{"id":26275,"date":"2026-05-06T12:39:49","date_gmt":"2026-05-06T10:39:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26275"},"modified":"2026-05-06T12:40:55","modified_gmt":"2026-05-06T10:40:55","slug":"zur-hoffnung-getauft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/zur-hoffnung-getauft\/","title":{"rendered":"Zur Hoffnung getauft"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Zur Hoffnung getauft <\/strong>| Rogate | 10. Mai 2026 | Anna Jensen |<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Zur Hoffnung getauft<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00bbGibt es irgendeine Hoffnung auf Bekehrung der D\u00e4nen?\u00ab So schrieb Alkuin, Hoftheologe Karl des Gro\u00dfen, an einen deutschen Abt am Ende des 8. Jahrhunderts. Mehrere Versuche, die heidnischen D\u00e4nen zu christianisieren, waren gescheitert. Doch im Jahr 826 geschah etwas. Harald Klak hatte sich selbst zum K\u00f6nig der D\u00e4nen ernannt, und im Juni 826 lie\u00df er sich bei einer prachtvollen Messe in der Kirche St. Alban in Mainz taufen. Mit nach Hause nahm K\u00f6nig Harald den M\u00f6nch Ansgar, der zum Apostel des Nordens werden sollte. Leider verlief es nicht so reibungslos: Harald verlor die K\u00f6nigsmacht, und nach einem kurzen Aufenthalt in D\u00e4nemark reiste Ansgar weiter nach Birka in Schweden. Dennoch war ein Same ges\u00e4t. Das Christentum begann aufzukeimen. Als man 2008 mit dem Bau des Kannikeg\u00e5rd auf dem Domplatz in Ribe begann, fand man 83 christliche Gr\u00e4ber, die auf das 9. Jahrhundert datiert werden. Zun\u00e4chst nahm man an, die Toten m\u00fcssten Kaufleute aus dem S\u00fcden gewesen sein, doch es wurde festgestellt, dass sie h\u00f6chst einheimisch waren \u2013 ja, eine kleine Gruppe von ihnen sogar Bewohner der Insel F\u00fcnen &#8211; wie wir. Doch erst 140 Jahre sp\u00e4ter, im Jahr 965, konnte K\u00f6nig Harald Blauzahn den gro\u00dfen Jellingstein errichten und erkl\u00e4ren, er habe sowohl D\u00e4nemark als auch Norwegen christianisiert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bei der Taufhandlung im Jahr 826, als Harald Klak getauft wurde, bekannte er sich zu Gott, dem Sch\u00f6pfer des Himmels und der Erde, der seinen Sohn auf die Erde sandte, und er bekannte sich zu Christi Vers\u00f6hnungswerk, zur Dreifaltigkeit und zum Teufel in der H\u00f6lle \u2013 wenngleich er wohl nicht viel davon verstand. Wir wissen nicht, welchen Unterricht K\u00f6nig Harald zuvor erhalten hatte, aber es d\u00fcrfte das Ganze erheblich erleichtert haben, dass Kaiser Ludwig der Fromme Haralds Taufpate war und ihm kostbare Taufgeschenke \u00fcberreichte: Gew\u00e4nder, Schwerter und Edelsteine.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn wir heute Kindertaufen feiern, werden die Kinder ebenfalls getauft, ohne Kenntnis des Gottes zu haben, auf den sie getauft werden. Ihre Eltern und Paten m\u00fcssen ihnen, wenn die Kinder aufwachsen, vom Inhalt des Glaubens erz\u00e4hlen. Das ist zugleich eine unendlich leichte und eine vielschichtige Aufgabe. Vielschichtig, weil der Glaube etliche Paradoxien umspannt, und leicht, weil alles von Liebe getragen ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Am Gr\u00fcndonnerstagabend hatte Jesus seine letzte Stunde mit den J\u00fcngern. In Worten und Taten hatte er ihnen den Inhalt des Glaubens erkl\u00e4rt; nun war die Stunde gekommen, da Jesus verherrlicht werden sollte \u2013 das hei\u00dft: Jesus sollte zu Gott zur\u00fcckkehren. An diesem Abend wandte sich Jesus im Gebet an Gott, freilich ein Gebet, das der Verfasser des Johannesevangeliums dem Leser zug\u00e4nglich machen wollte. Das Gebet soll also zu unserer Erbauung dienen. Sechsmal kommt darin das Wort \u00bbverherrliche\u00ab oder \u00bbHerrlichkeit\u00ab vor. Alles, was Jesus getan und gesagt hat, dient Gott zur Herrlichkeit, zu seiner Ehre. Jesus ist nur Diener, nichts aus sich selbst heraus. \u00bbAlles, was mein ist, ist dein\u00ab, sagt er.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die J\u00fcnger und wir m\u00fcssen verstehen, dass Jesus von Gott ausgegangen ist und nun zu Gott zur\u00fcckkehren wird. Der Prolog des Evangeliums klingt mit: \u00bbIm Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.