{"id":26203,"date":"2026-04-09T12:05:47","date_gmt":"2026-04-09T10:05:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26203"},"modified":"2026-04-09T12:05:47","modified_gmt":"2026-04-09T10:05:47","slug":"jesaja-4026-31-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-4026-31-3\/","title":{"rendered":"Jesaja 40,26\u201331"},"content":{"rendered":"<h3>Gest\u00e4rkt und getragen von Gottes Liebe | Quasimodogeniti | 12.04.2026 | Jes 40,26\u201331 | Peter Schuchardt |<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des Hl. Geistes sei mit euch allen! Amen<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Gest\u00e4rkt und getragen von Gottes Liebe<\/h3>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder,<\/p>\n<p>\u201eIch f\u00fchle mich wie neugeboren!\u201c: Ich bin stark, ich bin jung, ich kann alles. Zumindest verspricht mir das das Duschgel in der Werbung. Einmal unter die Dusche springen, einseifen, absp\u00fclen \u2013 und zack! \u2013bin ich wie neu. Dasselbe versprechen mir auch der Kaffee und die Di\u00e4t, die ich unbedingt ausprobieren soll. Einfach nur die Nahrung umstellen, oder diesen oder jenen neuen Trendsport machen. Dann bin ich wie neugeboren! Habt ihr das schon mal geh\u00f6rt? Habt ihr das schon mal erlebt? Also, ich wei\u00df, wie erfrischend eine Dusche nach einer langen Wanderung sein kann, oder auch ein Bad im k\u00fchlen See. Und meine Tasse Kaffee am Morgen schmeckt mir auch. Doch bin ich dadurch wie neugeboren? Wurdet ihr schon mal durch eine Dusche oder einen Kaffee ein neuer Mensch? Ein alter deutscher Schlager singt \u201eEine neue Liebe ist wie ein neues Leben!\u201c Da steckt wie in manchem simplen Schlagertext ja eine tiefe Wahrheit und Erfahrung drin. Wenn du dich nach langer Zeit des Alleinseins, nach einer schwierigen Beziehung, nach dem Tod der Partnerin wieder neu verliebst: das kann wie ein neuer Anfang sein. Und ich g\u00f6nne es allen von Herzen, die das nach Trauer und Alleinsein erfahren d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch das andere, den unbedingten Wunsch: ich m\u00f6chte jetzt noch mal neu anfangen! Das passiert oft bei M\u00e4nnern und Frauen in den mittleren Lebensjahren, so mit 45, 50. <em>Midlife crisis<\/em>, sagt man dann. Die Kinder sind aus dem Haus, die Karriereleiter ist erklommen, das beginnende Alter zeigt sich k\u00f6rperlich und auch in der Seele. Da lassen dann manche M\u00e4nner Frau und Kinder und manche Frauen Kinder und Mann hinter sich, um mit einem neuen, oft j\u00fcngeren Partner neu anzufangen. So etwas passiert. Ich glaube, bei vielen steckt da der Gedanke und das Gef\u00fchl dahinter: ich bin noch nicht alt \u2013 auch wenn ich \u00e4lter geworden bin.<\/p>\n<p>Solche Aff\u00e4ren und Liebesbeziehungen machen aber nicht automatisch gl\u00fccklich. Und sie schenken eben kein neues Leben. Denn ich werde ja weiterhin \u00e4lter, auch wenn ich eine neue Partnerin, einen neuen Partner habe. Doch es gibt eine Riesenangst davor, alt zu werden, bei Frauen und bei M\u00e4nnern. Denn alt bedeutet ja schwach werden, weniger zu k\u00f6nnen, weniger leisten zu k\u00f6nnen, unn\u00fctz zu sein. Und darum \u00e4ndern in dem Zeitraum von 45\u201355 