{"id":26142,"date":"2026-04-01T16:48:45","date_gmt":"2026-04-01T14:48:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26142"},"modified":"2026-04-01T16:48:45","modified_gmt":"2026-04-01T14:48:45","slug":"2-korinther-514-21-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-korinther-514-21-2\/","title":{"rendered":"2. Korinther 5,14\u201321"},"content":{"rendered":"<h3>Kreuz und Liebe | Karfreitag | 03.04.2026 | 2. Kor 5,14\u201321 | Ralf Reuter<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kreuz und Liebe<\/strong><\/p>\n<p>Auf der Haut getragen, nahe am Hals, das Kreuz. Es geht mit in den Tag, geht mit in die Nacht. Sichtbar in den sch\u00f6nen Stunden, bei Begegnungen, Feiern, aber auch in Abschieden, in der Trauer. Und dann verdeckt unter der Schutzkleidung im Einsatz bei der Feuerwehr, oder in der Untergrundbahn, wenn die Drohnen geflogen kommen.<\/p>\n<p>Jesus hat sein Kreuz getragen. Er wurde verhaftet, verspottet, verurteilt, gequ\u00e4lt und ans Kreuz geschlagen. Es ist der Weg, den er ging. Der hier auf Erden immer noch ganz unten verl\u00e4uft, durch Gewalt und Schuld. Und mit ihm, bis heute, gehen ihn unz\u00e4hlige Menschen. In den Kriegen, und den ganz pers\u00f6nlichen Schicksalsschl\u00e4gen.<\/p>\n<p>Paulus hat im Jahr 54 von diesem Geschehen seinen Gemeinden geschrieben. Er hat sich selber als verfolgt, aber auch bedr\u00e4ngt, verleumdet gef\u00fchlt. Im Brief davor hat er sein weltbekanntes Lied von der Liebe verfasst, Glaube, Hoffnung, Liebe, und die Liebe als die gr\u00f6\u00dfte unter ihnen. Jetzt bringt er Kreuz und Liebe zusammen.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist dies ein entscheidender Moment in der Geschichte der Religion. Das Kreuzesgeschehen von Jesus wird in die Liebe hineingenommen. Die Berichte, die wir zu Karfreitag lesen, ebenso wie die Widerfahrnisse von Menschen. Damit auch Paulus selber, seine Gemeinden, und alle, die sich in diesen Worten bis heute wiederfinden.<\/p>\n<p>Ist das Kreuz ein Zeichen der Liebe? Wird es daher auf der Haut getragen? Ein ehemaliger Konfirmand weinte, als er das kleine Kreuz verlor. Er hatte es auf der Konfirmation geschenkt bekommen. Selber traute er sich gar nicht anzurufen. Es war dann seine Mutter, die fragte, ob wir noch ein solches Kreuz h\u00e4tten. Er kam pers\u00f6nlich vorbei und holte es ab.<\/p>\n<p>Der Blick der Liebe, der sich in den Begegnungen von Jesus mit den Menschen findet, wird er nach seinem Tod noch einmal gesch\u00e4rft und als Anweisung f\u00fcr das Leben gewonnen? Paulus macht daraus das Amt der Vers\u00f6hnung, er sieht uns als Botschafter an Christi statt. Es ist die Liebe, die ihn dr\u00e4ngt. Diese vorlaufende unendliche Liebe Gottes.<\/p>\n<p>Leicht ist das nicht. In allen Zeiten wurde das Kreuz umgedreht und als Schwert benutzt. In den unz\u00e4hligen Kreuzz\u00fcgen des Lebens. Auch, wo Menschen anderen meinen heimzahlen zu m\u00fcssen. Den Eltern, Kindern, Mitarbeitenden, Konkurrenten oder Personen in der \u00d6ffentlichkeit, mit dem Smartphone als Waffe. Und anderen L\u00e4ndern und V\u00f6lkern.<\/p>\n<p>So eng das Kreuz auf der Haut, so nah kommt Christus mit seinem Tod. Hier wird alle Bitterkeit, alles R\u00e4chen aufgesogen von der Liebe. Paulus sieht uns sterben mit ihm, mit all der Gewalt dieser Erde. Um mit ihm aufzustehen, aus Liebe. Nun verwandelt, wie Jesus selber. An seiner statt, wie er, vers\u00f6hnend zu leben und zu handeln.<\/p>\n<p>Noch einmal, ein entscheidender Gedanke, den er da formuliert, der nun zur DNA des Christlichen geh\u00f6rt. Wer hier traut, mit dem Kreuz auf der Haut, mit Christus im Herzen, dieser Botschaft zu folgen, der ist eine neue Kreatur, diejenige eine Botschafterin der Liebe. Ohne Liebe w\u00e4re der Tod das Ende, jedes Leiden eine Niederlage, der Hass das Lebensprojekt.