{"id":26377,"date":"2026-06-03T16:51:01","date_gmt":"2026-06-03T14:51:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26377"},"modified":"2026-06-03T16:51:01","modified_gmt":"2026-06-03T14:51:01","slug":"apostelgeschichte-432-37-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/apostelgeschichte-432-37-3\/","title":{"rendered":"Apostelgeschichte 4,32\u201337"},"content":{"rendered":"<h3>Ein Herz und eine Seele | 1. So. n. Trinitatis | 07. Juni 2026 | Apg 4,32\u201337 | Luise Stribrny de Estrada |<\/h3>\n<p><em>Die Gnade unseres Herrn und Bruders Jesus Christus<br \/>\n<\/em><em>und die Liebe Gottes<br \/>\n<\/em><em>und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. <\/em><\/p>\n<p><em>Amen.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><strong>Ein Herz und eine Seele<\/strong><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em>Liebe Schwestern und liebe Br\u00fcder!<\/p>\n<p>Warum bin ich Christin? Warum sind Sie Christinnen und Christen? F\u00fcr mich ist ein Grund, der wichtigste Grund, eine faszinierende Erfahrung. Davon m\u00f6chte ich erz\u00e4hlen: Als Jugendliche kam ich nach meiner Konfirmation in Kontakt zu einer Gruppe, die sich jeden Freitagabend zu einer Andacht traf. Sie war anders gestaltet als die Gottesdienste, die ich bis dahin kennengelernt hatte. Diese Andacht lebte von einfachen sch\u00f6nen Ges\u00e4ngen, die oft wiederholt wurden. Es gab eine Bibellesung und anschlie\u00dfend Stille. Wir sa\u00dfen in der Kirche auf dem Boden und hatten zur Betrachtung neben dem Kreuz eine Ikone, die Maria mit dem Kind darstellte. Die anderen erz\u00e4hlten mir, dass sie diese Art der Andacht in der Gemeinschaft von Taiz\u00e9 in Frankreich kennengelernt hatten. \u2013 Nach der Andacht trafen wir uns im Gemeindehaus und a\u00dfen zusammen Abendbrot. Fast jede\/r brachte etwas mit und wir teilten K\u00e4se, Quark, Brot, Gurken, Wurst und Wasser. Es war immer genug da. Alle wurden satt. So erinnere ich es. Die meisten, die zur Taiz\u00e9-Andacht kamen, waren Jugendliche, aber es geh\u00f6rten auch Erwachsene und \u00c4ltere dazu. Wir waren eine Gemeinschaft, das Alter spielte keine Rolle.<\/p>\n<p>\u201eSie waren ein Herz und eine Seele\u201c (V.32), h\u00f6ren wir in der Apostelgeschichte \u00fcber die fr\u00fche christliche Gemeinde. Ich male mir aus, dass das so \u00e4hnlich war wie die Gemeinschaft, die ich als Jugendliche in der Kirche erlebt habe. Sie verband die Lehre der Apostel, die Gemeinschaft, das Brotbrechen und das Gebet, lesen wir \u00fcber die erste Gemeinde (Apg. 2,42), sie hielten die Mahlzeiten mit Freude (Apg. 2,46). Mir f\u00e4llt auf, wie wichtig das Essen ist. Sie trafen sich reihum in den H\u00e4usern und feierten zusammen das Abendmahl in Erinnerung an Jesus Christus. Es gab unter ihnen viele J\u00fcnger, die dabei gewesen waren, als Jesus beim letzten Abendmahl das Brot brach, so wie sp\u00e4ter sein Leib gebrochen wurde. Sie hatten selbst erlebt, wie Jesus ihnen den Kelch gab und den Wein als sein Blut deutete. Das war alles noch nicht lange her! Und nun taten sie das in einer neuen Gemeinschaft mit anderen Menschen und Jesus war durch den Pfingstgeist bei ihnen und verband sie miteinander.