{"id":26358,"date":"2026-05-28T07:51:38","date_gmt":"2026-05-28T05:51:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26358"},"modified":"2026-05-28T07:51:38","modified_gmt":"2026-05-28T05:51:38","slug":"numeri-622-27-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/numeri-622-27-2\/","title":{"rendered":"Numeri 6,22-27"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Im Haus des Segens ist es licht und hell | Trinitatis | 4. Mose 6,22-27 | Katharina Wiefel-Jenner<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ihr Lieben,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">der Segen ist eine Herberge, in die wir m\u00fcde und bed\u00fcrftig eintreten k\u00f6nnen und aus der wir mit Zuversicht in die Welt aufbrechen werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Segen ist Gottes Willkommen. Gottes weit ge\u00f6ffnete Arme begr\u00fc\u00dfen uns und Gottes liebender Atem verabschiedet uns. Im Segen ist alles pur und klar. Hier verbirgt sich Gott nicht, hier l\u00e4sst sich Gott finden und wir sind hier zuhause. Hier gibt es diesen einen lichten Moment und dann sendet uns Gott wieder zur\u00fcck in die Welt. So macht Gott das mit dem Segen: Gott ist da, kn\u00fcpft sein Band mit uns, gibt uns einen Ort der Ruhe und wir gehen gest\u00e4rkt weiter.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das war schon in den Zeiten der Erzv\u00e4ter und Erzm\u00fctter so. Ein Blick zum Sternenhimmel und eine Begegnung am Fluss wurden zur Herberge bei Gott. Inmitten der Zeit gab es f\u00fcr Abraham, Sara und Jakob ein Zuhause, das Gott f\u00fcr sie allein gebaut hat. Auf Israels Flucht vor dem Pharao wurde dann ein Zelt zur Herberge f\u00fcr einen auflodernden Moment der Gewissheit inmitten der Unwegsamkeit. In der W\u00fcste baute Gott aus den uns vertrauten Worten das Segenshaus, das immer noch steht und in das wir Sonntag f\u00fcr Sonntag einkehren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Numeri 6,22-27:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen S\u00f6hnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der HERR segne dich und beh\u00fcte dich;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">der HERR lasse sein Angesicht leuchten \u00fcber dir und sei dir gn\u00e4dig;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">der HERR hebe sein Angesicht \u00fcber dich und gebe dir Frieden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">So, wie Mose es ihnen aufgetragen hat, heben die S\u00f6hne Aarons ihre H\u00e4nde zum Segen und segnen Israel. Die Kinder Aarons halten ihre H\u00e4nde \u00fcber ihren Kopf, strecken ihre Handfl\u00e4chen \u00fcber den Versammelten aus. Sie legen den Segen auf die Geliebten Gottes mit Worten, die klingen, wie aus der Ewigkeit kommend. Sie \u00f6ffnen die T\u00fcr zum Haus des Segens. Wer hineingeht, den nehmen die Worte in Empfang. Wer hier \u00fcber die Schwelle tritt, wird von Gottes Gegenwart eingeh\u00fcllt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die ersten die in das Haus des Segens eintraten, waren Adam und Eva. Ach nein \u2013 es gab schon die Fische und die V\u00f6gel vor ihnen und auch der Weizen und die Trauben, waren schon vor Adam und Eva von Gottes Segen umh\u00fcllt. Die ganze Sch\u00f6pfung ist gesegnet, denn Gott sah an alles. was er gemacht hat, und siehe es war sehr gut. Sonne und Mond, Wale und Ozeane, Berggipfel und L\u00e4mmer geh\u00f6ren zum Haus des Segens. Die Sch\u00f6pfung lebt durch Gottes Atem und Segen. Sie ist durch Gottes Wort und Atem ins Leben gekommen. Adam und Eva waren nur die ersten, die verstanden haben, dass der Segen und das Leben zerbrechlich sind. Sie waren die ersten, die sahen, was es bedeutet, wenn Gott seinen Atem wieder wegnimmt. Sie lernten die Verzweiflung kennen, die brennt, wenn der Blick Gottes auf die eigenen Fehler und das eigene Versagen f\u00e4llt. Sie waren die ersten, die lernen mussten, dass nicht sie \u00fcber die Quellen zum Leben bestimmen. Sie lernten unter Schmerzen, dass nur Gott \u00fcber den Segen verf\u00fcgt. Allein Gott ist die Quelle allen Segens. W\u00e4re der Segen in den H\u00e4nden von Adam und Eva ein selbstverst\u00e4ndliches Gut gewesen, br\u00e4uchte es nicht die Worte, die die Kinder Aarons zu ganz Israel und auch zu uns sprechen: <em>Der HERR segne dich und beh\u00fcte dich.