<\/p>\n<p>Dabei bleibt jede Gewalt unendlich grausam, jeder Tod ein Verlust, alles menschliche Tun und Lassen ambivalent. Immer k\u00f6nnten wir auch anders. Doch hier leuchtet das himmlische Licht, der Strahl der Liebe. In ihm werden Mensch und Erde verwandelt. Sie werden dann auch fundiert, mutig und mit langem Atem f\u00fcr das Leben eintreten.<\/p>\n<p>Vielleicht ist der st\u00e4rkste Impuls, die tiefste Verwandlung, dieses Aufl\u00f6sen von S\u00fcnde, dieser Existenzwandel. Er geschieht durch die enge Verbundenheit von Sch\u00f6pfer und Gesch\u00f6pf, der \u00dcbertragung der Liebe von Christus auf uns. Es bleibt ein Glaubensgeschehen, ist immer pers\u00f6nliches Geschenk. Und braucht st\u00e4ndige Vergegenw\u00e4rtigung.<\/p>\n<p>K\u00f6nnten wir den Karfreitag doch nur so deuten. Als ein Geschehen der Liebe, als ein solidarisch werden und mittragen all der Leiden dieser Welt. Als eine Errettung aus Hass und Vergeltung. Als ein Einbinden in den Dienst der Vers\u00f6hnung. Wo auch wir selber, \u00fcberw\u00e4ltigt von Wut und Hoffnungslosigkeit, gehalten werden von Gott.<\/p>\n<p>Es ist die Liebe, diese Neusch\u00f6pfung, sie verwandelt alle Kreaturen. Von ihr zu leben, sich mitnehmen zu lassen auf den Weg, hat eine tiefe heilende Wirkung. Das Schlimme, Schwere, Ungewisse meines Daseins, es hindert mich nicht mehr am Weitergehen. Die Liebe f\u00fchrt durchs Kreuz zur Lebenshingabe, transformiert immer wieder aus dem Tod ins Leben.<\/p>\n<p>Das Geschehen schlimmsten Leids, das wir Karfreitag bedenken, ist kein Schlusspunkt. Wir tragen es im Kreuz auf der Haut. Aus ihm strahlt die Kraft der Liebe, die st\u00e4rker ist als alle Tode. Diese Botschaft ist in der Welt. Es ist an uns, aus der Liebe zu leben, mit sich, und anderen. In die Zukunft zu gehen, auf der Haut zu tragen, das Kreuz und die Liebe.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Pastor Ralf Reuter<br \/>\nG\u00f6ttingen<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:Ralf.Reuter@evlka.de\">Ralf.Reuter@evlka.de<\/a><\/p>\n<p>Gemeindepastor in G\u00f6ttingen, auch gelegentlich als Pastor f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte der Wirtschaft in Retraiten und Klausuren im Kloster Loccum<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Literaturhinweise:<\/strong><\/p>\n<p>Entscheidend f\u00fcr diese Predigt ist die Einbeziehung von Vers 14a, wie es schon Windisch in seinem Kommentar 1924 erkannt hat. Das Motiv von der Liebe Christi f\u00fcr die folgende Entwicklung dieser Perikope hat in der Gegenwart Oda Wischmeyer herausgearbeitet und plausibel begr\u00fcndet. Dies hat auch Eingang in den gerade herausgekommenen gro\u00dfen Kommentar von Koch gefunden, auf den ich mich in dieser Predigt ma\u00dfgeblich st\u00fctze.<\/p>\n<p>Oda Wischmeyer: Die Liebe Christi dringet uns\u2026, 2Kor 5,14f und die Liebe Christi bei Paulus, in: Dieter S\u00e4nger: Der zweite Korintherbrief. Literarische Gestalt \u2013 historische Situation \u2013 theologische Argumentation. Festschrift Koch, 2012, Seite 323-336.<\/p>\n<p>Dietrich-Alex Koch: Der Zweite Korintherbrief, Meyers Kritisch-exegetischer Kommentar \u00fcber das Neue Testament, Band 6, 2026, bes. Seite 347-380.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kreuz und Liebe | Karfreitag | 03.04.2026 | 2. Kor 5,14\u201321 | Ralf Reuter &nbsp; Kreuz und Liebe Auf der Haut getragen, nahe am Hals, das Kreuz. Es geht mit in den Tag, geht mit in die Nacht. Sichtbar in den sch\u00f6nen Stunden, bei Begegnungen, Feiern, aber auch in Abschieden, in der Trauer. 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