{"id":26429,"date":"2026-06-25T07:51:35","date_gmt":"2026-06-25T05:51:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26429"},"modified":"2026-06-25T07:51:48","modified_gmt":"2026-06-25T05:51:48","slug":"roemer-1217-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-1217-21\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 12,17-21"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Sei ein Zeichen des Friedens| 4. Sonntag nach Trinitatis | 28.06.2026 | R\u00f6merbrief 12,17\u201321| Manfred Mielke|<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ich beginne mit der Darstellung einer Begegnung, die uns zum heute vorgeschlagenen Bibeltext f\u00fchren wird. Den Text schrieb Paulus in seinem Brief an die R\u00f6mer, meine Begegnung ereignete sich, als ein Taufpate nach dem Gottesdienst noch einmal zur\u00fcckkehrte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDu musst mein Kreuz segnen!\u201c bittet mich der junge Mann und h\u00e4lt mir das untere Ende seiner Halskette hin. Da ich stutze, erkl\u00e4rt er: \u201eIch muss n\u00e4chste Woche als Soldat in den Kosovo, deswegen bitte segne mein Kreuz!\u201c Und mit Blick auf die junge Frau neben ihm sagt er: \u201eUnd wenn ich heil wiederkomme, musst Du uns trauen!\u201c Verdattert nehme ich einige Tropfen Taufwasser, betupfe sein Kreuz und sage \u00e4hnlich wie beim Taufkind: \u201eSei ein Zeichen des Friedens!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Kosovo-Konflikt ist seit 1999 befriedet &#8211; vorl\u00e4ufig. Die Beiden sah ich nicht wieder, aber ich hoffe nur Gutes f\u00fcr sie und bin dankbar f\u00fcr die Begegnung. Die Bundeswehr hatte damals das Mandat, den Frieden zu sichern. Schon Paulus schreibt zum \u201ePeace keeping\u201c: \u201eIst&#8217;s m\u00f6glich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Lass dich nicht vom B\u00f6sen \u00fcberwinden, sondern \u00fcberwinde das B\u00f6se mit Gutem.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Paulus schreibt diese Aufforderung an die Urkirche in Rom, sozusagen hinein in den Maschinenraum der Macht. Von dort wurde die \u201ePax Romana\u201c den Nachbarv\u00f6lkern aufgezwungen. Aufst\u00e4nde wurden niedergekn\u00fcppelt, Rache und Unterwerfung waren normal. Paulus entwirft aber dagegen kein politisches Manifest, sondern macht eine scharfe Unterscheidung zu Gott hin und mehrere Ermutigungen zur Mitmenschlichkeit. Er b\u00fcndelt das Gewaltmonopol auf Gott und empfiehlt untereinander mutige Symbolhandlungen. Er schreibt: \u201eVergeltet niemandem B\u00f6ses mit B\u00f6sem. Seid auf Gutes bedacht gegen\u00fcber allen Menschen. Wenn es m\u00f6glich ist, soviel an euch liegt, habt mit allen Menschen Frieden. R\u00e4cht euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: \u00bbDie Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.\u00ab Vielmehr, \u00bbwenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln\u00ab\u2002Lass dich nicht vom B\u00f6sen besiegen, sondern besiege das B\u00f6se mit Gutem.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Paulus schreibt vom Sieg des Guten \u00fcber das B\u00f6se, vom Frieden anstelle des Zorns. Damals wie heute sind das die Themen auf h\u00f6chster Ebene wie auch f\u00fcr unser praktisches Tun. Deswegen ber\u00fchrt uns seine konkrete Sprache und sein wohlwollender Tonfall. Paulus zitiert das Alte Testament so, dass wir Jesus heraush\u00f6ren, er benutzt g\u00e4ngige politische Schlagw\u00f6rter und stiftet zum Frieden-Anfangen an. Das hilft uns wie seinen damaligen Briefleser\/innen. Die sind im Moseglauben gepr\u00e4gt und leben nun als Christen in Rom. Sie sind eigebettet als Minderheit in heidnischen Nachbarschaften und in r\u00f6mischen Befehlsstrukturen. Da stellt sich f\u00fcr jedes Alltagsverhalten die Frage nach Brauchtum oder Charakter, nach Mitlaufen oder Spurtreue. Und auch wir kennen den hei\u00dfen Zorn und die kalte Rache, die wir hoffentlich durch unsern Glauben z\u00e4hmen k\u00f6nnen. Dazu schreibt Paulus: \u201eR\u00e4cht euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: \u00bbDie Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.\u00ab<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eJa, gut, sagte sich damals der alttestamentliche Prophet Jona, ich will Ninive ja gar nicht pers\u00f6nlich wegbomben. Denn Du, Jahwe, hast ja im Zorn selbst den Untergang der Zivilisation beschlossen und f\u00fcr deine Rache ein 40 Tage-Ziel festgesetzt.