viele Menschen pl\u00f6tzlich ihre Ern\u00e4hrung, treiben wieder Sport, gehen vielleicht sogar zum Sch\u00f6nheitschirurgen. Nur, um nicht alt zu sein, um j\u00fcnger zu erscheinen. Manche Wissenschaftler tr\u00e4umen davon, den Alterungsprozess aufhalten, verlangsamen oder gar ganz stoppen zu k\u00f6nnen. Ich halte das f\u00fcr den verkehrten Weg. Denn es ist eine Flucht, ein weggucken vor dem nat\u00fcrlichen Lebensweg eines Menschen. Bei diesem Weggucken sind es auch Fragen, die einen bedr\u00e4ngen, Fragen wie: Wer k\u00fcmmert sich um mich, wenn ich nicht mehr so kann, wer besch\u00fctzt mich, wer ist an meiner Seite, wer liebt mich denn, wenn ich alt und hinf\u00e4llig werde, krank und am Boden bin?<\/p>\n<p>Die Bibel kennt diese Fragen. Wer ist bei mir, wenn ich alt werde, wenn Krankheit mich schw\u00e4cht? Und sie kennt auch das Gef\u00fchl der J\u00fcnglinge und M\u00e4nner, die allm\u00e4hlich an Kraft und Ausdauer verlieren. Aber die Bibel kennt auch das, was uns wirklich neue Kraft gibt, was uns aufstehen und mit Freude unseren Weg gehen l\u00e4sst. Davon erz\u00e4hlt uns der heutige Predigttext aus dem Buch des Propheten Jesaja:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Richtet eure Augen nach oben und seht, wer das alles geschaffen hat!<br \/>\n<\/em><em>Seht ihr dort das Heer der Sterne? Er l\u00e4sst sie aufmarschieren in voller Zahl.<br \/>\n<\/em><em>Mit ihrem Namen ruft er sie alle herbei. Aus der Menge, vielf\u00e4ltig und stark, darf kein einziger fehlen. Wie kannst du da sagen, Jakob, wie kannst du behaupten, Israel:<br \/>\n<\/em><em>\u00bbMein Weg ist dem Herrn verborgen! Mein Gott bemerkt nicht, dass ich Unrecht leide!\u00ab<br \/>\n<\/em><em>Hast du\u2019s noch nicht begriffen? Hast du es nicht geh\u00f6rt? Der Herr ist Gott der ganzen Welt.<br \/>\n<\/em><em>Er hat die Erde geschaffen bis hin zu ihrem \u00e4u\u00dfersten Rand.<br \/>\n<\/em><em>Er wird nicht m\u00fcde und nicht matt. Keiner kann seine Gedanken erfassen.<br \/>\n<\/em><em>Er gibt dem M\u00fcden neue Kraft und macht den Schwachen wieder stark.<br \/>\n<\/em><em>Junge M\u00e4nner werden m\u00fcde und matt, starke Krieger straucheln und fallen.<br \/>\n<\/em><em>Aber alle, die auf den Herrn hoffen, bekommen neue Kraft.<br \/>\n<\/em><em>Sie fliegen dahin wie Adler.<br \/>\n<\/em><em>Sie rennen und werden nicht matt, sie laufen und werden nicht m\u00fcde. (Jes 40,26\u201331 BasisBibel)<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Worte, liebe Schwestern und Br\u00fcder, sprechen in eine besondere Situation des Volkes hinein. Ihren Staat gibt es nicht mehr, die gro\u00dfen und m\u00e4chtigen Babylonier haben ihn erobert. Der Tempel ist zerst\u00f6rt. Die Oberschicht des Landes, Priester, Wissenschaftler, Politiker und ihre Familien, verschleppt ins Ausland \u2013 so machte man das damals. Und Gott? War nicht die Niederlage des Volkes auch eine Niederlage Gottes? Hatten die anderen G\u00f6tter sich nicht als st\u00e4rker erwiesen? Wo war denn nun der gro\u00dfe Gott Israels, der damals doch das Volk aus der Gefangenschaft in \u00c4gypten herausgef\u00fchrt hat? Hatte er sich zur\u00fcckgezogen? Hatte er sein Volk vergessen? Waren ihm die Menschen, die auf ihn vertrauen, letztlich egal und schnuppe? Da f\u00e4ngt der Prophet an zu erz\u00e4hlen: \u201eKopf hoch!