{"id":26185,"date":"2026-04-04T13:56:01","date_gmt":"2026-04-04T11:56:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26185"},"modified":"2026-04-04T13:56:01","modified_gmt":"2026-04-04T11:56:01","slug":"lukas-2436-45","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-2436-45\/","title":{"rendered":"Lukas 24,36\u201345"},"content":{"rendered":"<h3>Leibhaftige Auferstehung \u2013 wirklich? | Ostermontag | 06.04.2026 | Lk 24,36\u201345 | Klaus Wollenweber |<\/h3>\n<p><em>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen<\/em><\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>W\u00e4hrend sie noch am Erz\u00e4hlen waren, stand mit einem Mal Jesus selbst in ihrer Mitte und gr\u00fc\u00dfte sie mit den Worten: \u201eFriede sei mit euch!\u201c <\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Doch sie waren starr vor Schreck, denn sie meinten, einen Geist zu sehen. <\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u00bbWarum seid ihr so erschrocken?\u00ab, sagte Jesus. \u00bbUnd wie kommt es, dass solche Zweifel in euren Herzen aufsteigen? <\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Schaut euch meine H\u00e4nde und meine F\u00fc\u00dfe an: Ich bin es wirklich! Ber\u00fchrt mich und \u00fcberzeugt euch selbst! Ein Geist hat doch nicht Fleisch und Knochen, wie ihr sie an mir seht.\u00ab Und er zeigte ihnen seine H\u00e4nde und seine F\u00fc\u00dfe. <\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Da sie es vor Freude immer noch nicht glauben konnten und vor Staunen kein Wort herausbrachten, fragte er sie: \u00bbHabt ihr etwas zu essen hier?\u00ab\u00a0 <\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Sie gaben ihm ein St\u00fcck gebratenen Fisch, und er nahm es und a\u00df es vor ihren Augen.<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Dann sagte er zu ihnen: \u00bbNun ist in Erf\u00fcllung gegangen, wovon ich sprach, als ich noch bei euch war; ich sagte: \u203aAlles, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen \u00fcber mich geschrieben ist, muss sich erf\u00fcllen.\u2039\u00ab <\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Und er \u00f6ffnete ihnen das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Schrift, sodass sie sie verstehen konnten. (NG\u00dc)<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Leibhaftige Auferstehung \u2013 wirklich?<\/strong><\/p>\n<p>Liebe Mitchristen,<\/p>\n<p>Ja, es gibt zum Osterfest starke Zweifel im Glauben! Auch einen Zweifel, der ins Herz steigt und nur Staunen und sogar Erschrecken bewirkt: Es handelt sich um die Osterbotschaft von der Lebendigkeit des toten Jesus. Unglaublich, was die J\u00fcnger damals erlebten! Der am Kreuz gestorbene Jesus erscheint pl\u00f6tzlich im Kreis der in Trauer versammelten J\u00fcnger. Er zeigt ihnen wegen ihrer Zweifel und ihrer Angst in aller seiner den J\u00fcngern bekannten Menschlichkeit seine H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe mit den Wundmalen zum Beweis, dass er es wirklich ist. Und als die J\u00fcnger von dem unglaublichen Geschehen hin und her gesch\u00fcttelt werden, greift Jesus zu einer zweiten Demonstration seiner Leibhaftigkeit: er bittet um eine Speise. Sie geben ihm einen Fisch, den er dann vor Ihren Augen aufisst. Wer eine Speise isst, der existiert! Ja, Jesus ist wieder lebendig bei ihnen. Er demonstriert deutlicher als tausend Erkl\u00e4rungen und Beteuerungen, dass er nach wie vor auch unserer irdischen Wirklichkeit angeh\u00f6rt. Aber nach menschlichem Verstand und nach aller menschlichen Erfahrung geht das alles gar nicht, ist das nicht m\u00f6glich!<\/p>\n<p>Ich frage Sie jetzt hier im Gottesdienst: Wie viele Ostern haben Sie in ihrem Leben schon verbracht? Dabei ist sicher so manches schon zur Gewohnheit geworden: Ostern mit bunten Eiern; das Denken an den Fr\u00fchling und die Freude dar\u00fcber; das Leben in der Natur nach den Wintermonaten beginnt von Neuem. Freude, Munterkeit, gemeinsames Essen und Trinken haben unsere Osterfreude viele Jahre lang gepr\u00e4gt. Eine Zeit der Fr\u00f6hlichkeit ist angesagt.