\u201c &#8211; Doch innerhalb dieser Frist geht der K\u00f6nig, sein Kabinett sowie alle Tiere in Bu\u00dfe, woraufhin Jahwe den einprogrammierten Untergang nicht durchzieht. Weil bei ihm das Heil \u00fcber das Unheil gesiegt hat, faucht Jona nun einen \u201ehei\u00dfen Nasenwillen\u201c gegen seinen Jahwe. Doch der antwortet nicht als feuerspeiender Dinosaurier, er l\u00e4sst nur einen Schattenstrauch verdorren. Daraufhin akzeptiert Jona &#8211; schmollend &#8211; Jahwes Abkehr vom Zorn und bekennt: \u201eDu, Gott, kannst das B\u00f6se mit Gnade \u00fcberwinden.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Alten Testament sehen wir bei Jona, wie Gott seinen globalen Zorn in Gnade wandelt, bei Joseph sehen wir es innerhalb der Familie (wie wir in der Schriftlesung h\u00f6rten). Josef schaltet um von Rache auf Frieden gegen\u00fcber seinen Br\u00fcdern, die ihn einst umbringen wollten und sagt: \u201eIhr gedachtet es b\u00f6se mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Um dieses \u201eGut-Machen\u201c mit Beispielen anzureichern, zitiert Paulus aus den Spr\u00fcchen Salomos. \u201eWenn dein Feind hungert, gib ihm zu essen; wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.\u201c\u2002Er k\u00f6nnte auch aus der Bergpredigt Jesu hinzuf\u00fcgen: \u201eLiebt eure Feinde und bittet f\u00fcr die, die euch verfolgen. Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den\u00a0Mantel!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Paulus schreibt diese Aufforderungen aber nicht im Sound der mosaischen Gebote und Verbote. Er schreibt nicht in der Befehlsform, sondern in einer mitmachenden Verlaufsform. Etwas ungeschickt w\u00fcrde sich das so anh\u00f6ren: \u201eDu reichst schon Nahrung an, w\u00e4hrend du den Hunger feststellst. Nicht irgendwann, denn du bist jetzt schon im flow.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die r\u00f6mische B\u00fcrgergesellschaft lebte nach strengen Normen und Tugenden. Diese Sittsamkeit des Einzelnen sollte aus der Sittsamkeit des Staates entspringen. Aber sicherheitshalber gab es auch Kontrollen, wie oft jemand \u00f6ffentlich Weihrauchk\u00f6rner auf den gottgleichen C\u00e4saren abbrennt oder andere Pflichten einh\u00e4lt. Die Tugend der Barmherzigkeit f\u00fcr Feinde war nicht dabei. Aber gerade die steht unter der ungew\u00f6hnlichen Verhei\u00dfung, dass jeder durch sie gl\u00fchende Kohlen auf dem Kopf seines Feindes sammeln kann. Aber was sollte Gott damit anfangen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich habe selten genug einem Gegner oder Feind Gutes gew\u00fcnscht. Gerne h\u00e4tte ich manchem einen Turban aus heiliger Altarkohle aufgesetzt. Aber dann gab es die Kraft, die Finger davon zu lassen, und der Andere erfuhr Gesichtswahrung. Das Bild ist brutal, macht aber die H\u00e4nde und den Weg frei zu einem friedlichen Neubeginn.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn wir anstelle der Feuerkohlen nun reale Drohnen und Artillerie einsetzen, dann stellt sich die Frage nach dem Gewaltverzicht zwischen Staaten, dann brauchen wir eine Kl\u00e4rung zum Pazifismus. B\u00f6ses nicht mit B\u00f6sem zu vergelten ist eine tapfere Selbstbeschr\u00e4nkung, aber wie steht es mit der Abschreckung, die ja mit Zorn das B\u00f6se z\u00fcgeln will?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die aktuelle Friedensdenkschrift der EKD tr\u00e4gt den Titel &#8222;Welt in Unordnung &#8211; Gerechter Friede im Blick\u201c. Gefragt ist zwar, &#8222;was \u00fcber die Verteidigungsf\u00e4higkeit hinausgeht&#8220; aber gegen eine feindliche Gewalt braucht es letztlich eine &#8222;rechtserhaltende Gewalt&#8220;. Pazifismus bleibt dann als individuelle Gewissensentscheidung noch m\u00f6glich, ist aber als politische Theorie nicht mehr christlich zu begr\u00fcnden. Infolgedessen sind auch Atomwaffen politisch notwendig. Soweit die aktuelle Denkschrift der EKD.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In ihr steckt viel Realismus, aber wenig Hoffnung. Frieden schaffen durch passende Waffen steht im Widerspruch zum Prophetenbild, Schwerter zu Pflugscharen umzuschmieden. Und wo bleibt der Christus, der das Gewehr zerbricht? Wenn das Evangelium nicht zur Realit\u00e4t passt, dann m\u00fcssen wir die Realit\u00e4t \u00e4ndern, nicht das Evangelium. Dessen Kernsatz gilt: \u201eLass dich nicht vom B\u00f6sen besiegen, sondern besiege das B\u00f6se mit Gutem.