{"id":26369,"date":"2026-06-03T16:39:56","date_gmt":"2026-06-03T14:39:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26369"},"modified":"2026-06-03T16:41:12","modified_gmt":"2026-06-03T14:41:12","slug":"lukas-1213-21-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-1213-21-7\/","title":{"rendered":"Lukas 12,13\u201321"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Die beste Zeit ist jetzt<\/strong> | 1. So. n. Trinitatis | Lukas 12,13\u201321 | Thomas Reinholdt\u00a0 Rasmussen |<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die beste Zeit ist jetzt<\/strong><\/p>\n<p>Gelegentlich sind kritische Stimmen zu h\u00f6ren, die meinen, die d\u00e4nische Volkskirche verf\u00fcge \u00fcber zu viel Geld. Wer sie jedoch von innen kennt, bekommt oft den gegenteiligen Eindruck: Es muss gespart und gehaushaltet werden. Das Dach der einen Kirche kann nicht saniert werden, weil die andere Kirche dran ist \u2013 oder es kann keine Pfarrstelle in einet bestimmten Gegend besetzt werden, weil andernorts ebenfalls Bedarf besteht. So verschieden sind die Perspektiven.<\/p>\n<p>Und doch d\u00fcrfte es in D\u00e4nemark die eine oder andere Person geben, die findet, die Kirche habe genug Geld \u2013 und baue und baue in einem fort. Als w\u00fcrde sie Scheunen errichten f\u00fcr ihr Verm\u00f6gen. Und oft hei\u00dft es dann verwundert: \u201eDas ist doch merkw\u00fcrdig, denn es kommt ja keiner mehr.\u201c Nicht nur bauen sie \u2013 sie bauen auch ins Leere.<\/p>\n<p>Wer aber am Leben der Kirche teilhat, und besonders wer in der kirchlichen Verwaltung t\u00e4tig ist, wei\u00df: Die Mittel sind nicht unbegrenzt. Man wartet auf ein neues Dach oder auf ein Gemeindehaus, das Raum f\u00fcr die Aktivit\u00e4ten bietet.<\/p>\n<p>Denn Aktivit\u00e4ten gibt es. Es kommen tats\u00e4chlich Menschen in die Volkskirche. Im Bistum Aalborg haben wir zehn Jahre lang alle Veranstaltungen gez\u00e4hlt \u2013 und das Ergebnis zeigt: Es kommen wirklich viele, und es geschieht wirklich viel. Mit ihren Gottesdiensten, Vortr\u00e4gen, Konzerten, Bibelkreisen, Kinderarbeit, sozialen Diensten \u2013 und ich k\u00f6nnte weiter aufz\u00e4hlen \u2013 ist die Volkskirche wohl der gr\u00f6\u00dfte Kulturanbieter der jeweiligen Region. So ist es auch in den anderen Bist\u00fcmern.<\/p>\n<p>Wir d\u00fcrfen ruhig den R\u00fccken geradehalten und sagen: Wir sind ein K\u00f6rper, der auf beste Weise das Land pr\u00e4gt \u2013 durch Volksbildung, Musik und Geist, und vor allem durch das Wort der Vergebung. Dieses Wort brauchen wir so dringend in einer Zeit, in der alles von der eigenen Leistung und Kraft abzuh\u00e4ngen scheint. Wir brauchen das Wort der Vergebung wirklich \u2013 und wir sollen es nicht verstecken. Hier d\u00fcrfen wir laut in die Welt hinaussprechen, zu Menschen, die es so sehr brauchen zu h\u00f6ren: Auch wenn du unvollkommen bist \u2013 du geh\u00f6rst dazu. Das Christentum handelt stets davon, sich solidarisch zu machen mit denen, die drau\u00dfen stehen. So wie Christus am Kreuz sich solidarisch gemacht hat mit uns allen, die wir sterben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Darum sind die vollen Scheunen des reichen Mannes ein Problem. Er f\u00e4ngt nicht nur damit an abzurei\u00dfen \u2013 er baut auch so, dass er Grenzen zieht. Er hat. Die anderen haben nicht. Sein Blick ist fest auf das gerichtet, was er besitzt, und so wird er immer in die Vergangenheit schauen, die ihm die vollen Scheunen beschert hat.<\/p>\n<p>Und darin liegt stets eine Gefahr: dass man den Blick auf eine glorreiche Vergangenheit richtet und meint, man m\u00fcsse diese Vergangenheit hinter verschlossenen Toren und gro\u00dfen Scheunen bewahren. Genau das tut der reiche Bauer: Er konserviert die Gaben der Vergangenheit.<\/p>\n<p>Auch die Kirche kann der Versuchung erliegen zu glauben, es gehe darum, die Vergangenheit zu bewahren \u2013 oder sich sogar zu w\u00fcnschen, man h\u00e4tte doch blo\u00df in jener Zeit gelebt, als die Menschen noch zur Kirche gingen, dass es eine Freude war, obwohl alle Untersuchungen zeigen: Das war nie so.