{"id":26453,"date":"2026-07-01T15:20:24","date_gmt":"2026-07-01T13:20:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26453"},"modified":"2026-07-01T15:21:28","modified_gmt":"2026-07-01T13:21:28","slug":"lukas-51-11-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-51-11-7\/","title":{"rendered":"Lukas 5,1\u201311"},"content":{"rendered":"<h3>5. So. n. Trinitatis | 05.07.2026 | Lk 5,1\u201311 | Suse G\u00fcnther |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. AMEN<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">heute h\u00f6ren wir einen Ihnen sehr bekannten Predigttext, der vom gro\u00dfen Fischzug. Viel ist in unserer Kirche in Bewegung. Vieles, was immer galt, ver\u00e4ndert sich. Aus diesem Grund m\u00f6chte ich Ihnen zumuten, den heutigen altbekannten Predigttext einmal aus der Volxbibel, also in Jugendsprache zu h\u00f6ren.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>Lukas 5,1\u201311<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>Jesus organisiert seine Ausbildungstruppe<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>Irgendwann einmal hielt Jesus eine Predigt vor tierisch vielen Menschen am See Genezareth. Alle wollten Worte von Gott h\u00f6ren. Bevor er loslegte, sah er zwei Boote, die am Ufer festgemacht hatten. Die Fischer waren gerade dabei, sich um die Netze zu k\u00fcmmern und waren deswegen an Land gegangen. Jesus stieg in eines der Boote und fragte den Besitzer, der hie\u00df Simon, ob er ihn im Boot rausfahren k\u00f6nnte, damit alle ihn vom See aus besser h\u00f6ren k\u00f6nnten.<br \/>\nVon dort redete er zu den Menschen.<br \/>\nAnschlie\u00dfend meinte er zu Petrus: \u201eJetzt fahr mal auf den See raus und fisch noch mal ne Runde. Da geht heute noch was!\u201c<br \/>\n\u201eMeister\u201c \u2013 antwortete Simon \u2013 wir haben uns die ganze Nacht schon die Finger wund gefischt und da ging gar nichts. Aber ok, weil Du es sagst, probieren wir es nochmal.\u201c Sie fuhren wieder raus, warfen die Netze aus und fingen so viele Fische, dass ihre Netze fast gerissen w\u00e4ren. Schnell riefen sie die anderen Fischer zu Hilfe, die kamen auch mit ihrem Boot an. Beide waren am Ende so voll mit Fischen, dass sie fast abgesoffen w\u00e4ren. Als Simon Petrus kapierte, was da grad passiert war, kniete er sich vor Jesus hin und sagte: \u201eMeister, bitte verschwinde, ich bin ein Loser und viel zu schmutzig, ich bin es nicht wert, dass du in meiner N\u00e4he bist.\u201c<br \/>\nEr war einfach total gepl\u00e4ttet von dieser riesenfetten Beute, die sie da gerade gemacht hatten, und Johannes und Jakobus, den S\u00f6hnen vom Zebed\u00e4us, ging es genauso. Jesus sagte zum Simon: \u201eKeine Angst. Ab jetzt wirst Du Menschen f\u00fcr mich ins Netz holen.<br \/>\nSie legten dann mit den Booten wieder an Land an und folgten Jesus<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Gott, gib uns ein Herz f\u00fcr Dein Wort und nun ein Wort f\u00fcr unser Herz. AMEN<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Meine Kinder sind erwachsen. Aus dem Haus. Selbstst\u00e4ndig.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Trotzdem denke ich als Mutter manchmal daran, wie es war, als sie kleiner waren. Als sie Laufen lernten, das Radfahren, an den ersten Schultag und vieles mehr. Wie viel Ausdauer und Zeit brauchte es beispielsweise, um zu schwimmen. Versuche immer und immer wieder. Und Angst von Seiten der Mutter, es k\u00f6nnte doch einmal was passieren in einem unbeobachteten Augenblick. Nie haben die Kinder aufgegeben. Der Wunsch, schwimmen zu k\u00f6nnen, war gro\u00df. Aber auch das Zutrauen der Eltern, dass sie es schaffen w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eFahr nochmal auf den See raus und fisch nochmal ne Runde\u201c, sagt Jesus zu Simon, \u201eda geht noch was\u201c. Jesus traut es Simon einfach von vorneherein zu: \u201eDa geht noch was, Du schaffst das\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ehrliches Vertrauen, das andere in uns setzen, ist eine starke Antriebskraft. Es verleiht uns Fl\u00fcgel. Gott traut uns etwas zu. Er l\u00e4sst uns \u00fcber uns selbst hinauswachsen. Und dann geht da tats\u00e4chlich noch mehr.