{"id":26239,"date":"2026-04-22T13:21:26","date_gmt":"2026-04-22T11:21:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26239"},"modified":"2026-04-22T13:21:26","modified_gmt":"2026-04-22T11:21:26","slug":"johannes-151-8-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-151-8-5\/","title":{"rendered":"Johannes 15,1\u20138"},"content":{"rendered":"<h3>Nat\u00fcrlich dranbleiben. Nat\u00fcrlich wachsen. Nat\u00fcrlich Frucht bringen | Jubilate | 26.04.2026 | Joh 15,1\u20138 | Kira Busch-Wagner |<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nat\u00fcrlich dranbleiben. Nat\u00fcrlich wachsen. Nat\u00fcrlich Frucht bringen<\/strong><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, wer h\u00e4ufig Gottesdienste feiert, stellt am Ende des Kirchenjahres und zu Beginn des neuen, also in der Adventszeit, fest: irgendwie \u00e4hneln sich die Themen. Der \u00dcbergang vom alten ins neue Kirchenjahr ist wie ein mathematischer Spiegel. Auf der einen wie auf der anderen Seite: die gleichen Themen. Wir erwarten Jesus am Ende der Zeit \u2013 zum Ende; wir erwarten die Ankunft Jesu, seinen Advent, jetzt unter uns, so an den Adventssonntagen.<\/p>\n<p>\u00c4hnliches f\u00e4llt mir gerade auf im Blick auf die Zeit vor und nach Ostern. In der Passionszeit n\u00e4hert man sich dem Karfreitag, dem Abschied von Jesus. Und nach Ostern verzeichnet die liturgische Ordnung abermals Evangelienabschnitte mit Gedanken des Abschieds. Schlie\u00dflich wird Jesus nicht bleiben. Seine Leute lernen \u2013 und wir lernen von ihnen, seine Anliegen auch ohne seine leibliche N\u00e4he zu vertreten.<\/p>\n<p>Nach Ostern ist vor Ostern und vor Ostern ist zugleich nach Ostern \u2013 so ist das, seit Paulus und nach ihm die Evangelisten die Auferweckung verk\u00fcndeten. Wer Paulusbriefe oder die Evangelien liest, wei\u00df ja schon um Tod und Auferweckung und Himmelfahrt. Und liest sie immer neu. Wir wissen f\u00fcr Jahre voraus die Daten von Karfreitag, Ostern und Pfingsten. Und gehen mit den neutestamentlichen Worten immer wieder drauf zu. Und schauen von heute aus immer wieder zur\u00fcck auf das, was damals bei Jesus geschah.<\/p>\n<p>So h\u00f6ren wir auch heute, drei Wochen nach Ostern, auf Abschiedsworte Jesu. Aus dem gro\u00dfen Abschnitt von Abschiedsreden im Evangelium nach Johannes.<\/p>\n<p>Von Johannes sollte man ein bisschen noch wissen, um seine manchmal sehr br\u00fcske Redeweise einzuordnen. Er ist wohl der letzte, der sp\u00e4teste der Evangelisten. Er lebt in einer Zeit der Krisen. Zeitlich so weit von Jesus entfernt wie wir vom Ende des Zweiten Weltkriegs und der Gr\u00fcndung der Bundesrepublik Deutschland. Jene Jahre, als die Jesusleute selbstverst\u00e4ndlicher Teil der j\u00fcdischen Gemeinden waren und in ihrem Schutz leben konnten, sind vorbei. Der Tempel, den Jesus als Wallfahrer aufgesucht hat, und mit ihm ist ganz Jerusalem zerst\u00f6rt. Eine ganze Generation ist seitdem gro\u00df geworden. Die j\u00fcdischen Menschen des Landes Israel, soweit sie \u00fcberlebt hatten, waren in Gefangenschaft geraten, in Sklaverei. Meist irgendwo in der Diaspora, zerstreut im ganzen Mittelmeerraum. Ein kleiner Rest lebt in dem verw\u00fcsteten Land zwischen Galil\u00e4a und den jud\u00e4ischen Bergen in Armut und auf der Suche nach Orientierung. Und mit ihnen und neben ihnen die Jesusgemeinden. Die Zust\u00e4nde f\u00fchren nicht zu Solidarit\u00e4t, zu gegenseitiger Verst\u00e4ndigung, zu Ausgleich. Johannes ist ein Evangelist der Profilierung, der klaren Kante, der klaren Worte. Und so gibt er Jesus in seinem Abschied wieder:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weing\u00e4rtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich k\u00f6nnt ihr nichts tun.<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und\u00a0\u00a0 sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine J\u00fcnger.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jesus beschw\u00f6rt es im Johannesevangelium als einen nat\u00fcrlichen, unvermeidlichen, selbstverst\u00e4ndlichen Vorgang, dass seine Sch\u00fclerschaft, seine Leute bei ihm bleiben, in ihm bleiben werden, er in ihnen. Auch dann, wenn er nicht mehr unter ihnen irdisch lebt. Seine Worte sind best\u00e4ndig unter ihnen, nahe und lebendig, seine Leute leben aus seinen Worten. All ihre Kraft, ihr Verm\u00f6gen, ihr gutes Wirken, kommt aus den Worten Jesu. So ist er f\u00fcr sie wie ein Weinstock, der seine Reben n\u00e4hrt. Und zwar keine Geiztriebe, keine Nebentriebe. Sondern sie sind wie Reben, an denen die Trauben h\u00e4ngen werden, die Frucht bringen und nicht etwa Holzwuchs ausbilden oder wildes Gr\u00fcnzeug.