{"id":26175,"date":"2026-04-03T10:41:39","date_gmt":"2026-04-03T08:41:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26175"},"modified":"2026-04-03T11:13:20","modified_gmt":"2026-04-03T09:13:20","slug":"markus-161-8-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-161-8-17\/","title":{"rendered":"Markus 16,1\u20138"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Der Stein ist nicht das Ende | <\/strong><strong>Osternacht | 05.04.2026 | Mk 16,1\u20138 | Thomas Volk<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein Morgen, liebe Gemeinde,<br \/>\nDer Tag hat gerade erst begonnen.<br \/>\nmitten in der Nacht sind wir aufgestanden.<br \/>\nUnd alle sind wir noch etwas m\u00fcde.<\/p>\n<p>So beginnt auch die Ostergeschichte.<\/p>\n<p>Fr\u00fch am Morgen<br \/>\nsind drei Frauen unterwegs zu einem Grab.<\/p>\n<p>Sie sprechen kaum miteinander.<br \/>\nDer Karfreitag liegt noch schwer auf ihnen.<\/p>\n<p>Nur eine Frage bewegt sie:<br \/>\n<em>Wer wird uns den Stein vom Grab wegw\u00e4lzen?<\/em><\/p>\n<p>Der Stein ist gro\u00df. Zu gro\u00df f\u00fcr sie allein.<\/p>\n<p>Aber als sie zum Grab kommen \u2013 so erz\u00e4hlt die Bibel \u2013 sehen sie:<br \/>\nDer Stein ist schon weg.<\/p>\n<p>Und mit diesem Stein beginnt etwas Neues.<\/p>\n<p>Denn Ostern erz\u00e4hlt uns:<br \/>\n<strong>Der Stein ist nicht das Letzte.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>1. Die Erstarrung am fr\u00fchen Ostermorgen<\/strong><\/p>\n<p>Aber in diesem Moment wissen die Frauen das noch gar nicht.<\/p>\n<p>Sie sehen den weggew\u00e4lzten Stein \u2013<br \/>\nund trotzdem ist noch nichts leicht geworden.<\/p>\n<p>Der Schmerz sitzt zu tief.<br \/>\nDer Karfreitag liegt noch zu schwer auf ihren Herzen.<\/p>\n<p>Alles in ihnen ist noch wie erstarrt.<br \/>\nGedanken, Gef\u00fchle, Hoffnung \u2013 wie festgehalten.<\/p>\n<p><strong>Ostern beginnt nicht mit Jubel.<br \/>\nOstern beginnt mit Menschen, die kaum noch glauben k\u00f6nnen, dass sich in ihrem Leben \u00fcberhaupt noch etwas bewegt.<\/strong><\/p>\n<p>Vielleicht gibt es solche Momente auch in unserem Leben.<\/p>\n<p>Momente im Leben, die lassen uns innerlich erstarren.<br \/>\nMomente, in denen Worte fehlen.<br \/>\nMomente, in denen die Gedanken bleiben stehen.<br \/>\nMan funktioniert vielleicht noch <em>(Pause) <\/em>\u2013 aber innerlich bewegt sich nichts mehr.<\/p>\n<p>Wer solche Erstarrung erlebt hat, kommt nicht so schnell wieder in Bewegung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>2. Die Botschaft von Ostern braucht Zeit<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Genau so geht es auch den Frauen am Grab.<\/p>\n<p>Die Botschaft von der Auferstehung braucht Zeit.<\/p>\n<p>Das war damals nicht anders als heute.<\/p>\n<p>Auch die Frauen am Grab verstehen zuerst gar nicht, was sie h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Sie sehen den offenen Stein.<br \/>\nSie h\u00f6ren die Botschaft: \u201eEr ist auferstanden.\u201c<\/p>\n<p>Aber ihr Herz ist noch nicht so weit.<\/p>\n<p>Als erstes ist da dieses Gef\u00fchl:<br \/>\nIch verstehe gerade gar nichts mehr.<\/p>\n<p>Dann sind sie v\u00f6llig durcheinander.<br \/>\nWie soll das sein?<br \/>\nSie haben immer noch Bilder vom Karfreitag vor Augen.<br \/>\nEs tut noch viel zu weh.<\/p>\n<p>Erst viel sp\u00e4ter beginnt sich etwas zu ver\u00e4ndern.<br \/>\nAls sie wieder in ihren Alltag zur\u00fcckgekehrt sind<br \/>\nund gesp\u00fcrt haben: Das Leben ist st\u00e4rker als all die Steine,<br \/>\ndie uns niederdr\u00fccken und uns das Atmen schwer machen wollen.<\/p>\n<p>Die Osterbotschaft braucht Zeit.<br \/>\nZeit, bis sie vom Ohr ins Herz kommt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>3. Ostern ist kein Fluchtwunder<\/strong><\/p>\n<p>Wir h\u00f6ren heute Morgen die Ostergeschichte<br \/>\nrund 2000 Jahre nachdem sie zum ersten Mal aufgeschrieben wurde:<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte sich heute Ostern immer noch wie ein Fluchtwunder vorstellen.