\u201c\u2002Daf\u00fcr brauchen wir mutmachende Neuanf\u00e4nge im Denken, in der Ethik, in der Feindesbarmherzigkeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bei dem P\u00e4rchen sehe ich die Gewichtung erheblich anders. Die haben vielleicht zu wenig Realismus, aber sie haben eine Weitsicht und einen Langmut. \u201eDu musst mein Kreuz segnen, ich will den Auslandseinsatz \u00fcberleben, und dann wollen wir heiraten.\u201c Der Soldat wird das Schmuckkreuz als Segenstr\u00e4ger bewusst vor der Brust tragen und seine Verlobte wird die Durststrecke angehen mit dem Ziel einer friedlichen Liebeszukunft. Die beiden gehen los im Segen und wollen ankommen im Segen. Im Nachhinein h\u00e4tte ich die beiden gerne so verabschiedet: \u201eEure Konflikte seien ohne Zorn, eure Familie sei ohne Gewalt, eure Liebe sei ohne Falsch.\u201c Amen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liedvorschl\u00e4ge:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Christen sind das Salz der Erde (Spangenberg; Melodie EG 325)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Friede, den Gott gibt, r\u00fchrt<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die ganze Welt hast du (EG 360; ggf 2.Melodie)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unfriede herrscht auf der Erde<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Spielt nicht mehr die Rolle<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Brich mit den Hungrigen dein Brot<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gebet:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir glauben, <a href=\"https:\/\/zitatsuchmaschine.informatik.hu-berlin.de\/quote\/6035489\">dass Gott aus allem, auch aus dem B\u00f6sesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Daf\u00fcr braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.<\/a> Wir stehen bereit und beten:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">O Herr, mache uns zu einem Werkzeug deines Friedens.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lass uns Unterschiedsmenschen sein,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"https:\/\/zitatsuchmaschine.informatik.hu-berlin.de\/quote\/6035489\"><em>die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.<\/em><\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">O Herr, dass wir Freude entfachen, wo der Kummer wohnt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Begabe uns zu Ausgleichsmenschen,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"https:\/\/zitatsuchmaschine.informatik.hu-berlin.de\/quote\/6035489\"><em>die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.<\/em><\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">O Herr, dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht.<br \/>\nLass uns Verhei\u00dfungsmenschen sein,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"https:\/\/zitatsuchmaschine.informatik.hu-berlin.de\/quote\/6035489\"><em>die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.<\/em><\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">O Herr, dass wir ein Licht anz\u00fcnden, wo die Finsternis regiert.<br \/>\nErleuchte uns, auf dass wir Segenstr\u00e4ger sind,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"https:\/\/zitatsuchmaschine.informatik.hu-berlin.de\/quote\/6035489\"><em>die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.<\/em><\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">O Herr, dass wir die Hoffnung wecken, wo Verzweiflung qu\u00e4lt.<br \/>\nLass uns deine Peacekeeper sein,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"https:\/\/zitatsuchmaschine.informatik.hu-berlin.de\/quote\/6035489\"><em>die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.<\/em><\/a><em> Amen<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manfred Mielke, Pfarrer der EKiR im Ruhestand, geb 1953, verheiratet, 2 S\u00f6hne. Sozialisation im Ruhrgebiet und in Freikirchen. Studium in Wuppertal und Bonn (auch Soziologie). Mitarbeit bei Christival und bei Kirchentagen. Partnerschaftsprojekte in Ungarn und Ruanda. Musiker und Arrangeur.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sei ein Zeichen des Friedens| 4. Sonntag nach Trinitatis | 28.06.2026 | R\u00f6merbrief 12,17\u201321| Manfred Mielke| Liebe Gemeinde, ich beginne mit der Darstellung einer Begegnung, die uns zum heute vorgeschlagenen Bibeltext f\u00fchren wird. 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