<\/p>\n<p>Das Bild kommt dann auch an seine Grenzen. Jesu Sch\u00fcler werden beschworen, von dieser Kraftquelle nicht Abstand zu nehmen. Doch: eine einzelne, vom Weing\u00e4rtner als Fruchttrieb vorgesehene Rebe kann sich in der Natur ja nun nicht f\u00fcr sich selbst entschlie\u00dfen, etwas anderes zu wollen. Jesus im Johannesevangelium l\u00e4sst uns daran als unnat\u00fcrliche Natur, eine letzte, \u00e4u\u00dferste, tats\u00e4chlich aber unm\u00f6gliche M\u00f6glichkeit denken. Dass es zur Frucht vorgesehene Reben geben k\u00f6nnte, die nicht aus der Kraft des Weinstocks leben wollen. Es w\u00e4re ein Paradox. Stattdessen gilt: bei Jesus in die Schule zu gehen wird Taten nach sich ziehen. An Jesus dran zu sein, hei\u00dft gute Frucht bringen. Teil der Jesusgemeinschaft zu sein, bringt die einzelnen richtig zur Entfaltung, f\u00fcr sie selbst und f\u00fcr andere zum Genuss, zu einem besseren Leben.<\/p>\n<p>Gott ist im Bild vom Weinstock der Weing\u00e4rtner. Gott selbst sorgt f\u00fcr guten Boden, guten Schnitt, gute Bearbeitung, dass gute Fr\u00fcchte an diesem Rebstock gedeihen k\u00f6nnen. Gott reinigt die Reben von den Nebentrieben. Und Jesus spricht seinen Leuten fest zu: ihr seid schon gereinigt. Ihr geh\u00f6rt schon zu den bearbeiteten Reben. Aus euch werden Fr\u00fcchte ans Tageslicht treten. Werdet, seid euch dessen gewiss!<\/p>\n<p>Das Bild von Gott als Weing\u00e4rtner ist nicht neu in der Bibel. In den Prophetenb\u00fcchern versichert Gott: Israel ist meine Pflanzung, mein Weinberg. Ich lege diesen Weinberg voller Liebe an.<\/p>\n<p>Und wenn die fr\u00fchen Rabbinen, die nach der r\u00f6mischen Katastrophe der Tempelzerst\u00f6rung im Jahr 70 unserer Zeitrechnung sich selbst als Weinberg Gottes verstehen, dann nicht, weil sie so selbstbewusst w\u00e4ren oder gar selbstherrlich. Sondern sie sagen das zum Lobe Gottes. Gott l\u00e4sst seinen verw\u00fcsteten Weinberg nicht im Stich.<\/p>\n<p>Da sind die Rabbinen und Jesus einander n\u00e4her, als der Evangelist Johannes vielleicht hat sehen k\u00f6nnen. Beide Schulen leben je aus Gottes Wort. Ohne diese D\u00fcngung, ohne diese Pflege w\u00fcrden sie auslaugen, verdorren, ungepflegt bleiben.<\/p>\n<p>Und was h\u00e4tten wir ohne Jesus, soweit entfernt durch Zeit und Raum, mit diesem Gott zu tun? Wenig. Nichts. Der Weinstock Jesus aus dem Weinberg Gottes ist der, der seine Schulgemeinschaft, die Kirche aus vielen V\u00f6lkern, mit der Kraft des Wortes n\u00e4hrt, damit wir gute Fr\u00fcchte bringen. Nur durch ihn \u2013 alles andere ist f\u00fcr die V\u00f6lker <em>unm\u00f6gliche<\/em> M\u00f6glichkeit.<\/p>\n<p>Im Bild vom Weing\u00e4rtner und vom Weinstock, vom Weinstock und den fruchttragenden Reben, vom Dranbleiben und Weiterwachsen sieht der Evangelist Johannes f\u00fcr seine Gemeinde Trost in der Krise, Zusammenhalt in den Trennungen, Verbindung beim Abschied. F\u00fcr sie und f\u00fcr uns. Beim Zugehen auf den Karfreitag \u2013 so die Abschiedsreden in der Chronologie, in der zeitlichen Abfolge des Evangeliums. Oder wenn wir Ostern hinter uns lassen, den Jubel, die Freude und auch im Kirchenjahr uns einlassen auf die M\u00fchen der Ebene.<\/p>\n<p>Eigentlich ganz nat\u00fcrlich: Kraft zu sch\u00f6pfen, immer wieder, aus dem Wort und der Zuwendung Gottes. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Liedvorschl\u00e4ge:<\/strong><\/p>\n<p>365 1.4.5. Von Gott ich nicht lassen, denn er l\u00e4sst nicht von mir<br \/>\n265, 1+3 Nun singe Lob, du Christenheit<br \/>\n406 1+4 Bei dir Jesus will ich bleiben &#8230;.\u2002\u2002\u2002\u2002(Motiv vom Weinstock!)<br \/>\n268, 2-5 (Zweige wachsen viele)<br \/>\n358 Es kennt der Herr die Seinen 5+6\u00a0 (Werk der Gnadentriebe)<br \/>\n384, 1+4 lasset uns mit Jesus ziehen<br \/>\n503,1.6.15 Geh aus mein Herz<br \/>\n133 Zieh ein zu deinen Toren<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Verfasst von:<\/strong><br \/>\n<strong>Kira Busch-Wagner<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrlich dranbleiben. Nat\u00fcrlich wachsen. Nat\u00fcrlich Frucht bringen | Jubilate | 26.04.2026 | Joh 15,1\u20138 | Kira Busch-Wagner | &nbsp; Nat\u00fcrlich dranbleiben. Nat\u00fcrlich wachsen. 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