<br \/>\nAls h\u00e4tte Jesus nur einen Stein gebraucht, der zur Seite gerollt wird \u2013<br \/>\nund dann kommt er heraus.<\/p>\n<p>Aber so erz\u00e4hlt die Bibel die Auferstehung nicht.<\/p>\n<p>Das neue Leben, das von Gott kommt.<br \/>\nbraucht keinen Ausgang aus einem Grab.<\/p>\n<p>Es ist gr\u00f6\u00dfer als unsere Vorstellungen von Leben und Tod.<\/p>\n<p>Die Bibel erz\u00e4hlt an einer anderen Stelle:<br \/>\nDer Auferstandene geht sogar durch verschlossene T\u00fcren.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Frauen hat sich erst sp\u00e4ter etwas ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Als sie wieder in ihren Alltag zur\u00fcckgekehrt sind und gesp\u00fcrt haben:<\/p>\n<p>Das neue Leben, das mit Ostern beginnt, l\u00e4sst sich von keinem Stein aufhalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>4. Unsere Osterhoffnung &#8211; Steine unseres Lebens k\u00f6nnen in Bewegung kommen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Manchmal kommt es vor,<br \/>\ndass sich ein Stein ganz leise bewegt.<\/strong><\/p>\n<p>Vorhin \u2013 als es noch dunkel war \u2013 haben wir von ihnen geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Von Steinen, die schwer auf uns lasten.<br \/>\nVon Steinen, die uns den Weg versperren.<br \/>\nVon Steinen, die wie Grabsteine \u00fcber unseren Hoffnungen liegen.<br \/>\nVon Steinen, die sich wie eine Mauer zwischen Menschen auftun.<\/p>\n<p><strong>Ostern erz\u00e4hlt nicht nur von einem Stein vor einem Grab in Jerusalem.<\/strong><strong><br \/>\nOstern erz\u00e4hlt davon, dass alle Steine aus unserem Leben<br \/>\nnicht das Letzte sein m\u00fcssen.<\/strong><\/p>\n<p>Ostern sagt uns:<br \/>\n<strong>Kein Stein ist zu schwer.<\/strong><strong><br \/>\nKein Stein ist endg\u00fcltig.<\/strong><\/p>\n<p>Manchmal beginnt ein Stein sich zu bewegen,<br \/>\nwenn zwei Menschen nach langer Zeit wieder miteinander reden.<\/p>\n<p>Vielleicht nur ein kurzer Gru\u00df.<br \/>\nVielleicht ein vorsichtiges Wort.<\/p>\n<p>Und doch merkt man:<br \/>\nDie Mauer ist nicht mehr ganz so hoch wie vorher.<\/p>\n<p>Manchmal beginnt ein Stein sich zu bewegen,<br \/>\nwenn jemand nach einer schweren Zeit<br \/>\nwieder einen kleinen Schritt ins Leben wagt.<\/p>\n<p>Vielleicht steht er morgens wieder auf<br \/>\nund merkt:<br \/>\nHeute geht es ein wenig besser als gestern.<\/p>\n<p>Wir werden das erleben:<br \/>\nManchmal wird ein Stein tats\u00e4chlich weggerollt.<br \/>\nEine Sorge verliert ihre Macht.<br \/>\nOder: Ein neuer Weg wird auf einmal sichtbar.<\/p>\n<p>Manchmal lernen wir, \u00fcber einen Stein hinwegzugehen,<br \/>\nder uns lange im Weg lag.<\/p>\n<p>Manchmal bleibt ein Stein \u2013<br \/>\naber er wird leichter,<br \/>\nweil wir ihn nicht mehr allein tragen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Und manchmal merken wir erst im R\u00fcckblick:<br \/>\nDa hat sich etwas bewegt.<br \/>\nGanz leise.<br \/>\nGanz vorsichtig.<\/p>\n<p>Und dann verstehen wir vielleicht:<br \/>\n<strong>Wir sind diesen Weg gar nicht allein gegangen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Christus ist uns vorausgegangen. <\/strong><em>(Dieser Satz muss nicht erkl\u00e4rt werden!)<\/em><\/p>\n<p><strong>5. Auferstehung der Hoffnung<\/strong><\/p>\n<p>Ein Dichter hat diese Hoffnung einmal in sehr einfache Worte gefasst.<\/p>\n<p><em>Mir ist ein Stein<br \/>\nvom Herzen genommen:<br \/>\nmeine Hoffnung<br \/>\ndie ich begrub<br \/>\nist auferstanden<br \/>\nwie er gesagt hat<br \/>\ner lebt<br \/>\ner lebt<br \/>\ner geht mir voraus.<\/em><\/p>\n<p>(\u201eMir ist ein Stein vom Herzen genommen\u201c, Lothar Zenetti)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Ostern sagt uns:<\/p>\n<p>Nicht der Stein ist das Letzte.<br \/>\n<strong>Das Letzte ist das Leben.<\/strong><\/p>\n<p>Christus lebt.<br \/>\nUnd er geht uns voraus.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Thomas Volk<\/strong>, geb. 1962, Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern. Seit 2021 Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Kissingen mit dem Schwerpunkt \u201eKonfirmanden- und Jugendarbeit\u201c.