{"id":26221,"date":"2026-04-15T20:45:21","date_gmt":"2026-04-15T18:45:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26221"},"modified":"2026-04-15T20:45:21","modified_gmt":"2026-04-15T18:45:21","slug":"1-petrus-221b-25-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-petrus-221b-25-2\/","title":{"rendered":"1. Petrus 2,21b-25"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Mit Badeschlappen im Hochgebirge | Misericordias Domini | 19.4.2026 | 1. Petrus 2,21b-25 | Udo Schmitt |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesu geh voran. Er hat euch ein Vorbild hinterlassen, lesen wir hier. Eine Druckvorlage. Ein Ausmalbild. Der Rahmen ist vorgegeben, wir m\u00fcssen es mit Farbe f\u00fcllen. Mit Leben f\u00fcllen. Mit unserem Leben f\u00fcllen. Klingt leicht. So malen \u2013 das kann doch kann jeder, oder?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eIhr sollt nachfolgen\u201c, lesen wir hier weiter, in seine Fu\u00dfstapfen treten. Der Weg ist vorgezeichnet. Eine Spur ist gelegt, wir sind ihm auf den Fersen. Es ist wie im Urlaub am Strand, da ist eine Spur, deutlich und klar. Pfeifend schlendere ich hinterher. Singe und lobe Gott. Und die Sonne scheint dazu. Es gibt kein Vertun. Klingt doch einfach. Alles \u201eeasy\u201c. Kann doch jeder, oder?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja. Klingt gut. Und dann lese ich weiter: \u201eEr hat keine S\u00fcnde getan.\u201c Und schon stocke ich. Komme ins Gr\u00fcbeln. Und frage mich: Und ich? Ich: Keine S\u00fcnde?? Also, O.K., nichts Schlimmes, kein Mord und so. Aber andererseits\u2026 Der Weg am Strand, der gerade noch so gerade war, erscheint mir auf einmal ganz sch\u00f6n steil. Unversehens bin ich im Hochgebirge. Und habe nur Badeschlappen an.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eUnd in dessen Mund sich kein Betrug fand\u201c, so hei\u00dft es weiter. Nichts Falsches. Nie ist ein nutzloses und unwahres Wort \u00fcber seine Lippen gekommen. Wenn er etwas gesagt hat, dann hatte er auch was zu sagen, und was er sagte, war wahr. Klingt gut. Und ich? Ich verstumme. Im Hochgebirge wird die Luft schnell d\u00fcnn. Da spare ich mir lieber jedes Wort, jede Antwort. Jetzt nichts Falsches sagen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDer nicht widerschm\u00e4hte, als er geschm\u00e4ht wurde, der nicht drohte, als er litt.\u201c Also als Ideal find\u2018 ich das schon sch\u00f6n. Aber ich wei\u00df nicht, ob ich das kann. Manchmal da w\u00fcnsche ich mir sogar, ich h\u00e4tte eine Antwort parat. Wenn mir einer frech kommt. Mir die Vorfahrt nimmt. Mir \u00fcber den Mund f\u00e4hrt. Und mich zur\u00fccksetzt. Also manchmal, da m\u00f6chte ich\u2026 Also, da w\u00fcrde ich schon gern\u2026<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eAber er stellte es anheim dem, der gerecht richtet.\u201c Gut. Da komme ich wieder ein St\u00fcck weit mit. Wir sollen nicht selber richten. Uns nicht r\u00e4chen. O.K., manchmal ist das hart, manchmal m\u00f6chte ich schon zur\u00fcckschie\u00dfen (also mit Worten), aber wir sind ja in einem zivilisierten Land. Und selbst wenn nicht: Besser ich vertraue darauf, dass Gott mich r\u00e4chen wird. Jesus konnte verzichten, weil er wusste, dass Gott das letzte Wort hat. Also verzichte ich auch.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Weiter hei\u00dft es \u00fcber Jesus: \u201eDer unsre S\u00fcnde selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der S\u00fcnde abgestorben, der Gerechtigkeit leben.