\u00ab Es war Gott selbst, der auf der Erde Mensch wurde \u2013 doch nun ist die Sendung bald vollendet. Wenige Stunden sp\u00e4ter kann Jesus am Kreuz seinen letzten Atemzug tun: \u00bbEs ist vollbracht!\u00ab Jesus hat Gottes Werk auf Erden vollendet, doch an diesem Abend betete Jesus f\u00fcr die J\u00fcnger, dass sie an seinem Wort festhalten und den Glauben nicht verlieren m\u00f6chten. Und am Ende bat er darum, dass sie eins sein m\u00f6chten \u2013 wie wir, das hei\u00dft: wie Gott und Jesus eins sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Gebet erzeugt in mir ein Sog der Sehnsucht. Eins mit Gott zu sein, muss selig sein, das hei\u00dft: das vollkommene Gef\u00fchl des Friedens. Kann man sich etwas Herrlicheres vorstellen? Man denke sich: Einen Ort ohne Kummer und Gefahr, einen Ort mit Freude und Licht. Einen Ort, wo wir geliebt werden trotz all unserer M\u00e4ngel und Fehler, einen Ort des Friedens. Einen Ort, wo wir in Gemeinschaft sind mit den Menschen, die wir lieben \u2013 Kinder, Familie und Freunde. Einen Ort, wo wir dazugeh\u00f6ren und zu Hause sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So stelle ich mir das Paradies vor. Einen Ort, an dem Menschen mit Gott und Jesus und miteinander verbunden sind. Einst wird Gott alles in allem sein, Kriege und Konflikte verschwinden, alle Menschen \u2013 Tote und Lebende \u2013 sind vereint in einer Umarmung Gottes. Noch sind wir unterwegs, aber das Paradies ist schon mitten unter uns. Wir erleben es in Augenblicken des Gl\u00fccks, wenn alles gleichsam in einer h\u00f6heren Einheit aufgeht und wir miteinander verbunden sind: mit denen, die wir lieben, mit der Natur, und vielleicht mit den Menschen, mit denen wir Gottesdienst feiern, wenn wir im gleichen Atemzug ein Lied anstimmen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine solche Verbundenheit haben Gott und Jesus. Sie sind derselbe Atemzug, sie sind eins \u2013 oder zwei Seiten derselben Sache. Das Bindeglied zwischen ihnen ist der Heilige Geist, den wir auch den Geist der Liebe nennen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn wir den Kindern von der Taufe und dem Inhalt des Glaubens erz\u00e4hlen sollen, von der Dreifaltigkeit und Jesu Vers\u00f6hnungswerk, kann das eine vielschichtige Aufgabe sein. Es ist eine gewaltige Portion, der gesamten Glaubensbekenntnisformel mit Ja zu antworten \u2013 und doch ist es zugleich unendlich leicht, denn: Gott ist Liebe! Er gab uns seinen Sohn, damit wir Gott kennenlernen; er \u00fcberschreitet alle Grenzen, ja selbst die Grenze des Todes; er vergibt uns unsere Schuld. Er will, dass kein einziger Mensch verloren geht \u2013 wir sind getauft, Gottes Kinder zu sein. Zu dieser Hoffnung sind wir gerettet!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00bbGibt es irgendeine Hoffnung auf unsere Bekehrung?\u00ab Ja \u2013 hier ist Hoffnung, Hoffnung in F\u00fclle! Durch 1200 Jahre, von Ansgar bis heute, hat der Heilige Geist die Hoffnung in unsere Herzen gepflanzt. Der Heilige Geist wirkt in uns; sanft wendet er uns ab von unserem Kreisen um uns selbst und unserer Selbstbezogenheit. Der Heilige Geist zeigt auf Jesus, der sein Leben f\u00fcr uns hingegeben hat, und gibt uns den Auftrag: Ihr sollt einander lieben. Das ist eine vielschichtige Aufgabe, denn unser Ego nimmt viel Raum ein \u2013 doch die Hoffnung leuchtet lebendig vor uns: Einst sollen wir eins sein mit ihm und miteinander, wie der Vater und der Sohn eins sind. Zu dieser Hoffnung sind wir getauft, zu dieser Hoffnung sind wir gerettet. Und verlieren wir die Hoffnung aus den Augen, so wird der Geist selbst uns zu Hilfe kommen und f\u00fcr uns eintreten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Anna Jensen<br \/>\nPastorin in Odense<br \/>\nansj@km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Hoffnung getauft | Rogate | 10. Mai 2026 | Anna Jensen | &nbsp; Zur Hoffnung getauft \u00bbGibt es irgendeine Hoffnung auf Bekehrung der D\u00e4nen?\u00ab So schrieb Alkuin, Hoftheologe Karl des Gro\u00dfen, an einen deutschen Abt am Ende des 8. Jahrhunderts. Mehrere Versuche, die heidnischen D\u00e4nen zu christianisieren, waren gescheitert. 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