{"id":26245,"date":"2026-04-25T13:20:39","date_gmt":"2026-04-25T11:20:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26245"},"modified":"2026-04-25T13:20:39","modified_gmt":"2026-04-25T11:20:39","slug":"johannes-141-11-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-141-11-5\/","title":{"rendered":"Johannes 14,1\u201311"},"content":{"rendered":"<h3><strong>W\u00fcrde der Dankbarkeit<\/strong> | Jubilate | 26.04.2026 | Joh 14,1\u201311 | Elof Westergaard |<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>W\u00fcrde der Dankbarkeit<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>\u201eDu bist ein guter Mensch, aber wenn du die Rechnung bezahlt h\u00e4ttest, w\u00e4re ich dir mein Leben lang zu Dank verpflichtet gewesen. Welche W\u00fcrde hat ein Mann, der ewig dankbar sein muss?\u201c (Lea Ypi: Aufrecht. \u00dcberleben im Zeitalter der Extreme (2025), A.d.\u00dc.)<\/p>\n<p>Ein junger albanischer Mann stellt einem anderen jungen Mann diese rhetorische Frage. Die Replik findet sich in Lea Ypis neuem Buch Unw\u00fcrdig, einer Mischung aus Roman und dem Versuch, die eigene Familiengeschichte und Herkunft der Autorin zu erh\u00e4rten.<\/p>\n<p>Die rhetorische Frage nach der W\u00fcrde f\u00e4llt in einem Gespr\u00e4ch zwischen dem Gro\u00dfvater der Autorin, Asslan Ypi, und Enver Hoxha \u2013 dem sp\u00e4teren Begr\u00fcnder der albanischen Kommunistischen Partei und Diktator Albaniens \u00fcber Jahrzehnte, bis zu seinem Tod 1985. Es ist der junge Enver Hoxha, der die Worte spricht: \u201eWelche W\u00fcrde hat ein Mann, der ewig dankbar sein muss?\u201c<\/p>\n<p>Die Frage ist, wie gesagt, rhetorisch. Und die Antwort des sp\u00e4teren Diktators Enver Hoxha lautet: keine. Er ist ein Mensch, dem es unw\u00fcrdig erscheint, jemandem gegen\u00fcber dankbar sein zu m\u00fcssen \u2013 der es nicht ertr\u00e4gt, in Schuld, in Abh\u00e4ngigkeit zu stehen.<\/p>\n<p>Das Evangelium sagt etwas anderes. Und in meinen Augen liegt gro\u00dfe W\u00fcrde darin, dankbar sein zu d\u00fcrfen und zu erkennen, dass man Schuldner ist.<\/p>\n<p>Ein Lebensverst\u00e4ndnis, das meint, niemandem Dank zu schulden, ist zugleich \u00e4rmlich und gef\u00e4hrlich \u2013 f\u00fcr einen selbst wie f\u00fcr die Mitmenschen. Das Leben wird \u00e4rmer und die Beziehungen werden \u00f6de. Denn wer geht durchs Leben, ohne Fehler zu begehen und die Hilfe anderer zu ben\u00f6tigen? Was bin ich ohne die anderen und ohne ihre Hilfe?<\/p>\n<p>Mein Leben entsteht ja durch das, was wir miteinander teilen. Der Tag erh\u00e4lt seinen Sinn von denen, die ihn mit uns teilen \u2013 und deshalb ist es entscheidend, dass wir als Menschen einem anderen gegen\u00fcber Dank ausdr\u00fccken k\u00f6nnen und uns einer Schuld gegen\u00fcber anderen bewusst sein d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Die Vorstellung, es sei unw\u00fcrdig, bei anderen in der Schuld zu stehen und dankbar zu sein, ist \u2013 so behaupte ich \u2013 geradezu gef\u00e4hrlich f\u00fcr das Handeln in der Welt.<\/p>\n<p>Wer nicht zu seiner Schuld steht, wer in einem grundlegenden Sinne leugnet, jemandem etwas zu schulden, dessen W\u00fcrde kann leicht darin bestehen, nur auf den eigenen Vorteil bedacht zu sein und anderen gegen\u00fcber so zu handeln, wie es die eigene Machtstellung gerade erlaubt. Man schuldet ja niemandem etwas.<\/p>\n<p>Andere Menschen k\u00f6nnen dann auf Marionetten reduziert werden, auf gleichg\u00fcltige Passanten oder im schlimmsten Fall auf Fremde und eine gleichg\u00fcltige Masse, mit der man verfahren kann, wie es einem beliebt.<\/p>\n<p>Dass Lea Ypi die Worte \u00fcber die Unw\u00fcrde der Dankbarkeit ausgerechnet dem inzwischen verstorbenen albanischen Diktator Enver Hoxha in den Mund legt, weckt Assoziationen zu anderen autorit\u00e4ren und despotischen Machthabern \u2013 aus der Geschichte wie aus der Gegenwart. Aber es geht auch um uns jeden Einzelnen.<\/p>\n<p>Jesus sagt im heutigen Evangelium \u2013 Worten aus dem Johannesevangelium \u2013 von sich selbst, er sei der Weg, die Wahrheit und das Leben. Und er f\u00fcgt hinzu, dass niemand zum Vater, das hei\u00dft zu Gott dem Vater, kommt au\u00dfer durch ihn.<\/p>\n<p>Hier h\u00f6ren wir sowohl von Jesu Abh\u00e4ngigkeit von Gott dem Vater als auch von unserer Abh\u00e4ngigkeit von Jesus. W\u00fcrde bedeutet hier nicht die Selbstgen\u00fcgsamkeit und Freiheit des Menschen, sondern das D\u00fcrfen, in Beziehung zu dem Gott zu stehen, dem wir alles schulden. Es geht nicht darum, im eigenen Recht zu stehen und die eigene W\u00fcrde zu feiern, sondern darum, als Schuldner, denen alles geschenkt ist, im Licht Gottes f\u00fcreinander die Hand auszustrecken \u2013 eines Gottes, der uns mit seinem Glauben, seiner Hoffnung und seiner Liebe begegnet.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Elof Westergaard<br \/>\nBischof in Ribe<br \/>\neve@km.dk<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00fcrde der Dankbarkeit | Jubilate | 26.04.2026 | Joh 14,1\u201311 | Elof Westergaard | &nbsp; W\u00fcrde der Dankbarkeit \u00a0\u201eDu bist ein guter Mensch, aber wenn du die Rechnung bezahlt h\u00e4ttest, w\u00e4re ich dir mein Leben lang zu Dank verpflichtet gewesen. Welche W\u00fcrde hat ein Mann, der ewig dankbar sein muss?\u201c (Lea Ypi: Aufrecht. \u00dcberleben im [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":26227,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[39,1,727,185,157,853,114,175,350,345,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-26245","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-johannes","category-aktuelle","category-archiv","category-aus-dem-daenischen","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-elof-westergaard","category-jubilate","category-kapitel-14-chapter-14-johannes","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26245","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26245"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26245\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":26246,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26245\/revisions\/26246"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/26227"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26245"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26245"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26245"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=26245"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=26245"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=26245"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=26245"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}