\u201c Er hat unsere S\u00fcnden hinaufgetragen. Also nach Golgatha. Er hat es selbst getan. Wir h\u00e4tten es auch nicht tun k\u00f6nnen. Wir sind Teil dieser Welt. Einer Welt, die sich nach Frieden sehnt. Und die diesen Frieden doch nicht selbst machen kann. Immer wieder beklaut der Reiche die Armen. Immer wieder fliehen die Armen vor Hunger und Krieg. Immer wieder regiert Gewalt und immer wieder reagiert Gegengewalt darauf. Und danach hei\u00dft es dann: Ich kann nichts daf\u00fcr. Der andere hat angefangen. Eigentlich bin ich ja ganz anders. Ich komm nur viel zu selten dazu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Darum, weil wir es nicht selbst tun k\u00f6nnen, hat er, der eine Reine, der von keiner Schuld wusste und kein unwahres Wort gesprochen hat, unsere Schuld mitgenommen, sich aufgeladen, hinaufgetragen an das Holz. Damit wir leben. Aber nicht so weiter wie bisher. Sondern damit wir jetzt f\u00fcr die Gerechtigkeit leben. Also so leben k\u00f6nnen, wie es vor Gott richtig erscheint. Im Lichte von Ostern. Im Lichte der Auferstehung. Durchgl\u00fcht von Gottes Liebe zu allen Menschen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDurch seine Wunden seid ihr heil geworden.\u201c Das ist der Sinn von Karfreitag, der Sinn eines an sich sinnlosen Todes. Dass Gott diesen einen nicht im Tod l\u00e4sst, sondern wieder belebt, leben l\u00e4sst, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren sind, sondern das ewige Leben haben. F\u00fcr euch ist er gestorben. F\u00fcr euch ist er auferstanden, damit auch ihr lebt. F\u00fcr euch! Vielen Menschen (auch vielen Theologen) ist dies heute ein \u00c4rgernis. Eine Provokation. Sie wollen das nicht so stehen lassen. Und es nicht annehmen f\u00fcr ihr Leben. Dass auch sie dessen bed\u00fcrfen. Dass sie, ja sie, es bitter n\u00f6tig haben, lebens-not-wendig n\u00f6tig haben, dass einer hingeht und sich f\u00fcr sie opfert. Also f\u00fcr mich, sagen sie dann gern, h\u00e4tte das ja nicht sein m\u00fcssen. Das w\u00e4r\u2018 doch nicht n\u00f6tig gewesen! Klingt h\u00f6flich. Ist aber vielleicht nur d\u00fcmmlich. Oder eitel. Was dasselbe ist. Nein. F\u00fcr mich. F\u00fcr mich hat er dies getan. Ich h\u00e4tte es nicht selber tun k\u00f6nnen \u2013 f\u00fcr mich. Und auch f\u00fcr keine andere, keinen andern. Wir haben ja schon genug damit zu tun, uns selbst im Blick zu behalten. Und nicht mal das klappt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDenn ihr wart irrende Schafe\u201c, hei\u00dft es hier weiter: \u201eaber ihr seid nun bekehrt zu dem Hirten<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">und Bischof eurer Seelen.\u201c Hier liegt eine weitere Provokation: Schafe! Schafe!! Pffft! Ich bin doch kein Schaf. Ich bin eine selbstbestimmte Frau, oder ein Mann, der wei\u00df, was er kann, ich habe mein Leben im Griff. Also, bittesch\u00f6n, erz\u00e4hl das woanders, dass ich ein Schaf bin.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sch\u00f6n, sch\u00f6n. Sage ich und denk bei mir: Die gleichen Leute sind es meistens und \u00fcbrigens, die nichts von Gott wissen wollen, solange es ihnen gut geht, die dann jammern, wenn es ihnen schlecht geht und anklagend fragen: Wo war da Gott! Das ist dann ja sch\u00f6n sortiert: Wenn es l\u00e4uft, dann war das meine eigene Genialit\u00e4t. Wenn es nicht l\u00e4uft, ist Gott schuld. Oder irgendwer anders.