<\/p>\n<p>Nach dem Abendmahl a\u00dfen sie gemeinsam. Oft brachten die, die das konnten, etwas zu essen mit und sie teilten Brot, Oliven, Wein, K\u00e4se und Fr\u00fcchte. Manchmal lud der Hausherr und die Hausherrin alle ein und bewirtete sie. Sie redeten miteinander \u00fcber das, was sie tags\u00fcber erlebt hatten, teilten ihre Freunde und Sorgen. Sicherlich erz\u00e4hlten die Apostel, Petrus, Thomas, Philippus und all die anderen, von ihren Erlebnissen mit Jesus. Sie fassten auch zusammen, was jetzt f\u00fcr die junge Gemeinde wichtig war: an den Auferstandenen glauben, Bu\u00dfe tun, in der Gemeinschaft bleiben. Ich stelle mir vor, dass f\u00fcr alle diese Mahlzeiten wichtig waren, bei denen sie ihren Glauben und ihren Alltag teilten.<\/p>\n<p>Wir haben in der Apostelgeschichte weiter geh\u00f6rt: \u201e\u2026auch nicht einer sagte von seinen G\u00fctern, dass sie sein w\u00e4ren, sondern es war ihnen alles gemeinsam\u201c. Danach wird beschrieben, dass viele ihr Land oder ihre H\u00e4user verkauften und den Erl\u00f6s den Aposteln \u00fcbergaben, damit sie jedem und jeder zuteilten, was er oder sie brauchte. Ich habe dabei gemischte Gef\u00fchle. Wenn alle, die etwas Wertvolles besitzen, es verkaufen und der Gemeinschaft zur Verf\u00fcgung stellen, ist das eindrucksvoll. Es spricht von gro\u00dfem Vertrauen in die Gemeinde und insbesondere in die Apostel, die das Geld verwalten. Wenn die Reicheren mit den \u00c4rmeren teilen und alle genug zum Leben haben, ist das sehr gut und vorbildlich. Was aber geschieht, wenn das nicht funktioniert?<\/p>\n<p>Die Apostelgeschichte verschweigt dieses Problem nicht und berichtet unmittelbar nach unserem Predigtabschnitt von einem Ehepaar, das die Gemeinschaft bel\u00fcgt und Geld f\u00fcr sich privat abzweigt: Hananias und Saphira verkaufen ihren Acker, bringen aber nur einen Teil des erl\u00f6sten Geldes zu den Aposteln. Dabei behaupten sie, das sei der volle Betrag, den sie erwirtschaftet h\u00e4tten. Petrus erf\u00e4hrt das und stellt sie zur Rede. Er wirft ihnen vor, sie h\u00e4tten nicht Menschen, sondern Gott belogen. Beide fallen tot um. \u2013 Die Erz\u00e4hlung ist sehr drastisch und die Strafe erscheint uns unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig, aber sie weist drauf hin, dass es schon in der fr\u00fchen Gemeinde Schwierigkeiten gab, alles miteinander zu teilen.<\/p>\n<p>Ich glaube, den Besitz zu teilen, funktioniert h\u00f6chstens so lange einigerma\u00dfen gut, wie alle sich pers\u00f6nlich kennen. Aber die urchristliche Gemeinde wuchs schnell und breitete sich von Jerusalem bis nach Europa aus. Die Menschen aus den verschiedenen Gemeinden kannten einander nicht mehr, nur die Apostel wie Paulus und Barnabas hielten sie durch ihre Besuche und ihre Briefe zusammen. Da wurde es sogar schwierig, eine gemeinsame Kollekte zu sammeln. Das Ideal der G\u00fctergemeinschaft verblasste bald, weil es in der Realit\u00e4t schwer umzusetzen war \u2013 und ist.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich die Predigt schreibe, werde ich zweimal unterbrochen von Menschen, die an meiner T\u00fcr klingeln. Beide sind wohnungslos. Sie waren schon fr\u00fcher hier und wissen, dass sie bei der Pastorin einen Essensgutschein bekommen. Jetzt, am Ende des Monats, ist das Geld verbraucht, das sie vom Staat bekommen. \u201eIch habe nur noch 2 Euro in der Tasche\u201c, sagt mir der eine. Im Namen der Gemeinde helfe ich Menschen weiter, wenn sie in Not sind. N\u00e4chstenliebe geh\u00f6rt zum Christsein dazu wie das Amen in der Kirche. Wir lassen uns nahe gehen, wenn unser Mitmensch Hunger hat und nehmen uns seiner an.