{"id":26412,"date":"2026-06-17T07:46:44","date_gmt":"2026-06-17T05:46:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26412"},"modified":"2026-06-16T10:55:20","modified_gmt":"2026-06-16T08:55:20","slug":"micha-718-20-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/micha-718-20-2\/","title":{"rendered":"Micha 7,18\u201320"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\"><strong>Entsorgung | Micha 7,18\u201320 | 3. So. n. Trinitatis | 21. Juni 2026 | Eberhard Busch <\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die S\u00fcnde vergibt und erl\u00e4sst die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festh\u00e4lt, denn er hat Gefallen an Gnade!<\/em><em>\u00a0Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die F\u00fc\u00dfe treten und alle unsere S\u00fcnden in die Tiefen des Meeres werfen. Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen, wie du unsern V\u00e4tern vorzeiten geschworen hast.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Entsorgung<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWo ist solch ein Gott, wie du bist, der die S\u00fcnde vergibt!\u201c Es gibt zwar viele G\u00f6tter. Es gibt auch <em>falsche<\/em> G\u00f6tter, vielgesch\u00e4tzte, die Menschen anhimmeln. Aber wo ist einer, der das aus\u00fcbt: S\u00fcnde vergeben! Er kann es. Er tut es. Das Besondere daran ist keine Spezialit\u00e4t neben dem, was ihn ansonsten mit andren Hoheiten verbindet. <em>Sie<\/em> streben nach einem Platz an der Sonne. <em>Er<\/em>, der H\u00f6chste, er steigt in die Nacht und befasst sich mit den Abgr\u00fcnden des Lebens. \u201eVergib uns <em>unsere<\/em> <em>Schuld<\/em>\u201c. Der Prophet sagt keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Er eckt an.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In unsrem Kirchengesangbuch steht das Lied: \u201eWo ist solch ein Gott zu finden, der, was Jesus tat, mir tut, mich erkauft von meinen S\u00fcnden\u201c. Von meinen S\u00fcnden und von denen der anderen <em>kauft<\/em> er uns frei, sodass wir nicht mehr an sie <em>ver<\/em>kauft sind. In der Tat hat er Menschen dies gesagt \u2013 Er im Einklang mit Gott im Himmel, als sein Stellvertreter auf Erden: \u201eDir sind deine S\u00fcnden vergeben\u201c (Lk 7,48). S\u00fcnden geschehen nicht nur in christlicher Zeit. Obwohl \u2013 es gibt gerade in ihr Unmengen von Teufeleien und Versagen. Berge von Mist, die abzutragen sind. Es stinkt zum Himmel: das viele \u00dcbel weit und breit. Dabei handelt es sich immer um Variationen der einen S\u00fcnde, dass wir Gott und alle seine Kinder nicht <em>lieben<\/em>. F\u00e4llt es euch auch auf, wie das Wort \u201ehassen\u201c Mode geworden ist?<\/p>\n<p>Und S\u00fcnde gab es auch schon vor Christi Geburt. Siehe Micha! Hunderte von Jahren vor Christi Geburt. Dieser Prophet hat eben solche Lieblosigkeit vor Augen, im eigenen Volk, in Israel: in Gestalt von \u00dcbert\u00f6lpelung und Vergewaltigung der Wehrlosen.<\/p>\n<p>Abfall, M\u00fcll! Wohin damit? Wer sorgt f\u00fcr Entsorgung? Der Name Micha bedeutet: Wer ist wie Gott! Er hei\u00dft nicht nur so. Den kennt er bei Namen. Der ist im Stande, das zu beseitigen, was wir an S\u00fcnden anh\u00e4ufen. Das muss er nicht tun. Aber er tut es und tut es derart gr\u00fcndlich, dass es keine Nachbesserungen braucht. M\u00fcllschlucker sind heute mancherorts verboten. Aber hier ist einer, bei dem es erlaubt ist: Er beseitigt das B\u00f6se in unserem Leben, in einer Weise, dass es nicht mehr gegen uns verwendet werden kann. Micha sagt es so: Er tritt \u201eunsere Schuld unter die F\u00fc\u00dfe\u201c. Bitte, ein Fu\u00dfabtreter: Weg damit!\u00a0 \u2013 und sagt: \u201eDir sind deine S\u00fcnden vergeben.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wohin mit dem Unrat? Micha sagt: Gott wirft ihn \u201ein die Tiefe des Meeres\u201c. Also gelt, was <em>wir<\/em> ins Meer werfen, Plastik, Atomm\u00fcll, das ist ganz und gar nicht verschwunden. Jedoch was unser Gott auf die Seite schafft, das bringt er zum Verschwinden. Er macht es unsch\u00e4dlich. Und das macht er so, dass er es auf <em>sich<\/em> nimmt, selber f\u00fcr die Unkosten in voller H\u00f6he aufzukommen. Im Buch Jesaja (53,5) wird das so gesagt: \u201eDie Strafe liegt auf <em>ihm<\/em> (dem Stellvertreter Gottes), damit <em>wir<\/em> Frieden haben. Und durch <em>seine<\/em> Wunden sind <em>wir<\/em> geheilt.