{"id":26296,"date":"2026-05-11T13:00:31","date_gmt":"2026-05-11T11:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26296"},"modified":"2026-05-11T13:04:01","modified_gmt":"2026-05-11T11:04:01","slug":"lukas-2446-53-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-2446-53-3\/","title":{"rendered":"Lukas 24,46-53"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Unsere Begegnungen | Christi Himmelfahrt | 14. Mai 2026 | Lk 24,46-53 | Lasse R\u00f8dsgaard Lauesen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir leben von Begegnungen.<br \/>\nEs passiert nicht bloss gelegentlich. Es ist die Art, wie das Leben beschaffen ist. &#8222;Das Leben ist das, was dir passiert, w\u00e4hrend du damit besch\u00e4ftigt bist, andere Pl\u00e4ne zu schmieden&#8220; {John Lennon, A.d.\u00dc.}. Und wenn man auf ein Leben zur\u00fcckblickt, erinnert man sich selten zuerst an die Pl\u00e4ne. Es ist, was zwischen Menschen geschah. Ein Blick, ein Gespr\u00e4ch, eine Gemeinschaft, die entstand und sich als entscheidend erwies. Manche Begegnungen ber\u00fchren uns fl\u00fcchtig und verschwinden wieder. Andere brennen sich ein. Und hinterher l\u00e4sst sich kaum erkl\u00e4ren, warum gerade dieser Mensch, gerade dieser Augenblick Bedeutung gewann. Vielleicht ist das genau, was wir wundervoll nennen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber jede Begegnung tr\u00e4gt auch etwas anderes in sich: den Abschied. Nicht als etwas, das erst am Ende kommt, sondern als Teil dessen, was es bedeutet, an einen anderen Menschen gebunden zu sein. Je tiefer die Begegnung, desto verwundbarer werden wir auch. Die Begegnung birgt beides: Abschied und Freiheit. W\u00e4ren wir immer beisammen, w\u00fcrden wir uns vielleicht nie wirklich begegnen, und vielleicht w\u00fcrden wir das Kostbarste verlieren. Denn gerade in der Trennung entstehen Sehnsucht und Erwartung, und die Begegnung bekommt dadurch ihre Bedeutung. So leben auch die J\u00fcnger mit Jesus. Sie begegnen ihm, folgen ihm \u2013 und m\u00fcssen immer wieder erfahren, dass er sich nicht festhalten l\u00e4sst. Nicht im Leben. Nicht im Tod. Und jetzt auch nicht in der Himmelfahrt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir leben von Begegnungen. Und deshalb leben wir auch mit dem Abschied. Jesus scheidet von seinen J\u00fcngern, und sie k\u00f6nnen ihn nicht mehr sehen. Doch genau da hebt er seine H\u00e4nde und segnet sie. Es sieht wie ein Lebewohl aus, aber es ist keines. Denn der Segen ist kein Schlusspunkt, sondern eine andere Art, ihnen zu begegnen. Kein Festhalten an dem, was entschwindet, sondern eine Weise, es weiterzutragen. Es ist der auferstandene Christus, der handelt. Er ist nicht an einen Ort, eine Zeit oder eine Gestalt gebunden. Deshalb kann er auf eine neue Weise gegenw\u00e4rtig sein. Die Welt ist dieselbe, und doch nicht mehr dieselbe. Denn etwas ist in sie hineingelegt worden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dass wir von Begegnungen leben, tr\u00e4gt auch die Geschichte vom Kleinen Prinzen. {Antoine de Saint-Exup\u00e9ry 1943, A.d.\u00dc.}. Der Kleine Prinz begegnet einem Fuchs, der sagt, er m\u00fcsse &#8222;gez\u00e4hmt&#8220; werden, nicht um unfrei zu werden, sondern um bedeutsam zu werden. Wenn das geschieht, ist die Welt nicht l\u00e4nger austauschbar. Etwas wird einzigartig. Aber der Fuchs wei\u00df auch, was das kostet. Denn was bedeutsam wird, kann auch verloren gehen. Und dennoch sagt er Ja. &#8222;Man sieht nur mit dem Herzen gut&#8220;, sagt er. &#8222;Das Wesentliche ist f\u00fcr die Augen unsichtbar.&#8220;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und wenn sie sich trennen: Wenn du ein Weizenfeld siehst, wirst du an mich denken. Der Weizen ist derselbe \u2013 und doch nicht derselbe. Denn er tr\u00e4gt nun eine Gegenwart in sich, die war und ist. So ist es auch mit den J\u00fcngern. Sie m\u00fcssen Jesus loslassen. Und doch bleibt er bei ihnen \u2013 nicht als sichtbare Gegenwart, sondern als etwas, das in sie hineingelegt wurde: Worte, die sie geh\u00f6rt haben, eine Art, begegnet zu werden, ein Leben, das sie geteilt haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir leben von Begegnungen. Und wir leben von der Erfahrung, dass Verlorenes nicht f\u00fcr immer fort ist. Es kann sich in Gegenwart auf andere Weise verwandeln. Darum ist Christi Himmelfahrt keine Abwesenheit, sondern eine andere Form der N\u00e4he. Jesus ist nicht fort, sondern lebt und wirkt, nicht l\u00e4nger begrenzt durch das Sichtbare, sondern uns im Segen zugewandt. Und dort begegnet er uns auch heute.