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen so vergangenheitsfixiert werden wie der reiche Mann, dass wir vergessen, was das Evangelium ist \u2013 sodass es uns schlie\u00dflich zugerufen werden muss, wie es dem reichen Mann im Gleichnis zugerufen wird.<\/p>\n<p>Denn wenn wir glauben und verk\u00fcndigen, dass jedes Mal, wenn ein kleines Kind zur Taufe gebracht wird, und jedes Mal, wenn Brot und Wein beim Abendmahl gereicht werden, Gott wahrhaftig gegenw\u00e4rtig ist \u2013 dann ist Gott keine ferne Vergangenheit und keine ruhmreiche Geschichte, die man in gro\u00dfen Scheunen aufbewahren k\u00f6nnte. Dann ist Gott hier. Dann ist die Geschichte mit all ihren gro\u00dfen Taten und schmerzlichen Niederlagen nur Zeugnis davon, dass Menschen auch in ihrer Geschichte Gott begegnet sind.<\/p>\n<p>Wenn Gott nicht in der Vergangenheit ist, sondern immer jetzt und hier in unserer Zeit \u2013 dann ist die beste Zeit der Kirche keine versunkene Zeit. Dann ist die beste Zeit der Kirche immer jetzt.<\/p>\n<p>Die beste Zeit der Kirche ist immer jetzt. Jetzt. Hier. In diesem Augenblick. Jetzt besucht der Herr sein Volk.<\/p>\n<p>Das sollen wir im Ged\u00e4chtnis behalten, wenn wir unsere Bedr\u00e4ngnisse durchleben und wenn wir Freude erfahren, wenn Haushalte gek\u00fcrzt werden und wenn Schlimmeres uns trifft \u2013 auch dann sind wir in der besten Zeit der Kirche, denn der Herr besucht sein Volk immer jetzt.<\/p>\n<p>Das sieht und versteht der reiche Mann im Gleichnis nicht: dass die beste Zeit jetzt ist. Mitten in Verwirrung und Chaos, mitten im Kreuz und in der Niederlage, ist es die beste Zeit der Kirche \u2013 denn jetzt besucht der Herr sein Volk. Mitten im Kreuz war es auch die beste Zeit der Kirche, denn auch dort war Gott gegenw\u00e4rtig.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen schnell der Vergangenheitsverkl\u00e4rung verfallen \u2013 aber die Menschen der Vergangenheit hatten wahrlich auch ihre K\u00e4mpfe. Und doch lebten auch sie in der besten Zeit, denn es war die Zeit, in der das Wort der Vergebung gesprochen und die Gnade Gro\u00df und Klein gereicht wurde.<\/p>\n<p>Wenn wir daran festhalten \u2013 ja, wenn wir best\u00e4ndig glauben, dass die beste Zeit der Kirche genau jetzt ist \u2013, dann kann das Wort mit gr\u00f6\u00dferer Kraft und F\u00fclle in die Welt hinausgehen. Dann packen wir es nicht in volle Scheunen, als k\u00f6nnten wir die Vergangenheit dort einlagern und konservieren. Und dann werden wir nicht am Ende angerufen werden m\u00fcssen, so wie es dem reichen Mann zugerufen wurde.<\/p>\n<p>Genau das schreibt Grundtvig in dem bekannten Lied, das wir gleich singen werden: \u201eDenn mein Land, spricht der Herr, ist Himmel und Erde, wo Liebe wohnt\u201c [Zit. aus einem Kirchenlied von Grundtvig, &#8222;Kirken den er et gammelt hus&#8220;, A.d.\u00dc.]. Es ist jetzt. Es geschieht jetzt. Jetzt soll das Wort der Vergebung klingen \u2013 das wir und unsere Zeit so dringend brauchen zu h\u00f6ren, damit wir befreit werden von der st\u00e4ndigen Vorstellung, wir schuldeten uns selbst das Leben.<\/p>\n<p>Du bist vergeben. Du geh\u00f6rst dazu. Jetzt ist die beste Zeit. Das ist der Glaube, unter dem wir wirken sollen: dass Gott in seinem Wort ist, in der Taufe und im Abendmahl \u2013 und deshalb ist die beste Zeit der Kirche immer jetzt.<\/p>\n<p>So \u00f6ffnet die Tore und lasst das Evangelium erklingen \u2013 hier und jetzt \u2013 f\u00fcr uns alle \u2013 f\u00fcr jeden Einzelnen. Mit dem Wort der Vergebung \u00fcber das schuldige Leben, das wir alle leben.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Thomas Reinholdt Rasmussen<br \/>\nBischof in Aalborg<br \/>\ntrr@km.dk<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>A.d.\u00dc.: Diese Fassung kann Spuren von k\u00fcnstlicher Intelligenz enthalten.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die beste Zeit ist jetzt | 1. So. n. Trinitatis | Lukas 12,13\u201321 | Thomas Reinholdt\u00a0 Rasmussen | &nbsp; Die beste Zeit ist jetzt Gelegentlich sind kritische Stimmen zu h\u00f6ren, die meinen, die d\u00e4nische Volkskirche verf\u00fcge \u00fcber zu viel Geld. 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