\u201c, das ist das Erste, was er sagt. \u201eGuckt nach oben!\u201c Wir sagen das ja auch gerne zu Menschen, die eine Niederlage erlitten haben oder denen etwas Schweres widerfahren ist: \u201eKopf hoch, wird schon wieder. Also lauf nicht geknickt durch die Welt, auch wenn dir danach ist. Nein, Kopf hoch, mein Junge, mein M\u00e4dchen, lass dich nicht unterkriegen!\u201c Wenn wir das so sagen, dann ist das ein Vertr\u00f6sten. Jesaja aber sagt viel mehr: \u201eGuck mit den Augen nach oben, aber richtig nach oben in den Himmel. Da siehst du die Sonne, den Mond und die Sterne, das gro\u00dfe Himmelsgew\u00f6lbe. Dann erkennst du, wer das alles erschaffen hat.\u201c Gott, unser Gott, hat den Himmel und die Erde, die Planeten und Gestirne erschaffen. Und wenn es Abend wird, dann l\u00e4sst unser Gott diese Sterne nach und nach leuchten, er l\u00e4sst sie aufmarschieren, sagt Jesaja. Nun m\u00fcsst ihr wissen, liebe Schwestern und Br\u00fcder, dass die Sterne im alten Babylon als G\u00f6tter angebetet wurden. Ja, das Volk der Babylonier hatte sich als m\u00e4chtiger als Israel erwiesen. Doch nun sagt Jesaja: \u201eDeren G\u00f6tter sind nur wie Spielzeug f\u00fcr Gott. Er ruft sie, und sie m\u00fcssen kommen. Die G\u00f6tter der Babylonier sind gar keine G\u00f6tter, das sind nur gehorsame Diener unseres Gottes.\u201c Mancher der Israeliten mag geschmunzelt haben bei diesen Worten. Gott, der Gott Israels hat die Welt, den Himmel und die Sterne erschaffen. Und dieser gro\u00dfe und m\u00e4chtige Gott, der sorgt sich um sein Volk sorgt sich um seine Menschen. Junge M\u00e4nner und starke Krieger, auch die Krieger Babylons, die werden irgendwann m\u00fcde und fallen hin. Auch das m\u00e4chtige Heer der Gro\u00dfmacht wird einmal in sich zusammenfallen. Aber alle, die auf Gott vertrauen und auf seine Hilfe warten, die werden von Gott neue Kraft bekommen. \u201eUnd dann\u201c, sagt Jesaja, \u201ewie durch ein Wunder: sie rennen und laufen und werden gar nicht m\u00fcde. Sie fliegen wie die Adler, h\u00f6her, immer h\u00f6her und weiter.\u201c<\/p>\n<p>Das ist ein Mutmachtext, liebe Schwestern und Br\u00fcder, ein Mutmacher f\u00fcr alle im Volk Israel, die damals auf Hilfe und Trost warten. Und es ist ein Mutmacher f\u00fcr uns heute. Denn auch die Lage in der Welt heute kann uns ja viel, viel Kraft kosten. K\u00f6nnen wir denn mit unserer kleinen Kraft, mit unserem geringen Einfluss \u00fcberhaupt etwas tun? Sind wir nicht einfach den Gro\u00dfen und M\u00e4chtigen ausgeliefert? Nein, das sind wir nicht, liebe Schwestern und Br\u00fcder. Denn in uns Christen lebt eine Hoffnung und eine Erfahrung, die wir seit dem 1. Ostermorgen in uns tragen. Es ist die Erfahrung: \u201eJesus ist auferstanden!