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Petrus hei\u00dft in unserem Predigttext noch Simon (Gott hat geh\u00f6rt). Erst sp\u00e4ter nennt Jesus ihn Petrus, den Fels, auch darin wird deutlich, dass Jesus diesem Fischer viel zutraut: Ein Fels, auf den man bauen kann. Denn \u00fcber uns selbst hinauswachsen k\u00f6nnen wir nicht nur in Jugendjahren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Geschichte des Petrus mit Jesus ist eine Geschichte des Erwachsenwerdens, der Weiterentwicklung. Unser aller Geschichte mit Jesus ist eine Geschichte des Erwachsenwerdens, der Weiterentwicklung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sich weiterentwickeln ist schwer. Oft wehren wir uns dagegen, h\u00e4tten es lieber ruhig und \u00fcberschaubar, alles soll so bleiben, wie es ist, f\u00fcr uns soll gesorgt werden. Gerade machen wir in der gesamten Kirchengemeinde Mimbach diese Ver\u00e4nderung durch. Es ist weniger Geld da, es m\u00fcssen Geb\u00e4ude eingespart werden. Etwas, das immer so g\u00fcltig war und das uns hier ausgemacht hat, das Ensemble Kirche, Pfarrhaus, Pfarramt, Kindergarten, Gemeindesaal, soll sich ver\u00e4ndern, hat sich bereits ver\u00e4ndert. Um die Kirche haben wir gek\u00e4mpft. Und d\u00fcrfen sie \u2013 vorerst \u2013 behalten. Das Pfarrhaus haben wir vermietet. Das Pfarramt wurde geschlossen. Der Gemeindesaal wurde an den Kindergarten verliehen. Der Kindergarten wird geschlossen werden. Die Stadt wird uns keine Zusch\u00fcsse mehr geben, sondern auf eigene Rechnung neu bauen. Was wird dann aus unsrem Geb\u00e4ude und aus unserem Gemeindesaal? So manche Aufgabe haben wir uns nicht selbst ausgesucht, wir sind hineingerufen worden, haben uns ihr gestellt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manchmal sind es gerade die Herausforderungen im Leben, die uns weiterbringen. Aber wir k\u00f6nnen am Anfang eines Weges noch nicht wissen, wohin dieser Weg f\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eines allerdings wissen wir. Und das ist wichtig: dass wir diesen Herausforderungen nicht hilflos ausgeliefert sind. Gott traut es uns zu, er sitzt selbst mit im Boot.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eMeister, weil Du es sagst, probieren wir es\u201c \u2013 Die Aufforderung Jesu gen\u00fcgt Petrus. Sein Leben nimmt eine ganz neue Wendung. Er wirft die Netze noch einmal aus, macht diesen spektakul\u00e4ren Fang mitten am Tag und wird von Jesus beauftragt, ihm nachzufolgen: \u201eVon nun an wirst Du Menschen f\u00fcr mich ins Netz holen\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ob wir das hier in Mimbach noch einmal schaffen: Menschen zu \u00fcberzeugen, mit ins Boot zu nehmen? Haben wir dieses Vertrauen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Petrus nimmt den Auftrag an, wird einer der treuesten und menschlichsten Anh\u00e4nger Jesu, seine Geschichte ist von nun an untrennbar mit der Geschichte Jesu verbunden. Viele H\u00f6hen und Tiefen erf\u00e4hrt Petrus auf seinem Weg, der eben ein menschlicher Weg ist, wie wir ihn alle von uns selbst kennen. Petrus ist kein Kind mehr, als er Jesus begegnet. Er hat sein eigenes Leben, seine Familie, seinen Beruf. Petrus, der sich einerseits keine Pause g\u00f6nnt und oft auch kompromisslos ist, wenn er f\u00fcr Jesus eintritt. Man denke nur an die Nacht von Jesu Gefangennahme, als er dem r\u00f6mischen Soldaten ein Ohr abschl\u00e4gt. Den aber kurze Zeit sp\u00e4ter wieder der Mut verl\u00e4sst. Im Hof des Hohenpriester gibt er vor, Jesus nicht zu kennen und auch auf dem Weg nach Emmaus erkennt er seinen Freund und Meister nicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Viele R\u00fcckschl\u00e4ge gibt es auf diesem Weg des Petrus mit Jesus, niemals aber ist der Weg zu Ende. Immer wieder wagt Petrus einen neuen Anfang, fasst neuen Mut, steht zu seinen Fehlern: \u201eMeister, weil Du es sagst\u201c K\u00f6nnen wir das f\u00fcr uns nachsprechen: \u201eMeister, weil Du es sagst, wollen wir es versuchen. Die Netze noch einmal auswerfen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vielleicht ist es Petrus deshalb letztlich gelungen, den ganz gro\u00dfen Auftrag, den Jesus f\u00fcr ihn hatte, anzunehmen: Menschen f\u00fcr Gott zu gewinnen. Weil er einerseits menschlich geblieben ist. Weil er andererseits wusste, wer sein Meister ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich bin 63 Jahre alt. Ich will nicht aufgeben. Sondern es versuchen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eMeister, weil Du es sagst, will ich die Netze noch einmal auswerfen. Gott ruft uns alle, er traut uns zu, dass wir seinem Auftrag folgen k\u00f6nnen. Wir machen uns unser Leben nicht selbst. Daran werden wir immer wieder einmal schmerzlich erinnert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Schmerzlich, aber auch tr\u00f6stlich: Gott ruft uns ins Leben, das ist kein Befehl, sondern eine Verhei\u00dfung: Ich traue Dir etwas zu, Du schaffst das, ich helfe Dir: Da geht noch was.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unsere Entwicklung ist nie abgeschlossen. In jeder Lebensphase gibt es Auftr\u00e4ge, R\u00fcckschl\u00e4ge, neue Perspektiven: Es geht immer noch was, wenn wir uns mit Gott auf den Weg machen. Auch diese Erfahrung hat Petrus gemacht, davon berichtet das Johannesevangelium. Denn nach Jesu Tod ist Petrus wieder mit seinen Freunden am See und tut, was er halt gelernt hat, um mit der Trauer \u00fcber Jesu Tod fertig zu werden. Ich lese Ihnen auch diese Stelle in der Sprache der Jugendbibel vor:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>Petrus sagt zu seinen Freunden: \u201eAlso ich geh jetzt nochmal ne Runde fischen\u201c. \u201eWir sind dabei\u201c, antworten die Freunde.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>Alle steigen ins Boot, k\u00f6nnen aber in der ganzen Nacht keinen einzigen Fisch an Deck ziehen. Als es gerade hell wird, steht Jesus am Ufer, aber die Freunde kapieren nicht, dass es Jesus ist. Jesus ruft ihnen zu: \u201ehabt Ihr vielleicht einen Fisch f\u00fcr mich?\u201c \u201eLeider nicht, wir haben keinen einzigen gefangen\u201c, ist die Antwort. \u201eProbiert es noch mal, aber diesmal auf der andern Seite vom Boot.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>Da merkt Johannes, wen sie vor sich haben: \u201eHey, das ist doch Jesus\u201c. Als das Petrus h\u00f6rt, zieht er sich schnell was \u00fcber, denn beim Fischen tr\u00e4gt er nur seine Unterhose, und schwimmt zu Jesus. Die anderen schippern hinter Petrus her und ziehen das Netz, das jetzt schon prall gef\u00fcllt ist.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>Jesus hat inzwischen am Strand den Grill aufgebaut und ruft: Kommt endlich! Er teilt Brot und Fische, jetzt wissen alle, dass es Jesus ist.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Soweit die Volxbibel, die Bibel f\u00fcr junge Leute, die Bibel in Umgangssprache. Jesus mitten im Leben. Nicht nur sonntags in der Kirche. Vielleicht merken auch wir manchmal gar nicht, dass uns Gott selbst in den Weg getreten ist. Wir rechnen gar nicht mit ihm so im Alltag. Aber er rechnet mit uns. Komm, da geht noch mehr. Ich traue es Dir zu, versuch es, f\u00fcrchte Dich nicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und vielleicht geht es uns dann wie Petrus: Wir wagen es. Wir st\u00fcrzen uns ins Leben. Wir werfen die Netze noch einmal aus. Versuchen es noch einmal auf einer anderen Seite. Auf eine neue Art und Weise. Mit einer neuen Idee. Mitten in Mimbach. Und es wird gut. AMEN<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Verfasst von:<\/strong><br \/>\nSuse G\u00fcnther<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>5. So. n. Trinitatis | 05.07.2026 | Lk 5,1\u201311 | Suse G\u00fcnther | Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. 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