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn was ist ein Segen eigentlich? Wir verwenden das Wort oft in der Kirche. Wir sagen: &#8222;Der HERR segne dich und beh\u00fcte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten \u00fcber dir und sei dir gn\u00e4dig; der HERR hebe sein Angesicht \u00fcber dich und gebe dir Frieden.&#8220; Wir beenden den Gottesdienst mit dem Segen und mit dem Zeichen des Kreuzes. Aber was geschieht dabei? Ein Segen ist kein frommer Wunsch und kein sch\u00f6ner Abschluss. Er ist Gottes Handeln am Menschen. Und hier begegnet Gott uns jeden Sonntag, einem jeden von uns. Das Wort &#8222;segnen&#8220; bedeutet &#8222;Gutes sagen \u00fcber&#8220; {D\u00e4nisch wurzelt &#8222;velsigne&#8220; volksethymologisch in &#8222;sige vel&#8220;, Deutsch jedoch (korrekter?) eher im lateinischen &#8222;signare&#8220;, also &#8222;zeichnen&#8220;, A.d.\u00dc.}, aber in der Bibel ist es mehr als Worte. Wenn Gott segnet, schafft Gott Leben, \u00f6ffnet Wege, tr\u00e4gt, sch\u00fctzt und gibt Richtung. Es ist Gottes Weise zu sagen: Du bist nicht dir selbst \u00fcberlassen. Ich bin bei dir \u2013 auch wenn du von hier gehst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott wendet sein Angesicht dir zu. Nicht ab. Nicht verborgen. Sondern in Gegenwart. Und der H\u00f6hepunkt ist Friede \u2013 Schalom: Ganzheit, Zusammenhang, Leben, das zusammenh\u00e4ngt. In seiner tiefsten Bedeutung ist Schalom genau dies: dass alles so ist, wie es sein soll. Dass Beziehungen heil sind, dass das Leben verbunden ist, und dass der Mensch in der rechten Verbindung zu Gott, zu anderen und zu sich selbst steht. Deshalb ist Schalom nicht nur ein Zustand, sondern auch eine Bewegung. Eine Wiederherstellung, bei der das Zerbrochene in den Zusammenhang zur\u00fcckgef\u00fchrt wird, so dass das Leben wieder in einer neuen und heilen Gestalt gelebt werden kann. Das Schiefe wird nicht nur geradeger\u00fcckt, sondern in etwas Fruchtbares verwandelt wird, damit das Leben wieder in einer neuen und ganzen Ganzheit gelebt werden kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Darum gehen die J\u00fcnger nicht in Leere von dort weg, sondern in Freude.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir leben von Begegnungen. Auch wenn wir das einmal Begegnete nicht mehr festhalten k\u00f6nnen. Denn ein Segen ist kein frommer Wunsch, sondern Gottes Handeln: ein Versprechen, dass Gott uns nicht losl\u00e4sst, wenn wir einander loslassen. Wenn wir die Kirche verlassen, gehen wir mit Gottes Segen im R\u00fccken, in der Zuversicht, dass die Welt auf dem Wege ist, so zu werden, wie sie sein soll, und dass wir darum den Mut haben, der Welt da drau\u00dfen in der Wirklichkeit zu begegnen. Die Welt ist dieselbe \u2013 und doch nicht mehr dieselbe. Denn etwas ist in sie hineingelegt worden. Und etwas ist in uns hineingelegt worden. Segen ist Gottes Weise, uns zu entlassen, ohne uns loszulassen. Gott verschwindet nicht, sondern wird Gegenwart als Segen. Und darum wird Verlust nicht endg\u00fcltig, sondern verwandelt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir leben davon, begegnet zu werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lasse Lauesen<br \/>\nPastor in Paarup<br \/>\nlrl@km.dk<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Deklaration d.\u00dc.: diese deutsche Fassung kann Spuren von k\u00fcnstlicher Intelligenz enthalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Begegnungen | Christi Himmelfahrt | 14. Mai 2026 | Lk 24,46-53 | Lasse R\u00f8dsgaard Lauesen | Wir leben von Begegnungen. Es passiert nicht bloss gelegentlich. Es ist die Art, wie das Leben beschaffen ist. &#8222;Das Leben ist das, was dir passiert, w\u00e4hrend du damit besch\u00e4ftigt bist, andere Pl\u00e4ne zu schmieden&#8220; {John Lennon, A.d.\u00dc.}. 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