<\/p>\n<p>Ich behaupte nicht, dass ich wirklich mit ihnen teile, denn den Gutschein, den sie von mir bekommen, hat die Gemeinde bezahlt. Au\u00dferdem h\u00e4tte Teilen viel gr\u00f6\u00dfere Dimensionen. \u2013 Aber ich behandle diejenigen, die zu mir kommen, so, wie es ihrer W\u00fcrde als Menschen entspricht, auch wenn sie sich l\u00e4nger nicht gewaschen haben und zu unpassender Stunde kommen. Ich gebe ihnen wenigstens etwas, um ihnen weiterzuhelfen.<\/p>\n<p>Die \u201eBr\u00fcder von der Landstra\u00dfe\u201c, wie der Theologe Friedrich von Bodelschwingh sie genannt hat, f\u00fchren mir vor Augen, welches der Auftrag Jesu Christi ist: Den Hungrigen zu essen und den Durstigen zu trinken zu geben (Mt. 25,35).<\/p>\n<p>Wie in der Zeit als Jugendliche faszinieren mich Gemeinschaften immer noch. Dass Menschen ihre Zeit, ihr Essen, ihren Alltag, ihre Arbeit, ihre Tr\u00e4ume und Hoffnungen miteinander teilen. Ich kenne verschiedene christliche Gemeinschaften, eine davon ist der \u201eHoffnungsgrund\u201c im Lauenburgischen: In einem ehemaligen Pastorat wurde vor 11 Jahren eine Fl\u00fcchtlingsherberge gegr\u00fcndet. Lexa und Johannes, die Herbergseltern, nehmen Menschen dort auf, die aus ihren Heimatl\u00e4nden fliehen mussten, viele aus Afghanistan, Syrien oder dem Iran. Im Hoffnungsgrund finden sie Kirchenasyl. Ihr Fall muss dann noch einmal vor Gericht verhandelt werden. \u201eWir wurden hier alle als Menschen aufgenommen\u201c, sagt Humi aus Afghanistan, die sieben Wochen im Hoffnungsgrund gelebt hat. Sie teilte mit den anderen Bewohnern und Bewohnerinnen die gleichen Sorgen und N\u00f6te. \u201eDas ist gelebtes Gottvertrauen\u201c, sagt Lexa, die Herbergsmutter. Bisch\u00f6fin Fehrs, die das Projekt zum 10-j\u00e4hrigen Geburtstag besuchte, formuliert es so: \u201eDieser Ort ist ein sagenhaft mutiges Projekt t\u00e4tiger N\u00e4chstenliebe\u201c.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Immer wieder ist das Zusammenleben schwierig, wenn dort Menschen zusammentreffen, deren Nationen verfeindet sind. Oder wenn Menschen schwer traumatisiert im Hoffnungsgrund landen. Manchmal kommen die Herbergseltern an die Grenzen ihrer Kraft. Inzwischen wohnen sie in einem Haus, das 200 Meter entfernt liegt, um sich zur\u00fcckziehen zu k\u00f6nnen. Gemeinschaft ja, sagen sie, aber nicht um jeden Preis. Wir brauchen auch Raum f\u00fcr uns zu zweit und jeder f\u00fcr sich allein.<\/p>\n<p>In unserer Gemeinde teilen wir nicht so viel Leben miteinander wie die Menschen im Hoffnungsgrund. Aber in vielen Gruppen und in zahlreichen Gespr\u00e4chen nehmen wir Anteil an dem, was die anderen besch\u00e4ftigt. Im Seniorenkreis berichtet ein alter Herr, dass er seine Frau im Altersheim besucht hat. Es gehe ihr trotz ihrer Demenz gut und sie habe ihn erkannt. Die anderen im Kreis kennen seine Frau und sind mit ihm erleichtert, dass sie sich in der neuen Umgebung eingelebt hat. \u2013 In einem Gespr\u00e4ch beim Kirchencaf\u00e9 erz\u00e4hlt eine Frau im kleinen Kreis, dass ihre Tochter psychische Probleme hat und sie nicht wei\u00df, wie sie ihr helfen kann. Eine andere kennt eine Therapeutin, mit der sie gute Gespr\u00e4che gef\u00fchrt hat, und vermittelt ihr den Kontakt.<\/p>\n<p>Ich sp\u00fcre Vertrauen und N\u00e4he. Menschen \u00f6ffnen sich und teilen ein St\u00fcck ihres Lebens. Sie tun das im Raum der Kirche.<br \/>\nSie tun das im Geist Jesu Christi, der gesagt hat:<br \/>\n\u201eWo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind,<br \/>\nda bin ich mitten unter ihnen\u201c (Mt. 18,20).