\u201c Der Tod hat nicht gesiegt, sondern Gottes grenzenlose Liebe. Diese Liebe ist so stark, sie kann uns verwandeln. Sie macht aus Trauer Freude, aus Angst Hoffnung, aus Verzweiflung Zuversicht. Und sie macht aus geknickten, entt\u00e4uschten, trostlosen J\u00fcngern und J\u00fcngerinnen die gro\u00dfe weltweite Gemeinschaft, die von der Hoffnung auf Gottes Liebe lebt. Mit jedem Gottesdienst, mit jedem Gebet, mit jedem Lied, das wir zur Ehre Gottes singen, tragen wir diese Hoffnung und diesen Trost weiter. Die ersten Frauen und M\u00e4nner, die die Auferstehung erfahren, die sind wirklich wie neu geboren. Sie fliegen dahin wie Adler, sie strahlen vor Freude, sie gehen in die Welt und erz\u00e4hlen unerm\u00fcdlich von dieser frohen Botschaft. Und diese Botschaft hei\u00dft: Du bist getragen und wirst gest\u00e4rkt durch Gottes Liebe. Die kann uns wirklich dazu bringen, dass wir uns wie neugeboren f\u00fchlen. Denn Gott schenkt uns diesen neuen Anfang. Er bricht die Macht des Todes. Er leuchtet mit seinem Licht in unser Dunkel. Er vergibt uns unsere Schuld. Er l\u00e4sst uns einen neuen Anfang in unserem Leben wagen.<\/p>\n<p>Quasimodogeniti, so hei\u00dft dieser 1. Sonntag nach dem Osterfest seit alter Zeit. \u201eWie die neugeborenen Kinder\u201c meint das \u00fcbersetzt, \u201ewie neugeboren\u201c. Eine Woche zuvor, in der Osternacht wurden diejenigen, die Christ werden wollten, getauft. Nach einer Woche voller Feiern und Lernen trugen die Neugetauften im Gottesdienst an diesem Sonntag das wei\u00dfe Taufkleid, das sie als Zeichen ihres neuen Weges mit Gott an hatten. Sie waren ja \u201ewie neugeborene Kinder\u201c im Glauben. Daher hei\u00dft dieser Sonntag auch &#8222;Wei\u00dfer Sonntag&#8220; abgeleitet, den einige von euch vielleicht kennen.<\/p>\n<p>In unserer Zeit tragen die T\u00e4uflinge nicht mehr oft ein wei\u00dfes Kleid, und die als Erwachsene zur Taufe kommen, erst recht nicht. Aber weiter gilt: \u00a0In der Taufe beginnt der neue Weg eines Menschen mit Gott. \u00a0Dieser Gedanke zieht sich durch die Zeiten hindurch. Er zeigt uns: Wer auf Gott vertraut, der kann neu anfangen. Der kann aufstehen nach einer schweren Zeit. Der kann auferstehen, schon jetzt in diesem Leben. Auferstehen mit Gottes Kraft. Er wird nicht m\u00fcde, er wird laufen und wirken k\u00f6nnen, weil Gott ihn st\u00e4rkt und tr\u00e4gt \u2013 jeden und jede von uns, liebe Schwestern und Br\u00fcder.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p><em>Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Liedvorschl\u00e4ge<br \/>\n<\/strong>Er ist erstanden, Halleluja EG 116<br \/>\nDu meine Seele, singe EG 302<br \/>\nNun lob, mein Seel, den Herren EG 289, bes. 1<br \/>\nGott gab uns Atem EG 432<br \/>\nIns Wasser f\u00e4llt ein Stein EG 620<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor Peter Schuchardt<\/strong><br \/>\nBredstedt<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:peter.schuchardt@kirche-nf.de\">peter.schuchardt@kirche-nf.de<\/a><\/p>\n<p>Peter Schuchardt, geb. 1966, Pastor der Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), seit 1998 Pastor an der St. Nikolai Kirche in Bredstedt\/Nordfriesland (75%), seit 2001 zus\u00e4tzlich Klinikseelsorger an der DIAKO NF\/Riddorf (25%).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gest\u00e4rkt und getragen von Gottes Liebe | Quasimodogeniti | 12.04.2026 | Jes 40,26\u201331 | Peter Schuchardt | &nbsp; Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des Hl. 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