\u201c\u00a0 Und so beten wir: \u201eChriste, du Lamm Gottes, der du tr\u00e4gst die S\u00fcnde der Welt, erbarme dich unser. Gib uns deinen Frieden.\u201c Das ist rundum die frohe Botschaft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die trifft indes auf Menschen, die von sich sagen: Wir m\u00f6chten von Vergebung nichts h\u00f6ren. Ich k\u00f6nnte mir ins Bein bei\u00dfen, was ich vermasselt habe. Oder: Ich kann es niemals vergessen, was mir, was uns angetan wurde. Ich komme niemals dr\u00fcber hinweg.\u00a0 Es gibt solche \u2013 und manchmal sind wir solche, \u2013 die k\u00f6nnen nicht vergeben. Aber nun h\u00f6re gut zu: du musst auch gar nicht dr\u00fcber hinwegkommen. Gott kommt vielmehr hin zu dir. Er h\u00e4lt zart deine Hand und holt dich aus deiner Wund-Starre mit der Salbe seiner heilenden Liebe. Er versteht sich aufs Gesundlieben. In der Hand seiner Liebe gelingt dir, was du nicht kannst: ein Neubeginn.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Kunde von der Vergebung trifft auch auf Menschen, die viel bedenklicher dran sind. Sie sind Meister im Vertuschen, im green-washing. Schwamm dr\u00fcber! Sie sind S\u00fcnder, die abstreiten, S\u00fcnder zu sein. Sie erkl\u00e4ren: \u201eIch habe mir nichts vorzuwerfen; ich habe nur meine Pflicht getan.\u201c Als der Nazif\u00fchrer Hermann G\u00f6ring, h\u00f6chst verantwortlich f\u00fcr das deutsche Morden im 2. Weltkrieg, 1946 in N\u00fcrnberg vor Gericht stand, da erkl\u00e4rte sogar er sich als \u201enicht schuldig&#8220;. Bald darauf belustigte der K\u00f6lner Jupp Schmitz das Volk mit seinem Song: \u201eWir kommen alle, \/ alle, alle in den Himmel, \/ weil wir so brav sind.\u201c Dies nach all, all dem Massaker, angerichtet von Leuten wie wir. Es gibt ein Gerede vom \u201elieben Gott\u201c, das erfolgt, kurz bevor man gar nicht mehr von ihm redet. Denken wir nach \u00fcber den Spruch von Ernst Moritz Arndt: \u201eWer nie im Zorn ergl\u00fchte, kennt auch die Liebe nicht\u201c!<\/p>\n<p>Und das sagt Gott allemal <em>zuerst<\/em> dem \u201eRest seines Erbteils\u201c. Das sind die, die zu ihm geh\u00f6ren. Geh\u00f6ren sie etwa doch nicht zu ihm? Steht das auf des Meers Schneide? Das ist die ernste Frage, die der Zorn Gottes aufwirft, zuerst \u00fcber seinem Volk, \u00fcber seiner Gemeinde. Er hat das Recht zu urteilen. Er hat das Heft in der Hand bei allem. Und das wird sich eines Tages zeigen. In einem alten Text aus der Reformationszeit steht zu lesen: \u201eIn aller Tr\u00fcbsal und Verfolgung darf ich mit erhobenem Haupt aus dem Himmel eben <em>den<\/em> Richter erwarten, der sich zuvor f\u00fcr mich dem Gericht Gottes gestellt und alle Verurteilung von mir genommen hat.\u201c Und das betrifft nicht nur mich. Wen betrifft es eigentlich nicht? Und was wir zu erwarten haben, das hat er uns schon aufgetischt. Daran k\u00f6nnen wir uns halten: heute wie gestern und an jedem neuen Tag.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Damit kehren wir an den Anfang unsrer Predigt zur\u00fcck: Wo ist solch ein Gott, wie du bist, \u201eder alle Verurteilung von mir genommen hat.\u201c Greifen wir dazu ein Lied aus dem 16. Jahrhundert auf, das in seiner alten Sprache uns auch heute mitnimmt: \u201e(Gott) hat uns wissen lassen, \/sein herrlich Recht und sein Gericht, \/dazu sein G\u00fct ohn Ma\u00dfen, \/es mangelt an Erbarmung nicht. \/Sein Zorn lasst er wohl fahren, \/straft nicht nach unsrer Schuld. \/Die Gnad tut er nicht sparen, \/den Schwachen ist er hold. \/Sein G\u00fct ist hoch erhaben \/ob dem, der ehret ihn. \/So fern der Ost vom Abend\u00a0 \/ist unsre S\u00fcnd dahin.\u201c Er, Gott, sorgt f\u00fcr Entsorgung.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Verfasst von:<br \/>\nEberhard Busch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entsorgung | Micha 7,18\u201320 | 3. So. n. Trinitatis | 21. 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