<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastorin Luise Stribrny de Estrada<\/strong><br \/>\nAm Pohl 13<br \/>\n23566 L\u00fcbeck<br \/>\nE-Mail: pastorin.stribrny@gmx.de<\/p>\n<p>Luise Stribrny de Estrada, geb. 1965, Pastorin der Nordkirche. Seit 2009 t\u00e4tig an der St. Philippuskirche in L\u00fcbeck, inzwischen Pastorin der fusionierten Gemeinde Marli-Brandenbaum im Pfarrsprengel L\u00fcbeck-Ost. Vorher EKD-entsandte Pfarrerin der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in Mexiko.<\/p>\n<p>Den \u201eHoffnungsgrund\u201c habe ich mehrmals besucht und kenne die Herbergseltern gut. Ich habe gro\u00dfe Achtung vor ihrem Engagement und finde wichtig, dass es so eine Fl\u00fcchtlingsherberge in unserem Kirchenkreis gibt.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Liedvorschl\u00e4ge:<\/strong><\/p>\n<p>EG 449 Die g\u00fcldne Sonne (zum 350. Todestag von P. Gerhardt)<br \/>\nEG 302 Du, meine Seele singe (Paul Gerhardt)<br \/>\nEG 420 Brich mit dem Hungrigen dein Brot<br \/>\nEG 382 Ich steh vor dir mit leeren H\u00e4nden, Herr<br \/>\nEG 612 Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt<br \/>\nEG 170 Komm, Herr, segne uns<\/p>\n<p><strong>F\u00fcrbittengebet <\/strong><\/p>\n<p>Gott, du Quelle des Lebens,<br \/>\nwir danken dir f\u00fcr die Wunder des Lebens<br \/>\nund gerade jetzt im Fr\u00fchsommer<br \/>\nf\u00fcr die Sonne und die Sch\u00f6nheit der Welt,<br \/>\ndie du ins Leben gerufen hast.<br \/>\nWir bitten dich:<br \/>\nH\u00f6re das Seufzen deiner Sch\u00f6pfung,<br \/>\ndie wir Menschen oft blindlings zerst\u00f6ren.<br \/>\nHilf uns, im Alltag<br \/>\nunsere Mitwelt gut zu behandeln<br \/>\nund achtsam mit ihr umzugehen.<br \/>\nWir rufen zu dir: <em>Gott, erh\u00f6re uns<\/em>.<\/p>\n<p>Gott, du Trost unseres Lebens,<br \/>\nwir danken dir f\u00fcr allen Segen und bitten dich:<br \/>\nSteh denen bei, die krank oder einsam sind.<br \/>\nSei den Jugendlichen, die wir konfirmiert haben,<br \/>\nmit deiner Liebe nahe.<br \/>\nGib den Menschen,<br \/>\ndie sich in der Kirche engagieren,<br \/>\ndeinen Geist<br \/>\nund st\u00e4rke sie immer von neuem f\u00fcr ihr Engagement.<br \/>\nWir rufen zu dir: <em>Gott, erh\u00f6re uns<\/em>.<\/p>\n<p>Gott, du Ziel allen Lebens,<br \/>\nwir bitten dich um Frieden<br \/>\nin unserer von Kriegen zerrissenen Welt.<br \/>\nWir denken an die Menschen in der Ukraine,<br \/>\ndie in st\u00e4ndiger Angst vor russischen Angriffen leben.<br \/>\nWir bitten dich f\u00fcr die Menschen im Iran,<br \/>\ndass sie an der Hoffnung<br \/>\nauf Freiheit in Frieden festhalten.<br \/>\nWir denken vor dir an die Menschen im Sudan<br \/>\nund in vielen anderen afrikanischen L\u00e4ndern.<br \/>\nSetze du den Kriegen ein Ende<br \/>\nund nimm den Kriegstreibern<br \/>\nden Wind aus den Segeln.<br \/>\nWir rufen zu dir: <em>Gott, erh\u00f6re uns<\/em>.<\/p>\n<p>Dreieiner Gott,<br \/>\nSch\u00f6pfer des Lebens,<br \/>\nErl\u00f6ser der Welt,<br \/>\nKraft der Liebe,<br \/>\ndir vertrauen wir uns an,<br \/>\nheute und alle Tage.<\/p>\n<p>Alle unsere Gebete lassen wir einflie\u00dfen in das Gebet,<br \/>\ndas dein Sohn Jesus Christus uns geschenkt hat:<\/p>\n<p>Vater unser im Himmel&#8230;<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Fussnote<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> https:\/\/www.nordkirche.de\/nachrichten\/nachrichten-detail\/nachricht\/kirchenasyl-im-hoffnungsgrund-ein-ort-des-willkommens-und-der-solidaritaet, abgerufen am 01.06.2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Herz und eine Seele | 1. 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