<\/p>\n<p>Mail: thomas.volk@elkb.de<br \/>\nInstagram: thomas.volk.15<br \/>\nFacebook: Thomas Volk BK<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Liedvorschl\u00e4ge:<\/strong><\/p>\n<p>Zu Beginn der Osternacht: \u201eBleibet hier und wachet mit mir\u201c (EG 700)<br \/>\n\u201eHerr, erbarme dich\u201c (EG 178,9)<br \/>\nLied beim Entz\u00fcnden der Osterkerze: \u201eChrist ist erstanden\u201c (EG 99)<br \/>\nLied vor der Predigt: \u201eEin Licht geht uns auf in der Dunkelheit\u201c (KAA 057)<br \/>\nLied: nach der Predigt\u00a0 \u201eDie Sonne geht auf, Christ ist erstanden\u201c (EG 556,1-2+4)<br \/>\nNach der Tauferinnerung: Lied: \u201eIch glaube fest, dass alles anders wird\u201c (KAA 079)<br \/>\nSanctus: \u201eDu bist heilig\u201c (KAA 0102)<br \/>\nDanklied: Meine Hoffnung und meine Freude\u201c (EG 697)<br \/>\nSchlusslied: \u201eWir wollen alle fr\u00f6hlich sein\u201c (EG 100,1-2+5)<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Vorbereitungsgebet in der Osternacht \u2013 Steine in unserem leben<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Sprecher \u2013 Steine als Last<br \/>\n<\/strong>Steine k\u00f6nnen zur Last werden. Sie liegen schwer auf unseren Schultern \u2013 die Sorgen des Alltags, unerf\u00fcllte Erwartungen, die Angst vor der Zukunft. Mancher Stein dr\u00fcckt uns zu Boden, nimmt uns die Kraft zum Aufstehen. Wir schleppen sie mit uns, Tag f\u00fcr Tag, und denken, sie bleiben f\u00fcr immer.<\/li>\n<li><strong>Sprecher &#8211; Steine als Hindernis<br \/>\n<\/strong>Steine verschlie\u00dfen. Sie versperren den Zugang zu dem, was lebendig werden m\u00f6chte. Wir riegeln uns ab \u2013 aus Verletzung, aus Scham, aus Angst. Gef\u00fchle bleiben unausgesprochen, Vers\u00f6hnung bleibt aus, Hoffnung findet keinen Weg nach drau\u00dfen. Der Stein vor unserem Herzen h\u00e4lt das Licht fern und l\u00e4sst uns im Dunkeln zur\u00fcck.<\/li>\n<li><strong> Sprecher \u2013 Grabsteine<br \/>\n<\/strong>Steine markieren das Ende. Sie stehen auf Gr\u00e4bern und erinnern an Abschied und Verlust. Manches in unserem Leben ist gestorben \u2013 Beziehungen, Tr\u00e4ume, Vertrauen. Diese Grabsteine tragen wir in uns, stumme Zeugen dessen, was nicht mehr ist. Sie halten uns fest in der Trauer und lassen uns zweifeln, ob je wieder etwas Neues wachsen kann.<\/li>\n<li><strong> Sprecher \u2013 Steine als Mauern zwischen Menschen<br \/>\n<\/strong>Steine werden zu Mauern. Sie trennen, wo Begegnung sein sollte. Vorurteile, Stolz, alte Verletzungen \u2013 Stein auf Stein bauen wir Distanz zu anderen auf. Diese Mauern sch\u00fctzen uns vielleicht, aber sie isolieren uns auch. Sie verhindern N\u00e4he und Verst\u00e4ndnis. Doch der Stein ist nicht das Letzte.<\/li>\n<li>Diese Steine kennen wir. Doch die Botschaft der Osternacht lautet: Kein Stein ist zu schwer, um weggerollt zu werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Eingangsgebet<\/strong><\/p>\n<p>Jesus,<br \/>\ndu kennst die Last, die Menschen tragen.<br \/>\nDu wei\u00dft, wie dunkel das Leben werden kann.<\/p>\n<p>Wir bitten dich:<br \/>\nBleib uns nah,<br \/>\nwenn wir keinen Ausweg sehen.<br \/>\nWenn Worte fehlen<br \/>\nund die Kraft knapp wird.<\/p>\n<p>Mit dir kommen Steine in Bewegung,<br \/>\nnicht nur damals am Grab,<br \/>\nsondern auch heute in unserem Leben.<br \/>\nDu machst Raum, wo wir feststecken.<br \/>\nDu bringst Bewegung, wo alles blockiert ist.<\/p>\n<p>Darauf vertrauen wir.<br \/>\nNicht auf unsere St\u00e4rke,<br \/>\nsondern auf deine N\u00e4he.<br \/>\nHeute.<br \/>\nUnd weiter mit uns.<br \/>\nAmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Stein ist nicht das Ende | Osternacht | 05.04.2026 | Mk 16,1\u20138 | Thomas Volk &nbsp; Was f\u00fcr ein Morgen, liebe Gemeinde, Der Tag hat gerade erst begonnen. mitten in der Nacht sind wir aufgestanden. 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