon abbringen lie\u00df, Gott als den liebevollen Vater, als den Barmherzigen und auf Gerechtigkeit Pochenden den Herrschenden seiner Zeit gegen\u00fcber zu bezeugen und zu verk\u00f6rpern. Dabei blieb er. Und deshalb wusste er, dass dieses seine letzte Mahlzeit war. Mit Absicht hatte er sie mit dem Passahmahl verkn\u00fcpft, das Freiheit und Leben in Gottes N\u00e4he, in Gottes Reich vor Augen stellt.<\/p>\n<p>In die Freiheit der Kinder Gottes, in der Jesus lebte, und in ein Leben in der Perspektive auf Gottes Reich will er mit seinen J\u00fcngern alle einbeziehen, die \u00fcber seine J\u00fcnger in aller Welt mit ihm verbunden werden. Er tut das, indem er zwei Hauptelemente des Passamahls, die \u00fcberall zur Verf\u00fcgung stehen, Brot und Wein, mit seiner Gegenwart verbindet. So wie die Ereignisse der Passahnacht in der Erinnerung lebendig und gegenw\u00e4rtig werden, so will Jesus lebendig da sein, wenn wir uns bei gemeinsamem Essen und Trinken an ihn erinnern und uns von dem, was er gesagt und getan hat, erf\u00fcllen lassen. Nicht die Umwandlung dieser Elemente in Jesu Fleisch und Blut, nicht eine mirakul\u00f6se Transsubstantiation gew\u00e4hrleisten seine Gegenwart, sondern das Erz\u00e4hlen und verinnerlichende Aufnehmen seiner Geschichte. Wenn es bei den Einsetzungsworten \u2013 in der traditionellen katholischen Messfeier gar auf Latein \u2013 bleibt, ohne dass das Ged\u00e4chtnis an den Heiland Jesus lebendig wird, ger\u00e4t das Ganze leicht zum Hokuspokus.<\/p>\n<p>Passah und Abendmahl sind nicht dasselbe. Sie weisen aber dasselbe Ziel und vergleichbare Strukturen auf. Vermittelt werden soll das Erleben von Freiheit und die Aussicht auf ein Leben in dem von Gott verhei\u00dfenen Land oder Reich. Zu den unverzichtbaren Strukturen beider Feiern geh\u00f6rt die Gemeinschaft von Menschen, die hier zu Gleichen, zu Schwestern und Br\u00fcdern werden, gemeinsamer Verzehr und die erinnernde Erz\u00e4hlung, die Mut macht zum Aufbruch mit neuer Perspektive in eine vom Unheil bedrohte Welt. So geschehe es!<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Verfasst von<\/strong><br \/>\n<strong>Rudolf Rengstorf<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die unaufgebbare Br\u00fccke zwischen Passah und Abendmahl | Gr\u00fcndonnerstag | 02.04.2026 | 2. 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