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber vergessen oder \u00fcbersehen wir leicht die wunderhafte Erz\u00e4hlung von der neuen Lebendigkeit Jesu. Seine Kreuzigung, seinen Tod haben die J\u00fcnger noch vor Augen. Schrecklich! Nun sitzen sie zusammen und erz\u00e4hlen sich Geschichten, was sie alles mit Jesus erlebt haben. Genauso wie wir bis heute nach einer Beerdigung zusammenkommen und uns mit Erz\u00e4hlungen gegenseitig tr\u00f6sten, indem wir an die gestorbene Person erinnern. Es ist ja ein letzter irdischer Abschied. Tot ist und bleibt tot! \u2013 so denken die J\u00fcnger Jesu genauso wie viele von uns noch heute. F\u00fcr uns sind doch Verg\u00e4nglichkeit und Tod nach wie vor Grundgegebenheiten unseres Daseins, \u2013 oft so sehr, dass viele sich das Leben ohne den Tod gar nicht vorstellen k\u00f6nnen. Und zugleich den Tod aus dem Leben verbannen und dar\u00fcber schweigen.<\/p>\n<p>Wie verst\u00e4ndlich, dass die versammelten J\u00fcnger damals erschraken, als der gestorbene Jesus pl\u00f6tzlich bei ihnen auftaucht. Wer von uns w\u00e4re nicht auch erschrocken? Das kann doch nur ein Geist sein! Ein Hirngespinst! So etwas gibt es doch nicht! Mit so einem Gespenst k\u00f6nnen wir Menschen nichts anfangen. Dennoch bin ich schon Menschern begegnet, die eine sehr gro\u00dfe Sehnsucht nach einem himmlischen Jenseits hatten \u2013 oftmals fremdartig und unbegreiflich mit ihren Geister-Vorstellungen. Sie verloren meist den Boden unter den F\u00fc\u00dfen, und ihr Leben in der Realit\u00e4t unserer irdischen Welt machte sie krank.<\/p>\n<p>Es geschah wirklich Ostern etwas v\u00f6llig Neues, was bisher noch nicht gedacht und noch nicht erlebt worden ist. Eine neue, sch\u00f6pferische und unfassbare Wirklichkeit des Lebens tut sich auf. Der gestorbene Jesus erscheint unverhofft und kann dann wieder verschwinden; Entfernungen und verschlossene T\u00fcren sind offenbar f\u00fcr ihn keine Hindernisse. Wie soll man das Neue erkennen und beschreiben? Ein Toter erscheint als Lebendiger! Ich denke, dass dies bis heute unvorstellbar ist. Es ist mit unseren Gedanken und mit unserem Gef\u00fchl nicht zu begreifen und nicht zu beschreiben. Denn das Osterereignis geht weit \u00fcber unser Denken und F\u00fchlen hinaus. Es ist wirklich etwas sch\u00f6pferisch Neues, noch nicht Erlebtes! Wir nennen es heute \u201eAuferstehung\u201c. Jesus ist von den Toten auferstanden. Dies ist eine Umschreibung f\u00fcr ein Geschehen, das eigentlich nicht zu beschreiben ist. Die J\u00fcnger erlebten es mit Verwunderung: sie sahen seine H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe mit den Wundmalen, er a\u00df vor ihren Augen den Fisch, und sie h\u00f6rten die Stimme Jesu mit der Best\u00e4tigung: ich bin es wirklich! Ich bin bei euch auf der Erde; in dem irdischen Raum von euch Menschen ist von Gott her etwas Neues geschaffen worden.<\/p>\n<p>Dieses Geschehen ist f\u00fcr uns heute nicht nur eine wunderhafte Erz\u00e4hlung von damals. Sie ist zur Grundlage unseres christlichen Glaubens geworden. Der Tod ist nicht das Ende unseres Glaubenslebens. Trotz unseres irdischen Todes bleiben wir in der Hand des barmherzigen Gottes geborgen. Die Oster-Erinnerung ist kein Fremdk\u00f6rper in unserer christlichen Glaubensgeschichte. Das Oster-Geschehen ist die Zusage Gottes zu unserem Leben in seiner N\u00e4he \u00fcber den Tod hinaus. Jesus gibt uns allen diese Hoffnung der Auferstehung. Dann gibt es f\u00fcr uns keine H\u00f6lle mehr und schon gar keine Angst davor. Denn wir sind schon jetzt und bleiben immer mit unserer neuen \u00f6sterlichen Lebensweise im christlichen Glauben in der N\u00e4he Gottes. Wie in einer Bibelstunde weist Jesus seine J\u00fcnger auf den langen Weg der Geschichte Gottes mit den Menschen hin: Mose, die Propheten und die Psalmen haben diesen Weg schon angezeigt, einen Weg Gottes, der mit dem Ostergeschehen zu seiner Vollendung kommt. Gott schenkt uns die lebendige Freiheit in seiner N\u00e4he.