{"id":26393,"date":"2026-06-11T11:42:16","date_gmt":"2026-06-11T09:42:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26393"},"modified":"2026-06-11T11:42:16","modified_gmt":"2026-06-11T09:42:16","slug":"matthaeus-1125-30-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-1125-30-5\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 11,25-30"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Johannes fragt \u2013 Jesus antwortet | 2. Sonntag nach Trinitatis | 14. 06. 2026 | Matth\u00e4us 11,25-30 | Katharina Wiefel-Jenner |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus, bist du es? Bist du der Heiland? Wird mit Dir endlich alles gut? K\u00f6nnen wir aufatmen und uns erholen von den Zumutungen, von der allgegenw\u00e4rtigen Gewalt, von den ewigen Machtdemonstrationen der Sch\u00f6nen und Reichen? Erl\u00f6st du uns von der Angst, unter die R\u00e4der zu kommen. Von der Angst, nicht zu gen\u00fcgen? Von der Angst, morgen ohne Arbeit, Brot und Obdach dazustehen? Bist du die Erl\u00f6sung und l\u00e4sst uns aufatmen, auch wenn wir so sind, wie wir sind?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Johannes fragte so. Der Johannes fragte, der Jesus getauft hatte. Der Johannes, der sich mit den M\u00e4chtigen angelegt hatte und im Gef\u00e4ngnis sa\u00df. Wer, wenn nicht Johannes der T\u00e4ufer hatte Anspruch darauf, dass Jesus ihm antwortet? Jesus konnte ihn nicht mit hinhaltenden Worten abspeisen. Johannes hatte schlie\u00dflich ohne R\u00fccksicht auf seine eigene Sicherheit, die Korruption und den emp\u00f6renden Lebensstil der F\u00fcrsten angeprangert. Der T\u00e4ufer hatte das Recht, Jesus die entscheidende Frage zu stellen. Von Jesu Antwort hing alles ab. Noch immer h\u00e4ngt von seiner Antwort alles ab. Auch heute. Auch f\u00fcr uns.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Predigttext: Mt 11,25-30<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unm\u00fcndigen offenbart. Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. Alles ist mir \u00fcbergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. Kommt her zu mir, alle, die ihr m\u00fchselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftm\u00fctig und von Herzen dem\u00fctig; so werdet ihr Ruhe finden f\u00fcr eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ihr Lieben,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus antwortet Johannes. Jesus antworte uns. Er sieht auf die Klugen und die Weisen. Das sind die, die Johannes ins Gef\u00e4ngnis gebracht haben. Das sind die, die wissen, wie man kompromisslos die eigenen Interessen verfolgt. Die, die mit Geschick die Meinung der Welt beeinflussen. Die wegschieben, was dem Erfolg im Weg steht. Die Klugen haben das Sagen. Aber sie haben vergessen, dass es ein gr\u00f6\u00dferes Leben gibt. Er gibt mehr als alles, was sie berechnen und planen k\u00f6nnten. Sie wollen sich von nichts und niemanden in ihrer Lebenshaltung und ihren Pl\u00e4nen st\u00f6ren lassen. Als ob sie mit Absicht gar kein Interesse an Jesus haben und es ihnen egal ist, wer er ist. Andernfalls m\u00fcssten sie umkehren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manche ahnen vielleicht, dass Jesus ihnen etwas zu sagen hat. Aber die meisten kennen Gott nicht und sie erkennen deswegen auch nicht, dass Jesus und Gott zusammengeh\u00f6ren. Wenn sie Gottes Gegenwart in der Welt nicht erkennen, wie sollen sie Jesu Gegenwart verstehen? Wie sollen sie die Verbindung von Gott und Jesus sp\u00fcren? So wie sie sind und denken, k\u00f6nnen sie Jesu Antwort an den T\u00e4ufer nicht begreifen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber lassen wir die Reichen und Sch\u00f6nen, lassen wir die Klugen und Weisen mit ihrer Blindheit gegen\u00fcber Gott. Wenn wir Jesus sehen und Jesus uns, dann haben wir die Chance, Gottes Gegenwart in dieser Welt zu feiern. Jesus findet unsere Liebe und unsere Sehnsucht wichtiger als die Gleichg\u00fcltigkeit der Klugen. Schon immer hat Jesus die geliebt, die Gott suchen. Von Anfang an lagen ihm die am Herzen, die wussten, wie sehr sie auf Gott angewiesen sind. Er spricht mit Liebe zu denen, die am Morgen aufwachen und sich sorgen. Er achtet auf die, die nicht wissen, ob sie \u00fcber die Runden kommen. Mit Liebe schaut er die an, die sich nach einem liebenden Blick verzehren. Die Sehns\u00fcchtigen und Sorgenvollen, die \u00dcberforderten und Entkr\u00e4fteten schlie\u00dft er ins Herz. Er lenkt den Blick Gottes auf die, die sich nach dem wirklichen Leben sehnen. Jesus liebt es, dass die einfachen Leute ihn kennen. Und Jesus feiert das.