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Segen Gottes ist eine Herberge, in die wir gebeugt und mutlos eintreten und aus der wir gel\u00f6st in die Welt aufbrechen werden. Die Kinder Aarons sprechen uns die Segensworte vor und \u00f6ffnen uns die T\u00fcr zum Haus des Segens. Viele sind vor uns eingetreten und wurden hier durch den liebenden Blick Gottes erl\u00f6st. Der Blinde vor den Toren Jerichos hat sich danach gesehnt. Als ihm Jesus begegnete, wandte sich ihm das erl\u00f6sende Angesicht Gottes zu. Gottes Antlitz schaute ihn durch Jesu Augen an. Jesu Blick hat ihm gegeben, was er bei keinem Menschen finden konnte. Er sah die Welt neu. In Jesu Gegenwart leuchtete Gottes Antlitz auf und nicht nur der Blinde von Jericho wurde heil. Die Gekr\u00fcmmten, M\u00fchseligen und Beladenen, die Trauernden und Schuldigen sp\u00fcrten durch Jesus den Segen der Gegenwart Gottes und h\u00f6rten von den zum Segen ge\u00f6ffneten Armen, mit denen Gott an der T\u00fcrschwelle des Hauses auf die Umkehrenden und Verlorenen wartet. Sie alle lud Jesus ein, ihm in das Haus des Segens zu folgen. Hier, im Haus des Segens sind Kr\u00fcmmungen, Wunden und Narben im Leben nicht mehr eine Frage von Schuld. Der segnende Blick Jesu verwandelt Trauer und Wut. Die Dunkelheit weicht und die Angst verliert ihre Macht. Gekr\u00fcmmtes darf sich aufrichten und dem tausendfach Vers\u00e4umten muss niemand mehr nachtrauern. Denn die Worte Gottes f\u00fcr die Kinder Aarons sind gr\u00f6\u00dfer als alles verpasste Leben: <em>Der HERR lasse sein Angesicht leuchten \u00fcber dir und sei dir gn\u00e4dig.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Segen Gottes ist eine Herberge, in die wir einsam und friedlos eintreten und aus der wir wieder mit Freude in die Welt aufbrechen werden. Die Kinder Aarons sprechen uns am Ende jedes Gottesdienstes die n\u00f6tigen Segensworte vor und dann senden sie uns aus. <em>Der HERR hebe sein Angesicht \u00fcber dich und gebe dir Frieden.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Haus des Segens herrscht Frieden. Es ist der Friede, den wir in dieser Welt so schmerzlich vermissen. Im Haus des Segens k\u00f6nnen wir eine Ahnung von dem Frieden empfangen, f\u00fcr den aus Schwertern endg\u00fcltig Pflugscharen geschmiedet wurden. Im Segen legt sich ein Vorgeschmack von Gottes Frieden auf unsere Zungen, in dem die Worte des Hasses und der Verachtung endg\u00fcltig verstummt sind. Im Segen leuchtet eine Vorahnung von dem Frieden auf, der der Normalzustand der Welt ist, wie Gott sie gemeint hat und zu der Jesus am Ostermorgen aufgebrochen ist. Dieser Friede ist schon da. Im Haus des Segens erf\u00fcllt er jeden Raum, begr\u00fc\u00dft uns und erwartet uns in jeder Ecke, spricht zu uns, nimmt uns an die Hand und l\u00e4sst uns zur Ruhe kommen. Der Friede l\u00e4dt uns ein, miteinander Brot und Wein zu teilen. Im Haus des Segens ist Gottes Friede ganz und gar wirklich. Hier k\u00f6nnen wir von ihm kosten und unsere Zungen an ihn gew\u00f6hnen. Aber wir k\u00f6nnen im Haus des Segens und seinem Frieden immer nur einkehren, um dann wieder aufzubrechen. Immerhin haben wir \u2013 wenn wir aufbrechen \u2013 die tr\u00f6stlichen Zusagen des Evangeliums im Ohr. Wenn wir aus dem Haus des Segens in unseren Alltag zur\u00fcckkehren, tragen wir den Duft des Segens auf unserer Haut und haben seinen Geschmack auf der Zunge. Wir nehmen die guten Worte der Kinder Aarons mit uns mit. Wenn wir sie Wort f\u00fcr Wort, Silbe f\u00fcr Silbe wiederholen und sie nachsprechen, gew\u00f6hnen sich unsere M\u00fcnder an ihren Klang und unsere Herzen \u00fcben sich darin, Gottes Wirklichkeit im eigenen Leben zu suchen, zu ahnen, zu ertasten, zu schmecken, zu h\u00f6ren, zu finden. Wenn wir die Worte der Kinder Aarons nachsprechen, kommen wir mit jeder Silbe Gott nahe und einander n\u00e4her &#8211; und dann geht in gl\u00fccklichen Momenten \u00fcber uns der Himmel auf.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Katharina Wiefel-Jenner, geb.1958, Pfarrerin i.R., bildet in Berlin als Dozentin f\u00fcr Liturgik und Homiletik Ehrenamtliche f\u00fcr den Verk\u00fcndigungsdienst aus.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Haus des Segens ist es licht und hell | Trinitatis | 4. Mose 6,22-27 | Katharina Wiefel-Jenner Ihr Lieben, der Segen ist eine Herberge, in die wir m\u00fcde und bed\u00fcrftig eintreten k\u00f6nnen und aus der wir mit Zuversicht in die Welt aufbrechen werden. Der Segen ist Gottes Willkommen. 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