<\/p>\n<p>Die Osterbotschaft verk\u00fcndet diese Glaubensgewissheit. Und weil das so eine frohe Botschaft ist, hei\u00dfen die 7 Wochen nach Ostern: Wochen der \u00f6sterlichen Freudenzeit! Wir k\u00f6nnen mit unserer christlichen Lebenshaltung dieses Vertrauen in den auferstandenen Jesus von Nazareth bekr\u00e4ftigen und ohne Angst vor dem Sein nach unserem Tod zur Freude am sichtbaren, spr\u00fchenden Leben gelangen. Wir k\u00f6nnen dieses Vertrauen \u2013 auch mit unseren Zweifeln \u2013 wegdiskutieren oder rationalisieren und die Diesseitigkeit des Lebens beschw\u00f6ren. Wie dem auch sei, der auferstandene, lebendige Christus wird dort sp\u00fcrbar und erfahrbar, wo wir Menschen heute \u2013 wie die J\u00fcnger damals \u2013 aus dem Erschrecken zur Freude, aus dem Zweifel zum Staunen und aus dem Tot-Sein zur lebendigen Hoffnung gelangen.<\/p>\n<p>In einem Gebet hei\u00dft es: \u201eGott, der Herr, mache uns wieder anf\u00e4llig f\u00fcr seine Geschichte, die nicht von dieser Welt ist, nicht erkl\u00e4rbar, keine Diskussionen braucht, und uns doch tr\u00f6stet, hoffen l\u00e4sst, Mut macht, frohgemut macht. Und alles in allem Kraft gibt und uns Zuversicht schenkt.\u201c (Hanns Dieter H\u00fcsch)<\/p>\n<p>Das ist gewiss wahr. Der Friede Gottes, welcher h\u00f6her ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Liedvorschl\u00e4ge:<\/strong><br \/>\nLied EG 99 Christ ist erstanden<br \/>\nLied EG 369 Wer nur den lieben Gott l\u00e4sst walten<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Bischof em. Klaus Wollenweber<\/strong><br \/>\n53129 Bonn<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:Klaus.Wollenweber@posteo.de\">Klaus.Wollenweber@posteo.de<\/a><\/p>\n<p>Viele Jahre Gemeindepfarrer in der Ev. Keuzkirchengemeinde Bonn; ab 1988 theologischer Oberkirchenrat in der Ev. Kirche der Union (EKU) Berlin ( heute: Union Ev. Kirchen (UEK) in Hannover ); ab 1995 Bischof der \u201eEv. Kirche der schlesischen Oberlausitz\u201c mit dem Amtssitz in G\u00f6rlitz \/ Nei\u00dfe\u00a0 (heute: \u201eEv. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz\u201c (EKBO) ); seit 2005 im Ruhestand wohnhaft in Bonn. H\u00e4ufig aktiv in der Vertretung von Pfarrerinnen und Pfarrern in Bonn.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>F\u00fcrbittgebet<br \/>\n<\/strong>Gott des Lebens, dir verdanken wir unser Leben inmitten einer Welt voller Schrecken und Verg\u00e4nglichkeit. Wir nehmen unsere Gegenwart so zweifelnd und oft verzweifelt wahr und wagen gar nicht, uns die Zukunft vorzustellen. Wir bitten dich, dass wir den lebendigen Christus nicht bei den Toten suchen und nicht sein Grab verehren. St\u00e4rke uns in dem Vertrauen, dass du uns bei unserem Suchen und Tasten nach wahrhaftigem Leben nahe bist.<\/p>\n<p>Wir bitten f\u00fcr die verschiedenen gesellschaftlichen und religi\u00f6sen Gruppen bei uns und in anderen V\u00f6lkern, dass sie sich nicht gegeneinander verh\u00e4rten. Bewahre uns im Streit der Meinungen vor einer Vergiftung unseres \u00f6ffentlichen Lebens. Lass uns vielmehr mit unserem \u00f6sterlichen Glauben an das Leben in deiner N\u00e4he dazu beitragen, dass weniger Angst in der Welt herrscht.<\/p>\n<p>Wir bitten f\u00fcr Menschen, die in unserem und in anderen L\u00e4ndern leiden: Benachteiligte, Asylsuchende, Fl\u00fcchtlinge, Arbeitslose und Kriegsopfer. Schenke uns Mitgef\u00fchl und Fantasie, wie wir diese Menschen bei uns integrieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir bitten dich f\u00fcr alle Menschen, die eine Krankheit zu tragen haben und damit nicht fertig werden. Gib ihnen Gedanken der inneren Ruhe und der Bewahrung. Ebenso bitten wir dich f\u00fcr die Sterbenden. Nimm von ihnen ihre \u00c4ngste und \u00f6ffne ihre Augen f\u00fcr deine bewahrende N\u00e4he.<\/p>\n<p>Unser Bitten und Flehen legen wir vor dich, Gott des Lebens, mit den Worten, die Jesus mit seinen J\u00fcngern gebetet hat:<\/p>\n<p>Vater unser im Himmel \u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leibhaftige Auferstehung \u2013 wirklich? | Ostermontag | 06.04.2026 | Lk 24,36\u201345 | Klaus Wollenweber | Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. 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