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So sieht sich der moderne Mensch. Und so sieht er sich gern. Dass er die Dinge im Griff hat. Dass er alles bestimmen kann. Nicht nur das Fernsehprogramm. Auch sein Aussehen, Ansehen, sein Alter und sein Ableben. Alles fest im Griff. Oder? Denkste! Habt ihr euch etwa das Jahrhundert aussuchen k\u00f6nnen, in dem ihr lebt? Oder habt ihr entscheiden d\u00fcrfen, ob ihr Spanier seid, Griechen, T\u00fcrken, Syrer oder Deutsche? Was k\u00f6nnt ihr also daf\u00fcr, dass ihr Sauerkraut m\u00f6gt und beim Tanzen eine l\u00e4cherliche Figur abgebt? Was k\u00f6nnen die anderen daf\u00fcr, dass man sie foltert, verfolgt und vertreibt aus ihrem Land? Blo\u00df weil sie das falsche Aussehen haben, die falsche Religion oder die falschen Vorlieben, sei es musikalischer oder literarischer oder anderer Natur. Wie auch immer.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So vieles in unserem Leben ist nicht planbar und steuerbar. Je nachdem wo und wann du geboren wirst, entscheidet dar\u00fcber, ob du reich geboren wirst oder arm bleibst, ob du \u00fcberhaupt leben darfst oder ob du stirbst. Wie sprecht ihr dann von Selbst-Bestimmung und Autonomie? Das ist eine Fata Morgana, oder bestenfalls ein Luxus f\u00fcr die Reichen. F\u00fcr die oberen Zehntausend. Aber all die Angestellten und Ausgebeuteten, all die Unfreien und Sklaven, an die sich der Petrusbrief auch wendet, k\u00f6nnten euch sagen: Freiheit, Selbstbestimmung? Das ist etwas, das man sich leisten k\u00f6nnen muss.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Obwohl ihr ausgebeutet, vertrieben, geschm\u00e4ht werdet, Wertlose seid in den Augen der Reichen und M\u00e4chtigen, nicht weiter der Rede wert, bestenfalls Stimmvieh, ist Jesus f\u00fcr euch eingetreten, hat sich selbst aufgeopfert, sein Leben gegeben. So kostbar, so wertvoll seid ihr ihm. Jesus: er, der f\u00fcr euch litt, starb und auferweckt wurde von Gott, er ist der Hirte eurer Seelen. Er tritt auch weiterhin f\u00fcr euch ein beim Vater, \u00fcbernimmt die Verantwortung f\u00fcr euch. Und er gibt euch die Richtung vor. Und wenn ihr das Wort vom Hirten und den Schafen nicht m\u00f6gt, dann sagt: Gott ist wie ein D.J., er legt die Platten auf und bestimmt den Rhythmus meines Lebens. Er ist mein Personal-Coach, er sagt mir, was gut f\u00fcr mich ist, f\u00fchrt mich durch mein Trainings-Programm. Oder: Gott ist mein Trainer und Jesus mein Spielmacher, er gibt mir die Steilvorlage, er spielt die P\u00e4sse in den Raum. Ich brauche nur hinzulaufen. Und das Tor steht offen vor mir. Ja! Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sucht es euch aus. Aber das eine ist klar: Jesus ist der Herr. Er ist der, der vorausgegangen ist. Und wir folgen ihm nach. Er ist die Folie, die Vorlage, das Ausmalebild. Und wir m\u00fcssen es mit Farben f\u00fcllen, mit Leben f\u00fcllen, mit unserem Leben f\u00fcllen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesu, geh voran auf der Lebensbahn! Und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen; f\u00fchr uns an der Hand bis ins Vaterland.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Liedvorschl\u00e4ge<\/strong>:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 EG 391 Jesu, geh voran<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 EG 395 Vertraut den neuen Wegen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 EG 210 Du hast mich, Herr, zu dir gerufen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 GL 822 Zeige uns den Weg, wenn der Morgen winkt<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Udo Schmitt, geb. 1968, Pfarrer der Evangelischen Kirche im Rheinland, von 2005-2017 am Niederrhein, seit 2017 im Bergischen Land.<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Dorfstr. 19 \u2013 42489 W\u00fclfrath (D\u00fcssel)<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>udo.schmitt@ekir.de<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Badeschlappen im Hochgebirge | Misericordias Domini | 19.4.2026 | 1. 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