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Johannes hatte gefragt: Bist du es? Der T\u00e4ufer ahnte bereits, dass mit Jesus alles neu wird. Johannes war im Gef\u00e4ngnis. Er war vom Tod bedroht. Er litt an dieser Welt voller Gewalt. Aber er ist Jesus begegnet und konnte mit allen Sinnen sp\u00fcren, dass Gott durch Jesus spricht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bist du es, Jesus? Wenn wir Jesus fragen und ihn ansprechen, sind auch wir wie Johannes von einer bedr\u00e4ngenden Wirklichkeit voller L\u00fcgen, Hass und Gewalt umgeben. Wir fragen zwar nicht aus dem Gef\u00e4ngnis heraus, doch mit der gleichen Hoffnung f\u00fcr unser Leben wie Johannes. Nur glauben wir bereits, was Johannes erst ahnen konnte. Johannes musste Jesus noch fragen. Wir haben l\u00e4ngst die Antwort auf die Frage: Bist du es? Endet bei dir die Angst? Wird mit dir alles neu? K\u00f6nnen wir bei dir aufatmen? \u201eJa. Kommt her zu mir!\u201c lautet die Antwort Jesu. Jesus l\u00e4dt dazu ein, bei ihm aufzuatmen. Bei Jesus wird alles neu. Jesus ist das Ende der Angst. Jesus ist Gottes Wort f\u00fcr uns. In Jesu Worten h\u00f6ren wir Gottes Worte. Wenn wir Gott nicht kennen w\u00fcrden, dann h\u00e4tten wir mit Jesus endlich die Antwort, wie Gott ist: So wie Jesus \u2013 und noch viel mehr! Und wenn wir andererseits Gott vermissten, dann l\u00e4sst sich Gott in Jesus wiederfinden. Wenn wir uns nach Gottes Gegenwart sehnen, ist Gott in Jesu Liebe gegenw\u00e4rtig. Gott ist in Jesu Worten da. Gott atmet in uns, wenn wir beten und die Worte sprechen, die uns Jesus gelehrt hat. Mehr noch als der T\u00e4ufer haben wir allen Grund zu hoffen und zu glauben. Wir glauben und m\u00fcssen nicht mehr fragen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eKommt her\u201c, ruft uns Jesus zu. Ich bin es. Bei mir ist alles da, was dem Leben dient. Bei mir k\u00f6nnt ihr aufatmen und zur Ruhe kommen. Bei mir findet ihr Gott. Gottes Wort ist das sanfte Joch. Gottes Wort ist die leichte Last. Mit Gottes Wort im Herzen flie\u00dft der Atem leicht, obwohl die \u00c4ngste zugreifen und das Herz abschn\u00fcren wollen. Mit Gottes Wort vor Augen finden die F\u00fc\u00dfe den Weg des Friedens. Mit Gottes Gebot nimmt der Verstand Abstand von den Taten, die dem Leben schaden. Mit Gottes Gebot im Sinn wird die Gerechtigkeit sichtbar und die H\u00e4nde lernen das barmherzige Tun. Unter Jesu sanften Joch ist niemand mehr den M\u00e4chten der Welt bedingungslos ausgeliefert. Gottes Wort ist die leichte Last, mit der man sich den Regeln der Sch\u00f6nen und Reichen entziehen oder widersetzen kann. Weil Gott da ist und Jesus uns einl\u00e4dt, haben die Klugen und Weisen keinen Anspruch mehr auf Gefolgschaft. Unter der leichten Last des g\u00f6ttlichen Wortes beginnt das Leben neu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Johannes hatte aus dem Gef\u00e4ngnis heraus die entscheidende Frage gestellt und wir h\u00f6ren Jesu Antwort. Jesus ist der, den Johannes erwartet hat. Er ist der, der uns in unserem Versagen und unserer Sehnsucht ansieht. Kommt her, lautet Jesu Antwort. Bei ihm k\u00f6nnen wir aufatmen. Mit ihm kommen die Gefangenen frei. F\u00fcr ihn werden sich Gerechtigkeit und Frieden k\u00fcssen. Durch ihn macht Gott alles neu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bist du es, Jesus? Wir glauben: Du bist es!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dr. Katharina Wiefel-Jenner, geb.1958, Pfarrerin i.R., bildet als Dozentin f\u00fcr Liturgik und Homiletik Ehrenamtliche f\u00fcr den Verk\u00fcndigungsdienst aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johannes fragt \u2013 Jesus antwortet | 2. 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